
Bauknecht ist eine der traditionsreichsten Hausgerätemarken Deutschlands, doch ein deutsches Unternehmen steht längst nicht mehr dahinter. 1919 von Gottlob Bauknecht gegründet, ging die Firma nach der Insolvenz 1982 an Philips und 1989 an den US-Konzern Whirlpool. Im April 2024 brachte Whirlpool sein Europageschäft samt Bauknecht in das Gemeinschaftsunternehmen Beko Europe ein, an dem die türkische Arçelik 75 Prozent hielt. Stand September 2026 gehört Bauknecht vollständig Arçelik: Der Konzern aus der Koç-Gruppe übernahm im Sommer 2026 auch die restlichen 25 Prozent von Whirlpool.
Key Takeaways
- Bauknecht wurde 1919 von Gottlob Bauknecht in Neckartenzlingen bei Stuttgart als Elektrowerkstatt gegründet, das erste Produkt war der Elektromotor „Landfreund“.
- 1981 erzielte der Konzern laut Wikipedia rund 1,6 Milliarden D-Mark Umsatz mit 12.825 Mitarbeitern, im Mai 1982 folgte der Vergleichsantrag.
- Philips übernahm im November 1982 die Hausgerätesparte; 1989 kam Bauknecht zum US-Konzern Whirlpool.
- Zum 1. April 2024 ging Bauknecht mit dem gesamten Whirlpool-Europageschäft in das Joint Venture Beko Europe über (Arçelik 75 Prozent, Whirlpool 25 Prozent).
- Am 19. Juni 2026 vereinbarte Arçelik den Kauf der restlichen 25 Prozent für 71,45 Millionen Euro; seit Ende Juli 2026 ist Arçelik Alleineigentümer.
- In Deutschland wird Bauknecht als Premiummarke positioniert; Geschäftsführer in Stuttgart ist seit September 2024 Till Bickelmann.
| Name | Bauknecht Hausgeräte GmbH |
| Gegründet | 1919 in Neckartenzlingen |
| Hauptsitz | Stuttgart |
| Branche | Haushaltsgroßgeräte (Waschmaschinen, Geschirrspüler, Kühlgeräte, Backöfen) |
| Eigentümer | Beko Europe B.V., seit Juli 2026 zu 100 Prozent Arçelik A.Ş. (Koç Holding, Türkei) |
| Führung | Till Bickelmann (Geschäftsführer Bauknecht Hausgeräte GmbH und Beko Germany GmbH) |
| Umsatz | Rund 290 Millionen Euro (2014, letzte belegte Einzelangabe); Beko Europe gesamt rund 5,5 Milliarden Euro (2024) |
| Mitarbeiter | Rund 400 (2014); Beko Europe rund 14.000 (Frühjahr 2026) |
Vom Elektromotor zum Haushaltsgeräte-Riesen
Gottlob Bauknecht eröffnete 1919 in seinem Heimatort Neckartenzlingen eine Elektrowerkstatt; erstes Produkt war der Universalmotor „Landfreund“. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten die Küchenmaschine „Allfix“ (1948), der erste Kühlschrank (1951), die erste Waschmaschine (1958) und der erste Geschirrspüler (1964).
1981 zählte Bauknecht laut Wikipedia zu den 100 größten deutschen Industriekonzernen, setzte rund 1,6 Milliarden D-Mark um und beschäftigte weltweit 12.825 Menschen. Doch im Mai 1982 folgte der Vergleichsantrag, am 29. Oktober 1982 eröffnete das Amtsgericht Stuttgart das Konkursverfahren. Wenige Tage später übernahm Philips die Hausgerätesparte mit 2.441 Beschäftigten.
Die Ära Philips währte nur kurz: 1989 stieg Whirlpool mit 53 Prozent in die Philips-Hausgerätesparte ein (Whirlpool International), 1991 übernahm der US-Konzern laut Wikipedia auch den Rest. Bauknecht wurde zur Whirlpool-Tochter mit Sitz in Stuttgart. Die deutschen Werke in Calw, Neunkirchen und Schorndorf wurden bis 2012 geschlossen; seither werden alle Bauknecht-Geräte außerhalb Deutschlands gefertigt.
Wem gehört Bauknecht heute?
Die Bauknecht Hausgeräte GmbH ist heute eine Vertriebsgesellschaft der Beko Europe B.V. Diese entstand am 1. April 2024, als Whirlpool sein europäisches Hausgerätegeschäft mit den Marken Whirlpool, Bauknecht, Indesit, Hotpoint, Ignis und Privileg in ein Joint Venture mit der türkischen Arçelik einbrachte. Laut dem Fachportal infoboard hielt die Arçelik-Tochter Beko B.V. 75 Prozent, Whirlpool 25 Prozent. Beko Europe startete mit über 20.000 Beschäftigten und elf Werken als größter Hausgerätehersteller Europas, CEO ist Ragıp Balcıoğlu.
Am 19. Juni 2026 meldete Arçelik an der Börse Istanbul, dass Beko B.V. die verbliebenen 25 Prozent von Whirlpool für 71,45 Millionen Euro übernimmt; zugleich löste Arçelik laut Reuters mit rund 40 Millionen Euro Altverbindlichkeiten aus dem Russland-Geschäft ab. Ende Juli 2026 war die Transaktion abgeschlossen: Arçelik ist seither Alleineigentümer von Beko Europe und damit auch von Bauknecht. Die Lizenz zur Nutzung der Marke Whirlpool in Europa läuft weiter.
Konzernstruktur: Arçelik und die Koç Holding
Arçelik ist der größte Hausgerätehersteller der Türkei und gehört zur Koç Holding, dem größten Industriekonglomerat des Landes. Laut infoboard beschäftigte Arçelik 2024 rund 55.000 Menschen in 57 Märkten und erzielte 2023 rund 11 Milliarden Euro Umsatz.
In Deutschland wurde Bauknecht organisatorisch mit der Beko Germany GmbH in Eschborn zusammengeführt. Seit dem 1. September 2024 führt Till Bickelmann beide Gesellschaften mit den Marken Beko, Bauknecht, Grundig und Privileg. Der langjährige Bauknecht-Chef Jens-Christoph Bidlingmaier stieg zum Regional Managing Director Nordeuropa auf.
Geschäftsmodell und Zahlen
Bauknecht veröffentlicht keine eigenen Geschäftszahlen mehr; die letzte belegte Angabe stammt laut Wikipedia aus 2014 mit rund 400 Mitarbeitern und etwa 290 Millionen Euro Umsatz. Der Rahmen ist heute Beko Europe, das laut hitec-Magazin zum Start 2024 auf rund 5,5 Milliarden Euro Jahresumsatz kam. Bei Whirlpool schlug die Beteiligung negativ zu Buche: Im zweiten Quartal 2025 wies der Konzern 19 Millionen US-Dollar Verlust aus Beko Europe aus.
Bei einer Händlerveranstaltung im Juni 2025 in Eschborn stellte Beko Europe die Markenpositionierung vor: Beko als „Smart Choice“ für den Massenmarkt, Bauknecht mit dem Claim „Für mich und mein Zuhause“ im gehobenen Segment, Grundig mit Fokus auf Kleingeräte. Laut Unternehmensangaben legte der Bauknecht-Absatz 2024 um 13 Prozent zu, während der deutsche Hausgerätemarkt leicht schrumpfte.
Aktuelle Entwicklung 2025 und 2026
Im Herbst 2024 kündigte Beko Europe einen Restrukturierungsplan an: In Italien sollten 1.935 von rund 4.400 Stellen wegfallen, die Werke in Siena und in den Marken schließen. Nach Gewerkschaftsprotesten und Verhandlungen mit der Regierung wurde die Zahl laut Medienberichten reduziert und ein Investitionsprogramm von rund 110 Millionen Euro zugesagt. In Polen wurden die Standorte Łódź und Wrocław geschlossen, in Großbritannien das Hotpoint-Werk in Yate. Im Frühjahr 2026 beschäftigte Beko Europe noch rund 14.000 Menschen.
Mit der vollständigen Übernahme durch Arçelik im Juli 2026 ist die Eigentümerfrage geklärt. Bauknecht wird aus Istanbul gesteuert und in Werken in Italien, Polen und der Slowakei gefertigt. Auf die IFA 2025 verzichtete Beko Europe bewusst und verlagerte das Budget auf den Handel; für 2025 kündigte das Unternehmen europaweit rund 1.200 neue Produkte an, davon etwa 300 für Deutschland.
FAQ
Wem gehört Bauknecht?
Bauknecht gehört zur Beko Europe B.V., die seit Juli 2026 vollständig im Besitz der türkischen Arçelik A.Ş. ist. Arçelik wiederum ist Teil der Koç Holding, des größten Industriekonzerns der Türkei.
Ist Bauknecht noch eine deutsche Marke?
Markenname und Vertriebssitz in Stuttgart sind deutsch, der Eigentümer ist es seit 1982 nicht mehr. Seit 2012 werden alle Geräte außerhalb Deutschlands produziert.
Was hat Whirlpool mit Bauknecht zu tun?
Whirlpool übernahm Bauknecht 1989 und war bis 2024 alleiniger Eigentümer. Danach hielt der US-Konzern noch 25 Prozent an Beko Europe, die er im Sommer 2026 für 71,45 Millionen Euro an Arçelik verkaufte.
Sind Bauknecht und Beko das gleiche Unternehmen?
Beide Marken gehören zu Beko Europe und werden in Deutschland vom selben Geschäftsführer geführt. Bauknecht ist als Premiummarke positioniert, Beko für den Massenmarkt.
Wer leitet Bauknecht in Deutschland?
Seit September 2024 ist Till Bickelmann Geschäftsführer der Bauknecht Hausgeräte GmbH und der Beko Germany GmbH.
Fazit
Bauknecht ist die Geschichte eines deutschen Mittelständlers, der zum Großkonzern wuchs, 1982 scheiterte und seit über 40 Jahren als Marke unter fremdem Dach weiterlebt. Auf Philips folgte Whirlpool, auf Whirlpool das Gemeinschaftsunternehmen Beko Europe. Mit der Komplettübernahme durch Arçelik im Sommer 2026 hat die Marke wieder einen einzigen Eigentümer.
Für Verbraucher ändert sich wenig: Bauknecht bleibt in Deutschland als Premiummarke im Handel, gesteuert aus Stuttgart und Eschborn. Ob die Koç-Gruppe den Namen langfristig neben Beko und Grundig pflegt, hängt vom Erfolg der Sanierung der ehemaligen Whirlpool-Werke ab. Stand September 2026 sind die Eigentumsverhältnisse jedenfalls so klar wie lange nicht.
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