Barilla, der weltgrößte Pastahersteller mit Sitz in Parma, ist auch 2026 ein reines Familienunternehmen. Die vierte Generation – die Geschwister Guido, Luca, Paolo und Emanuela Barilla – kontrolliert den Konzern über eine Kette von Holdinggesellschaften; an der Börse ist Barilla nicht notiert. Die Gruppe erzielte 2025 laut Geschäftsbericht einen Umsatz von 4,83 Milliarden Euro und beschäftigt rund 9.000 Menschen in 30 Werken. Seit 1993 führt Guido Barilla das Unternehmen als Verwaltungsratsvorsitzender, das operative Geschäft verantwortet seit 2023 der familienfremde CEO Gianluca Di Tondo.
Key Takeaways
- Barilla G. e R. Fratelli S.p.A. gehört zu 100 Prozent der Barilla Iniziative, die zu 85 Prozent von der Barilla Holding der Familie kontrolliert wird (Calcio e Finanza, 2023).
- An der Spitze steht die Gesellschaft Guido M. Barilla & Fratelli, an der die vier Geschwister je 22,5 Prozent halten; 10 Prozent sind eigene Anteile.
- Gegründet wurde Barilla 1877 von Pietro Barilla als Bäckerei in Parma; seit 1960 ist das Unternehmen eine Aktiengesellschaft (Wikipedia).
- Von 1971 bis 1979 gehörte Barilla dem US-Konzern W. R. Grace; Pietro Barilla jr. kaufte es am 28. Juli 1979 zurück (I Giorni di Parma).
- 2025 lag der Umsatz bei 4,83 Milliarden Euro, der Nettogewinn stieg auf 233 Millionen Euro (Distribuzione Moderna, Just Food, 2026).
- Im September 2026 übernahm Barilla die US-Marke Goodles; im Mai 2026 wurde eine Werkserweiterung in Avon (New York) für knapp 170 Millionen US-Dollar angekündigt.
- Forbes führt die Barilla-Geschwister in seiner Milliardärsliste; uamr.de nennt keine Beträge zum Privatvermögen.
| Unternehmen | Barilla G. e R. Fratelli S.p.A. (Barilla Group) |
|---|---|
| Gegründet | 1877 durch Pietro Barilla in Parma |
| Sitz | Parma (Pedrignano), Emilia-Romagna, Italien |
| Eigentümer | Familie Barilla, vierte Generation: Guido, Luca, Paolo und Emanuela Barilla über Guido M. Barilla & Fratelli, Barilla Holding und Barilla Iniziative |
| Rechtsform | Società per azioni (Aktiengesellschaft), nicht börsennotiert |
| Führung | Guido Barilla (Verwaltungsratsvorsitzender seit 1993), Paolo Barilla (stellvertretender Vorsitzender), Gianluca Di Tondo (CEO seit April 2023) |
| Umsatz | 4,83 Milliarden Euro (2025) |
| Mitarbeiter | 8.827 (2024); rund 9.000 (2026) |
| Vermögensbasis der Eigentümer | Kontrollmehrheit am Barilla-Konzern und Dividenden der Holding; Forbes führt die Geschwister in der Milliardärsliste – Beträge nennt uamr.de nicht |
Geschichte und Herkunft
Die Geschichte von Barilla beginnt 1877, als Pietro Barilla in der Altstadt von Parma eine Bäckerei mit Pastaproduktion eröffnete. Nach seinem Tod 1912 übernahmen die Söhne Riccardo und Gualtiero, an die der Firmenzusatz „G. e R. Fratelli“ bis heute erinnert. 1947 folgte die dritte Generation mit Pietro und Gianni Barilla, die das Großwerk in Pedrignano bei Parma bauten – laut Konzern bis heute die größte Pastafabrik der Welt.
Die hohe Verschuldung für diesen Bau, die Unruhen um 1968 und die Sorge vor einem Rückzug der Banken bewogen die Brüder 1971, die Kontrollmehrheit an den US-Mischkonzern W. R. Grace zu verkaufen. Pietro Barilla behielt ein Prozent. Unter Grace kaufte Barilla 1973 die Marke Voiello und startete 1975 die Backwarenmarke Mulino Bianco. Als das Interesse der Amerikaner am Pastageschäft nachließ, kaufte Pietro Barilla das Unternehmen am 28. Juli 1979 zurück. Nach seinem Tod 1993 übernahmen die Söhne Guido, Luca und Paolo die Führung.
Eigentümerstruktur im Detail
An der Spitze der Eigentümerkette steht die Kommanditgesellschaft auf Aktien Guido M. Barilla & Fratelli. Nach Angaben von Calcio e Finanza (2023) halten die Geschwister Guido, Luca, Paolo und Emanuela daran jeweils 22,5 Prozent, die restlichen 10 Prozent sind eigene Anteile.
Die Guido M. Barilla & Fratelli besitzt 100 Prozent der Barilla Holding, die wiederum 85 Prozent an der Barilla Iniziative S.p.A. und 85 Prozent an der britischen Barilla International Ltd. hält. Die Barilla Iniziative ist Alleineigentümerin der operativen Barilla G. e R. Fratelli S.p.A. Wer die verbleibenden 15 Prozent der Zwischenholdings hält, ist öffentlich nicht im Detail dokumentiert.
Guido Barilla (Jahrgang 1958) ist seit Oktober 1993 Vorsitzender des Verwaltungsrats, sein Bruder Paolo (Jahrgang 1961), Le-Mans-Sieger von 1985, stellvertretender Vorsitzender; Luca Barilla ist ebenfalls Vizepräsident. Das Tagesgeschäft liegt seit April 2023 bei Gianluca Di Tondo, der den langjährigen CEO Claudio Colzani ablöste.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
Laut Geschäftsbericht 2025 entfielen 46,6 Prozent des Umsatzes auf Pasta, 41,6 Prozent auf Backwaren wie Kekse, Snacks und Brot und 10,2 Prozent auf Saucen und Pesto. Nur 35,5 Prozent der Erlöse stammen aus Italien; verkauft wird in mehr als 100 Ländern.
Der Konzernumsatz lag 2024 bei 4,883 Milliarden Euro und 2025 bei 4,83 Milliarden Euro, ein Minus von 0,9 Prozent bei steigenden Pastavolumen. Das Ergebnis verbesserte sich deutlich: Das EBITDA stieg 2025 auf 579 Millionen Euro, der Nettogewinn auf 233 Millionen Euro nach 142 Millionen Euro im Vorjahr. Ältere Angaben von „vier Milliarden US-Dollar Pastaumsatz“ sind damit überholt.
Produziert wird in 30 Werken, davon 15 in Italien und 15 im Ausland, etwa in Griechenland, Frankreich, Deutschland, Schweden, der Türkei, Mexiko, Kanada und den USA. In Deutschland ist Barilla mit der Barilla Deutschland GmbH in Köln und dem Wasa-Knäckebrotwerk in Celle vertreten; Wasa gehört seit 1999 zur Gruppe.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
An der Eigentümerstruktur hat sich 2025 und 2026 nichts geändert. Strategisch setzt der Konzern auf „Pasta Reinvention“: Marktanteile über Preise zurückgewinnen, die Premiumlinie Al Bronzo und proteinreiche Pasta ausbauen sowie das Snackgeschäft stärken.
In Nordamerika investiert Barilla kräftig: Im Mai 2026 kündigte der Konzern eine zweistufige Erweiterung des Werks in Avon (New York) für insgesamt knapp 170 Millionen US-Dollar an; die erste Phase soll Anfang 2028 fertig sein und über 90 neue Arbeitsplätze bringen. Am 3. September 2026 folgte die Übernahme der kalifornischen Marke Goodles, eines schnell wachsenden Anbieters von Mac and Cheese. Der Kaufpreis wurde nicht genannt.
Vermögensbasis der Eigentümerfamilie
Das Vermögen der Familie Barilla besteht im Kern aus der Kontrollmehrheit am Konzern, gehalten über die Guido M. Barilla & Fratelli und die nachgelagerten Holdings, ergänzt um kleinere Beteiligungsgesellschaften der Geschwister und die Dividenden der Holding. Forbes führt die Geschwister seit Jahren als Milliardäre.
Offizielle Zahlen zum Privatvermögen existieren nicht, da die Familie keine Angaben veröffentlicht und die Holdinganteile nicht an einer Börse bewertet werden. uamr.de nennt daher keine Vermögenswerte zu den einzelnen Familienmitgliedern.
FAQ
Wem gehört Barilla heute?
Der Familie Barilla in vierter Generation. Die Geschwister Guido, Luca, Paolo und Emanuela halten je 22,5 Prozent an der Spitzenholding Guido M. Barilla & Fratelli, die über Barilla Holding und Barilla Iniziative den Konzern kontrolliert.
Ist Barilla an der Börse notiert?
Nein. Barilla ist eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft in Familienbesitz und veröffentlicht lediglich einen freiwilligen Geschäftsbericht.
Gehörte Barilla einmal einem US-Konzern?
Ja. Von 1971 bis 1979 hielt W. R. Grace die Kontrollmehrheit. Pietro Barilla kaufte das Unternehmen 1979 zurück.
Wer führt Barilla operativ?
CEO ist seit April 2023 Gianluca Di Tondo, zuvor Marketingchef des Konzerns. Verwaltungsratsvorsitzender bleibt Guido Barilla.
Welche Marken gehören zu Barilla?
Neben Barilla unter anderem Mulino Bianco, Pavesi, Voiello, Gran Cereale, Pan di Stelle, Wasa, Harrys, Misko, Filiz, Catelli, Back to Nature, Pasta Evangelists und seit September 2026 Goodles.
Fazit
Barilla ist eines der wenigen Lebensmittelunternehmen dieser Größenordnung, das nach fast 150 Jahren noch vollständig von der Gründerfamilie kontrolliert wird. Der Ausflug in amerikanischen Besitz zwischen 1971 und 1979 endete mit dem Rückkauf durch Pietro Barilla, seither sichert die Familie ihre Kontrolle konsequent über Holdinggesellschaften ab. Mit knapp fünf Milliarden Euro Umsatz und einem 2025 deutlich gestiegenen Gewinn steht der Konzern stabil da. Ein Verkauf oder Börsengang ist nicht erkennbar; offen ist eher, wie die fünfte Generation in die Verantwortung hineinwächst.
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