
Der Baur Versand aus dem oberfränkischen Burgkunstadt gehört seit 1997 zur Otto Group – allerdings nicht vollständig. Die Hamburger Handelsgruppe hält 49 Prozent der Anteile und führt das Unternehmen operativ, während die gemeinnützige Friedrich-Baur-Stiftung über ihre Friedrich-Baur-GmbH mit 51 Prozent Mehrheitsgesellschafterin geblieben ist. Die Baur-Gruppe erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2023/24 einen Netto-Außenumsatz von 841 Millionen Euro und beschäftigt nach eigenen Angaben im Geschäftsjahr 2025/26 rund 2.700 Menschen. Nach zwei Jahren mit Umsatzrückgängen von jeweils rund zehn Prozent und der Schließung der Logistik in Weismain steckt der Versandpionier 2026 mitten im Umbau.
Key Takeaways
- Baur wurde 1925 von Friedrich Baur in Burgkunstadt als erster reiner Schuhversender Deutschlands gegründet und feierte 2025 sein 100-jähriges Bestehen.
- Die 1953 gegründete Friedrich-Baur-Stiftung hält 51 Prozent am Baur Versand, die Otto Group seit 1997 49 Prozent samt operativer Führung.
- Die Otto Group ist ein Familienunternehmen; die Michael Otto Stiftung hält die Mehrheit der Anteile, seit März 2026 führt Benjamin Otto den Stiftungs- und Aktionärsrat.
- Der Netto-Außenumsatz der Baur-Gruppe lag 2023/24 bei 841 Millionen Euro; für 2024/25 und 2025/26 meldete das Unternehmen jeweils einen Rückgang von rund zehn Prozent.
- Zur Gruppe gehören neben baur.de die Otto Austria Group, BFS Baur Fulfillment Solutions, empiriecom und das Logistik-Gemeinschaftsunternehmen Baur Hermes Fulfilment mit 90 Prozent Baur-Anteil.
- Die Marke Quelle wurde 2009 von der Otto Group übernommen und wird seit 2013 als quelle.de aus dem Baur-Verbund heraus betrieben.
- Anfang 2025 schloss die Tochter BFS ihr Logistikzentrum in Weismain, 429 Beschäftigte erhielten die Kündigung; im August 2025 folgte der Abbau von rund 70 weiteren Stellen.
- Chief Executive Officer der Baur-Gruppe ist seit 2021 Stephan P. Elsner, Finanzchef seit August 2024 Achim Güllmann.
| Unternehmen | Baur Versand (GmbH & Co KG), Dachgesellschaft der Baur-Gruppe |
|---|---|
| Gegründet | 1925 durch Friedrich Baur |
| Hauptsitz | Burgkunstadt, Oberfranken (Bayern) |
| Eigentümer | Friedrich-Baur-Stiftung über Friedrich-Baur-GmbH 51 %, Otto Group 49 % (operative Führung) |
| Branche | Online- und Versandhandel (Mode, Schuhe, Möbel, Technik), E-Commerce-Dienstleistungen, Fulfillment |
| Führung | Stephan P. Elsner (CEO, seit 2021), Achim Güllmann (CFO, seit August 2024) |
| Mitarbeiter / Umsatz | Rund 2.700 Beschäftigte (Geschäftsjahr 2025/26, Unternehmensangabe); Netto-Außenumsatz 841 Mio. Euro (2023/24), danach jeweils rund 10 % Rückgang in 2024/25 und 2025/26 |
Geschichte und Herkunft
Die Geschichte beginnt 1925, als der gelernte Schuhkaufmann Friedrich Baur in Burgkunstadt den ersten Schuhversandhandel Deutschlands gründete. Sein Konzept setzte auf Sammelbestellungen und war ungewöhnlich kundenfreundlich: Bereits 1935 führte Baur Teilzahlung ohne Aufschlag und ein achttägiges Rückgaberecht ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg startete das Unternehmen 1948 als GmbH neu, 1959 wurde Baur mit dem Katalog „Das gelbe Buch des guten Einkaufs“ zum Universalversender. 1953 gründete Friedrich Baur die Friedrich-Baur-Stiftung, die das Unternehmen sichern und zugleich medizinische, kulturelle und soziale Zwecke fördern sollte. Nach seinem Tod 1965 ging Baur in die Stiftung über.
Der Einstieg des Otto Versands 1997 leitete die zweite große Epoche ein: Otto übernahm 49 Prozent und die operative Führung, die Stiftung behielt 51 Prozent. 1999 ging baur.de online, 2001 formierte sich die Baur-Gruppe als Unternehmensverbund. Es folgten die österreichische Unito (2003, heute Otto Austria Group), der Fulfillment-Spezialist BFS (2004) und der E-Commerce-Dienstleister empiriecom (2015). 2022 überschritt die Gruppe nach eigenen Angaben erstmals die Umsatzmilliarde und gründete mit Hermes Fulfilment das Logistikunternehmen Baur Hermes Fulfilment (BHF).
Eigentümerstruktur im Detail
Anders als oft angenommen ist Baur keine hundertprozentige Otto-Tochter. Die Friedrich-Baur-Stiftung, eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Burgkunstadt, hält über ihre Vermögensverwaltung Friedrich-Baur-GmbH 51 Prozent am Kapital der Baur Versand (GmbH & Co KG). Die Stiftung fördert vor allem die Medizinische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München und die Bayerische Akademie der Schönen Künste, vergibt den Friedrich-Baur-Preis für Künstler aus Nordbayern und finanziert seit 1998 ein Forschungsinstitut für Biomaterialien an der Universität Bayreuth. Die Erträge aus der Beteiligung fließen damit zu einem erheblichen Teil in gemeinnützige Zwecke.
Die übrigen 49 Prozent liegen seit 1997 bei der Otto Group in Hamburg, die die operative Führung ausübt und Baur in ihrem Konzern als Multichannel-Handelsunternehmen führt. Die Otto Group selbst ist ein Familienunternehmen: Die Michael Otto Stiftung hält die Mehrheit der Anteile, und im März 2026 übernahm Benjamin Otto von seinem Vater Michael Otto den Vorsitz des Stiftungsrats und des Aktionärsrats. Vorstandsvorsitzende ist seit März 2025 Petra Scharner-Wolff, ihr Vorgänger Alexander Birken wechselte an die Spitze des Aufsichtsrats. Der Konzern setzte im Geschäftsjahr 2025/26 weltweit 13,8 Milliarden Euro um. Offizielle Angaben zum Privatvermögen der beteiligten Familien gibt es nicht; uamr.de nennt daher keine Beträge.
Führung und Strategie
An der Spitze der Baur-Gruppe steht seit Juni 2021 Stephan P. Elsner als Chief Executive Officer; er folgte auf Patrick Boos. Im August 2024 trat Achim Güllmann als Chief Financial Officer in die Geschäftsführung ein und verantwortet Finanzen und Personal. Strategisch setzt die Gruppe auf eine kundenzentrierte, datengetriebene Ausrichtung: Baur richtet sich vor allem an Kundinnen zwischen 40 und 55 Jahren, rund 80 Prozent des Geschäfts laufen über baur.de. Seit Ende 2023 ist der Chatbot „Kathi“ im Einsatz, hinzu kommt eine KI-gestützte Produktsuche. Seit Sommer 2025 arbeiten Baur und die Otto Austria Group als internationaler Händlerverbund in einer Matrixorganisation zusammen, der acht Shoppingmarken in Deutschland, Österreich und der Schweiz bündelt.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Das Jubiläumsjahr 2025 fiel in eine schwierige Phase. Im Oktober 2024 kündigte die Gruppe an, am Logistikstandort Sonnefeld 165 Stellen zu streichen, nachdem ein Auftraggeber die Zusammenarbeit außerordentlich beendet hatte. Zum Jahreswechsel folgte der härtere Einschnitt: Die Tochter BFS schloss ihr Logistikzentrum in Weismain, weil der langjährige Hauptkunde s.Oliver seine Logistik in ein eigenes Zentrum in Dettelbach verlagerte. 429 Beschäftigte erhielten zum 31. Januar 2025 betriebsbedingte Kündigungen, der Betrieb lief bis Mitte 2025 aus. BFS konzentriert sich seither auf Kundenservice und Finanzdienstleistungen.
Auch das Handelsgeschäft schwächelte. Beim Neujahrsempfang im Februar 2025 kündigte Elsner für das Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatzrückgang von rund zehn Prozent an; besonders Technik und Möbel litten unter der Konsumzurückhaltung. Als Antwort präsentierte die Führung das Programm „Baur-Gruppe Neu“. Im August 2025 berichtete die Frankenpost über den Abbau von rund 70 weiteren Stellen, im Februar 2026 über einen erneuten Umsatzrückgang von etwa zehn Prozent im Geschäftsjahr 2025/26 und Verluste. Positive Signale kommen aus dem Technologiebereich: empiriecom startete im Januar 2026 mit STACKIT und adesso ein deutsches Ökosystem für datensouveränen Onlinehandel, und das 2024 eröffnete vollautomatische Shuttlelager der BHF in Altenkunstadt, in das rund 150 Millionen Euro investiert wurden, zählt zu den modernsten in Europa.
Marken und Geschäftsfelder
Kern der Gruppe ist baur.de mit Eigenmarken wie „Aniston by BAUR“. Zweite Säule ist die Otto Austria Group, die 2023/24 rund 349 Millionen Euro umsetzte und die Marken Universal, OTTO Österreich, Lascana, Quelle sowie in der Schweiz Ackermann und Jelmoli führt. Im Dienstleistungsbereich arbeiten BFS, empiriecom und die Baur Studios, die Logistik liegt beim Gemeinschaftsunternehmen Baur Hermes Fulfilment mit 90 Prozent Baur-Anteil. Ein Sonderfall ist Quelle: Das Fürther Versandhaus ging 2009 in der Arcandor-Insolvenz unter, im November 2009 kaufte die Otto Group den Markennamen samt Kundendaten. 2010 kam die Marke zur Unito-Gruppe, seit dem 2. Mai 2013 ist quelle.de wieder aktiv und zählt heute zu den acht Marken des Händlerverbunds von Baur und Otto Austria Group. Frankonia oder andere Otto-Töchter gehören dagegen nicht zur Baur-Gruppe.
FAQ
Wem gehört der Baur Versand heute? Die Friedrich-Baur-Stiftung hält über die Friedrich-Baur-GmbH 51 Prozent, die Otto Group 49 Prozent. Die operative Führung liegt seit 1997 bei der Otto Group.
Ist Baur eine hundertprozentige Tochter der Otto Group? Nein. Die Otto Group ist mit 49 Prozent Minderheitsgesellschafterin, führt Baur aber operativ und konsolidiert das Unternehmen in ihrem Konzern.
Wer steht hinter der Otto Group? Die Otto Group ist ein Hamburger Familienunternehmen, dessen Anteile mehrheitlich die Michael Otto Stiftung hält. Seit März 2026 führt Benjamin Otto den Stiftungs- und Aktionärsrat, Vorstandsvorsitzende ist Petra Scharner-Wolff.
Wie viel Umsatz macht die Baur-Gruppe? Im Geschäftsjahr 2023/24 lag der Netto-Außenumsatz bei 841 Millionen Euro. Für 2024/25 und 2025/26 meldete das Unternehmen jeweils Rückgänge von rund zehn Prozent, konkrete Beträge wurden bislang nicht veröffentlicht.
Gehört Quelle zu Baur? Die Markenrechte liegen seit 2009 bei der Otto Group. Der Shop quelle.de wird seit 2013 aus dem Baur-Verbund heraus betrieben, heute als eine von acht Marken des gemeinsamen Händlerverbunds mit der Otto Austria Group.
Warum hat Baur in Weismain Stellen abgebaut? Die Tochter BFS verlor mit s.Oliver ihren Hauptkunden, der 2024 ein eigenes Logistikzentrum eröffnete. Das Logistikzentrum Weismain wurde 2025 geschlossen, 429 Beschäftigte erhielten die Kündigung.
Fazit
Der Baur Versand hat zwei Eigentümer mit klarer Rollenverteilung: Die Friedrich-Baur-Stiftung hält als Erbin des Gründers die Mehrheit und leitet die Erträge in Medizinforschung, Kunst und soziale Projekte, die Otto Group führt mit 49 Prozent das operative Geschäft. Nach dem Rekordjahr 2022 mit über einer Milliarde Euro Umsatz liegen zwei schwache Jahre, die Schließung der Logistik in Weismain und mehrere Stellenabbaurunden hinter der Gruppe. Ob das Programm „Baur-Gruppe Neu“ und der Händlerverbund mit der Otto Austria Group die Wende bringen, wird sich an den Zahlen für 2026/27 zeigen.
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