Wem gehört Bergader? Eigentümer und Struktur der Privatkäserei

Wem gehört Bergader

Die Bergader Privatkäserei GmbH aus Waging am See in Oberbayern gehört seit ihrer Gründung 1902 der Gründerfamilie. Heute führt Felix Kress, Urenkel des Gründers Basil Weixler, das Unternehmen in vierter Generation; die Anteile liegen bei der Familienholding RL Anlagen GmbH in Traunstein. Mit rund 750 Beschäftigten, etwa 38.000 Tonnen Käse pro Jahr und rund 265 Millionen Euro Umsatz (Nachhaltigkeitsbericht 2022) ist Bergader nach eigenen Angaben Marktführer bei Blauschimmelkäse in Deutschland. 2025 und 2026 wurde die Geschäftsführung neu besetzt und ein dritter Produktionsstandort in Kirchanschöring auf den Weg gebracht.

Key Takeaways

  • Bergader ist seit 1902 durchgehend in Familienbesitz. Gründer war der Käser Basil Weixler in Waging am See.
  • Eigentümerin ist die Familie Kress über die RL Anlagen GmbH in Traunstein, deren Zweck laut Handelsregister das Halten der Käserei ist.
  • Felix Kress übernahm zum 1. Januar 2021 von seiner Mutter Beatrice Kress, die von 1997 bis 2020 führte und Gesellschafterin sowie Beiratsvorsitzende blieb.
  • Der Nachhaltigkeitsbericht 2022 nennt rund 750 Mitarbeiter, 1.100 Vertragslandwirte, 38.000 Tonnen Käse und rund 265 Millionen Euro Umsatz.
  • Wichtigste Marken sind Bavaria blu (seit 1972), Bergader Edelpilz (seit 1927), Bergbauern Käse, Almzeit und Bonifaz. Der Exportanteil lag 2022 bei 27 Prozent.
  • Produziert wird in Waging am See und Bad Aibling; 2025 kaufte Bergader ein Grundstück in Kirchanschöring für ein drittes Werk.
  • Seit 2025 führt Felix Kress die Gruppe von der Holding aus; zum 1. September 2026 kam Steffen Iff als kaufmännischer Geschäftsführer.
  • Zum Vermögen der Familie Kress gibt es keine offiziellen Zahlen; uamr.de nennt keine Beträge.
UnternehmenBergader Privatkäserei GmbH
Gegründet1902 durch Basil Weixler
SitzWaging am See, Landkreis Traunstein (Bayern); zweites Werk in Bad Aibling
EigentümerFamilie Kress über die RL Anlagen GmbH, Traunstein (vierte Generation der Gründerfamilie)
RechtsformGmbH (Amtsgericht Traunstein, HRB 4971), Stammkapital 6 Millionen Euro
FührungFelix Kress (geschäftsführender Gesellschafter der Holding); operativ laut Impressum Johann Burger (Sprecher), Steffen Iff, Stefan Kaiser, Dr. Michael Münch (Stand September 2026)
Umsatzrund 265 Millionen Euro (2022); rund 260 Millionen Euro (2019)
Mitarbeiterrund 750 (2022)
Vermögensbasis der EigentümerAnteile an der Familienholding RL Anlagen GmbH, die die Käserei sowie Grundstücke und Gebäude hält; keine veröffentlichten Zahlen

Geschichte und Herkunft

Basil Weixler gründete 1902 in Waging am See eine Dorfkäserei. In den 1920er Jahren entwickelte er einen Roquefort-ähnlichen Blauschimmelkäse aus Kuhmilch, der ab 1927 als Bergader Edelpilz verkauft wurde. Diese Spezialisierung auf Blauschimmelkäse prägt das Unternehmen bis heute.

Nach Weixlers Tod 1945 übernahm seine Tochter Charlotte Steffel. Unter ihr entstand 1972 die Marke Bavaria blu, ein milder Weichkäse mit Blau- und Weißschimmel, bis heute das wichtigste Produkt. 1997 trat die Enkelin Beatrice Kress an die Spitze und führte das Unternehmen bis Ende 2020; in ihre Zeit fällt unter anderem der Aufbau der Linie Bergbauern Käse (seit 2011). Zum 1. Januar 2021 übergab sie an ihren Sohn Felix Kress, damals 33 Jahre alt.

Eigentümerstruktur im Detail

Die Bergader Privatkäserei GmbH befindet sich nach Unternehmensangaben seit 1902 vollständig in Familienbesitz. Die Anteile werden über die RL Anlagen GmbH in Traunstein gehalten. Diese Holding wurde laut Handelsregister im Januar 2008 gegründet; ihr Unternehmensgegenstand ist der Erwerb und das Halten von Beteiligungen, insbesondere an der Bergader Privatkäserei GmbH, sowie die Verwaltung eigener Grundstücke und Gebäude. Im Februar 2021, kurz nach dem Generationswechsel, wurde ihr Stammkapital auf 5 Millionen Euro erhöht.

Geschäftsführer der Holding sind Beatrice Kress und Felix Kress, der in Unternehmensmitteilungen als geschäftsführender Gesellschafter auftritt. Wie die Anteile innerhalb der Familie verteilt sind, ist nicht öffentlich bekannt. Zur Gruppe gehören außerdem das Wendelstein Käsewerk GmbH in Bad Aibling, die Käsehandelsgesellschaft Rosenheim mbH und die Vertriebsgesellschaft Bergader Italia. Externe Investoren, Genossenschaften oder Konzerne sind nicht beteiligt.

Geschäftsmodell und Kennzahlen

Bergader bezieht Milch von rund 1.100 Vertragslandwirten im bayerischen Voralpenland, im Schnitt aus 20 Kilometern Umkreis um die Werke; rund 20 Prozent der Menge stammen von Bergbauernhöfen. 2022 wurden laut Nachhaltigkeitsbericht rund 325 Millionen Kilogramm Milch verarbeitet, die Lebensmittel Praxis nannte 2023 rund 360 Millionen Kilogramm.

Daraus entstehen jährlich rund 38.000 Tonnen Käse: etwa 19.500 Tonnen Weichkäse, 10.000 Tonnen Blauschimmelkäse und 8.500 Tonnen Schnittkäse (2022). Die frühere Angabe von „über 32.000 Tonnen“ ist damit überholt. Der Umsatz belief sich 2022 auf rund 265 Millionen Euro, nach etwa 260 Millionen Euro 2019 und 230 Millionen Euro 2014. Eine in älteren Darstellungen kursierende Zahl von rund 470 Millionen Euro lässt sich durch keine Quelle belegen. Der Exportanteil betrug 2022 rund 27 Prozent.

Mit Bavaria blu hält Bergader nach eigenen Angaben die Marktführung im Selbstbedienungssegment für Blauschimmelkäse. 2022 wuchs der Umsatz, der Gewinn blieb wegen der Kostensteigerungen nach Unternehmensangaben jedoch „gänzlich auf der Strecke“. Detaillierte Ergebniszahlen veröffentlicht Bergader nicht.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Im Mai 2025 stellte Bergader die Geschäftsführung neu auf. Christian Maier, zuvor bei der Käserei Champignon Hofmeister, übernahm zum 1. Juni 2025 Marketing und Vertrieb; Hans Burger wurde Sprecher der Geschäftsführung. Felix Kress zog sich aus dem operativen Geschäft zurück und führt die Gruppe seither von der Holding aus.Zum 1. September 2026 kam Steffen Iff als kaufmännischer Geschäftsführer für Finanzen, Controlling, Personal und IT; seine Vorgängerin Stephanie Pypetz war laut Handelsregister im Februar 2026 ausgeschieden. Das Impressum nennt im September 2026 Johann Burger, Steffen Iff, Stefan Kaiser und Dr. Michael Münch als Geschäftsführer.

Die wichtigste strukturelle Entscheidung betrifft die Produktion. Im September 2025 kaufte Bergader ein sechs Hektar großes Grundstück im Gewerbegebiet „Am Moosfeld“ in Kirchanschöring. Dort soll ein Werk für Blau- und Weichkäse mit rund 18.000 Tonnen Jahreskapazität entstehen, weil das über 50 Jahre alte Produktionsgebäude in Waging nicht erweiterbar ist. Die Werke in Waging und Bad Aibling bleiben erhalten. Das Vorhaben steht unter dem Vorbehalt der Genehmigungen; im Januar 2026 fand ein Infoabend mit der Gemeinde statt.

Vermögensbasis der Eigentümerfamilie

Die wirtschaftliche Grundlage der Familie Kress ist die Beteiligung an der RL Anlagen GmbH, die neben der Käserei Grundstücke und Gebäude hält. Beatrice und Felix Kress führen zudem weitere Verwaltungsgesellschaften in Waging am See. Die Familie taucht in keinem Vermögensranking auf, und weder Unternehmen noch Gesellschafter machen Angaben zu Ausschüttungen oder Privatvermögen. Offizielle Zahlen existieren nicht, und uamr.de nennt daher keine Beträge.

FAQ

Wem gehört Bergader?
Der Gründerfamilie in vierter Generation, heute der Familie Kress. Die Anteile werden über die RL Anlagen GmbH in Traunstein gehalten.

Wer führt das Unternehmen?
Felix Kress leitet die Gruppe seit 2021 als geschäftsführender Gesellschafter. Das operative Geschäft verantwortet eine Geschäftsführung um Sprecher Johann Burger, Steffen Iff, Stefan Kaiser und Dr. Michael Münch.

Ist Bergader eine Genossenschaft?
Nein. Bergader ist ein privates Familienunternehmen ohne genossenschaftliche oder konzernfremde Beteiligung. Die Milch stammt von rund 1.100 Vertragslandwirten.

Wie groß ist Bergader?
Laut Nachhaltigkeitsbericht 2022 rund 750 Beschäftigte, 325 Millionen Kilogramm Milch, 38.000 Tonnen Käse und rund 265 Millionen Euro Umsatz.

Welche Marken gehören zu Bergader?
Bavaria blu, Bergader Edelpilz, Bergbauern Käse, Almzeit, Bonifaz, Basils Rauchkäse, Bianco und WATZMANN Bergkäse.

Wo produziert Bergader?
In Waging am See und im Wendelstein Käsewerk in Bad Aibling. Ein dritter Standort in Kirchanschöring ist seit 2025 in Planung.

Fazit

Bergader liegt nach mehr als 120 Jahren vollständig in der Hand der Gründerfamilie. Die Familie Kress hält die Käserei über die RL Anlagen GmbH, Felix Kress steuert die Gruppe strategisch, ein angestelltes Führungsteam verantwortet das Tagesgeschäft. Mit rund 265 Millionen Euro Umsatz ist das Unternehmen deutlich kleiner, als ältere Darstellungen mit 470 Millionen Euro nahelegen, in seiner Nische bei Blauschimmelkäse aber führend. Der geplante Neubau in Kirchanschöring soll die Produktion für die kommenden Jahrzehnte absichern.