Wem gehört ATU? Eigentümer und Struktur der Werkstattkette

Wem gehört ATU

ATU (A.T.U Auto-Teile-Unger) aus Weiden in der Oberpfalz ist Deutschlands größte Werkstattkette – und seit Dezember 2016 in französischer Hand. Eigentümer ist die Mobivia-Gruppe aus Nordfrankreich, ein Familienunternehmen der Unternehmerfamilie Derville. Nach dem Rückkauf einer Minderheitsbeteiligung von Michelin Anfang 2023 gehört ATU Mobivia wieder vollständig. Stand 2026 betreibt ATU nach eigenen Angaben rund 525 Filialen in Deutschland, beschäftigt rund 9.000 Menschen und setzt etwa eine Milliarde Euro im Jahr um. Seit Juni 2025 führt Sebastian Jarantowski das Unternehmen.

Key Takeaways

  • ATU wurde 1985 von Peter Unger in Weiden in der Oberpfalz gegründet.
  • Seit Dezember 2016 gehört ATU zur französischen Mobivia-Gruppe (Norauto, Midas, Carter-Cash), einem Familienunternehmen mit Sitz bei Lille.
  • Zwischen 2018 und Anfang 2023 hielt der Reifenhersteller Michelin 20 Prozent an ATU; Mobivia kaufte die Anteile zurück und ist seitdem Alleineigentümer.
  • Zuvor gehörte ATU Doughty Hanson (ab 2002), KKR (ab 2004, Kaufpreis 1,45 Milliarden Euro) und ab 2013 den Gläubigern um Centerbridge.
  • Nach Rückzügen aus Tschechien, den Niederlanden, der Schweiz (2020) und Österreich (2024) ist ATU nur noch in Deutschland aktiv.
  • Aktuelle Kennzahlen: rund 525 Filialen, rund 9.000 Beschäftigte, etwa eine Milliarde Euro Jahresumsatz (Unternehmensangaben 2025/2026).
  • Im Juni 2025 löste Finanzchef Sebastian Jarantowski den bisherigen CEO Sascha Bopp ab; Mobivia will damit eine strategische Neuausrichtung vorantreiben.
NameA.T.U Auto-Teile-Unger GmbH & Co. KG
Gegründet1985 durch Peter Unger
SitzWeiden in der Oberpfalz (Bayern)
BrancheKfz-Werkstätten, Autoteile, Reifen und Zubehör
EigentümerMobivia (Frankreich, Familienunternehmen der Familie Derville), 100 Prozent seit Anfang 2023, Mehrheit seit Dezember 2016
FührungSebastian Jarantowski, Vorsitzender der Geschäftsführung (seit Juni 2025)
Umsatz / Mitarbeiterrund 1 Mrd. Euro / rund 9.000 Beschäftigte, rund 525 Filialen (Unternehmensangaben, Stand 2025/2026)

Vom Reifenhändler zur größten Werkstattkette Deutschlands

Peter Unger, geboren 1944 und aufgewachsen in Neustadt an der Waldnaab, betrieb zunächst einen Reifenhandel, den er 1984 verkaufte. Mit dem Erlös gründete er 1985 in Weiden das Unternehmen Auto-Teile-Unger. Das Konzept: Fachmarkt und markenunabhängige Meisterwerkstatt unter einem Dach, dazu zentrale Logistik.

Im Juni 2002 zog sich der Gründer weitgehend zurück: Der britische Finanzinvestor Doughty Hanson übernahm rund 72 Prozent der Anteile, Unger behielt zunächst 19 Prozent. 2004 kaufte der US-Investor KKR ATU für 1,45 Milliarden Euro, Doughty Hanson blieb bis 2010 mit einer Minderheit beteiligt. Peter Unger verkaufte in diesem Zuge seine restlichen Anteile.

Die KKR-Jahre waren von hoher Verschuldung geprägt. 2013 stand ATU mit rund 600 Millionen Euro Schulden vor der Umschuldung: Teile der Anleihen wurden in Eigenkapital gewandelt, und im Dezember 2013 übernahm der Anleihegläubiger Centerbridge die Mehrheit von KKR, das nur noch rund drei Prozent hielt. Es folgten der Abbau von rund 900 Stellen (2014) und der Rückzug aus den Niederlanden und Tschechien (2015).

Eigentümerstruktur im Detail: Mobivia und die Familie Derville

Im September 2016 kündigte die französische Mobivia-Gruppe an, ATU von den Finanzinvestoren Centerbridge und Goldman Sachs zu übernehmen. Bedingung war eine Senkung der hohen Mietkosten, mit der eine drohende Insolvenz abgewendet wurde. Im Dezember 2016 wurde die Übernahme vollzogen. ATU hatte damals 577 Werkstätten in Deutschland, 25 in Österreich und sechs in der Schweiz, rund 10.000 Beschäftigte und etwa eine Milliarde Euro Umsatz.

Mobivia mit Sitz in Villeneuve-d’Ascq bei Lille ist kein börsennotierter Konzern, sondern ein unabhängiges Familienunternehmen. Gegründet wurde es 1970 von Eric Derville mit der ersten Norauto-Filiale; sein Sohn Fabien Derville führt den Verwaltungsrat. Die Dervilles sind laut Handelsblatt mit der Familie Mulliez verwandt, der unter anderem die Handelskette Auchan gehört. Die Gruppe veröffentlicht keine Gewinnzahlen. Laut Nachhaltigkeitserklärung 2025 sind 2,3 Prozent des Kapitals in Mitarbeiterhand; operativ führt Romain Sartorius als Präsident und Generaldirektor.

Zwischenzeitlich hatte ATU einen zweiten Gesellschafter: Im Februar 2018 stieg der Reifenhersteller Michelin für 60 Millionen Euro mit 20 Prozent ein. Im Januar 2023 kaufte Mobivia diese Minderheitsbeteiligung zurück und ist seither wieder alleiniger Eigentümer.

Geschäftszahlen und Marktposition

ATU nennt auf seiner Unternehmensseite 525 Filialen in Deutschland, rund 9.000 Beschäftigte, über 1.000 Auszubildende und einen Jahresumsatz von etwa einer Milliarde Euro. Gewinnzahlen werden nicht veröffentlicht.

Die Muttergesellschaft Mobivia meldete zum 30. September 2025 rund 2.000 Werkstätten und Geschäfte in 16 Ländern, 23.200 Beschäftigte und ein Geschäftsvolumen von rund vier Milliarden Euro (inklusive Franchise); nach IFRS konsolidiert waren es 3,4 Milliarden Euro. Deutschland ist laut Mobivia der größte europäische Markt der Branche.

Das Filialnetz schrumpft seit Jahren: Um 2013 zählte ATU noch über 600 Werkstätten und rund 12.000 Beschäftigte. 2020 kündigte das Unternehmen die Schließung von bis zu 45 der damals 597 deutschen Standorte an, 2021 schloss es sein Logistikzentrum in Weiden und verkaufte das Autoglasgeschäft an Carglass. 2024 gab ATU 24 seiner 25 österreichischen Filialen an Lucky Car ab und ist seither nur noch in Deutschland aktiv.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Im Juni 2025 kam es zum Führungswechsel: Sebastian Jarantowski, seit 2015 bei ATU und zuletzt Geschäftsführer Finanzen, übernahm mit sofortiger Wirkung den Vorsitz der Geschäftsführung. Vorgänger Sascha Bopp, seit Oktober 2022 im Amt, schied einvernehmlich aus. Mobivia will damit die strategische Neuausrichtung vorantreiben. Im Oktober 2025 erklärte Jarantowski, die Krise der Autoindustrie als Chance für das freie Werkstattgeschäft nutzen zu wollen.

Im Juni 2026 trennte sich ATU von seinem Reifen-Recycling-Geschäft: Die Reifengranulierung der Tochter Estato Umweltservice GmbH in Weiden, die jährlich rund 45.000 Tonnen Altreifen verarbeitet, ging an die deutsche Tochter des dänischen Recyclers Genan. Etwa 30 der 90 Estato-Beschäftigten wechseln zum Käufer, die übrigen Geschäftsbereiche bleiben bei ATU. Jarantowski sprach von einem „starken Partner“ mit „industrieller Größe“. Parallel baut ATU sein Angebot für Elektrofahrzeuge aus.

Die Menschen hinter ATU

Gründer Peter Unger lebt weiterhin in Neustadt an der Waldnaab und ist mit dem Unternehmen nicht mehr operativ verbunden; seine Beteiligungen werden über die Unger Capital Management GmbH verwaltet, und die Regionalpresse verwies 2025 auf seine Nennung in der Liste der 500 reichsten Deutschen. Der aktuelle CEO Jarantowski berichtete im Oktober 2025 von Gesprächen mit dem Gründer über die Ausrichtung von ATU. Auf Eigentümerseite bleibt die Familie Derville prägend, die Mobivia in über fünf Jahrzehnten zum europäischen Marktführer im Kfz-Service ausgebaut hat.

FAQ

Wem gehört ATU heute? ATU gehört zu 100 Prozent der französischen Mobivia-Gruppe, einem Familienunternehmen der Familie Derville aus Nordfrankreich. Mehrheit seit Dezember 2016, Alleineigentümer seit dem Rückkauf der Michelin-Anteile Anfang 2023.

Ist ATU an der Börse notiert? Nein. Weder ATU noch die Muttergesellschaft Mobivia sind börsennotiert. Mobivia ist ein unabhängiges Familienunternehmen.

Gehört ATU noch Peter Unger? Nein. Er verkaufte 2002 die Mehrheit an Doughty Hanson und 2004 beim Einstieg von KKR seine restlichen Anteile.

Welche Rolle spielte KKR bei ATU? KKR kaufte ATU 2004 für 1,45 Milliarden Euro. Die hohe Schuldenlast führte 2013 zu einer Umschuldung, bei der die Gläubiger um Centerbridge die Kontrolle übernahmen; KKR behielt nur noch rund drei Prozent.

Wie viele Filialen und Mitarbeiter hat ATU? Nach Unternehmensangaben betreibt ATU rund 525 Filialen in Deutschland mit rund 9.000 Beschäftigten. In Österreich und der Schweiz ist ATU nicht mehr vertreten.

Wer führt ATU? Vorsitzender der Geschäftsführung ist seit Juni 2025 Sebastian Jarantowski, der zuvor Finanzchef des Unternehmens war und Sascha Bopp ablöste.

Fazit

ATU hat in vier Jahrzehnten alle Eigentümerformen durchlaufen: Gründerunternehmen, Private-Equity-Beteiligung, Gläubigerkontrolle und Konzerntochter. Seit 2016 gehört das Unternehmen aus Weiden zur Mobivia-Gruppe und damit einer französischen Unternehmerfamilie, die keine Quartalszahlen veröffentlichen muss. Mit rund 525 Filialen, etwa einer Milliarde Euro Umsatz und neuer Führung unter Sebastian Jarantowski steht ATU 2026 vor der Aufgabe, das Werkstattgeschäft für die Elektromobilität neu auszurichten.