Wem gehört Ankerkraut? Eigentümer und Struktur nach dem Nestlé-Rückkauf

Wem gehört Ankerkraut

Ankerkraut gehört seit April 2026 wieder seinen Gründern: Anne und Stefan Lemcke haben die Anteile, die Nestlé 2022 übernommen hatte, vom Schweizer Lebensmittelkonzern zurückgekauft. Damit endet nach vier Jahren die Konzernphase des 2013 in Hamburg gegründeten Gewürzherstellers, der durch „Die Höhle der Löwen“ und den Investor Frank Thelen bekannt wurde. Neben dem Gründerpaar sollen die Geschäftsführer Timo Haas und Alexander Schwoch Anteile halten. Das Unternehmen beschäftigt laut Medienberichten vom April 2026 rund 160 Mitarbeitende und erzielte zuletzt einen Umsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Key Takeaways

  • Ankerkraut wurde 2013 von Anne und Stefan Lemcke in Hamburg gegründet; die ersten Produkte wurden in der eigenen Garage abgefüllt.
  • 2016 stieg Frank Thelen nach „Die Höhle der Löwen“ mit 20 Prozent ein; 2020 kam der Finanzinvestor EMZ Partners als Minderheitsgesellschafter hinzu.
  • Im April 2022 übernahm Nestlé rund 85 Prozent; Thelen, EMZ Partners und Knälmann Ventures stiegen aus, die Gründer behielten eine Minderheit.
  • Der Verkauf löste einen Shitstorm aus: Mehr als die Hälfte der rund 500 Influencer-Partner beendete die Zusammenarbeit, 2022 sank der Umsatz erstmals.
  • Am 15. April 2026 gaben die Lemckes den Rückkauf ihrer Anteile bekannt. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart.
  • Die Belegschaft schrumpfte in der Nestlé-Zeit von über 230 auf rund 160 Beschäftigte (April 2026).
  • Der Sitz liegt heute in Hamburg-Heimfeld; ältere Registerangaben verorten die GmbH in Jesteburg im Landkreis Harburg.
  • Im März 2026 rief Ankerkraut vier Gewürzmischungen wegen möglicher Metallstücke zurück.
UnternehmenAnkerkraut GmbH
Gegründet2013 in Hamburg
SitzHamburg-Heimfeld (Tempowerkring); früher Jesteburg, Landkreis Harburg
EigentümerAnne und Stefan Lemcke (seit April 2026); Beteiligung der Geschäftsführer Haas und Schwoch angekündigt; 2022–2026 rund 85 Prozent bei Nestlé
RechtsformGesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
FührungTimo Haas, Alexander Schwoch, Anne Lemcke (Geschäftsführung laut Handelsregister)
UmsatzMittlerer zweistelliger Millionenbereich; Medienberichte nannten 2022 rund 40 bis 50 Millionen Euro (Handelsblatt, Der Aktionär)
Mitarbeiterrund 160 (April 2026); über 230 vor dem Nestlé-Einstieg 2022
Vermögensbasis der EigentümerUnternehmerpaar mit Mehrheitsbeteiligung an Ankerkraut und Start-up-Investments; keine offiziellen Zahlen, uamr.de nennt keine Beträge

Geschichte und Herkunft

Die Idee entstand nach Darstellung der Gründer bei einem Kochabend, als Anne Lemcke die unübersichtliche Gewürzsammlung ihres grillbegeisterten Mannes Stefan ordnen wollte. 2013 gründeten die beiden in Hamburg das Unternehmen und füllten Gewürzmischungen in Glasflaschen mit Korken ab, die zunächst über den eigenen Onlineshop verkauft wurden; die ersten Adventskalender wurden in der Garage von Hand bestückt.

Den Durchbruch brachte 2016 der Auftritt in der dritten Staffel von „Die Höhle der Löwen“ auf VOX. Frank Thelen sicherte sich über seine Beteiligungsgesellschaft Freigeist Capital 20 Prozent der Anteile, die Sendung machte die Marke bundesweit bekannt. 2018 folgte der erste eigene Store in Hamburg sowie der Einstieg in den Lebensmitteleinzelhandel. 2020 beteiligte sich der Finanzinvestor EMZ Partners als Minderheitsgesellschafter, die Gründerfamilie blieb Mehrheitseigentümerin; Thelen und der Investor Matthias Knälmann blieben an Bord.

Eigentümerstruktur im Detail

Vor der Nestlé-Übernahme hielten Anne und Stefan Lemcke laut Handelsblatt 51 Prozent, Frank Thelen 20 Prozent, den Rest EMZ Partners, Knälmann Ventures und das Management. Am 13. April 2022 gab Nestlé Deutschland bekannt, die Mehrheit zu übernehmen. Der Konzern erwarb die Anteile von EMZ Partners, Freigeist Capital und Knälmann Ventures sowie Teile der Gründer- und Managementanteile und kam auf rund 85 Prozent. Die Lemckes behielten eine Minderheit, zogen sich aus dem operativen Geschäft zurück und wirkten als Markenbotschafter und Aufsichtsratsmitglieder. Der Kaufpreis wurde nie veröffentlicht.

Am 15. April 2026 folgte die Kehrtwende: Die Gründer kauften ihre Anteile von Nestlé zurück. Alexander von Maillot, Vorstandsvorsitzender von Nestlé Deutschland, erklärte, man unterstütze den Wunsch der Gründer nach größerer unternehmerischer Eigenständigkeit; der Schritt passe zur Fokussierung des Konzerns auf Kernmarken. Über die finanziellen Details wurde erneut Stillschweigen vereinbart. Laut dem Wirtschaftsmagazin Business & People sollen neben den Lemckes auch die Geschäftsführer Timo Haas und Alexander Schwoch Anteile halten.

Geschäftsmodell und Kennzahlen

Ankerkraut positioniert sich als Premiummarke für Gewürzmischungen, Einzelgewürze, Tees und Grillzubehör mit über 500 Artikeln. Vertrieben wird über den eigenen Onlineshop, Amazon, den Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie eigene Stores in Hamburg und Bochum. 2022 entfiel laut Handelsblatt jeweils rund die Hälfte des Umsatzes auf den stationären Handel und den Onlinehandel.

Der Umsatz lag 2022 im mittleren zweistelligen Millionenbereich; das Handelsblatt nannte rund 40 Millionen Euro, Der Aktionär rund 50 Millionen Euro. Zahlen für 2024 oder 2025 hat das Unternehmen nicht veröffentlicht. 2022 sank der Umsatz erstmals seit der Gründung, wie die Gründer 2023 im Handelsblatt einräumten. Die Belegschaft ging in der Konzernzeit von über 230 auf rund 160 Beschäftigte zurück (Stand April 2026).

Der Shitstorm von 2022 und seine Folgen

Die Übernahme durch Nestlé traf die Community der Marke unvorbereitet. Kritiker verwiesen auf Vorwürfe gegen den Konzern wegen Wasserausbeutung, Regenwaldabholzung und des Russland-Geschäfts. Der YouTuber LeFloid kündigte die Zusammenarbeit auf, es kursierten Boykottaufrufe, und von rund 500 Influencern beendete mehr als die Hälfte die Kooperation. Die Gründer entschuldigten sich für die fehlende Vorabinformation und räumten später ein, den Shitstorm „total unterschätzt“ zu haben.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Das Jahr 2026 brachte mehrere Zäsuren. Am 3. März 2026 rief Ankerkraut vier Gewürzmischungen zurück, darunter „Brathähnchen“, „Gyros“ und den BBQ-Rub „Smoking Zeus“, weil bei der Produktion Metallstücke entdeckt worden waren. Kurz darauf traten Anne und Stefan Lemcke, zehn Jahre nach ihrem eigenen Pitch, als Gastinvestoren in „Die Höhle der Löwen“ auf. Am 15. April 2026 folgte der Rückkauf von Nestlé. Die Standorte und Stores bleiben nach Angaben des Unternehmens erhalten, Änderungen für die Belegschaft wurden nicht angekündigt.

Die Zentrale liegt am Tempowerkring in Hamburg-Heimfeld; eine ältere Registereintragung beim Amtsgericht Tostedt geht auf den früheren Sitz in Jesteburg im Landkreis Harburg zurück. Für Nestlé ist die Trennung Teil eines Portfolioumbaus zugunsten der Kernmarken.

Vermögensbasis der Eigentümer

Anne und Stefan Lemcke veröffentlichen keine Angaben zu ihrem Privatvermögen. Offizielle Zahlen existieren nicht, und uamr.de nennt für Privatpersonen grundsätzlich keine Beträge. Belegbar ist die Struktur ihrer Vermögensbasis: Sie halten seit April 2026 wieder die Mehrheit an der Ankerkraut GmbH, hatten 2022 einen Teil ihrer Anteile an Nestlé verkauft und investieren laut Handelsblatt seither in mehrere Start-ups. Frank Thelen, der frühere Mitgesellschafter, ist seit 2022 nicht mehr an Ankerkraut beteiligt.

FAQ

Wem gehört Ankerkraut heute?
Seit dem 15. April 2026 wieder den Gründern Anne und Stefan Lemcke, die ihre Anteile von Nestlé zurückgekauft haben. Die Geschäftsführer Timo Haas und Alexander Schwoch sollen ebenfalls beteiligt sein.

Gehört Ankerkraut noch zu Nestlé?
Nein. Nestlé hielt von April 2022 bis April 2026 rund 85 Prozent, hat die Anteile aber an die Gründer zurückgegeben.

Ist Frank Thelen noch an Ankerkraut beteiligt?
Nein. Thelen stieg 2016 mit 20 Prozent ein und verkaufte seine Anteile 2022 im Zuge der Nestlé-Übernahme.

Was hat Nestlé für Ankerkraut bezahlt?
Der Kaufpreis von 2022 ist ebenso wenig öffentlich bekannt wie der Rückkaufpreis von 2026. In beiden Fällen wurde Stillschweigen vereinbart.

Wie viel Umsatz macht Ankerkraut?
Belegt ist ein Umsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich; für 2022 nannten Medien rund 40 bis 50 Millionen Euro. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor.

Fazit

Ankerkraut hat in 13 Jahren den Weg von der Garage über einen TV-Deal, einen Finanzinvestor und einen Weltkonzern zurück in Gründerhand zurückgelegt. Die Nestlé-Phase brachte statt Wachstum einen Imageschaden, sinkende Umsätze und Personalabbau. Mit dem Rückkauf im April 2026 setzen Anne und Stefan Lemcke auf die Glaubwürdigkeit der Marke als unabhängige Gewürzmanufaktur. Ob das auch wirtschaftlich trägt, werden die nächsten Geschäftszahlen zeigen, die bislang nicht veröffentlicht sind.