Die Aristo Pharma GmbH mit Sitz in Berlin-Reinickendorf gehört der Familie Strüngmann, den Gründern des Generikaherstellers Hexal. Seit der Gründung 2008 wird das Unternehmen über die Beteiligungsgesellschaften der Familie geführt, lange über die Santo Holding und seit Januar 2026 laut Handelsregisterdaten über die ATHOS Beteiligung GmbH in Holzkirchen. Aristo zählt zu den fünf größten Generikaanbietern in Deutschland und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von rund 289 Millionen Euro. 2025 kündigte das Unternehmen die Schließung seiner beiden Berliner Produktionswerke an, die Zentrale bleibt in der Hauptstadt.
Key Takeaways
- Eigentümer ist die Familie Strüngmann (Andreas und Thomas Strüngmann), die Aristo über ihre Beteiligungsgesellschaften Santo Holding und Athos kontrolliert.
- Aristo entstand 2008 aus zugekauften Traditionsfirmen wie Lindopharm (Hilden), Steiner Arzneimittel (Berlin) und Pharma Wernigerode; einige Vorgänger reichen bis 1875 zurück.
- Der Jahresumsatz lag zuletzt bei rund 289 Millionen Euro, davon etwa 36 Millionen Euro aus Lohnherstellung (Stand 2025).
- Die Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben über 1.400 Mitarbeiter in 13 Ländern; der Tagesspiegel nannte 2025 rund 1.750 Beschäftigte.
- Produziert wird in Hilden, Wernigerode und Madrid (Medinsa), das Logistikzentrum liegt in Osterweddingen bei Magdeburg.
- Die Berliner Werke Advance Pharma und Steiner & Co. mit rund 245 Arbeitsplätzen schließen 2026; im Januar 2026 wurde ein Sozialplan vereinbart.
- Die Geschäftsführung bilden Christian Jaaks (Sprecher), Benjamin Breitfeld und Dr. Guido Zimmermann.
| Name | Aristo Pharma GmbH |
| Gegründet | 2008 (Vorgängerfirmen teils seit 1875) |
| Sitz | Wallenroder Straße 8–10, 13435 Berlin (Amtsgericht Charlottenburg, HRB 137723 B) |
| Branche | Pharmaindustrie: Generika, OTC-Präparate, Phytopharmaka, Lohnherstellung |
| Eigentümer | Familie Strüngmann über Santo Holding / ATHOS Beteiligung GmbH (Holzkirchen) |
| Führung | Christian Jaaks (Sprecher der Geschäftsführung), Benjamin Breitfeld, Dr. Guido Zimmermann |
| Umsatz / Mitarbeiter | ca. 289 Mio. Euro (Stand 2025) / über 1.400 Mitarbeiter in 13 Ländern (Unternehmensangabe) |
Herkunft und Geschichte: Ein Generikahersteller aus Zukäufen
Aristo Pharma ist das Ergebnis einer gezielten Einkaufsstrategie. Nachdem Andreas und Thomas Strüngmann ihren Generikakonzern Hexal 2005 an Novartis verkauft hatten, bauten sie über die Santo Holding eine neue Pharmagruppe auf. Den Anfang machte 2001 die Übernahme von Lindopharm in Hilden, 2006 folgten Steiner Arzneimittel in Berlin, Pharma Wernigerode im Harz und Produktionsanlagen von Lichtwer. Die heutige Aristo Pharma GmbH wurde 2003 als Lindopharm GmbH eingetragen und 2011 umbenannt.
Als Gründungsjahr der Marke Aristo gilt 2008, als die zugekauften Firmen in Berlin gebündelt wurden; einige Vorgängerunternehmen gehen nach Unternehmensangaben bis 1875 zurück. Danach wuchs die Gruppe weiter: 2009 kam Esparma mit Geschäft in Russland und der Ukraine hinzu, 2011 der spanische Lohnhersteller Medinsa in Madrid, 2016 CEB Pharma in Großbritannien. 2020 übernahm Aristo gemeinsam mit der Schwesterfirma Klinge Pharma die Hautpflegemarke Physiogel von GlaxoSmithKline. Branchenmedien bezeichneten Aristo früh als „Hexal 2.0“.
Eigentümerstruktur im Detail: Santo Holding und Athos
Aristo Pharma ist eine hundertprozentige Tochter der Strüngmann-Familie. Als Gesellschafterin fungierte über Jahre die Santo Holding (Deutschland) GmbH in München, die zentrale Beteiligungsgesellschaft der Zwillingsbrüder. Laut den Handelsregisterdaten von Northdata ist seit dem 29. Januar 2026 die ATHOS Beteiligung GmbH in Holzkirchen eingetragen, das Family Office der Familie. An den Eigentumsverhältnissen ändert die Umhängung nichts.
Unter der Aristo Pharma GmbH hängt ein Geflecht von Tochtergesellschaften, darunter Lindopharm, Pharma Wernigerode, Advance Pharma, Steiner & Co., die Aristo Pharma Vertriebs GmbH, esparma und die spanische Medinsa. Northdata weist für 2024 insgesamt 29 Beteiligungen aus, hinzu kommen Landesgesellschaften unter anderem in Spanien, Portugal, Großbritannien, Polen, Italien und der Ukraine.
Im Strüngmann-Kosmos ist Aristo nicht allein. Die 2014 erworbene Klinge Pharma gehört ebenfalls zur Athos-Gruppe, und 2022 stieg Athos beim Biosimilar-Entwickler Formycon ein; beim Bundeskartellamt wurden Santo Holding, Aristo Pharma und Klinge Biopharma gemeinsam als „Athos-Gruppe der Familien Strüngmann“ geführt. Die bekannteste Beteiligung ist BioNTech: Die Brüder finanzierten das Mainzer Unternehmen 2008 als Gründungsinvestoren und hielten 2020 rund die Hälfte der Anteile. Der Erfolg des Covid-19-Impfstoffs machte sie laut Medienberichten zu den reichsten Deutschen.
Geschäftszahlen und Marktposition
Aristo veröffentlicht keine detaillierten Konzernzahlen, aus Branchenberichten lässt sich die Entwicklung aber nachzeichnen. 2016 lag der Umsatz zu Apothekenverkaufspreisen bei rund 150 Millionen Euro in Deutschland und 52 Millionen Euro im Ausland. 2020 erlöste die Gruppe 156 Millionen Euro im Inland, 68 Millionen Euro im Ausland und 42 Millionen Euro mit Lohnherstellung. Für 2025 nannte Apotheke Adhoc einen Jahresumsatz von 289 Millionen Euro, davon rund 36 Millionen Euro aus der Auftragsproduktion.
Im deutschen Generikamarkt rangiert Aristo laut Apotheke Adhoc auf Platz fünf. Das Portfolio umfasst nach Unternehmensangaben 1.067 Artikel, davon 895 verschreibungspflichtige; rund 70 Prozent werden in eigenen Werken hergestellt. Zu den OTC-Marken zählen Imidin, Bromuc, Sedariston und Eucabal, im Rx-Bereich sind das Antibiotikum Cefurax, Carbamazepin, Metamizol und Metronidazol wichtige Umsatzträger.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026: Aus für die Berliner Produktion
Im Juli 2025 kündigte Aristo an, beide Berliner Produktionsstandorte zu schließen: die Advance Pharma GmbH in Reinickendorf, wo jährlich rund 1,5 Milliarden Tabletten hergestellt wurden, sowie Steiner & Co. in Lichterfelde. Insgesamt geht es um rund 245 Arbeitsplätze. Als Gründe nannte das Unternehmen bei Advance Pharma anhaltende Verluste trotz mehrerer Restrukturierungsanläufe, bei Steiner den Verlust wichtiger Rabattverträge.
Die IGBCE protestierte scharf und warnte vor Folgen für die Versorgung mit kritischen Wirkstoffen; am 3. Dezember 2025 traten rund 120 Beschäftigte in einen Warnstreik. Ende Januar 2026 einigten sich beide Seiten auf einen Sozialplan mit gestaffelten Abfindungen und einer Transfergesellschaft. Die Produktion in Berlin läuft 2026 aus, gefertigt wird künftig in Hilden, Wernigerode und Madrid. Größere Übernahmen oder ein Verkauf des Unternehmens sind für 2025 und 2026 nicht bekannt.
Die Personen hinter Aristo
Operativ leitet eine dreiköpfige Geschäftsführung das Unternehmen. Christian Jaaks kam 2019 als Finanzchef und ist seit dem Abgang des langjährigen CEO Dr. Stefan Koch Anfang 2022 Sprecher der Geschäftsführung. Dr. Guido Zimmermann verantwortet seit 2019 die Produktion, Benjamin Breitfeld wurde im März 2024 berufen. Die Eigentümer Andreas und Thomas Strüngmann halten sich im Tagesgeschäft zurück. Die Zwillinge machten Hexal zum zweitgrößten Generikahersteller Deutschlands, verkauften es 2005 für 7,5 Milliarden US-Dollar an Novartis und investierten mit Aristo, Klinge, Formycon und BioNTech erneut in die Gesundheitsbranche.
FAQ
Wem gehört Aristo Pharma? Aristo Pharma gehört vollständig der Familie Strüngmann, den Gründern von Hexal. Die Anteile lagen bis Januar 2026 bei der Santo Holding, seither laut Handelsregister bei der ATHOS Beteiligung GmbH.
Ist Aristo Pharma börsennotiert? Nein. Aristo Pharma ist eine GmbH in Familienbesitz und veröffentlicht keine Quartalszahlen.
Wie groß ist Aristo Pharma? Der Jahresumsatz lag zuletzt bei rund 289 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt über 1.400 Mitarbeiter in 13 Ländern und gilt als fünftgrößter Generikahersteller Deutschlands.
Wo produziert Aristo Pharma? Nach der Schließung der Berliner Werke 2026 verbleiben Hilden (Lindopharm), Wernigerode (Pharma Wernigerode) und Madrid (Medinsa). Das Logistikzentrum befindet sich in Osterweddingen bei Magdeburg.
Was hat Aristo Pharma mit Hexal zu tun? Beide Unternehmen wurden von Andreas und Thomas Strüngmann aufgebaut. Hexal wurde 2005 an Novartis verkauft, Aristo entstand danach als neue Generikagruppe der Familie.
Warum schließt Aristo seine Berliner Werke? Advance Pharma arbeitete laut Unternehmen dauerhaft unprofitabel und fand keinen Käufer, bei Steiner & Co. fehlte nach dem Verlust wichtiger Rabattverträge die wirtschaftliche Perspektive.
Fazit
Aristo Pharma ist das zweite Generikaprojekt der Strüngmann-Brüder und fest in deren Beteiligungsnetz aus Santo Holding und Athos eingebunden. Aus einer Serie von Zukäufen entstand seit 2008 ein Anbieter mit rund 289 Millionen Euro Umsatz und Präsenz in 13 Ländern. Der Rückzug aus der Berliner Produktion zeigt, wie stark der Preisdruck im Rabattvertragsgeschäft auch einen kapitalstarken Eigentümer zu harten Schnitten zwingt. Aristo bleibt dennoch ein Familienunternehmen ohne externe Investoren.