
Ferrero gehört auch 80 Jahre nach der Gründung vollständig der Familie Ferrero. Die Holding Ferrero International S.A. sitzt in Luxemburg, das operative Herz schlägt in Alba im Piemont. Giovanni Ferrero, Enkel des Gründers, führt die Gruppe als Präsident der Holding und gilt als Mehrheitseigentümer. Im Geschäftsjahr 2024/25 setzte Ferrero 19,3 Mrd. Euro um; nach der Übernahme von WK Kellogg Co im September 2025 beschäftigt die Gruppe mehr als 50.000 Menschen.
Key Takeaways
- Ferrero ist nicht börsennotiert und befindet sich seit der Gründung 1946 in Alba vollständig im Besitz der Familie Ferrero.
- Giovanni Ferrero, Sohn von Nutella-Erfinder Michele Ferrero, ist seit 2015 Mehrheitseigentümer und Präsident der Holding Ferrero International S.A. in Luxemburg.
- Im Geschäftsjahr 2024/25 (1. September 2024 bis 31. August 2025) stieg der Konzernumsatz um 4,6 Prozent auf 19,3 Mrd. Euro.
- Im September 2025 schloss Ferrero die Übernahme von WK Kellogg Co zu einem Unternehmenswert von 3,1 Mrd. US-Dollar ab und übernahm rund 3.000 Beschäftigte.
- Zum 1. September 2026 ersetzte Ferrero den Konzern-CEO durch zwei Führungsrollen: Alessandro Nervegna leitet „Ferrero Core“, Lapo Civiletti das Eis- und Cerealiengeschäft.
- Forbes führt Giovanni Ferrero seit Jahren als reichsten Italiener; Vermögenszahlen nennt uamr.de grundsätzlich nicht.
| Name | Ferrero-Gruppe (Holding: Ferrero International S.A.) |
|---|---|
| Gegründet | 14. Mai 1946 in Alba (Piemont, Italien) durch Pietro Ferrero |
| Branche | Süßwaren, Gebäck, Speiseeis, Frühstückscerealien |
| Eigentümer | Familie Ferrero (100 Prozent); Giovanni Ferrero als Mehrheitseigentümer |
| Sitz | Ferrero International S.A., Luxemburg; operatives Zentrum Alba (Italien) |
| Geschäftsführung | Giovanni Ferrero (Präsident Ferrero International S.A.); Alessandro Nervegna (CEO Ferrero Core, seit 1. September 2026); Lapo Civiletti (Präsident Ferrero Ice Cream und WK Kellogg Co) |
| Umsatz | 19,3 Mrd. Euro (Geschäftsjahr 2024/25) |
| Mitarbeiter | 48.697 (31. August 2025); mehr als 50.000 nach der Übernahme von WK Kellogg Co |
Geschichte und Herkunft
Der Konditor Pietro Ferrero gründete das Unternehmen am 14. Mai 1946 in Alba. Weil Kakao knapp war, Haselnüsse aus dem Piemont aber reichlich, entwickelte er eine günstige Nuss-Nougat-Masse, die „Pasta gianduja“. Nach seinem frühen Tod führte Witwe Piera Cillario Ferrero kurzzeitig die Geschäfte, bevor Sohn Michele übernahm.
Michele Ferrero verfeinerte das Rezept 1951 zur „Supercrema“, aus der 1964 Nutella wurde, und erfand Mon Chéri, Kinder Schokolade, Tic Tac und Ferrero Rocher. 1956 eröffnete Ferrero in Stadtallendorf in Hessen seine erste Produktion außerhalb Italiens, 1969 folgte der Schritt in die USA. Michele Ferrero starb im Februar 2015 mit 89 Jahren.
1997 übernahm die dritte Generation mit den Söhnen Pietro junior und Giovanni als Doppelspitze. Pietro Ferrero junior starb im April 2011 mit 47 Jahren an einem Herzinfarkt bei einer Radtour in Südafrika, seither führte Giovanni allein. Nach dem Tod des Vaters 2015 wurde er Executive Chairman und Mehrheitseigentümer; 2017 machte er Lapo Civiletti zum ersten familienfremden CEO.
Eigentümerstruktur im Detail

Ferrero ist ein reines Familienunternehmen ohne außenstehende Aktionäre und ohne Börsennotierung. Die Anteile liegen bei der Familie Ferrero, allen voran bei Giovanni Ferrero, der seit 2015 als Mehrheitseigentümer gilt. Wie sich die Anteile zwischen ihm und weiteren Familienmitgliedern – etwa seiner Mutter Maria Franca Fissolo – verteilen, ist nicht öffentlich bekannt.
Konzernobergesellschaft ist die Ferrero International S.A. mit Sitz in Luxemburg. Sie steuert die weltweit mehr als 100 Konzerngesellschaften und legt den konsolidierten Abschluss vor; Giovanni Ferrero ist ihr Präsident. Der Luxemburger Sitz wird seit Jahren kritisch diskutiert, das operative Zentrum mit Forschung und Stammwerk bleibt Alba.
Eine Besonderheit sind die „Ferrero-verbundenen Unternehmen“: die Ferrara Candy Company in Chicago (seit 2017), Delacre, Kelsen, Fox’s Biscuits, Burton’s, Jelly Belly, Michel et Augustin und seit Oktober 2025 Carambar & Co. Sie gehören zur Familie Ferrero, werden laut Konzern aber nicht in den Abschluss der Ferrero International S.A. einbezogen. Laut Il Sole 24 Ore bildet die CTH Invest S.A. den zweiten Holding-Pfeiler der Familie. Wem Ferrero gehört, beantworten also zwei Säulen – beide in Familienhand.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Das Geschäftsjahr 2024/25 schloss Ferrero mit einem konsolidierten Umsatz von 19,3 Mrd. Euro ab, ein Plus von 4,6 Prozent gegenüber den 18,4 Mrd. Euro des Vorjahres. Die Investitionen lagen bei rund 1,1 Mrd. Euro, die Zahl der Werke bei 36, die Belegschaft zum Stichtag bei 48.697.
Der größte Zukauf der Firmengeschichte wurde am 26. September 2025 abgeschlossen: Ferrero übernahm den US-Cerealienhersteller WK Kellogg Co für 23,00 US-Dollar je Aktie, was einem Unternehmenswert von 3,1 Mrd. US-Dollar entspricht. Frosted Flakes, Froot Loops und Special K gehören damit zu Ferrero, rund 3.000 Beschäftigte wechselten in den Konzern. Im Oktober 2025 folgte über Ferrara die Übernahme von Carambar & Co von Eurazeo für 240 Mio. Euro. Im August 2026 kündigte Ferrero den Kauf der US-Frühstücksmarke Purely Elizabeth an; der Abschluss steht noch aus, Medienberichte nennen 850 Mio. US-Dollar, Ferrero selbst keinen Preis.
Parallel baute Ferrero die Führung um: Zum 1. September 2026 entfiel der Posten des Konzern-CEOs. Alessandro Nervegna, zuvor Chief Strategy and Innovation Officer, führt seither als CEO von „Ferrero Core“ das Kerngeschäft mit Süßwaren, Gebäck und Better-for-you-Marken. Lapo Civiletti, CEO von 2017 bis 2026, verantwortet als Präsident das Eisgeschäft und WK Kellogg Co und bleibt Vizepräsident der Holding. Beide berichten direkt an Giovanni Ferrero. Am 14. Mai 2026 jährte sich die Gründung zum 80. Mal.
Geschäftsmodell und Übernahmen
Ferrero vertreibt mehr als 35 Marken in über 170 Ländern, darunter Nutella, Kinder, Ferrero Rocher, Raffaello, Mon Chéri und Tic Tac; in Deutschland kommen Duplo, Hanuta und Milch-Schnitte hinzu. Seit rund zehn Jahren wächst der Konzern vor allem durch Zukäufe: 2015 Thorntons für 112 Mio. Pfund, 2018 das US-Süßwarengeschäft von Nestlé mit Butterfinger und Baby Ruth für 2,8 Mrd. US-Dollar, 2019 das Keksgeschäft von Kellogg mit Keebler für 1,3 Mrd. US-Dollar, 2020 Fox’s Biscuits für 250 Mio. Pfund. Anfang 2023 stieg Ferrero mit Wells Enterprises (Blue Bunny, Halo Top) in den US-Eismarkt ein; einen Preis nannten die beiden Familienunternehmen nicht.
Die Eigentümerfamilie: Vermögensbasis ohne Beträge
Die Vermögensbasis der Familie beruht fast vollständig auf dem Unternehmen: auf den Anteilen an der Ferrero International S.A., an verbundenen Unternehmen wie Ferrara und an den Markenrechten. Forbes führt Giovanni Ferrero seit Jahren als reichsten Italiener. Offizielle Zahlen zum Privatvermögen gibt es nicht, und uamr.de nennt grundsätzlich keine Beträge zu Privatpersonen.
Giovanni Ferrero, geboren 1964 in Farigliano, wuchs ab 1975 in Brüssel auf, lebt bis heute in der Region Brüssel und hat mehrere Romane veröffentlicht. Die Familie tritt öffentlich kaum in Erscheinung. Kritik trifft den Konzern dennoch: Die Salmonellen-Kontamination im belgischen Werk Arlon führte 2022 zu Rückrufen in zahlreichen Ländern; dauerhaft diskutiert werden Palmöl in Nutella und die Arbeitsbedingungen in der Haselnuss-Lieferkette.
FAQ
Wem gehört Ferrero? Ferrero gehört vollständig der Familie Ferrero. Giovanni Ferrero gilt seit 2015 als Mehrheitseigentümer und ist Präsident der Holding Ferrero International S.A.; die genaue Anteilsverteilung ist nicht öffentlich.
Ist Ferrero an der Börse? Nein. Ferrero ist nicht börsennotiert und hat keine außenstehenden Aktionäre.
Warum sitzt die Ferrero-Holding in Luxemburg? Die Ferrero International S.A. ist in Luxemburg registriert und steuert von dort die Beteiligungen; die Wahl gilt als steuerlich motiviert. Forschung und Stammwerk bleiben in Alba.
Wie viel Umsatz macht Ferrero? Im Geschäftsjahr 2024/25 erzielte die Gruppe 19,3 Mrd. Euro, nach 18,4 Mrd. Euro im Vorjahr und 17 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2022/23.
Wer führt Ferrero operativ? Seit dem 1. September 2026 gibt es keinen Konzern-CEO mehr. Alessandro Nervegna leitet als CEO „Ferrero Core“ das Kerngeschäft, Lapo Civiletti das Eis- und Cerealiengeschäft; beide berichten an Giovanni Ferrero.
Welche Rolle spielt Deutschland für Ferrero? Deutschland war 1956 das erste Auslandsland des Konzerns. Produziert wird in Stadtallendorf und seit 2023 in Faulbach, die Verwaltung sitzt in Frankfurt am Main; Ferrero beschäftigt hierzulande rund 4.500 Menschen.
Fazit
Ferrero ist 2026 eines der größten und verschwiegensten Familienunternehmen der Lebensmittelbranche. Die Eigentümerfrage ist klar: Die Familie hält alle Anteile, Giovanni Ferrero führt als Präsident der luxemburgischen Holding und Mehrheitseigentümer. Mit 19,3 Mrd. Euro Umsatz, mehr als 50.000 Beschäftigten und Zukäufen wie WK Kellogg Co ist aus dem Nutella-Hersteller ein breiter Anbieter süßer Lebensmittel geworden – die Kontrolle bleibt bei der Familie, das Tagesgeschäft bei familienfremden Managern.