comdirect gehört zu 100 Prozent der Commerzbank AG in Frankfurt am Main. Die 1994 als Commerzbank-Tochter gegründete Direktbank aus Quickborn war von 2000 bis 2020 börsennotiert, wurde am 2. November 2020 auf die Commerzbank verschmolzen und ist seither eine Marke. Wer hinter comdirect steht, entscheidet sich damit an der Aktionärsstruktur der Commerzbank – und die ist 2026 in Bewegung: Die italienische UniCredit kontrolliert 49,65 Prozent der Stimmrechte, der Bund hält 12,7 Prozent (Stand September 2026).
Key Takeaways
- comdirect ist seit dem 2. November 2020 keine eigene Aktiengesellschaft mehr, sondern eine Marke der Commerzbank AG.
- Gegründet wurde die Direktbank 1994 als Commerzbank-Tochter; der Geschäftsbetrieb in Quickborn startete im Januar 1995 mit 50 Mitarbeitern.
- Nach dem Börsengang am Neuen Markt im Juni 2000 blieb die Commerzbank stets Mehrheitsaktionärin und drängte 2020 die restlichen Aktionäre per Squeeze-out heraus.
- Größte Aktionärin der Commerzbank ist 2026 die UniCredit mit rund 47,6 Prozent der Aktien und 49,65 Prozent der Stimmrechte; der Bund hält 12,7 Prozent.
- comdirect betreut rund drei Millionen Kunden; der Commerzbank-Konzern erzielte 2025 Erträge von 12,2 Mrd. Euro.
| Name | comdirect – eine Marke der Commerzbank AG (bis 2020: comdirect bank AG) |
|---|---|
| Gegründet | 1994 (Handelsregistereintrag 5. Dezember 1994, Geschäftsstart Januar 1995) |
| Sitz | Quickborn bei Hamburg (Schleswig-Holstein) |
| Branche | Direktbank, Online-Brokerage, Girokonten, digitale Geldanlage |
| Eigentümer | Commerzbank AG, Frankfurt am Main (100 Prozent, seit Verschmelzung am 2. November 2020) |
| Muttergesellschaft | Commerzbank AG; größte Aktionäre: UniCredit (49,65 Prozent der Stimmrechte) und Bund (12,7 Prozent), Stand September 2026 |
| Umsatz / Mitarbeiter | Commerzbank-Konzern 2025: Erträge 12,2 Mrd. Euro, Konzernergebnis 2,6 Mrd. Euro; comdirect: rund drei Millionen Kunden (Stand 2026) |
| Vermögensbasis | Keine Eigentümerperson – Konzernmarke der Commerzbank AG |
Geschichte und Herkunft
comdirect war von Beginn an ein Commerzbank-Projekt. Die Frankfurter Großbank gründete die Direktbank 1994, ließ sie am 5. Dezember 1994 ins Handelsregister eintragen und nahm im Januar 1995 in Quickborn den Betrieb auf – mit 50 Mitarbeitern und 50 Millionen D-Mark Eigenkapital. Konten und Wertpapierhandel ohne Filialen trafen den Nerv der Zeit.
Auf dem Höhepunkt der Dotcom-Euphorie folgte am 5. Juni 2000 der Börsengang am Neuen Markt. Zum Ausgabepreis von 31 Euro erlöste comdirect 790 Mio. Euro, T-Online stieg per Aktientausch mit 25 Prozent ein. Das Platzen der Blase brachte 2001 Stellenabbau und Kurzarbeit. 2005 stockte die Commerzbank ihren Anteil auf knapp 80 Prozent auf, 2008 überschritt die Bank die Marke von einer Million Kunden, 2016 kaufte sie die onvista bank samt Finanzportal, 2017 startete der Robo-Advisor cominvest.
Eigentümerstruktur im Detail

Die Eigentümerfrage ist bei comdirect zweistufig. Auf der ersten Stufe ist sie eindeutig: Seit der Verschmelzung am 2. November 2020 existiert die comdirect bank AG nicht mehr. Geschäft, Kunden und Standort Quickborn gingen auf die Commerzbank AG über, die den Namen als Marke fortführt. Vorausgegangen war ein Übernahmeangebot vom September 2019 zu 11,44 Euro je Aktie, das den Commerzbank-Anteil nur von rund 82 auf 82,6 Prozent hob. Im Januar 2020 kaufte sie daher rund 8 Prozent vom Fonds Petrus Advisers zu 15,15 Euro je Aktie und überschritt die 90-Prozent-Schwelle. Die verbliebenen Aktionäre wurden per Squeeze-out mit 12,75 Euro je Aktie plus Zinsen abgefunden.
Auf der zweiten Stufe – wem gehört die Commerzbank? – ist die Antwort 2026 deutlich spannender. Die UniCredit aus Mailand hat ihre im September 2024 begonnene Beteiligung ausgebaut und hielt vor ihrem Tauschangebot 26,77 Prozent der Aktien direkt. Nach Ende der Annahmefrist am 3. Juli 2026 kommt sie inklusive Kaufoptionen auf rund 47,6 Prozent der Anteile und 49,65 Prozent der Stimmrechte. Zweitgrößter Aktionär ist der Bund mit 12,7 Prozent. Der Rest – rechnerisch rund 40 Prozent – liegt im Streubesitz. comdirect gehört damit formal der Commerzbank, wirtschaftlich aber zu knapp der Hälfte der UniCredit.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026: Das Ringen um die Commerzbank
Das Übernahmeangebot der UniCredit war ein reines Aktientauschangebot: 0,485 UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie. Vorstand und Aufsichtsrat empfahlen die Ablehnung, weil das Angebot finanziell nicht angemessen sei. Am 8. Juli 2026 stand das Ergebnis fest: Nur 17,6 Prozent der Aktien wurden angedient, davon laut Commerzbank lediglich rund 2,7 Prozent von unabhängigen institutionellen und privaten Anlegern.
Seither hat sich der Ton verändert. Aufsichtsratschef Jens Weidmann räumte Ende Juli 2026 ein, die Machtverhältnisse seien nun klar; Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp führte im August erste formelle Gespräche mit UniCredit-Chef Andrea Orcel. Die Bundesregierung knüpft Gespräche über ihre 12,7 Prozent an Garantien für den Standort Frankfurt, Beschäftigungsschutz und zwei Aufsichtsratsposten; am 14. September 2026 trafen sich Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Orcel erstmals direkt. Die Genehmigung der Europäischen Zentralbank für eine Kontrollmehrheit stand im September 2026 noch aus.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
Eigene Bilanzzahlen veröffentlicht comdirect seit 2020 nicht mehr; die Marke gehört zum Segment Privat- und Unternehmerkunden der Commerzbank. Der Konzern meldete für 2025 ein operatives Rekordergebnis von 4.509 Mio. Euro bei Erträgen von 12.171 Mio. Euro; das Konzernergebnis lag bei 2.625 Mio. Euro, belastet durch Restrukturierungsaufwendungen von 562 Mio. Euro. Ausdrücklich hebt die Commerzbank hervor, dass comdirect 2025 vom volatilen Aktienmarkt und dem regen Brokerage-Geschäft seiner Kunden profitierte.
comdirect selbst zählt nach Angaben von Bereichsvorständin Sabine Schoon-Renné, die die Marke seit Anfang 2023 führt, rund drei Millionen Kunden. Die Zahl hatte von Mitte 2020 bis November 2023 bei 2,9 Millionen stagniert; 2025 kam eine sechsstellige Zahl an Neukunden hinzu. Kern des Geschäfts ist das Brokerage, ergänzt um Girokonto und Tagesgeld.
Marken, Angebote und Wettbewerb
Der Konzern verfolgt eine Zwei-Marken-Strategie: Die Commerzbank bedient Kunden über Filialen und Beratung, comdirect die digital agierenden Privatkunden. Von den rund 300.000 Kunden der aufgegebenen onvista bank wechselte knapp die Hälfte zu comdirect. Gegen Trade Republic, Scalable Capital, ING und DKB setzt comdirect seit 2026 auf das „Pure Depot“ mit kostenloser Depotführung und einem Euro je Trade über die Börse gettex; im klassischen Depot kostet eine Order 3,90 Euro. Ein Kryptoangebot soll im zweiten Halbjahr 2026 starten.
FAQ
Wem gehört comdirect heute? comdirect gehört vollständig der Commerzbank AG. Seit der Verschmelzung am 2. November 2020 ist comdirect keine eigenständige Bank mehr, sondern eine Marke der Commerzbank mit Sitz in Quickborn.
Gehört comdirect damit indirekt der UniCredit? Teilweise. Die UniCredit kontrolliert Stand September 2026 rund 49,65 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank, hat aber weder eine Mehrheit noch die EZB-Freigabe für die Kontrolle. Der Bund hält 12,7 Prozent, der Rest liegt im Streubesitz.
War comdirect jemals unabhängig? Nein. comdirect wurde 1994 von der Commerzbank gegründet und blieb auch nach dem Börsengang 2000 mehrheitlich in deren Hand, bis die Commerzbank 2020 alle Anteile übernahm.
Was bekamen die comdirect-Aktionäre beim Squeeze-out? Die verbliebenen Minderheitsaktionäre erhielten 12,75 Euro je Aktie plus Zinsen. Ein Spruchverfahren vor dem Landgericht Itzehoe und dem Oberlandesgericht Schleswig-Holstein bestätigte diese Abfindung 2022.
Ändert sich für Kunden etwas, wenn die UniCredit die Commerzbank übernimmt? Einlagen bei comdirect sind Einlagen bei der Commerzbank AG und unterliegen der deutschen gesetzlichen Einlagensicherung. Ein Eigentümerwechsel auf Konzernebene ändert daran zunächst nichts; über die künftige Struktur wurde im September 2026 noch verhandelt.
Fazit
Die Frage „Wem gehört comdirect?“ hat 2026 eine einfache und eine komplizierte Antwort. Einfach: Die Marke gehört seit dem Squeeze-out 2020 zu 100 Prozent der Commerzbank AG, die sie als digitale Hauptbank mit rund drei Millionen Kunden weiterentwickelt. Kompliziert: Wer die Commerzbank kontrolliert, ist offen. Die UniCredit steht mit 49,65 Prozent der Stimmrechte kurz vor der Mehrheit, der Bund verhandelt über seine 12,7 Prozent, und die EZB muss den Weg noch freigeben.
Für comdirect-Kunden ändert sich vorerst nichts. Mittelfristig entscheidet die Eigentümerfrage aber darüber, ob comdirect eine deutsche Konzernmarke bleibt oder zur Digitalbank einer italienisch geführten Bankengruppe wird.
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