
Grundig war einst Europas größter Hersteller von Unterhaltungselektronik, heute ist der Name vor allem ein Label auf Haushaltsgeräten. Die Markenrechte liegen beim türkischen Hausgerätehersteller Arçelik A.Ş., der seit April 2024 weltweit als „Beko“ auftritt und von der Koç Holding kontrolliert wird. In Deutschland vertreibt die Beko Germany GmbH in Eschborn die Produkte, Nachfolgerin der Grundig Intermedia GmbH. Stand 2026 hat Beko das europäische Grundig-Fernsehgeschäft eingestellt.
Key Takeaways
- Die Marke Grundig gehört zu 100 Prozent der Arçelik A.Ş. aus Istanbul, die seit April 2024 als „Beko“ firmiert.
- Arçelik wird von der Koç Holding kontrolliert, die seit Ende 2025 direkt 48,5 Prozent der Aktien hält.
- Nach der Insolvenz 2003 übernahmen Alba und die Koç-Tochter Beko 2004 das Kerngeschäft für rund 80 Mio. Euro.
- Ende 2007 kaufte Koç den Alba-Anteil heraus; seit 2009 ist die Marke vollständig in die Arçelik A.Ş. integriert.
- Die Grundig Intermedia GmbH wurde 2020 mit Beko Deutschland verschmolzen und heißt seit Ende 2023 Beko Germany GmbH.
- Seit April 2024 bündelt das Joint Venture Beko Europe (75 Prozent Arçelik, 25 Prozent Whirlpool) das Europageschäft.
- Der Beko-Konzern erzielte 2025 einen Umsatz von 10,7 Mrd. Euro und beschäftigt rund 45.000 Menschen; zum 1. Januar 2026 endete die Produktion von Grundig-Fernsehern für Europa.
| Name | Grundig (Marke); deutscher Vertrieb: Beko Germany GmbH, früher Grundig Intermedia GmbH |
|---|---|
| Gegründet | 1930 in Fürth; Grundig Intermedia GmbH am 1. Mai 2004 in Nürnberg |
| Sitz | Eschborn (Beko Germany GmbH); Markeninhaber in Istanbul |
| Eigentümer | Arçelik A.Ş. („Beko“), kontrolliert von der Koç Holding, Istanbul |
| Geschäftsführung | Till Bickelmann, Managing Director Germany der Beko Germany GmbH; Konzern-CEO Hakan Bulgurlu |
| Branche | Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik |
| Umsatz | Für die Marke Grundig nicht veröffentlicht; Beko-Konzern 10,7 Mrd. Euro (2025) |
| Mitarbeiter | Mehr als 200 in Eschborn; Beko-Konzern rund 45.000 |
Geschichte und Herkunft
Die Wurzeln reichen bis 1930 zurück, als Max Grundig in Fürth den „Radio-Vertrieb Fürth, Grundig & Wurzer“ eröffnete. Der Aufstieg begann nach dem Krieg mit dem Radiobausatz „Heinzelmann“; 1955 war Grundig der größte Tonbandgerätehersteller der Welt, 1965 der größte deutsche Fernsehgerätehersteller. Den Höchststand erreichte der Konzern 1979 mit 38.460 Beschäftigten und knapp 3 Mrd. D-Mark Umsatz.
Danach drückte japanische Konkurrenz die Preise, „Video 2000“ unterlag dem VHS-Standard. 1984 übernahm Philips mit 31,6 Prozent der Anteile die Führung. Zwischen 1992 und 1996 summierten sich die Verluste auf rund 2 Mrd. D-Mark. 1998 verkaufte Philips an ein bayerisches Konsortium um Anton Kathrein, 2000 zog der Sitz nach Nürnberg. Am 14. April 2003 meldete der Konzern mit rund 3.500 Beschäftigten Insolvenz an.
Eigentümerstruktur im Detail

Aus der Insolvenzmasse erwarben im Januar 2004 die britische Alba plc und die Koç-Tochter Beko Elektronik A.Ş. gemeinsam das Kerngeschäft „Home InterMedia System“ für rund 80 Mio. Euro. Beide hielten je 50 Prozent an der Grundig Multimedia B.V., Mutter der am 1. Mai 2004 gegründeten Grundig Intermedia GmbH in Nürnberg. Die Autoradiosparte ging an den US-Zulieferer Delphi; die Diktiergerätesparte war bereits 2001 als Grundig Business Systems abgespalten worden und gehört nicht zu Arçelik.
Ende 2007 kaufte Koç die Alba-Hälfte für 50,3 Mio. US-Dollar heraus, Anfang 2008 lagen alle Anteile bei der Koç-Gruppe. Beko Elektronik wurde in Grundig Elektronik A.Ş. umbenannt und 2009 in die börsennotierte Hausgerätetochter Arçelik A.Ş. verschmolzen, die seither die weltweiten Markenrechte hält.
An der Spitze steht die Koç Holding A.Ş., der größte Mischkonzern der Türkei. Laut Aktionärsliste hielt die Holding zuletzt 41,43 Prozent an Arçelik, hinzu kamen 8,67 Prozent der Koç-Familie sowie Anteile nahestehender Gesellschaften; rund 15 Prozent lagen im Streubesitz an der Borsa Istanbul. Im Dezember 2025 beschloss Koç, weitere 7,1 Prozent aus eigenen Aktien der Arçelik für rund 5,2 Mrd. türkische Lira zu übernehmen und den direkten Anteil auf 48,5 Prozent aufzustocken.
Am 26. April 2024 gab Arçelik bekannt, alle globalen Aktivitäten unter der Unternehmensmarke „Beko“ zu führen; der rechtliche Name Arçelik A.Ş. blieb bestehen. Beko ist Dachmarke für 22 Konsumentenmarken, darunter Grundig, Arctic, Defy, Blomberg, Indesit und Hotpoint. Die Kette lautet: Koç Holding kontrolliert Arçelik („Beko“), diese hält 75 Prozent an Beko Europe und zu 100 Prozent die Marke Grundig.
Die deutsche Gesellschaft: Von Nürnberg nach Eschborn
Die Grundig Intermedia GmbH ließ Fernseher ab 2008 vor allem in Istanbul fertigen, 2013 kamen Haushaltsgeräte hinzu. Im April 2016 kündigte Arçelik die Schließung des Standorts Nürnberg an; die verbliebenen 72 Arbeitsplätze zogen nach Neu-Isenburg zur Schwestergesellschaft Beko Deutschland.
2020 wurden beide zur Beko Grundig Deutschland GmbH verschmolzen, im Mai 2022 bezog die Nordeuropa-Zentrale das Bürogebäude „The Twist“ in Eschborn. Ende 2023 verschwand der Namensbestandteil Grundig: Seither heißt die Gesellschaft Beko Germany GmbH und beschäftigt in Eschborn mehr als 200 Menschen. Managing Director Germany ist seit September 2024 Till Bickelmann, der zugleich die Bauknecht Hausgeräte GmbH führt.
Beko Europe: Das Whirlpool-Joint-Venture
Anfang April 2024 legten Arçelik und der US-Konzern Whirlpool ihr Europageschäft zur Beko Europe zusammen. Arçelik hält 75 Prozent, Whirlpool 25 Prozent. Das Gemeinschaftsunternehmen beschäftigt mehr als 20.000 Menschen, führt 16 Marken (darunter Bauknecht, Whirlpool, Hotpoint, Indesit) und betreibt elf Werke in Italien, Polen, der Slowakei, Rumänien und Großbritannien mit einer Kapazität von rund 24 Mio. Geräten pro Jahr. CEO ist Ragıp Balcıoğlu.
Grundig steht in Deutschland damit neben Beko, Bauknecht und Privileg im Portfolio derselben Vertriebsorganisation. Der Gesamtkonzern bezeichnet sich nach Stückzahlen als größter Hausgerätehersteller Europas.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Im Dezember 2025 berichtete die „Süddeutsche Zeitung“, dass Beko die Fernsehmarke Grundig in Europa zum 1. Januar 2026 einstellt. Seitdem werden keine neuen Grundig-Fernseher für Europa produziert, Restbestände werden abverkauft. Als Gründe nannte das Unternehmen den Wettbewerbsdruck und den Preisverfall im TV-Markt. Garantie, Ersatzteile und Kundendienst bleiben bestehen, der Name lebt bei Haushaltsgeräten wie Backöfen, Staubsaugern oder Haartrocknern weiter.
Auf Konzernebene meldete Beko für 2025 einen konsolidierten Umsatz von 10,7 Mrd. Euro, nach rund 8 Mrd. Euro im Jahr 2023; der Sprung geht wesentlich auf Beko Europe zurück. Die Mitarbeiterzahl sank laut Unternehmensangaben von rund 55.000 (2024) auf rund 45.000, die Zahl der Werke von 45 auf 38. Im ersten Quartal 2025 entfielen 33 Prozent des Umsatzes auf Westeuropa, 14 Prozent auf Osteuropa und 34 Prozent auf die Türkei.
FAQ
Wem gehört Grundig heute? Die Markenrechte liegen zu 100 Prozent bei der türkischen Arçelik A.Ş. („Beko“), die von der Koç Holding kontrolliert wird.
Ist Grundig noch ein deutsches Unternehmen? Nein. Die Grundig AG ging 2003 in die Insolvenz; die Nachfolgerin Grundig Intermedia GmbH wurde 2020 mit Beko Deutschland verschmolzen und heißt seit Ende 2023 Beko Germany GmbH.
Seit wann gehört Grundig zu Arçelik? Im Januar 2004 übernahmen Alba und die Koç-Tochter Beko das Kerngeschäft gemeinsam. Ende 2007 kaufte Koç den Alba-Anteil, 2009 wurde die Grundig Elektronik in die Arçelik A.Ş. verschmolzen.
Gibt es noch Grundig-Fernseher? Nur Restbestände. Beko hat die Produktion von Grundig-Fernsehern für Europa zum 1. Januar 2026 eingestellt. Garantie, Ersatzteile und Kundendienst bleiben erhalten.
Was hat Whirlpool mit Grundig zu tun? Seit April 2024 bündelt das Joint Venture Beko Europe das Europageschäft von Arçelik (75 Prozent) und Whirlpool (25 Prozent); Grundig und Bauknecht werden deshalb von derselben Organisation vertrieben.
Fazit
Die Frage „Wem gehört Grundig?“ hat eine klare Antwort: der Arçelik A.Ş. aus Istanbul, die heute als Beko firmiert und von der Koç Holding kontrolliert wird. Von einer deutschen Grundig-Gesellschaft ist nur der Markenname geblieben, und selbst dieser verschwindet mit dem Ende der Fernsehproduktion 2026 aus seinem historischen Kerngeschäft. Für den Konzern bleibt Grundig ein Etikett für Haushaltsgeräte, für den Standort Franken ist die Geschichte abgeschlossen.
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