Aperol gehört seit Dezember 2003 zur börsennotierten Campari Group (Davide Campari-Milano N.V.), die die Marke mit dem Kauf von Barbero 1891 S.p.A. für 150 Millionen Euro übernahm. Kontrolliert wird Campari von der Luxemburger Holding Lagfin S.C.A. der Familie Garavoglia, die zum 31. August 2026 50,3 Prozent der Stammaktien und 81,9 Prozent der Stimmrechte hielt. Bei einem Konzernumsatz von 3,051 Milliarden Euro im Jahr 2025 ist Aperol mit gut einem Viertel des Umsatzes die wichtigste Marke im Portfolio.
Key Takeaways
- Aperol wurde 1919 von den Brüdern Luigi und Silvio Barbieri in Padua entwickelt.
- Seit dem 1. Dezember 2003 gehört Aperol zur Campari Group, die Barbero 1891 S.p.A. für 150 Millionen Euro kaufte.
- Campari wird von Lagfin S.C.A. kontrolliert, der Luxemburger Holding der Familie Garavoglia: 50,3 Prozent des Kapitals, 81,9 Prozent der Stimmen (Stand August 2026).
- Rechtssitz ist seit Juli 2020 Amsterdam; die Aktie notiert an der Euronext Milan.
- 2025 erzielte Campari 3,051 Milliarden Euro Umsatz; Aperol wuchs nur noch um rund 1 Prozent.
- Nach dem Rücktritt von CEO Matteo Fantacchiotti im September 2024 führt seit Januar 2025 Simon Hunt den Konzern; er strich rund 500 Stellen.
- Im Herbst 2025 beschlagnahmte die italienische Finanzpolizei vorübergehend Campari-Aktien der Eigentümerholding Lagfin; im Dezember 2025 folgte eine Einigung mit den Steuerbehörden, die Kontrolle der Familie blieb unverändert.
| Unternehmen | Aperol (Marke der Davide Campari-Milano N.V., Campari Group) |
|---|---|
| Gegründet | 1919 (Aperol, Padua); Campari 1860 (Mailand) |
| Sitz | Rechtssitz Amsterdam (seit 2020), operative Zentrale Sesto San Giovanni bei Mailand |
| Eigentümer | Lagfin S.C.A. (Familie Garavoglia): 50,3 Prozent des Kapitals, 81,9 Prozent der Stimmrechte; Rest Streubesitz und eigene Aktien (Stand 31. August 2026) |
| Rechtsform | N.V. nach niederländischem Recht, börsennotiert an der Euronext Milan |
| Führung | Simon Hunt (CEO seit Januar 2025), Luca Garavoglia (Verwaltungsratsvorsitzender seit 1994) |
| Umsatz | 3,051 Milliarden Euro (Campari Group, 2025) |
| Mitarbeiter | rund 4.800 (2025) |
| Vermögensbasis der Eigentümer | Mehrheitsbeteiligung an Campari über Lagfin; Luca Garavoglia wird von Forbes als Milliardär geführt – uamr.de nennt keine Beträge |
Geschichte und Herkunft
Aperol stammt nicht aus dem Hause Campari, sondern aus Padua. Die Brüder Luigi und Silvio Barbieri stellten den Bitterlikör 1919 vor; die Rezeptur mit Enzian, Rhabarber und Chinarinde und der niedrige Alkoholgehalt von 11 Volumenprozent in Italien blieben im Kern erhalten. Der Name leitet sich von „apéro“ ab, dem französischen Umgangswort für Aperitif. Populär wurde Aperol erst nach dem Zweiten Weltkrieg als Bestandteil des Spritz.
Vor der Übernahme gehörte die Marke zum Hersteller Barbero 1891 S.p.A. im Besitz des irischen Getränkekonzerns Cantrell & Cochrane. Laut Campari-Pressemitteilung vom 1. Dezember 2003 wuchs Aperol von 2001 bis 2003 im Schnitt um 16,5 Prozent jährlich. Campari zahlte einen Unternehmenswert von 150 Millionen Euro und erhielt neben Aperol auch Aperol Soda, Barbieri, Mondoro und Enrico Serafino. Anschließend rollte der Konzern den Aperol Spritz international aus.
Eigentümerstruktur im Detail
Der 1860 in Mailand gegründete Konzern ging im Juli 2001 an die Börse. Seit dem 4. Juli 2020 liegt der Rechtssitz in Amsterdam, die Aktie notiert weiter an der Euronext Milan im FTSE MIB; die operative Zentrale liegt in Sesto San Giovanni bei Mailand.
Kontrollierende Aktionärin ist die Lagfin S.C.A. in Luxemburg, die Holding der Familie Garavoglia. Laut Campari hielt Lagfin zum 31. August 2026 50,3 Prozent des Grundkapitals; durch Sonderstimmrechtsaktien mit bis zu vier Stimmen je Aktie kommt sie auf 81,9 Prozent aller Stimmrechte. Die übrigen Aktionäre halten 47,1 Prozent des Kapitals, aber nur 15,5 Prozent der Stimmen.
An der Spitze der Familie steht Luca Garavoglia, Jahrgang 1969, seit 1994 Verwaltungsratsvorsitzender. Nach dem Tod seiner Mutter Rosa Anna Magno Garavoglia 2016 übernahm er die Führung der Familienholding Alicros, die 2019 auf Lagfin verschmolzen wurde.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
Campari vertreibt über 50 Marken in mehr als 190 Ländern, darunter Wild Turkey, Grand Marnier, Espolòn und seit 2024 Courvoisier. 2025 lag der Nettoumsatz laut Ergebnismitteilung vom 4. März 2026 bei 3,051 Milliarden Euro (organisch +2,4 Prozent), das bereinigte EBIT bei 637 Millionen Euro, der Konzerngewinn bei 346 Millionen Euro. Der Konzern beschäftigt rund 4.800 Menschen.
Das Segment „House of Aperitifs“ mit Aperol und Campari stand 2025 für 44 Prozent des Konzernumsatzes, die Aperol-Markenfamilie allein laut Investorenpräsentation für 26 Prozent. Wichtigste Märkte sind die USA (27,5 Prozent), Italien (15 Prozent) und Deutschland (8 Prozent).
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Im April 2024 löste Matteo Fantacchiotti den langjährigen CEO Bob Kunze-Concewitz ab, trat aber im September 2024 nach weniger als sechs Monaten aus persönlichen Gründen zurück. Am 15. Januar 2025 übernahm der frühere William-Grant-Chef Simon Hunt. Im Februar 2025 kündigte er einen Umbau mit rund 500 Stellenstreichungen an, etwa 10 Prozent der Belegschaft; das Kostenprogramm soll bis Ende 2027 200 Basispunkte Marge bringen.
Parallel trennt sich Campari von Randmarken: Cinzano ging 2025 für 100 Millionen Euro an Gruppo Caffo, Amaro Averna und Zedda Piras im Mai 2026 an Illva Saronno. US-Zölle belasten 2026 nach Konzernschätzung mit rund 20 Millionen Euro. Für Aperol markierte 2025 das Ende des Booms: rund 1 Prozent Wachstum, in Italien −1 Prozent, in Deutschland −3 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 legte die Marke wieder um 3,3 Prozent zu, gestützt von Aperol Spritz vom Fass und der Dosenvariante „Aperol Spritz To Go“; der Konzern erzielte 1,512 Milliarden Euro Umsatz (organisch +2,7 Prozent).
Auf Eigentümerebene sorgte ein Steuerverfahren für Schlagzeilen. Am 31. Oktober 2025 beschlagnahmte die italienische Finanzpolizei vorübergehend einen Teil der Campari-Aktien der Lagfin. Hintergrund war der Vorwurf, bei der Verschmelzung der Holding Alicros auf Lagfin im Jahr 2019 sei eine sogenannte Exit Tax nicht angemeldet worden. Lagfin wies den Vorwurf zurück. Am 23. Dezember 2025 einigte sich die Holding mit den Steuerbehörden auf eine Zahlung in Raten über vier Jahre; die Aktien wurden freigegeben. Die Höhe der Einigung nennt uamr.de nicht, da sie die Eigentümerfamilie und nicht den Konzern betrifft.
Vermögensbasis der Eigentümerfamilie
Die wirtschaftliche Grundlage der Familie Garavoglia ist die Mehrheitsbeteiligung an Campari über Lagfin – gut die Hälfte des Kapitals eines an der Euronext Milan notierten Konzerns, dessen Börsenwert mit dem Aktienkurs schwankt. Hinzu kommen die jährlichen Dividenden, die Campari an seine Aktionäre ausschüttet. Luca Garavoglia wird von Forbes in der Milliardärsliste geführt. Offizielle Zahlen zum Privatvermögen der Familie existieren nicht; uamr.de nennt daher keine Beträge zu Privatpersonen.
FAQ
Wem gehört Aperol?
Aperol gehört seit Dezember 2003 der Campari Group (Davide Campari-Milano N.V.). Campari wird von der Luxemburger Holding Lagfin S.C.A. der Familie Garavoglia kontrolliert.
Was hat Campari für Aperol bezahlt?
Campari übernahm im Dezember 2003 die Barbero 1891 S.p.A. mit Aperol und weiteren Marken für einen Unternehmenswert von 150 Millionen Euro.
Wie viel Anteil hält die Familie Garavoglia an Campari?
Lagfin hielt zum 31. August 2026 50,3 Prozent der Stammaktien und dank Mehrstimmrechtsaktien 81,9 Prozent der Stimmrechte.
Wo ist Campari ansässig?
Der rechtliche Sitz liegt seit Juli 2020 in Amsterdam, die operative Zentrale bei Mailand; die Aktie ist an der Euronext Milan notiert.
Wie wichtig ist Aperol für Campari?
Die Aperol-Markenfamilie stand 2025 für rund 26 Prozent des Konzernumsatzes von 3,051 Milliarden Euro, das Aperitif-Segment insgesamt für 44 Prozent.
Wer führt Campari heute?
CEO ist seit dem 15. Januar 2025 Simon Hunt, zuvor Chef von William Grant & Sons. Verwaltungsratsvorsitzender ist seit 1994 Luca Garavoglia.
Fazit
Die Kurzformel „Aperol gehört Campari“ stimmt, greift aber zu kurz: Hinter der Marke steht ein börsennotierter Konzern mit niederländischer Rechtsform, dessen Stimmrechte zu mehr als 80 Prozent bei der Familie Garavoglia liegen. 2025 zeigte, dass der Aperol-Boom in den Kernmärkten an Grenzen stößt; mit Kostenprogramm, Portfoliobereinigung und US-Vorstoß will Simon Hunt die Marke in eine zweite Wachstumsphase führen. An der Kontrolle der Familie hat sich nichts geändert.
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