BioNTech gehört mehrheitlich zwei Gruppen: der AT Impf GmbH der Zwillingsbrüder Andreas und Thomas Strüngmann, die Stand September 2026 rund 40 Prozent der Aktien hält, sowie dem Gründer Uğur Şahin, der über seine Medine GmbH und private Bestände auf etwa 15 bis 17 Prozent kommt. Der Rest, knapp 40 Prozent, liegt als Streubesitz bei institutionellen Investoren und Privatanlegern, die die American Depositary Shares an der Nasdaq handeln. Das Mainzer Unternehmen befindet sich 2026 im größten Umbruch seiner Geschichte: Die Gründer Şahin und Türeci ziehen sich bis Anfang 2027 aus dem operativen Geschäft zurück, der ehemalige Sobi-Chef Guido Oelkers übernimmt spätestens zum 1. Februar 2027 die Führung, und die Übernahme des Tübinger Wettbewerbers CureVac wurde im Januar 2026 abgeschlossen.
Key Takeaways
- Größter Aktionär ist die AT Impf GmbH der Strüngmann-Brüder mit rund 40 bis 43 Prozent (je nach Stichtag und Quelle, Stand 2024 bis 2026).
- Gründer Uğur Şahin hält über die Medine GmbH rund 16,7 Prozent plus einen kleinen Privatbestand; zusammen mit Özlem Türeci bleiben die Gründer nach ihrem Ausscheiden mit etwa 15 Prozent beteiligt.
- Der Streubesitz liegt bei knapp 40 Prozent; Pfizer hält nur noch unter ein Prozent.
- Die CureVac-Übernahme wurde am 18. Dezember 2025 vollzogen, der Ausschluss der verbliebenen Minderheitsaktionäre folgte im Januar 2026.
- Am 10. März 2026 kündigten Şahin und Türeci ihren Abschied und die Gründung eines neuen mRNA-Unternehmens an; die Aktie verlor an diesem Tag rund 18 Prozent.
- Guido Oelkers wurde am 3. August 2026 zum neuen CEO ernannt.
- Bis Ende 2027 schließt BioNTech die Produktionsstandorte Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen sowie den Standort Singapur; bis zu 1.860 Stellen sind betroffen.
| Name | BioNTech SE |
| Gegründet | 2008 in Mainz |
| Sitz | Mainz, Rheinland-Pfalz |
| Branche | Biotechnologie (mRNA-Immuntherapien, Impfstoffe, Onkologie) |
| Eigentümer | AT Impf GmbH (Strüngmann) ca. 40 %, Medine GmbH/Uğur Şahin ca. 17 %, Streubesitz ca. 40 % (Stand September 2026) |
| Führung | CEO Uğur Şahin (bis spätestens Januar 2027), designierter CEO Guido Oelkers; Aufsichtsratsvorsitz Helmut Jeggle |
| Umsatz / Mitarbeiter | Umsatz 2025: 2,87 Mrd. Euro; Nettoverlust 2025: 1,14 Mrd. Euro (laut Jahresergebnis vom März 2026); Mitarbeiterzahl: keine aktuellen offiziellen Angaben in den ausgewerteten Quellen |
Geschichte von BioNTech: Vom Mainzer Start-up zum Impfstoffkonzern
BioNTech wurde 2008 in Mainz von dem Ärzteehepaar Uğur Şahin und Özlem Türeci gemeinsam mit dem Onkologen Christoph Huber gegründet. Es war bereits die zweite Firmengründung des Paares: 2001 hatten sie Ganymed Pharmaceuticals ins Leben gerufen, das 2016 an den japanischen Astellas-Konzern verkauft wurde. Die Idee hinter BioNTech war von Beginn an, das Immunsystem mit individualisierten Therapien gegen Krebs zu mobilisieren. Die Boten-RNA (mRNA) war dabei nur eine von mehreren Technologieplattformen.
Entscheidend für die Frühphase war das Kapital der Brüder Andreas und Thomas Strüngmann. Die beiden hatten 2005 den Generikahersteller Hexal an Novartis verkauft und investierten laut Berichten des Private Banking Magazins bereits 2008 über ihr Family Office ATHOS in das damals unbekannte Start-up. Über Jahre blieb BioNTech ein Forschungsunternehmen ohne zugelassenes Produkt, das seine Entwicklung aus Partnerschaften, etwa mit Genentech und Sanofi, sowie aus dem Kapital seiner Ankeraktionäre finanzierte.
Im Oktober 2019 folgte der Börsengang an der Nasdaq in New York, wo BioNTech seither in Form von American Depositary Shares unter dem Kürzel BNTX notiert ist. Der internationale Durchbruch kam 2020: Gemeinsam mit Pfizer entwickelte BioNTech in Rekordzeit den ersten zugelassenen mRNA-Impfstoff gegen COVID-19. Der Impfstoff machte das Unternehmen binnen eines Jahres zu einem der umsatzstärksten Biotechkonzerne der Welt und seine Gründer zu international bekannten Persönlichkeiten.
Eigentümerstruktur im Detail: Strüngmann, Şahin und der Streubesitz
Die Eigentümerstruktur von BioNTech ist für ein Unternehmen dieser Größe ungewöhnlich konzentriert. Der mit Abstand größte Aktionär ist die AT Impf GmbH, eine Beteiligungsgesellschaft der Strüngmann-Zwillinge, die über deren Family Office ATHOS KG gesteuert wird. Laut einer Aufstellung von finanzen.net mit Stand 30. September 2024 hielt AT Impf 42,8 Prozent der Aktien. Neuere Datensätze weisen einen etwas niedrigeren Wert aus: Der Finanzdatenanbieter Simply Wall St gibt mit Stand August 2026 rund 40,5 Prozent an, was etwa 101,7 Millionen Aktien entspricht. Der leichte Rückgang erklärt sich durch Anteilsverkäufe des Family Office in den Jahren seit 2023.
Zweitgrößter Aktionär ist Gründer und Vorstandschef Uğur Şahin. Er hält seine Anteile überwiegend über die Medine GmbH, die laut finanzen.net 16,7 Prozent der Aktien besitzt; hinzu kommt ein Privatbestand von rund 0,85 Prozent. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete im März 2026 unter Berufung auf das Unternehmen, dass Şahin und Türeci auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Vorstand mit rund 15 Prozent an BioNTech beteiligt bleiben. Damit kontrollieren AT Impf und die Gründer zusammen etwa 55 bis 60 Prozent des Kapitals, was ihnen faktisch die Mehrheit auf jeder Hauptversammlung sichert.
Der Streubesitz von knapp 40 Prozent verteilt sich auf zahlreiche institutionelle Investoren. Zu den größten gehören laut finanzen.net und Simply Wall St die schottische Fondsgesellschaft Baillie Gifford mit rund 3,3 Prozent, Fidelity (FMR LLC) mit etwa 3 Prozent sowie T. Rowe Price, Flossbach von Storch und Primecap mit jeweils unter 2 Prozent. Der Impfstoffpartner Pfizer, der sich 2020 mit einem kleinen Paket beteiligt hatte, hält laut derselben Aufstellung nur noch weniger als ein Prozent.
Auch der Aufsichtsrat spiegelt die Eigentümerstruktur wider. Nach der Hauptversammlung am 15. Mai 2026 wählte das Gremium laut Börse Express Helmut Jeggle zum neuen Vorsitzenden; der Aufsichtsrat wurde zugleich von sechs auf acht Mitglieder erweitert, neu hinzu kamen Iris Löw-Friedrich und Susanne Schaffert.
Geschäftsmodell und Zahlen
BioNTech erwirtschaftet seine Erlöse Stand 2026 noch immer überwiegend mit dem COVID-19-Impfstoff Comirnaty, der gemeinsam mit Pfizer vermarktet wird. Der Umsatz lag laut Jahresergebnis vom März 2026 im Geschäftsjahr 2025 bei 2,87 Milliarden Euro, nach 2,75 Milliarden Euro im Jahr 2024. Unter dem Strich stand jedoch ein Nettoverlust von 1,14 Milliarden Euro, weil das Unternehmen massiv in Forschung und Entwicklung investiert. Die Liquiditätsreserve aus Barmitteln und Wertpapieranlagen bezifferte BioNTech auf 17,2 Milliarden Euro.
Für 2026 rechnet der Vorstand mit einem Umsatz zwischen 2,0 und 2,3 Milliarden Euro, weil die Nachfrage nach COVID-19-Impfstoffen in Europa und den USA weiter sinkt. Die Forschungsausgaben sollen mit 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro erneut über dem Umsatz liegen. Strategisch will BioNTech sich bis 2030 zu einem Onkologieunternehmen mit mehreren zugelassenen Produkten wandeln. Wichtigste Projekte sind der bispezifische Antikörper Pumitamig, für den gemeinsam mit Bristol Myers Squibb acht Phase-III-Studien geplant sind, sowie die mRNA-Krebsimmuntherapie BNT113 und der Antikörper Gotistobart.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Das Jahr 2025 stand im Zeichen der Konsolidierung der deutschen mRNA-Branche. BioNTech kündigte im Juni 2025 die Übernahme des Tübinger Konkurrenten CureVac in einem reinen Aktientausch an. Am 18. Dezember 2025 meldete das Unternehmen den Abschluss des Umtauschangebots: Rund 86,75 Prozent der CureVac-Aktien waren angedient worden. Der Ausschluss der verbliebenen Minderheitsaktionäre und das Delisting der CureVac-Aktie folgten laut Unternehmensangaben im Januar 2026. Uğur Şahin, Sierk Poetting und Ramón Zapata-Gomez bilden seither den Vorstand der CureVac SE. Der Zusammenschluss beendete zugleich jahrelange Patentstreitigkeiten zwischen beiden Unternehmen.
Am 10. März 2026 folgte die überraschendste Nachricht der Unternehmensgeschichte: Şahin und Türeci gaben bekannt, BioNTech spätestens zum Auslaufen ihrer Verträge Ende 2026 zu verlassen und ein neues Unternehmen für mRNA-Innovationen der nächsten Generation zu gründen. BioNTech soll laut Deutschem Ärzteblatt eine Minderheitsbeteiligung an der neuen Firma erhalten sowie Lizenzgebühren und Meilensteinzahlungen. Die Aktie verlor an diesem Tag laut transkript.de rund 18 Prozent.
Am 5. Mai 2026 kündigte BioNTech laut ZDF und Handelsblatt zudem einen tiefgreifenden Umbau der Produktion an: Die Standorte Idar-Oberstein, Marburg und das mit CureVac übernommene Werk in Tübingen sollen bis Ende 2027 geschlossen werden, der Standort Singapur wird im ersten Quartal 2027 eingestellt. Bis zu 1.860 Stellen sind betroffen. Als Gründe nannte das Unternehmen Überkapazitäten und eine zu geringe Auslastung; ab 2029 sollen so bis zu 500 Millionen Euro jährlich eingespart und in die Krebsforschung umgelenkt werden. Die Gewerkschaft IGBCE kritisierte den Abbau scharf.
Die Nachfolgefrage klärte der Aufsichtsrat am 3. August 2026: Guido Oelkers, seit 2017 Vorstandschef des schwedischen Pharmakonzerns Swedish Orphan Biovitrum (Sobi), wird spätestens zum 1. Februar 2027 neuer CEO von BioNTech. Ein Nachfolger für Chief Medical Officer Özlem Türeci wurde laut transkript.de noch gesucht.
FAQ
Wer ist der größte Aktionär von BioNTech? Die AT Impf GmbH der Brüder Andreas und Thomas Strüngmann. Sie hält je nach Stichtag zwischen rund 40 und 43 Prozent der Aktien und ist damit der bestimmende Ankeraktionär.
Wie viel gehört Uğur Şahin und Özlem Türeci? Şahin hält über die Medine GmbH rund 16,7 Prozent plus einen kleinen Privatbestand. Nach dem Ausscheiden der Gründer aus dem Vorstand bleiben sie laut Unternehmensangaben mit etwa 15 Prozent beteiligt.
Ist Pfizer an BioNTech beteiligt? Nur noch marginal. Pfizer hatte sich 2020 im Rahmen der Impfstoffpartnerschaft mit einem kleinen Paket beteiligt und hält laut Aufstellungen von 2024 weniger als ein Prozent.
Gehört CureVac jetzt zu BioNTech? Ja. Das Umtauschangebot wurde am 18. Dezember 2025 abgeschlossen, im Januar 2026 folgte der Ausschluss der Minderheitsaktionäre. CureVac ist seither eine hundertprozentige Tochter, das Tübinger Werk soll allerdings bis Ende 2027 geschlossen werden.
Wer führt BioNTech ab 2027? Guido Oelkers, bisher CEO des schwedischen Pharmaunternehmens Sobi, übernimmt spätestens zum 1. Februar 2027 den Vorstandsvorsitz von Uğur Şahin.
Fazit
BioNTech ist trotz Börsennotierung ein Unternehmen mit klaren Ankeraktionären: Die Strüngmann-Brüder und Gründer Uğur Şahin kontrollieren gemeinsam deutlich mehr als die Hälfte des Kapitals, der Rest verteilt sich auf internationale Fonds und Privatanleger. Diese Struktur dürfte sich auch nach dem Rückzug der Gründer aus dem operativen Geschäft nicht grundlegend ändern, denn Şahin und Türeci bleiben als Aktionäre an Bord. Operativ steht der Mainzer Konzern 2026 jedoch vor einem doppelten Bruch: Das COVID-Geschäft schrumpft, die Produktion wird radikal verkleinert, und mit Guido Oelkers übernimmt erstmals ein externer Manager die Führung. Ob der Wandel zum Onkologiekonzern gelingt, entscheidet sich an den Studiendaten der kommenden Jahre.
Weiterlesen in Finanzen
- Wem gehört Bethesda? Eigentümer, Struktur und Geschichte
- Wem gehört Dacia? Renault und der französische Staat
- Wem gehört clever fit? Basic-Fit, Gründer Enzensberger und die Übernahme
- Wem gehört DAZN? Blavatnik und das Geld aus Riad
- Wem gehört ChatGPT? OpenAI, Microsoft und die Fakten
- Wem gehört DanCenter? Eigentümer, Struktur und Geschichte