Wem gehört Bogner? Eigentümer, Struktur und Geschichte

Wem gehört Bogner?

Bogner gehört Stand September 2026 mehrheitlich dem Süßwaren- und Markenkonzern Katjes: Die Katjes International GmbH & Co. KG aus Emmerich hält seit dem 1. September 2025 über ihre Tochter Katjes Quiet Luxury 60 Prozent der Willy Bogner GmbH, die Gründerfamilie Bogner bleibt mit 40 Prozent beteiligt. Damit endete eine sechsjährige Übergangsphase, in der Firmenpatriarch Willy Bogner seine Anteile 2019 einem Sanierungstreuhänder übertragen hatte und das Münchner Traditionsunternehmen tiefgreifend restrukturiert wurde. Geführt wird Bogner von Daniel Hiendlmeier und Frank Wiesner; der Firmensitz bleibt München.

Key Takeaways

  • Seit dem 1. September 2025 hält Katjes International 60 Prozent an der Willy Bogner GmbH, die Familie Bogner 40 Prozent (laut Unternehmensmitteilung und Handelsblatt).
  • Das Bundeskartellamt gab die Übernahme am 8. August 2025 frei; der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht.
  • Bogner wurde 1932 von Willy Bogner senior in München gegründet; Sohn Willy Bogner junior führte die Firma von 1977 bis 2016.
  • Im November 2019 übertrug Willy Bogner seine Anteile an den Sanierungsexperten Arndt Geiwitz; es folgten Stellenabbau und der Verkauf der Firmenzentrale.
  • Der Umsatz fiel bis 2021 auf rund 122 Millionen Euro und stieg im Geschäftsjahr 2024/25 auf knapp 200 Millionen Euro.
  • Geschäftsführer sind Daniel Hiendlmeier (Chief Brand Officer) und Frank Wiesner (Chief Financial Officer); Arndt Geiwitz leitet den Beirat.
  • Katjes International hat 2026 mit dem Einstieg bei Missoni den Ausbau eines Luxusmode-Portfolios fortgesetzt.
NameWilly Bogner GmbH (bis 2025 Willy Bogner GmbH & Co. KGaA)
Gegründet1932 in München
SitzMünchen, Sankt-Veit-Straße 4 (Berg am Laim)
BrancheLuxus-Sportmode, Skibekleidung (Marken Bogner und Fire+Ice)
Eigentümer60 % Katjes International (über Katjes Quiet Luxury), 40 % Familie Bogner (Stand September 2026)
FührungGeschäftsführer Daniel Hiendlmeier und Frank Wiesner; Beiratsvorsitz Arndt Geiwitz
Umsatz / MitarbeiterUmsatz 2024/25: knapp 200 Mio. Euro (laut Handelsblatt); Mitarbeiter: keine aktuellen offiziellen Angaben (2012: 809 laut Wikipedia)

Geschichte von Bogner: Skimode aus München seit 1932

Willy Bogner senior, selbst Spitzen-Wintersportler, gründete das Unternehmen 1932 in München als Importgeschäft für Ski, Zubehör und Strickwaren aus Norwegen; bereits 1936 stattete er laut Wikipedia die deutsche Mannschaft bei den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen aus. 1937 heiratete er Maria Lux, die fortan die Modekollektionen entwarf und Bogner zu einer Marke machte: Die ab 1948 angebotene Keilhose aus modernen Materialien wurde zum Markenzeichen des Hauses. Nach der Zerstörung des Betriebs im Krieg zog die Firma 1950 in eine umgebaute Sauerkrautfabrik im Münchner Stadtteil Berg am Laim, wo sich der Firmensitz laut Wikipedia bis heute befindet.

Sohn Willy Bogner junior, geboren 1942, war zunächst selbst Skirennläufer und Olympiateilnehmer, bevor er 1962 die Produktionsfirma Bogner Film gründete und als Kameramann an vier James-Bond-Filmen mitwirkte. Nach dem Tod seines Vaters 1977 übernahm er die Leitung des Modeunternehmens und baute es über fast vier Jahrzehnte zu einer international bekannten Luxusmarke aus. 1989 kam laut Wikipedia die jüngere und sportlichere Zweitmarke Fire+Ice hinzu. Im Geschäftsjahr 2012 erwirtschaftete Bogner laut Wikipedia 232,8 Millionen Euro Umsatz mit 809 Beschäftigten weltweit. Im Sommer 2016 zog sich Willy Bogner nach 49 Jahren aus der operativen Führung zurück.

Eigentümerstruktur im Detail: Von der Treuhand zum Katjes-Einstieg

Die Eigentümerfrage bei Bogner war zwischen 2019 und 2025 ungewöhnlich komplex. Ende November 2019 übertrug der damals 77-jährige Willy Bogner seine Firmenanteile laut TextilWirtschaft und Wikipedia an den Sanierungsexperten Arndt Geiwitz von der Kanzlei Schneider Geiwitz & Partner. Die Marke wurde seither unter Aufsicht einer Treuhandgesellschaft geführt; Bogner behielt jedoch die Gewinnbezugsrechte. Ein solches Doppeltreuhandmodell wird typischerweise gewählt, wenn Gläubigerbanken in einer Krise eine neutrale Instanz zwischen Eigentümer und Unternehmen verlangen.

Die Restrukturierung griff tief. Im Juli 2020 wurde der Abbau von 150 der damals rund 800 Stellen bekannt. Im Februar 2021 verkaufte Bogner seine Firmenzentrale in der Sankt-Veit-Straße für 55 Millionen Euro an den österreichischen Projektentwickler UBM, der auf dem 12.000 Quadratmeter großen Grundstück Wohnungen bauen will; Bogner blieb zunächst als Mieter. Der Umsatz war laut Unternehmeredition bis 2021 auf rund 122 Millionen Euro gefallen. Unter der Geschäftsführerin Gerrit Schneider, seit 2020 Co-Chefin und ab November 2022 alleinige Geschäftsführerin, kehrte das Unternehmen in die Gewinnzone zurück; Geiwitz blieb bis 2022 als Treuhänder tätig.

Im August 2024 kündigte die Familie, vertreten durch Florinda Bogner, laut schuhkurier.de die Suche nach einem kapitalstarken Partner an, der langfristig in Bogner investieren sollte. Den Prozess leiteten der seit Juni 2024 amtierende Geschäftsführer Daniel Hiendlmeier, Finanzchef Frank Wiesner und General Counsel Juliane Drerup-Hero. Das Ergebnis wurde am 1. August 2025 verkündet: Katjes International übernimmt 60 Prozent der Anteile, die Familie Bogner behält 40 Prozent und bleibt laut Unternehmensmitteilung langfristig beteiligt. Das Bundeskartellamt gab die Transaktion am 8. August 2025 frei, das Closing erfolgte am 1. September 2025. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart; laut Handelsblatt finanzierte Katjes den Einstieg unter anderem über die Aufstockung einer Unternehmensanleihe um 115 Millionen Euro. Die Eigentümerfamilie wurde bei dem Verkauf von der Kanzlei POELLATH beraten.

Hinter dem neuen Mehrheitseigner steht die Familie Fassin: Katjes International ist der Beteiligungsarm der Katjes-Gruppe aus Emmerich am Rhein, geführt vom geschäftsführenden Gesellschafter Tobias Bachmüller. Das Unternehmen hält neben Süßwarenmarken wie Sperlari und Candy Kittens auch Konsumgütermarken wie Bübchen und Theramed sowie eine Beteiligung am französischen Süßwarenkonzern Carambar & Co. Bogner bleibt laut Unternehmensmitteilung rechtlich und organisatorisch eigenständig, der Hauptsitz in München wird beibehalten. Arndt Geiwitz führt den Beirat.

Geschäftsmodell und Zahlen

Bogner positioniert sich als Luxus-Sportmodemarke mit Schwerpunkt Ski- und Wintermode. Skijacken der Hauptmarke kosten laut Unternehmeredition zwischen 600 und 1.200 Euro; Fire+Ice bedient ein jüngeres Publikum im Premiumsegment. Der Vertrieb läuft über eigene Stores, Franchisepartner, den Fachhandel und den Onlineshop. Das Geschäftsjahr endet jeweils am 31. März, was die Bedeutung der Wintersaison für den Umsatz widerspiegelt.

Nach dem Einbruch auf rund 122 Millionen Euro im Jahr 2021 hat sich das Geschäft deutlich erholt. Laut Handelsblatt erzielte Bogner im Geschäftsjahr 2023/24 einen Umsatz von 188 Millionen Euro und einen Gewinn von 12,6 Millionen Euro; das Unternehmen sprach vom höchsten Umsatz seiner Geschichte. Im Geschäftsjahr 2024/25 stieg der Umsatz auf knapp 200 Millionen Euro bei erneut gesteigertem Ergebnis. Aktuelle Mitarbeiterzahlen veröffentlicht Bogner nicht; die letzte öffentlich dokumentierte Angabe von rund 800 Beschäftigten stammt aus dem Jahr 2020.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Mit dem Closing am 1. September 2025 ist Bogner Teil der Konzernbilanz von Katjes International. Finanzchef Frank Wiesner erklärte in der Unternehmensmitteilung, mit Katjes als Gesellschafter stärke Bogner seine Kapitalbasis und wolle durch eine klare globale Vertriebsstrategie die nächsten Wachstumsschritte beschleunigen. Daniel Hiendlmeier kündigte eine Konzentration auf die beiden Marken Bogner und Fire+Ice an. Ehemalige Geschäftsführerin Gerrit Schneider hatte das Unternehmen zum Jahresende 2024 verlassen.

Für Katjes International war Bogner der Auftakt zu einem neuen Geschäftsfeld. Im Februar 2026 folgte laut retail-news.de die Übernahme des britischen Snackherstellers Graze, im Mai 2026 stieg die Tochter Katjes Quiet Luxury mit rund 27 Prozent beim italienischen Modehaus Missoni ein. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz von Katjes International laut Halbjahresbericht vom 8. September 2026 um 55 Prozent auf 256 Millionen Euro, wobei Bogner als wesentlicher Wachstumstreiber genannt wurde; das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag bei 15,8 Millionen Euro. Katjes wies zugleich darauf hin, dass Bogner traditionell den Großteil seines Geschäfts im zweiten Halbjahr erzielt. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der Konzern mit mindestens 650 Millionen Euro Umsatz.

FAQ

Wem gehört Bogner heute? Seit dem 1. September 2025 hält Katjes International 60 Prozent der Willy Bogner GmbH, die Familie Bogner 40 Prozent. Katjes International ist der Beteiligungsarm der Katjes-Gruppe der Familie Fassin aus Emmerich.

Ist Willy Bogner noch am Unternehmen beteiligt? Die Familie Bogner hält 40 Prozent und ist laut Unternehmensmitteilung durch Florinda Bogner vertreten. Willy Bogner selbst hatte seine Anteile 2019 an einen Treuhänder übertragen und sich 2016 aus der Geschäftsführung zurückgezogen.

Was hat Katjes für Bogner bezahlt? Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht. Katjes stockte zur Finanzierung laut Handelsblatt eine Unternehmensanleihe um 115 Millionen Euro auf.

Wer führt Bogner? Die Geschäftsführung bilden Daniel Hiendlmeier als Chief Brand Officer und Frank Wiesner als Chief Financial Officer. Den Beirat leitet der Sanierungsexperte Arndt Geiwitz.

Wie viel Umsatz macht Bogner? Im Geschäftsjahr 2024/25 knapp 200 Millionen Euro, nach 188 Millionen Euro im Vorjahr, laut Handelsblatt.

Fazit

Bogner hat den Sprung vom krisengeschüttelten Familienunternehmen zur Konzerntochter geschafft, ohne die Familie ganz zu verlieren: Katjes International hält die Mehrheit, die Bogners bleiben mit 40 Prozent beteiligt, und der Firmensitz in München ist gesichert. Die Sanierung unter Treuhänder Arndt Geiwitz und die Rückkehr in die Gewinnzone haben den Verkauf zu einer Wachstumsgeschichte gemacht statt zu einer Notlösung. Ob Katjes mit Bogner und Missoni tatsächlich ein tragfähiges Luxusmode-Portfolio aufbauen kann, wird sich in den kommenden Wintersaisons zeigen, denn dort verdient Bogner sein Geld.