Wem gehört die Andechser Molkerei? Eigentümer und Struktur

Wem gehört Andechser Molkerei

Die Andechser Molkerei Scheitz GmbH aus Andechs in Oberbayern gehört vollständig der Gründerfamilie Scheitz. Seit Oktober 2015 liegen alle Stimmrechte wieder bei der Familie, nachdem der französische Konzern Savencia (früher Bongrain) seinen Minderheitsanteil von rund 24,8 Prozent abgegeben hatte. Geführt wird die reine Bio-Molkerei in vierter Generation von Barbara Scheitz. Mit einem Umsatz von 215 Millionen Euro im Jahr 2023 und einem Ziel von 230 Millionen Euro für 2024 zählt das Unternehmen zu den größten Bio-Molkereien Deutschlands.

Key Takeaways

  • Die Andechser Molkerei Scheitz ist seit dem 1. Oktober 2015 wieder zu 100 Prozent im Besitz der Familie Scheitz. Zuvor hielt Bongrain (heute Savencia) seit 1999 einen Minderheitsanteil.
  • Der Rückkauf war Folge eines Entflechtungsverfahrens des Bundeskartellamts wegen der Savencia-Übernahme des Bio-Wettbewerbers Söbbeke.
  • Geschäftsführerin ist seit 2003 Barbara Scheitz, Urenkelin der Gründer.
  • Die Wurzeln reichen bis 1908 zurück (Käserei in Erling bei Andechs). 1976 entstand die Molkerei, 1980 wurde erstmals Bio-Milch verarbeitet.
  • 2023 erzielte die Molkerei 215 Millionen Euro Umsatz, für 2024 waren 230 Millionen Euro geplant (Lebensmittelpraxis, November 2024).
  • Jährlich werden rund 155 Millionen Kilogramm Bio-Kuhmilch und 9,5 Millionen Kilogramm Bio-Ziegenmilch von rund 660 Höfen verarbeitet (Unternehmensangaben 2025).
  • Die Milch stammt ausschließlich von Betrieben der Verbände Bioland, Naturland, Biokreis und Demeter.
  • 2026 erhielt das Unternehmen die Titel „Preis-Leistungs-Sieger“ (Handelsblatt) und „Kundenzufriedenheits-Sieger“ (Süddeutsche Zeitung) in der Kategorie Lebensmittel.
UnternehmenAndechser Molkerei Scheitz GmbH (Marke: Andechser Natur)
Gegründet1908 als Käserei in Erling bei Andechs; 1976 Ausbau zur Molkerei
SitzBiomilchstraße 1, 82346 Andechs, Bayern
EigentümerFamilie Scheitz (100 Prozent der Stimmrechte seit Oktober 2015)
RechtsformGmbH (Amtsgericht München, HRB 125398)
FührungBarbara Scheitz, Geschäftsführerin seit 2003
Umsatz215 Millionen Euro (2023); Plan 230 Millionen Euro (2024)
Mitarbeiterrund 200 bis 220 (Unternehmensangaben, Stand 2024/2025)
Vermögensbasis der EigentümerFamilienbetrieb in vierter Generation; Vermögen liegt im Wesentlichen im Unternehmen selbst; keine offiziellen Zahlen

Geschichte und Herkunft

Die Geschichte beginnt 1908 in Erling, einem Ortsteil von Andechs am Ammersee, wo die Urgroßeltern der heutigen Geschäftsführerin eine kleine Käserei gründeten. 1976 baute Georg M. Scheitz den Betrieb zur Molkerei aus. Bereits 1980 verarbeitete das Unternehmen erstmals Milch aus ökologischer Erzeugung und zählt damit zu den Pionieren der Bio-Milchwirtschaft in Deutschland. 1987 folgte der Neubau des Molkereigebäudes. Ende der 2000er-Jahre wurde die Produktion vollständig auf Bio umgestellt; seither läuft alles unter der Marke „Andechser Natur“.

Barbara Scheitz, Jahrgang 1965, lernte im elterlichen Betrieb, sammelte Erfahrung in anderen Molkereien und studierte Betriebswirtschaft. 2003 übernahm sie Geschäftsanteile und Geschäftsführung von ihrem Vater, der seither als Ratgeber verbunden blieb (Quelle: LfA-Magazin 2018).

Eigentümerstruktur im Detail

Von 1999 bis 2015 gab es einen externen Gesellschafter: Der französische Käsekonzern Bongrain stieg als Minderheitsgesellschafter ein und hielt zunächst rund ein Drittel der Anteile, ab 2007 noch 24,8 Prozent. Bongrain firmierte 2015 in Savencia um.

Zum Bruch kam es durch das Bundeskartellamt. Savencia hatte zwischen 2011 und 2013 die Bio-Molkerei Söbbeke aus dem Münsterland übernommen. Die Behörde stellte fest, dass die Freigabe dieser Übernahme auf unrichtigen Angaben beruhte, und leitete ein Entflechtungsverfahren ein. Sie bewertete Bio- und konventionelle Milchprodukte als getrennte Märkte; bei Bio-Fruchtjoghurt und Bio-Quark kamen Andechser und Söbbeke zusammen auf Marktanteile von deutlich über 50 Prozent (Quelle: top agrar, Oktober 2015).

Die Lösung war der Rückkauf: Zum 1. Oktober 2015 erwarben Molkerei und Familie Scheitz den Savencia-Anteil von 24,83 Prozent zurück, begleitet von der Kanzlei Milbank. Seither liegen alle Stimmrechte in Familienbesitz. Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht. Laut Handelsregisterdaten (Northdata) wird die GmbH über Beteiligungsgesellschaften gehalten, darunter die Andechser BIO-Milch Beteiligungsgesellschaft mbH und die Milchfrischprodukte SBA GmbH. Die Molkerei ist zudem an der BIO Alpenkäse GmbH beteiligt.

Geschäftsmodell und Kennzahlen

Das Geschäftsmodell ist auf Bio-Milch aus der Region ausgerichtet. Rund 660 verbandszertifizierte Höfe im Umkreis von etwa 160 Kilometern liefern die Rohmilch, davon rund 560 Kuhmilch- und rund 100 Ziegenmilchbetriebe, alle bei Bioland, Naturland, Biokreis oder Demeter. Nach Unternehmensangaben 2025 werden jährlich etwa 155 Millionen Kilogramm Kuhmilch und 9,5 Millionen Kilogramm Ziegenmilch verarbeitet; ältere Angaben von 115 Millionen Kilogramm Kuhmilch (Wikipedia) sind überholt.

Das Sortiment umfasst rund 150 Produkte von Trinkmilch über Joghurt und Kefir bis zu Käse. Laut Lebensmittelpraxis ist „Andechser Natur“ Marktführer im deutschen Bio-Milchmarkt und die umsatzstärkste Naturjoghurtmarke in Bayern. Die Bezeichnung „größte Bio-Molkerei Deutschlands“ stammt aus der Milbank-Mitteilung von 2015; das Unternehmen selbst nennt sich größte Bio-Molkerei Europas mit Kuh- und Ziegenmilch.

Der Umsatz wächst kontinuierlich: 2017 lag er bei 151 Millionen Euro bei 190 Mitarbeitern (LfA-Magazin 2018), 2023 bei 215 Millionen Euro; für 2024 nannte die Geschäftsführung 230 Millionen Euro als Ziel (Lebensmittelpraxis, November 2024). Die Mitarbeiterzahl liegt nach Unternehmensangaben bei rund 200, Wikipedia nennt etwa 220. Gewinnzahlen veröffentlicht die GmbH nicht. Ein Alleinstellungsmerkmal ist die Weidehaltung: Rund 90 Prozent der Höfe lassen ihre Kühe im Schnitt 170 Tage im Jahr auf die Weide, seit 2014 gibt es dafür eine Weideprämie. Die 2021 gestartete „KlimaBauer“-Initiative erhielt 2025 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis; bereits 2018 war das Unternehmen selbst ausgezeichnet worden.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

An der Eigentümerstruktur hat sich 2025 und 2026 nichts geändert. Zuletzt investierte die Molkerei in die Infrastruktur: Im April 2024 ging eine Prozesswasseraufbereitungsanlage in Betrieb, ein Blockheizkraftwerk spart seit 2022 über 30 Prozent Primärenergie. Die Rohmilchpreise waren laut Lebensmittel Zeitung im Herbst 2024 so hoch wie nie zuvor.

Im Januar 2026 kürte das Handelsblatt das Unternehmen zum „Preis-Leistungs-Sieger 2026″ in der Kategorie Lebensmittel, im April 2026 folgte der Titel „Kundenzufriedenheits-Sieger 2026″ der Süddeutschen Zeitung. Auf der BioFach im Februar 2026 stellte Andechser neue Saisonjoghurts und einen Bio-Quark zum Backen vor. Ende April 2026 ehrte die Molkerei 80 Bauernfamilien, die seit über 30 Jahren Milch liefern.

Vermögensbasis der Eigentümerfamilie

Die Familie Scheitz ist eine mittelständische Unternehmerfamilie, deren Vermögen im Wesentlichen aus der Molkerei besteht. Es existieren keine öffentlichen Bewertungen des Unternehmens, und die Familie taucht in keiner bekannten Reichenliste auf. Offizielle Zahlen zum Privatvermögen gibt es nicht, und uamr.de nennt zu Privatpersonen grundsätzlich keine Beträge. Belegt ist die wirtschaftliche Substanz: eine Eigentümerstruktur ohne externe Gesellschafter seit 2015, ein Umsatz von über 200 Millionen Euro sowie die Beteiligung an der BIO Alpenkäse GmbH.

FAQ

Wem gehört die Andechser Molkerei?
Die Andechser Molkerei Scheitz GmbH gehört vollständig der Familie Scheitz. Seit dem 1. Oktober 2015 liegen alle Stimmrechte bei der Familie.

War die Andechser Molkerei einmal in französischer Hand?
Nur teilweise. Bongrain, heute Savencia, hielt von 1999 bis 2015 einen Minderheitsanteil von zuletzt 24,8 Prozent. Die Mehrheit lag stets bei der Familie Scheitz.

Warum hat Savencia die Anteile verkauft?
Das Bundeskartellamt leitete ein Entflechtungsverfahren ein, weil Savencia bei der Übernahme der Molkerei Söbbeke unrichtige Angaben gemacht hatte. Der Verkauf an die Familie Scheitz löste das Wettbewerbsproblem.

Wer führt die Andechser Molkerei?
Barbara Scheitz ist seit 2003 Geschäftsführerin. Sie vertritt die vierte Generation der Gründerfamilie.

Wie groß ist die Andechser Molkerei?
2023 lag der Umsatz bei 215 Millionen Euro, für 2024 waren 230 Millionen Euro geplant. Rund 200 Mitarbeiter verarbeiten jährlich etwa 155 Millionen Kilogramm Kuhmilch und 9,5 Millionen Kilogramm Ziegenmilch.

Ist Andechser Natur komplett Bio?
Ja. Die Molkerei verarbeitet ausschließlich Bio-Milch von Höfen der Verbände Bioland, Naturland, Biokreis und Demeter.

Fazit

Die Andechser Molkerei Scheitz ist seit 2015 wieder ein reines Familienunternehmen, nachdem der französische Minderheitsgesellschafter Savencia auf Druck des Bundeskartellamts ausgestiegen war. Unter Barbara Scheitz wuchs der Umsatz von 151 Millionen Euro (2017) auf 215 Millionen Euro (2023). Für 2025 und 2026 sind keine Veränderungen der Eigentümerstruktur bekannt; die Molkerei setzt weiter auf Weidemilch, regionale Lieferanten und die vier großen Bio-Verbände.