Wem gehört Correctiv? Eigentümer und Struktur 2026

Wem gehört Correctiv?

Correctiv ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum Deutschlands und gehört keinem Verlag, keinem Konzern und keiner Partei. Träger ist die Correctiv – Recherchen für die Gesellschaft gemeinnützige GmbH mit Sitz in Essen, deren Anteile fünf Kuratoren zu einem symbolischen Preis halten. Gegründet wurde die Organisation 2013/2014 von David Schraven, der bis heute als Publisher an der Spitze der Geschäftsführung steht. 2024 erreichte Correctiv laut Jahresbericht Erträge von 9,4 Millionen Euro; im September 2026 kündigte das Recherchezentrum einen Stellenabbau und eine Neuausrichtung auf „Community-Journalismus“ an.

Key Takeaways

  • Correctiv ist als gemeinnützige GmbH organisiert und darf keine Gewinne an Gesellschafter ausschütten.
  • Gründer David Schraven war bis Oktober 2017 alleiniger Gesellschafter und übergab dann die Mehrheit der Anteile an ein Kuratorium.
  • Die fünf Kuratoren halten ihre Anteile zu einem symbolischen Betrag und müssen sie beim Ausscheiden an Nachfolger abtreten.
  • Die Geschäftsführung besteht seit April 2025 aus David Schraven, Florence Wild und Saadet Andirinli.
  • 2024 lagen Erträge und Ausgaben bei jeweils 9,4 Millionen Euro; rund 60 Prozent der Zuwendungen kamen von Privatpersonen, rund 34 Prozent von Stiftungen und Förderern.
  • Die Potsdam-Recherche „Geheimplan gegen Deutschland“ von 2024 löste Gerichtsverfahren aus, die 2026 noch andauern.
NameCorrectiv – Recherchen für die Gesellschaft gemeinnützige GmbH
Gegründet / GeborenGesellschaftsvertrag 9. Dezember 2013, Arbeitsbeginn 14. Juli 2014
Beruf / Funktion bzw. BrancheGemeinnütziger Investigativjournalismus, Faktenchecks, Medienbildung
Unternehmen / SitzZentrale in Essen, Redaktion in Berlin, elf Standorte in Deutschland und der Schweiz (2024)
Eigentümer bzw. Familie/Wohnort (nur falls belegt)Fünf Kuratoren als Gesellschafter: Dagmar Hovestädt (Vorsitzende), Lukas Beckmann, Andrew Murphy, Maria Scharlau, David Schraven
Einnahmequellen / VermögensbasisSpenden von Privatpersonen, Stiftungsförderung, zweckgebundene öffentliche Projektmittel, eigene Einnahmen (Verlag, Buchverkäufe)

Geschichte und Herkunft

Die Idee zu Correctiv stammt von David Schraven, zuvor Leiter des Rechercheressorts der Funke Mediengruppe. Der Gesellschaftsvertrag wurde am 9. Dezember 2013 unterzeichnet, die praktische Arbeit begann am 14. Juli 2014 in Essen. Recherchen sollten über Spenden und Stiftungsgelder finanziert werden und allen Medien kostenfrei zur Verfügung stehen.

Den Start ermöglichte die Essener Brost-Stiftung mit einer Anschubfinanzierung von rund drei Millionen Euro, verteilt über die ersten Jahre; allein 2014 flossen 675.000 Euro. 2015 gewann das Team mit der MH17-Recherche den Grimme Online Award, 2019 folgte für die „CumEx-Files“ der Otto-Brenner-Preis. Seit 2017 prüft Correctiv Beiträge im Faktencheck-Programm von Facebook beziehungsweise Meta, 2018 startete Correctiv.Lokal gemeinsam mit der Rudolf Augstein Stiftung.

Eigentümerstruktur im Detail

Wem gehört Correctiv? Gesellschafterstruktur, Finanzierung und Kennzahlen 2026
Wem gehört Correctiv? Eigentümer und Struktur 2026 2

Correctiv ist eine gemeinnützige GmbH; Gewinne dürfen nicht an Gesellschafter ausgeschüttet werden. Bis Oktober 2017 hielt David Schraven sämtliche Anteile allein. Dann übergab er die Mehrheit an ein Kuratorium, dessen Mitglieder seither als Gesellschafter fungieren.

Nach Angaben von Correctiv erhält jeder Kurator Gesellschaftsanteile zu einem symbolischen Betrag und muss sie beim Ausscheiden ebenfalls zu einem symbolischen Preis an einen Nachfolger abtreten. So kann kein einzelner Geldgeber die Kontrolle übernehmen. Dem Kuratorium gehören derzeit Dagmar Hovestädt als Vorsitzende, Lukas Beckmann, Andrew Murphy, Maria Scharlau und David Schraven an; der frühere Kurator Christian Humborg ist nicht mehr dabei.

Ergänzt wird die Struktur durch einen dreiköpfigen Aufsichtsrat unter Vorsitz von Lukas Beckmann sowie einen Ethikrat, der 2026 neu aufgestellt wird. Zuwendungen ab einem Prozent des Jahresumsatzes werden namentlich veröffentlicht, staatliche Mittel unabhängig von ihrer Höhe. Wirtschaftliche Aktivitäten wie Buchverkäufe laufen über die Tochtergesellschaft Correctiv – Verlag und Vertrieb für die Gesellschaft UG.

Geschäftsmodell und Kennzahlen

Correctiv beschreibt seine Finanzierung als Drei-Säulen-Modell aus Bürgerspenden, Stiftungs- und Institutionengeldern sowie eigenen Einnahmen. Der Jahresbericht 2024 weist Erträge und Ausgaben von jeweils 9,4 Millionen Euro aus. Rund 60 Prozent der Zuwendungen stammten aus privater Hand, rund 34 Prozent von Stiftungen und Förderern. Die Privatspenden erreichten mit fast sechs Millionen Euro einen Höchstwert, getragen von mehr als 17.000 Dauerspendern. Zum Jahresende 2024 beschäftigte Correctiv 133 Vollzeitäquivalente, rund 150 feste und freie Mitarbeitende an elf Standorten.

Für 2023 sind die großen Geldgeber einzeln bekannt: Privatpersonen spendeten rund 1,89 Millionen Euro, die Luminate Foundation des eBay-Gründers Pierre Omidyar rund 661.000 Euro, die Bundeskasse rund 431.000 Euro, die Schöpflin Stiftung 286.000 Euro, das Land Nordrhein-Westfalen rund 145.000 Euro und Google Germany rund 115.000 Euro. Weitere Förderer waren unter anderem die Stiftung Mercator, die RAG-Stiftung und die Open Society Foundations. Öffentliche Mittel sind laut Correctiv zweckgebunden und fließen nur in Medienbildung, nicht in die Redaktion.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Im November 2024 verließ Co-Geschäftsführerin Jeannette Gusko die Organisation für den Wahlkampf von Robert Habeck. Correctiv stellte die Führung daraufhin neu auf: Florence Wild wurde Chief Development Officer, Saadet Andirinli übernahm im April 2025 als Chief Operating Officer, David Schraven blieb Publisher. Seit 1. Januar 2025 leiten Anette Dowideit und Justus von Daniels als Doppelspitze die Chefredaktion Recherche.

Juristisch beschäftigt Correctiv vor allem die im Januar 2024 veröffentlichte Recherche „Geheimplan gegen Deutschland“ über ein Treffen in Potsdam. Das Landgericht Hamburg untersagte 2024 auf Antrag des Staatsrechtlers Ulrich Vosgerau eine Zitatpassage, wies die übrigen Angriffe aber ab; das Oberlandesgericht Hamburg bestätigte dies. Im Dezember 2025 wies das Landgericht Hamburg zwei Klagen von Vosgerau und Gernot Mörig gegen die Kernaussagen ab, die Kläger legten Berufung ein. Vor dem Landgericht Berlin II gewann Vosgerau im September 2025 bezüglich seines eigenen Zitats; im März 2026 musste Correctiv im Verfahren der AfD-Politikerin Gerrit Huy zwei Sätze streichen oder umformulieren und ging in Berufung. Rechtskräftig war im April 2026 keines dieser Verfahren.

Im März 2026 forderten die Gewerkschaften DJV und dju einen Haustarifvertrag; die Geschäftsführung lehnte ab und verwies auf ihr fünfstufiges Gehaltsmodell von 2021 und die Spendenfinanzierung. Am 16. September 2026 gab Correctiv einen Stellenabbau bekannt, weitgehend über auslaufende Verträge und nicht nachbesetzte Stellen in Bewegtbild-Sparte, Redaktion und Faktencheck-Bereich. Künftig sollen Nutzer über die Plattform „Faktenforum“ und eine für Anfang 2027 geplante App stärker in Recherchen eingebunden werden.

Marken und Beteiligungen

Unter dem Dach der gGmbH bündelt Correctiv die Marken Correctiv.Faktencheck, Correctiv.Lokal, Correctiv.Europe, Correctiv.Schweiz, Correctiv.Exile, die Jugendredaktion Salon5, das Exilmedium „Özgürüz“ sowie die Reporterfabrik und den CrowdNewsroom.Klassische Unternehmensbeteiligungen oder Anteilsverkäufe hat es in der Geschichte von Correctiv nicht gegeben.

FAQ

Wem gehört Correctiv? Correctiv gehört keiner Person und keinem Konzern. Die Anteile der gemeinnützigen GmbH halten fünf Kuratoren zu einem symbolischen Betrag: Dagmar Hovestädt, Lukas Beckmann, Andrew Murphy, Maria Scharlau und Gründer David Schraven.

Wer hat Correctiv gegründet? David Schraven gründete Correctiv mit dem Gesellschaftsvertrag vom 9. Dezember 2013; die Arbeit begann am 14. Juli 2014 in Essen.

Wie finanziert sich Correctiv? 2024 stammten rund 60 Prozent der Zuwendungen von Privatpersonen und rund 34 Prozent von Stiftungen und Förderern. Hinzu kommen zweckgebundene öffentliche Projektmittel und eigene Einnahmen aus Buchverkäufen.

Wie hoch ist das Jahresbudget von Correctiv? Laut Jahresbericht 2024 lagen Erträge und Ausgaben bei jeweils 9,4 Millionen Euro. Die Privatspenden erreichten fast sechs Millionen Euro.

Wer leitet Correctiv 2026? Die Geschäftsführung bilden David Schraven, Florence Wild und Saadet Andirinli. Die Chefredaktion Recherche verantworten Anette Dowideit und Justus von Daniels.

Hat Correctiv die Prozesse um die Potsdam-Recherche gewonnen? Teilweise. Die Hamburger Gerichte bestätigten die Kernaussagen weitgehend, in Berlin musste Correctiv einzelne Formulierungen streichen. Mehrere Verfahren liegen 2026 in der Berufung.

Fazit

Correctiv ist ein Sonderfall in der deutschen Medienlandschaft: Es gibt Gesellschafter, aber keine Eigentümer im wirtschaftlichen Sinn, weil die Anteile symbolisch gehalten und nicht verkauft werden dürfen. Die Kontrolle liegt bei Kuratorium, Aufsichtsrat und der Geschäftsführung um Gründer David Schraven. Der Stellenabbau im September 2026 und die laufenden Verfahren zeigen, dass das Modell trotz des Rekordjahres 2024 unter Druck steht.