
Kaum ein Name steht so sehr für Geld und Einfluss wie Rothschild. Die Bankendynastie entstand im 18. Jahrhundert in der Frankfurter Judengasse, finanzierte im 19. Jahrhundert Staaten und Eisenbahnen und führt heute zwei eigenständige Finanzgruppen: Rothschild & Co in Paris und London sowie die Genfer Edmond de Rothschild Gruppe. Seit dem Börsenrückzug 2023 ist Rothschild & Co wieder vollständig in Familienhand. Zum Rothschild Vermögen gibt es jedoch keine offiziellen Zahlen, weshalb uamr.de keine Beträge nennt (Stand: November 2026).
Key Takeaways
- Mayer Amschel Rothschild (1744–1812) begründete die Dynastie als Hoffaktor in der Frankfurter Judengasse.
- Seine fünf Söhne bauten Bankhäuser in Frankfurt, Wien, London, Neapel und Paris auf und wurden 1822 Freiherren.
- Rothschild & Co entstand aus der Fusion des britischen und des französischen Zweigs; seit Mai 2018 führt Alexandre de Rothschild die Gruppe.
- Im Oktober 2023 nahm die Familienholding Concordia Rothschild & Co von der Börse; das Angebot bewertete die Bank mit rund 3,7 Milliarden Euro.
- 2025 erzielte Rothschild & Co rund 3 Milliarden Euro Umsatz und 413 Millionen Euro Nettogewinn mit etwa 4.800 Mitarbeitenden.
- Die Edmond de Rothschild Gruppe unter Ariane de Rothschild verwaltete Ende 2025 ein Rekordvermögen von 198 Milliarden Franken.
| Name | Rothschild (Familie), seit 1822 Freiherren von Rothschild |
|---|---|
| Gründer | Mayer Amschel Rothschild (1744–1812), Frankfurt am Main |
| Ursprung | Frankfurter Judengasse, „Haus zum Roten Schild“; Hoffaktor der Landgrafen von Hessen-Kassel |
| Heutige Unternehmen | Rothschild & Co (Paris/London); Edmond de Rothschild Gruppe (Genf); RIT Capital Partners (London) |
| Führung | Alexandre de Rothschild (Executive Chairman Rothschild & Co), Ariane de Rothschild (CEO Edmond de Rothschild) |
| Vermögensbasis | Beteiligungen an den Familienbanken, Weingüter wie Château Lafite-Rothschild und Château Mouton-Rothschild, Investmenttrusts, Kunst, Immobilien, Stiftungen |
Geschichte und Herkunft
Die Vorfahren lebten seit dem 16. Jahrhundert in der Frankfurter Judengasse, wo Häuser durch Schilder statt Nummern gekennzeichnet waren – das „Haus zum Roten Schild“ wurde zum Familiennamen. Mayer Amschel Rothschild, geboren am 23. Februar 1744, begann als Münzhändler und Geldwechsler. 1769 wurde er Hoffaktor des Erbprinzen Wilhelm von Hessen-Hanau, der als Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel sein wichtigster Kunde wurde. Von seinen zwanzig Kindern erreichten fünf Söhne und fünf Töchter das Erwachsenenalter.
1804 platzierte Mayer Amschel erstmals eigenständig eine Staatsanleihe für Dänemark, 1810 nahm er seine Söhne als Gesellschafter auf; er starb im September 1812. Im 19. Jahrhundert wurde das Anleihengeschäft für europäische Staaten zum Kern des Erfolgs, dazu kamen die Finanzierung von Eisenbahnen und Bergwerken wie der Rio-Tinto-Kupferminen ab 1873. Historiker beschreiben die Gruppe zwischen 1815 und 1914 als größte Bank der Welt.
Die fünf Häuser und die Struktur heute

Die fünf Söhne verteilten sich auf die Finanzplätze Europas: Amschel Mayer führte das Frankfurter Stammhaus, Salomon begründete die Wiener Linie, Nathan Mayer gründete in London N M Rothschild & Sons, Carl leitete ab 1821 Neapel und James ab 1812 Rothschild Frères in Paris. 1822 wurden die Brüder in den Freiherrenstand erhoben. Neapel schloss 1863, Frankfurt 1901, das Wiener Vermögen wurde 1938 von den Nationalsozialisten enteignet, und in Frankreich verstaatlichte die Regierung Mitterrand Anfang der 1980er Jahre die Banque Rothschild, die David und Éric de Rothschild ab 1983 unter der Holding Paris Orléans neu aufbauten.
2003 beschlossen die britische und die französische Linie unter David de Rothschild, ihre Banken zusammenzulegen; 2015 nahm die Muttergesellschaft den Namen Rothschild & Co an. Heute ruht die Gruppe auf drei Säulen: Global Advisory (Fusions- und Finanzierungsberatung), Wealth & Asset Management und die Beteiligungssparte Five Arrows. Davon unabhängig ist die 1953 von Edmond Adolphe de Rothschild gegründete Edmond de Rothschild Gruppe in Genf, seit 2019 nicht mehr börsennotiert; Kapitalverflechtungen bestehen nicht. Der britische Zweig um die Erben Jacob Rothschilds, der die Londoner Bank 1980 verließ, hält den Investmenttrust RIT Capital Partners.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Die wichtigste Weichenstellung war der Börsenrückzug. Im Februar 2023 kündigte die Familienholding Concordia ein Übernahmeangebot für Rothschild & Co an, das inklusive Dividende und Sonderausschüttung 48 Euro je Aktie wert war und die Bank mit rund 3,7 Milliarden Euro bewertete. Danach hielt Concordia mit verbündeten Aktionären wie der Familie Dassault 95,65 Prozent des Kapitals; am 11. Oktober 2023 verschwand die Aktie von der Pariser Börse.
Operativ lief es gut: 2024 stieg der Umsatz auf 2,9 Milliarden Euro und der Nettogewinn auf 440 Millionen Euro, die Gruppe beschäftigte 4.600 Menschen in 49 Ländern. Am 20. März 2026 folgten die Zahlen für 2025: rund 3 Milliarden Euro Umsatz, davon 1,75 Milliarden aus der Beratung. Der Nettogewinn sank wegen Abwertungen bei Five Arrows leicht auf 413 Millionen Euro, die Belegschaft wuchs auf rund 4.800. Die Genfer Edmond de Rothschild Gruppe meldete im selben Monat ein verwaltetes Vermögen von 198 Milliarden Franken (plus 8 Prozent) und einen Reingewinn von 73 Millionen Franken. Ariane de Rothschild, Witwe des 2021 verstorbenen Benjamin de Rothschild, führt sie seit März 2023 erneut als CEO. Im Februar 2024 starb Lord Jacob Rothschild, Gründer von RIT Capital Partners, mit 87 Jahren.
Rothschild Vermögen: Einnahmequellen und Vermögensbasis
Beim Rothschild Vermögen ist zunächst eine Klarstellung nötig: Es gibt kein gemeinsames Familienvermögen, das bilanziert würde. Die Nachkommen verteilen sich auf unabhängige Zweige in Frankreich, Großbritannien und der Schweiz. Offizielle Zahlen zu Familienmitgliedern oder zur Familie insgesamt existieren nicht; uamr.de nennt deshalb bewusst keine Beträge.
Beschreibbar ist die Vermögensbasis. Die wichtigste Säule des französisch-britischen Zweigs ist die Kontrolle über Rothschild & Co, deren Gewinne seit 2023 ohne Börsenaktionäre an die Eigentümer fließen. Der Genfer Zweig stützt sich auf die Edmond de Rothschild Gruppe mit Privatbank, Asset Management und Private Equity. Hinzu kommen Sachwerte: Château Mouton-Rothschild (seit 1853) und Château Lafite-Rothschild (seit 1868, heute von Saskia de Rothschild geführt) zählen zu den berühmtesten Weingütern der Welt, dazu Anwesen wie Waddesdon Manor, Kunstsammlungen und Stiftungen. Diese Basis ist breit, aber zersplittert – pauschale Angaben zum „Rothschild-Vermögen“ sind deshalb unseriös. Ebenso unseriös sind die Verschwörungserzählungen um die Familie: Die Waterloo-Legende von 1846, nach der Nathan Rothschild mit Vorwissen über die Schlacht spekuliert haben soll, ist widerlegt und wurde 1940 im NS-Propagandafilm „Die Rothschilds“ wiederbelebt.
FAQ
Wem gehört Rothschild & Co heute? Seit 2023 kontrolliert die Familienholding Concordia mit verbündeten Investoren 95,65 Prozent der Bank. Executive Chairman ist seit Mai 2018 Alexandre de Rothschild, Sohn von David de Rothschild.
Wie viel Vermögen hat die Familie Rothschild? Dazu gibt es keine offiziellen Zahlen, weil die Familie aus vielen unabhängigen Zweigen besteht und die Banken nicht börsennotiert sind; uamr.de nennt deshalb keine Beträge.
Was unterscheidet Rothschild & Co von Edmond de Rothschild? Rothschild & Co ist die Bank des französisch-britischen Zweigs in Paris und London, die Edmond de Rothschild Gruppe eine 1953 gegründete Genfer Privatbank unter Ariane de Rothschild. Kapitalverflechtungen bestehen nicht.
Woher stammt der Name Rothschild? Vom „Haus zum Roten Schild“ in der Frankfurter Judengasse, in dem die Vorfahren der Familie lebten.
Welche bekannten Rothschilds sind zuletzt gestorben? Benjamin de Rothschild (Genfer Gruppe) starb im Januar 2021, Sir Evelyn de Rothschild, langjähriger Chef der Londoner Bank, im November 2022 und Lord Jacob Rothschild im Februar 2024.
Fazit
Die Rothschilds haben den Weg von der Frankfurter Judengasse bis in die moderne Fusionsberatung geschafft. Mit dem Börsenrückzug 2023, dem Generationswechsel zu Alexandre de Rothschild und dem Wachstum der Genfer Gruppe unter Ariane de Rothschild stehen beide Familienbanken 2026 solide da. Das Rothschild Vermögen bleibt eine Größe ohne Zahl: Es liegt in Bankbeteiligungen, Weingütern, Kunst und Stiftungen mehrerer unabhängiger Zweige – und gerade diese Zersplitterung widerlegt den Mythos einer alles lenkenden Finanzmacht.
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