Wem gehört Beiersdorf? Eigentümer und Struktur des NIVEA-Konzerns

Wem gehört Beiersdorf

Die Beiersdorf AG aus Hamburg ist der Konzern hinter NIVEA, Eucerin, Hansaplast, Labello, La Prairie und tesa. Stand September 2026 wird der DAX-Konzern von der Hamburger Familie Herz kontrolliert, deren Holding maxingvest laut Beiersdorf 54,4 Prozent der Aktien hält. Im Geschäftsjahr 2025 erlöste Beiersdorf 9,85 Milliarden Euro und beschäftigte rund 22.400 Menschen. Die Schwäche der Kernmarke NIVEA zwang das Unternehmen im August 2026, die Prognose zu senken und einen 18-monatigen Turnaround-Plan aufzulegen.

Key Takeaways

  • Beiersdorf wurde am 28. März 1882 vom Apotheker Paul Carl Beiersdorf in Hamburg gegründet; die NIVEA-Creme kam 1911 auf den Markt.
  • Größter Aktionär ist die maxingvest GmbH & Co. KGaA der Familie Herz, die auch Tchibo zu 100 Prozent besitzt; laut Beiersdorf-Investor-Relations hält sie 54,4 Prozent.
  • Beiersdorf hält 8,7 Prozent eigene Aktien, 36,9 Prozent liegen im Streubesitz; der Konzern ist seit 1928 börsennotiert und seit Dezember 2008 im DAX.
  • 2025 setzte Beiersdorf 9,852 Milliarden Euro um (organisch plus 2,4 Prozent) und erzielte ein Konzernergebnis von 955 Millionen Euro.
  • Vorstandsvorsitzender ist seit dem 1. Mai 2021 Vincent Warnery; die Dividende für 2025 blieb bei 1,00 Euro je Aktie.
  • Im ersten Halbjahr 2026 sank der Umsatz organisch um 3,5 Prozent; Beiersdorf senkte die Prognose und investiert 100 Millionen Euro zusätzlich in NIVEA-Werbung.
NameBeiersdorf AG
Gegründet28. März 1882 in Hamburg
HauptsitzHamburg-Eimsbüttel (Beiersdorf Campus)
BrancheKonsumgüter (Hautpflege, Klebetechnik)
Eigentümermaxingvest GmbH & Co. KGaA (Familie Herz) 54,4 %; eigene Aktien 8,7 %; Streubesitz 36,9 %
FührungVincent Warnery (Vorstandsvorsitzender seit 2021), Reinhard Pöllath (Aufsichtsratsvorsitzender)
Umsatz9,852 Milliarden Euro (2025)
Mitarbeiter22.399 (31. Dezember 2025)

Von der Apotheke zur Weltmarke

Am Anfang stand ein Patent: Am 28. März 1882 ließ sich der Hamburger Apotheker Paul Carl Beiersdorf ein neuartiges Verfahren zur Herstellung medizinischer Pflaster schützen. 1890 übernahm Oscar Troplowitz das Unternehmen und machte es zum Markenhersteller: 1909 kam Labello, 1911 die NIVEA-Creme auf Basis des Emulgators Eucerit, 1922 Hansaplast. Im selben Jahr wurde Beiersdorf zur Aktiengesellschaft, 1928 notierte die Aktie erstmals an der Hamburger Börse, 1936 entstand die Marke tesa.

1933 traten nach nationalsozialistischen Hetzkampagnen laut Wikipedia alle jüdischen Vorstandsmitglieder zurück, darunter der Vorsitzende Willy Jacobsohn. Nach dem Krieg kaufte Beiersdorf die im Ausland verlorenen Markenrechte zurück. 1974 stieg die Familie Herz über Tchibo mit 25 Prozent ein.

Wem gehört Beiersdorf heute?

Die Mehrheit liegt bei der Familie Herz. Ihre Hamburger Holding maxingvest GmbH & Co. KGaA bezeichnet sich als Dachgesellschaft von Tchibo und Beiersdorf; Tchibo gehört ihr vollständig, an Beiersdorf hält sie mehr als die Hälfte der Stimmrechte. Beiersdorf gibt die Aktionärsstruktur Stand September 2026 mit 54,4 Prozent maxingvest, 8,7 Prozent eigenen Aktien und 36,9 Prozent Streubesitz an. Im September 2024 lag der maxingvest-Anteil laut Wikipedia noch bei 51,18 Prozent – der Anstieg erklärt sich vor allem durch die Einziehung zurückgekaufter Aktien, die den Anteil der verbleibenden Aktionäre rechnerisch erhöht.

Die Kontrolle geht auf das Jahr 2003 zurück, als Procter & Gamble Beiersdorf übernehmen wollte. In der sogenannten Hamburger Lösung kaufte Tchibo das Allianz-Paket und stockte auf 49,9 Prozent auf, die Stadt Hamburg erwarb vorübergehend 10 Prozent, Beiersdorf selbst nahm 7,4 Prozent eigene Aktien zurück. Die Tchibo Holding wurde 2007 in maxingvest umbenannt. Dahinter stehen die Brüder Michael und Wolfgang Herz, die 2003 die Anteile ihrer Geschwister übernommen hatten. 2016 berichtete das Handelsblatt über die Umwandlung in eine KGaA mit vinkulierten Aktien, die die Erben zur Einigkeit zwingt. Forbes führt Michael Herz in seiner Milliardärsliste.

Konzernstruktur: Consumer und tesa

Beiersdorf gliedert sich in zwei Unternehmensbereiche. Consumer bündelt NIVEA (mit Labello), die Derma-Marken Eucerin und Aquaphor, Health Care mit Hansaplast und Elastoplast, die Sonnenschutzmarke Coppertone sowie die Luxusmarken La Prairie und Chantecaille. Der zweite Bereich ist tesa, seit 2001 ein eigenständiger Teilkonzern in Norderstedt, der Klebelösungen für Industrie und Endverbraucher herstellt und 2025 auf 1,676 Milliarden Euro Umsatz kam.

Das Portfolio wuchs durch Zukäufe: 2019 übernahm Beiersdorf Coppertone von Bayer für 550 Millionen US-Dollar, 2022 die New Yorker Prestigemarke Chantecaille für 590 bis 690 Millionen US-Dollar. Zuletzt kam das Hautmikrobiom-Start-up S-Biomedic hinzu. Seit Juli 2023 arbeitet die Zentrale auf dem neuen Beiersdorf Campus in Hamburg-Eimsbüttel.

Geschäftsmodell und Zahlen

Beiersdorf verdient sein Geld mit Hautpflege für jeden Geldbeutel. Laut Jahresergebnis vom 2. März 2026 lag der Konzernumsatz 2025 bei 9,852 Milliarden Euro, organisch ein Plus von 2,4 Prozent; das Consumer-Geschäft trug 8,176 Milliarden Euro bei. Das EBIT ohne Sondereffekte erreichte 1,378 Milliarden Euro (Marge 14,0 Prozent), der Jahresüberschuss 955 Millionen Euro oder 4,25 Euro je Aktie.

Wachstumsmotor ist das Derma-Geschäft: Eucerin und Aquaphor kamen laut Hauptversammlungsrede vom 23. April 2026 auf 1,5 Milliarden Euro Umsatz, ein organisches Plus von 11,7 Prozent; der patentierte Wirkstoff Thiamidol erlöst rund 500 Millionen Euro. NIVEA erreichte 5,5 Milliarden Euro, wuchs aber nur um 0,9 Prozent; La Prairie fiel auf 478 Millionen Euro. Die Dividende blieb bei 1,00 Euro je Aktie, dazu kam ein Aktienrückkauf über bis zu 750 Millionen Euro binnen zwei Jahren – nach Programmen von je 500 Millionen Euro 2024 und 2025.

Aktuelle Entwicklung 2025 und 2026

Die Börse reagierte hart: Am 3. März 2026 brach die Aktie laut finanzen.net zeitweise um mehr als 18 Prozent auf 85,50 Euro ein, weil der Konzern für 2026 nur einen flachen bis leicht wachsenden Umsatz in Aussicht stellte. Im Sommer wurde es ernster: Wie Beiersdorf am 3. August 2026 mitteilte, sank der Umsatz im ersten Halbjahr auf 4,952 Milliarden Euro, organisch minus 3,5 Prozent. NIVEA verlor 6,8 Prozent, La Prairie 6,9 Prozent, nur Derma (plus 7,8 Prozent) und Health Care (plus 4,0 Prozent) wuchsen.

Der Konzern senkte die Prognose auf einen organischen Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich bei einer EBIT-Marge von mindestens 11,8 Prozent. Vorstandschef Warnery kündigte einen 18-monatigen Turnaround-Plan für NIVEA an: breite Innovationen, lokal angepasste Produkte und 100 Millionen Euro zusätzliche Medienausgaben im zweiten Halbjahr 2026, um „NIVEA wieder auf Wachstumskurs zu bringen“. Zum 30. Juni 2026 beschäftigte Beiersdorf 22.326 Menschen.

FAQ

Wem gehört Beiersdorf?
Mehrheitseigentümerin ist die maxingvest GmbH & Co. KGaA der Familie Herz, der auch Tchibo gehört; sie hält laut Beiersdorf 54,4 Prozent der Aktien.

Gehört NIVEA zu Beiersdorf?
Ja. NIVEA ist seit 1911 die Kernmarke des Konzerns und erzielte 2025 rund 5,5 Milliarden Euro Umsatz.

Ist Beiersdorf im DAX?
Ja, seit Dezember 2008, mit kurzen Unterbrechungen im MDAX 2021 und 2022.

Wer ist Chef von Beiersdorf?
Vorstandsvorsitzender ist seit dem 1. Mai 2021 Vincent Warnery, den Aufsichtsrat leitet Reinhard Pöllath.

Wie viel Umsatz macht Beiersdorf?
2025 waren es 9,852 Milliarden Euro, davon 8,176 Milliarden Euro im Consumer-Geschäft und 1,676 Milliarden Euro bei tesa.

Welche Marken gehören zu Beiersdorf?
NIVEA, Labello, Eucerin, Aquaphor, Hansaplast, Elastoplast, Coppertone, 8×4, Florena, La Prairie, Chantecaille und tesa.

Fazit

Beiersdorf ist ein börsennotierter Weltkonzern mit klarem Ankeraktionär: Die Familie Herz sichert über maxingvest seit 2003 die Unabhängigkeit des Hamburger Traditionsunternehmens. Für Kleinaktionäre bedeutet das Stabilität, aber auch, dass die Familie die Richtung vorgibt.

Stand September 2026 stehen dem Konzern herausfordernde Monate bevor. Das Derma-Geschäft boomt, doch die Schwäche von NIVEA und La Prairie drückt auf Umsatz und Aktienkurs. Ob der 18-monatige Turnaround-Plan die Kernmarke zurück auf Kurs bringt, entscheidet über das Jahr 2027.