Wem gehört Fisker? Insolvenz, Eigentümer und Abwicklung 2026

Wem gehört Fisker

Fisker Inc. gehört heute niemandem mehr im operativen Sinn: Der kalifornische Elektroautohersteller von Henrik Fisker und Geeta Gupta-Fisker beantragte im Juni 2024 ein Chapter-11-Verfahren und wird seit Oktober 2024 nach einem gerichtlich bestätigten Liquidationsplan abgewickelt. Die verbliebenen 3.231 Fisker Ocean gingen für bis zu 46,25 Mio. US-Dollar an den New Yorker Leasinganbieter American Lease, alle übrigen Vermögenswerte liegen in einem Treuhandvermögen für die Gläubiger. Die Aktien der Gründer und der Börsenanleger wurden gelöscht.

Key Takeaways

  • Fisker Inc. wurde 2016 gegründet und ging im Oktober 2020 per SPAC-Fusion bei einer Bewertung von rund 2,9 Mrd. US-Dollar an die NYSE.
  • Vor der Insolvenz hielten die Gründer sämtliche Class-B-Aktien mit je zehn Stimmen und damit die Mehrheit der Stimmrechte.
  • Auftragsfertiger Magna erhielt Optionsscheine auf rund 6 Prozent der Aktien und baute den Ocean in Graz.
  • 2023 erzielte Fisker 272,9 Mio. US-Dollar Umsatz bei einem Nettoverlust von 762,0 Mio. US-Dollar; 10.193 Ocean wurden gebaut, nur 4.929 ausgeliefert.
  • Am 17. Juni 2024 folgte der Chapter-11-Antrag in Delaware.
  • Im Juli 2024 genehmigte das Gericht den Verkauf von 3.231 Ocean an American Lease, am 16. Oktober 2024 den Liquidationsplan.
  • Die SEC stellte ihre Untersuchung im September 2025 ohne Anklage ein; die Fisker Owners Association mit rund 4.000 Mitgliedern hält die Fahrzeuge in Eigenregie am Laufen.
NameFisker Inc. (in Abwicklung)
Gegründet3. Oktober 2016 (Vorgänger Fisker Automotive: 2007)
BrancheElektrofahrzeuge, Auftragsfertigung durch Magna Steyr
EigentümerBis 2024: Gründer Henrik Fisker und Geeta Gupta-Fisker (Stimmenmehrheit über Class-B-Aktien) sowie Streubesitz; seit Oktober 2024: Fisker Liquidating Trust zugunsten der Gläubiger
Sitzzuletzt Manhattan Beach, Kalifornien (2024 geschlossen); Verfahren in Wilmington, Delaware
Geschäftsführungkeine operative Führung mehr; zuvor Henrik Fisker (CEO), Geeta Gupta-Fisker (CFO/COO); Abwicklung durch Treuhänder Matthew Dundon
Umsatz272,9 Mio. US-Dollar (2023, letztes Geschäftsjahr vor der Insolvenz)
MitarbeiterBelegschaft 2024 weitgehend entlassen; operatives Geschäft eingestellt

Geschichte und Herkunft

Der Name Fisker steht für zwei Unternehmen und zwei Pleiten. Der dänische Designer Henrik Fisker gründete 2007 den Hersteller Fisker Automotive, dessen Plug-in-Hybrid Karma ab 2011 bei Valmet in Finnland gebaut und in rund 1.800 Exemplaren verkauft wurde. Die Pleite des Batterielieferanten A123 Systems und ein nicht zurückzahlbares Darlehen des US-Energieministeriums führten im November 2013 zum Insolvenzantrag. Anfang 2014 übernahm der chinesische Zulieferer Wanxiang die Reste für 149,2 Mio. US-Dollar und führt sie bis heute als Karma Automotive.

Am 3. Oktober 2016 startete Fisker mit seiner Frau Geeta Gupta-Fisker den zweiten Anlauf: Fisker Inc. sollte Elektroautos entwerfen und vermarkten, die Fertigung aber Partnern überlassen. 2020 fusionierte das Unternehmen mit der von Apollo Global Management gesponserten Zweckgesellschaft Spartan Energy Acquisition Corp., die es mit rund 2,9 Mrd. US-Dollar bewertete; ab dem 30. Oktober 2020 notierte die Aktie unter dem Kürzel FSR an der NYSE. Magna baute den SUV Ocean im Werk Graz und erhielt dafür Optionsscheine auf rund 6 Prozent des Eigenkapitals.

2023 baute Magna 10.193 Ocean, Fisker lieferte aber nur 4.929 aus; Softwarefehler und Rückrufe belasteten die Marke. Der Umsatz lag bei 272,9 Mio. US-Dollar, der Nettoverlust bei 762,0 Mio. US-Dollar. Anfang 2024 warnte das Unternehmen vor Zweifeln an seiner Fortführungsfähigkeit, stoppte im März die Produktion und fand keinen Investor.

Eigentümerstruktur im Detail

Wem gehört Fisker? Vom Gründerpaar mit Class-B-Stimmenmehrheit über die Chapter-11-Insolvenz 2024 zum Fisker Liquidating Trust und zum Flottenkäufer American Lease 2026
Wem gehört Fisker? Insolvenz, Eigentümer und Abwicklung 2026 2

Fisker Inc. hatte eine Zwei-Klassen-Struktur. Zum Stichtag 10. April 2023 waren 197.879.896 Class-A-Aktien mit je einer Stimme und 132.354.128 Class-B-Aktien mit je zehn Stimmen ausgegeben. Sämtliche Class-B-Aktien lagen bei Henrik Fisker und Geeta Gupta-Fisker, rechnerisch rund 40 Prozent aller Aktien, laut Proxy-Statement aber die Mehrheit der Stimmrechte.

Unter den Class-A-Aktionären nannte das Proxy-Statement 2023 Fifthdelta mit 8,9 Prozent, The Vanguard Group mit 7,7 Prozent, den SPAC-Sponsor Spartan mit 7,6 Prozent, BlackRock mit 6,3 Prozent und Louis M. Bacon mit 5,2 Prozent der Class-A-Aktien; der Rest lag im Streubesitz.

Heute ist diese Struktur Geschichte. Mit dem Wirksamwerden des Liquidationsplans am 17. Oktober 2024 wurden alle Aktien entschädigungslos gelöscht. Das verbliebene Vermögen und die Klagerechte gingen auf den Fisker Liquidating Trust über, den der Treuhänder Matthew Dundon zugunsten der Gläubiger verwaltet; für die Rechte am geistigen Eigentum sehen die Gerichtsunterlagen ein gesondertes Treuhandvermögen vor. Die Fahrzeugflotte und der Zugang zur Fahrzeugsoftware liegen bei American Lease. Einen Käufer für die Marke Fisker gibt es bislang nicht.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Das Verfahren befindet sich in der Schlussphase. Ungesicherte Gläubiger erhielten im August 2025 eine erste Abschlagszahlung von 0,75 Prozent, insgesamt rund 8,8 Mio. US-Dollar; die Frist für Einwendungen gegen offene Forderungen lief bis zum 12. Januar 2026. Im Februar 2026 wurde bekannt, dass die US-Börsenaufsicht SEC ihre Untersuchung bereits im September 2025 ohne Anklage eingestellt hat.

Für die rund 11.000 Ocean-Besitzer weltweit bleibt die Lage schwierig. American Lease hatte sich für zusätzlich 2,5 Mio. US-Dollar den Zugang zur Cloud-Software gesichert und der Fisker Owners Association per Absichtserklärung die Weiterführung der Online-Dienste zugesagt. Als American Lease 2025 verlangte, dass die Vereinigung 58 Prozent der laufenden Kosten übernimmt, scheiterte die Zusammenarbeit. Privat genutzte Ocean verloren Fernzugriff und Over-the-Air-Updates; fahren und laden lassen sie sich weiterhin. Die Eigentümervereinigung organisiert seither Ersatzteile und Software-Hilfen in Eigenregie.

Die Insolvenz: Wer bekam was

Den Anfang machte die österreichische Tochter Fisker GmbH, die im Mai 2024 in Graz Insolvenz anmeldete; im August 2024 nahmen die Gläubiger einen Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent an. Magna verbuchte für die gescheiterte Kooperation Abschreibungen und Restrukturierungskosten von 316 Mio. US-Dollar.

Am 17. Juni 2024 folgte der Chapter-11-Antrag in Delaware mit Verbindlichkeiten von 100 bis 500 Mio. US-Dollar und Vermögenswerten von 500 Mio. bis 1 Mrd. US-Dollar. Einziger besicherter Gläubiger war Heights Capital Management, das Fisker 2023 mehr als 500 Mio. US-Dollar über Wandelanleihen geliehen und sich nach einer verspäteten Quartalsmeldung alle Vermögenswerte als Sicherheit hatte übertragen lassen. Am 16. Juli 2024 genehmigte Richter Brendan L. Shannon den Verkauf von 3.231 Ocean an American Lease für maximal 46,25 Mio. US-Dollar; die Wagen fahren heute als Mietfahrzeuge für Fahrdienst-Fahrer in New York. Der Treuhänder verwertet seither die restlichen Vermögenswerte und erstattet die Kosten offener Rückrufe. Die geplanten Modelle Pear, Alaska und Ronin wurden gestrichen; über neue Projekte von Henrik Fisker gibt es keine belastbaren öffentlichen Angaben.

FAQ

Wem gehört Fisker heute?
Niemandem im operativen Sinn. Fisker Inc. wird seit Oktober 2024 über den Fisker Liquidating Trust zugunsten der Gläubiger abgewickelt; die Fahrzeugbestände gehören American Lease.

Wer waren die Eigentümer vor der Insolvenz?
Henrik Fisker und Geeta Gupta-Fisker hielten alle Class-B-Aktien mit zehnfachem Stimmrecht und damit die Stimmenmehrheit. Größere Class-A-Aktionäre waren Fifthdelta, Vanguard, Spartan, BlackRock und Louis M. Bacon.

Was hat American Lease gekauft?
3.231 Fisker Ocean für maximal 46,25 Mio. US-Dollar sowie für weitere 2,5 Mio. US-Dollar den Zugriff auf Quellcode und Cloud-Dienste, nicht aber die Firma, ihre Marke oder Patente.

Ist Fisker Inc. dasselbe Unternehmen wie Fisker Automotive?
Nein. Fisker Automotive ging 2013 in die Insolvenz und wurde 2014 von Wanxiang übernommen, das es als Karma Automotive weiterführt. Fisker Inc. wurde 2016 neu gegründet.

Können Fisker Ocean noch gefahren werden?
Ja, fahren und laden funktionieren weiterhin. Seit dem Streit mit American Lease 2025 fehlen privaten Besitzern jedoch Online-Dienste und Over-the-Air-Updates.

Gibt es noch eine Fisker-Aktie?
Die NYSE nahm die Aktie am 22. April 2024 vom Kurszettel; mit dem Liquidationsplan vom Oktober 2024 verloren alle Aktien ihren Wert.

Fazit

Die Frage „Wem gehört Fisker?“ hat 2026 eine ernüchternde Antwort: Das 2020 mit 2,9 Mrd. US-Dollar bewertete Unternehmen ist in ein Treuhandvermögen, eine Leasingflotte und eine Eigentümerinitiative zerfallen. Die Gründer behielten die Kontrolle bis zum Schluss, verloren mit der Löschung der Aktien aber ebenso alles wie die Börsenanleger. Dass die Ocean heute vor allem dank ihrer Besitzer weiterfahren, ist das Vermächtnis eines Herstellers ohne eigene Fabrik, stabile Software und ausreichend Kapital.