Campari gehört der börsennotierten Davide Campari-Milano N.V., die von der Unternehmerfamilie Garavoglia kontrolliert wird. Über die Luxemburger Holding Lagfin S.C.A. hält die Familie um Verwaltungsratschef Luca Garavoglia zum 31. August 2026 rund 50,3 Prozent des Kapitals und dank Sonderstimmrechtsaktien 81,9 Prozent der Stimmrechte. Der Rest liegt im Streubesitz an der Mailänder Börse. Operativ führt seit Januar 2025 Simon Hunt den sechstgrößten Spirituosenkonzern der Welt.
Key Takeaways
- Die Marke Campari gehört der Davide Campari-Milano N.V., deren Aktien seit dem 6. Juli 2001 an der Borsa Italiana in Mailand gehandelt werden.
- Kontrollierender Aktionär ist die Lagfin S.C.A. der Familie Garavoglia mit 50,3 Prozent des Kapitals und 81,9 Prozent der Stimmrechte (Stand 31. August 2026).
- Seit 1995 folgten über 40 Übernahmen, darunter Aperol (2003), Grand Marnier (2016) und Courvoisier (2024, 1,17 Mrd. US-Dollar).
- Im Geschäftsjahr 2025 erzielte die Gruppe 3,051 Mrd. Euro Nettoumsatz und einen Konzerngewinn von 346,3 Mio. Euro.
- CEO Matteo Fantacchiotti trat im September 2024 nach nur fünf Monaten zurück; seit dem 15. Januar 2025 führt Simon Hunt das Unternehmen.
- Ende 2025 legte Lagfin einen Steuerstreit mit dem italienischen Fiskus über einen Vergleich von 405 Mio. Euro bei.
| Name | Davide Campari-Milano N.V. (Campari Group) |
|---|---|
| Gegründet | 1860 in Novara durch Gaspare Campari |
| Sitz | Sesto San Giovanni bei Mailand; juristischer Sitz seit 2020 Amsterdam |
| Branche | Spirituosen, Aperitifs, Weine |
| Eigentümer | Lagfin S.C.A. (Familie Garavoglia) 50,3 Prozent des Kapitals / 81,9 Prozent der Stimmrechte; eigene Aktien 2,6 Prozent; Streubesitz 47,1 Prozent (Stand 31. August 2026) |
| Muttergesellschaft | Lagfin S.C.A., Luxemburg |
| Umsatz / Mitarbeiter | 2025: 3,051 Mrd. Euro Nettoumsatz, 346,3 Mio. Euro Konzerngewinn, rund 4.800 Beschäftigte |
| Vermögensbasis | Familie Garavoglia: Kontrollbeteiligung an der Campari Group über die Holding Lagfin |
Geschichte und Herkunft
Die Geschichte beginnt 1860 in Novara im Piemont, wo Gaspare Campari einen Bitter aus Kräutern und Früchten wie Chinotto und Cascarilla entwickelte. Die Familie zog nach Mailand, 1904 eröffnete die erste Produktionsstätte in Sesto San Giovanni, bis heute die operative Heimat des Konzerns. Gaspares Sohn Davide Campari konzentrierte das Unternehmen 1926 ganz auf die Marke Campari und trieb den Export voran. Davide starb 1936, 1946 wurde die Firma als Davide Campari-Milano S.p.A. zur Aktiengesellschaft.
Ab 1995 wandelte sich der Einmarkenbetrieb zum Konzern: Zunächst kam das Italiengeschäft des niederländischen Bols-Konzerns mit Crodino und Cynar hinzu, 2003 die Barbero 1891 S.p.A. mit Aperol, 2009 der Bourbon Wild Turkey, 2012 der jamaikanische Rumhersteller Lascelles deMercado mit Appleton Estate und 2016 Grand Marnier für 684 Mio. Euro. Der Börsengang folgte am 6. Juli 2001.
Eigentümerstruktur im Detail

Kontrolliert wird die Campari Group von der Lagfin S.C.A., einer Kommanditgesellschaft auf Aktien mit Sitz in Luxemburg, hinter der die Familie Garavoglia steht. Laut Aktionärsbereich des Konzerns hielt Lagfin zum 31. August 2026 rund 619 Millionen der insgesamt 1,231 Milliarden Stammaktien, also 50,3 Prozent des Kapitals. Weitere 2,6 Prozent lagen als eigene Aktien beim Unternehmen, 47,1 Prozent im Streubesitz.
Bei den Stimmrechten ist das Bild klarer. Mit der Verlegung des juristischen Sitzes nach Amsterdam im Juli 2020 führte Campari Loyalty Shares ein: Wer seine Aktien ununterbrochen hält, erhält Sonderstimmrechtsaktien und damit nach zwei Jahren zwei, nach fünf Jahren fünf und nach zehn Jahren zehn Stimmen je Aktie. Lagfin profitiert davon als Ankeraktionär am stärksten und kam zuletzt auf 81,9 Prozent der Stimmrechte, der Streubesitz nur auf 15,5 Prozent.
Die Familie Garavoglia kam über den Unternehmer Domenico Garavoglia zu ihrer Beteiligung. Seine Witwe Rosa Anna Magno Garavoglia hielt die Kontrollmehrheit über die italienische Holding Alicros, bis sie im November 2016 starb. Seither führt ihr Sohn Luca Garavoglia, Jahrgang 1969, die Familieninteressen; er ist seit September 1994 Verwaltungsratsvorsitzender der Campari Group. Seine Schwestern Alessandra und Maddalena gehören ebenfalls zur Eigentümerfamilie. Alicros wurde zwischen 2018 und 2020 mit der Luxemburger Lagfin verschmolzen.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Nach dem Abschied des langjährigen CEO Bob Kunze-Concewitz übernahm im April 2024 Matteo Fantacchiotti die Führung, trat aber im September 2024 nach fünf Monaten aus persönlichen Gründen zurück. Paolo Marchesini und Fabio Di Fede führten den Konzern übergangsweise als Co-CEOs. Am 4. Dezember 2024 wurde Simon Hunt berufen, zuvor CEO des schottischen Whiskyhauses William Grant & Sons; er trat sein Amt am 15. Januar 2025 an.
Für Schlagzeilen sorgte im Herbst 2025 ein Steuerverfahren gegen die Eigentümerholding. Anfang November 2025 beschlagnahmte die italienische Finanzpolizei rund 214 Millionen Campari-Aktien im Wert von 1,29 Mrd. Euro, die Lagfin gehörten. Der Vorwurf: Bei der Verschmelzung von Alicros in Lagfin sei die Wegzugsbesteuerung auf stille Reserven von mehr als 5,3 Mrd. Euro nicht erklärt worden; Luca Garavoglia wurde als gesetzlicher Vertreter beschuldigt. Lagfin wies die Vorwürfe zurück; der Konzern selbst war nicht Teil des Verfahrens. Am 16. Dezember 2025 einigte sich Lagfin auf einen Vergleich über 405 Mio. Euro, zahlbar über vier Jahre, und erhielt eine Woche später alle Aktien zurück.
Operativ verlief 2025 solide: Der Nettoumsatz erreichte 3,051 Mrd. Euro, organisch ein Plus von 2,4 Prozent. Das bereinigte EBIT stieg auf 637 Mio. Euro, der Konzerngewinn um 71,7 Prozent auf 346,3 Mio. Euro, die Nettoverschuldung sank auf 1,958 Mrd. Euro. Die Dividende wurde auf 0,10 Euro je Aktie angehoben. Im ersten Halbjahr 2026 legte der Umsatz organisch um 2,7 Prozent auf 1,51 Mrd. Euro zu, worauf Hunt die Jahresprognose auf drei Prozent organisches Wachstum anhob. Als Belastung nennt das Unternehmen US-Zölle von rund 30 Mio. Euro für 2026.
Geschäftsmodell und Marken
Die Campari Group vertreibt ihre Marken in mehr als 190 Ländern. Wichtigste Wachstumsmarke ist Aperol, dessen Absatz im ersten Halbjahr 2026 organisch um 3,3 Prozent wuchs; der Tequila Espolòn legte um 8,2 Prozent zu. Größter Zukauf der Firmengeschichte war der Cognac Courvoisier, den Campari am 1. Mai 2024 für 1,17 Mrd. US-Dollar von Suntory Global Spirits übernahm; 2025 steuerte er 157 Mio. Euro zum Umsatz bei. Unter Hunt gilt die Strategie „weniger, aber größere Wetten“: Cinzano ging im Juni 2025 für 100 Mio. Euro an die Gruppo Caffo 1915, Averna und Zedda Piras für 100 Mio. Euro an die Illva Saronno Holding, 2026 folgten Bisquit & Dubouché und Cabo Wabo an Cobblestone Brands sowie das Agricole-Rum-Geschäft.
Die Eigentümerfamilie: Einnahmequellen und Vermögensbasis
Die Vermögensbasis der Familie Garavoglia ist im Wesentlichen ihre Kontrollbeteiligung an der Campari Group über Lagfin. Einnahmen fließen der Holding vor allem aus den Dividenden des Konzerns zu. Über den Wert des Familienvermögens gibt es keine offiziellen Angaben, und uamr.de nennt keine Beträge.
FAQ
Wem gehört Campari heute? Der börsennotierten Davide Campari-Milano N.V., deren kontrollierender Aktionär die Lagfin S.C.A. der Familie Garavoglia mit 50,3 Prozent des Kapitals und 81,9 Prozent der Stimmrechte ist (Stand 31. August 2026).
Wer ist Luca Garavoglia? Luca Garavoglia, geboren 1969, ist seit 1994 Verwaltungsratsvorsitzender der Campari Group und führt seit dem Tod seiner Mutter 2016 die Familienholding.
Wer ist Chef der Campari Group? CEO ist seit dem 15. Januar 2025 Simon Hunt, zuvor Chef von William Grant & Sons. Sein Vorgänger Matteo Fantacchiotti war im September 2024 nach fünf Monaten zurückgetreten.
Welche Marken gehören zur Campari Group? Neben Campari und Aperol unter anderem Grand Marnier, Courvoisier, Wild Turkey, Appleton Estate, Espolòn und Crodino; Cinzano und Averna wurden 2025 verkauft.
Was hatte es mit dem Steuerverfahren gegen Lagfin auf sich? Im November 2025 beschlagnahmte die Finanzpolizei Campari-Aktien der Holding im Wert von 1,29 Mrd. Euro wegen des Verdachts nicht erklärter Wegzugsbesteuerung; im Dezember 2025 folgte ein Vergleich über 405 Mio. Euro.
Fazit
Campari ist eine Publikumsgesellschaft mit einem eindeutigen Herrn im Haus: Die Familie Garavoglia hält über Lagfin gut die Hälfte des Kapitals und dank der Loyalty Shares mehr als vier Fünftel der Stimmen. Der Steuerstreit um die Holding endete 2025 mit einem Vergleich, ohne die Eigentümerstruktur zu verändern. Unter CEO Simon Hunt konzentriert sich der Konzern auf wenige große Marken und wächst 2026 wieder etwas schneller. Campari bleibt ein Familienunternehmen mit Börsennotierung.
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