
Carlsberg A/S aus Kopenhagen gehört mehrheitlich einer Stiftung: Die 1876 vom Gründer J. C. Jacobsen errichtete Carlsberg-Stiftung (Carlsbergfondet) hielt zum 31. Dezember 2025 laut Geschäftsbericht 29,99 Prozent des Kapitals, aber 77,53 Prozent der Stimmrechte. Möglich macht das ein Zwei-Klassen-System aus A-Aktien mit 20 und B-Aktien mit zwei Stimmen; die übrigen Anteile liegen im Streubesitz an der Nasdaq Copenhagen. Nach der Übernahme des britischen Getränkeherstellers Britvic im Januar 2025 erzielte der Konzern 2025 einen Umsatz von 89,1 Milliarden Dänischen Kronen (Stand 2026).
Key Takeaways
- Die Carlsberg-Stiftung hält 29,99 Prozent des Kapitals und 77,53 Prozent der Stimmen (Stand 31. Dezember 2025, Geschäftsbericht).
- Die Satzung verpflichtet die Stiftung, dauerhaft mindestens 51 Prozent der Stimmrechte an Carlsberg A/S zu halten.
- Rund 70 Prozent des Kapitals liegen im Streubesitz, vor allem bei US-Investoren.
- Im Januar 2025 schloss Carlsberg die 3,3 Milliarden Pfund schwere Übernahme von Britvic ab.
- Umsatz 2025: 89,1 Mrd. DKK (umgerechnet rund 11,9 Mrd. Euro); Absatz 148 Millionen Hektoliter, davon 99 Millionen Hektoliter Bier.
- Der Rückzug aus Russland endete im Dezember 2024 mit dem Verkauf der Brauerei Baltika für 34 Milliarden Rubel an das Management.
- Vorstandsvorsitzender ist seit 2023 Jacob Aarup-Andersen.
| Name | Carlsberg A/S (Carlsberg Group) |
|---|---|
| Gegründet | 1847 von J. C. Jacobsen in Kopenhagen |
| Hauptsitz | Kopenhagen, Dänemark |
| Branche | Brauerei, Bier und alkoholfreie Getränke |
| Eigentümer | Carlsberg-Stiftung 29,99 % Kapital / 77,53 % Stimmen; Rest Streubesitz (Stand 31.12.2025) |
| Rechtsform / Börse | Aktiengesellschaft (A/S), notiert an der Nasdaq Copenhagen (CARL A, CARL B) |
| Umsatz | 89,1 Mrd. DKK (2025, Geschäftsbericht 2025) |
| Absatz | 148,0 Mio. Hektoliter, davon 99,0 Mio. hl Bier (2025) |
| Mitarbeiter | rund 37.000 (Ende 2025, Geschäftsbericht) |
| Vorstandsvorsitzender | Jacob Aarup-Andersen (seit 2023) |
Geschichte und Herkunft
Jacob Christian Jacobsen gründete Carlsberg 1847 vor den Toren Kopenhagens und benannte die Brauerei nach seinem Sohn Carl. 1876 errichtete er die Carlsberg-Stiftung, die zunächst das Carlsberg-Laboratorium finanzieren sollte, in dem die Reinzucht von Bierhefe und die pH-Skala entwickelt wurden. Nach Jacobsens Tod 1887 ging die Brauerei testamentarisch an die Stiftung über; 1906 wurde sie mit Carls Brauerei Ny Carlsberg zusammengeführt.
Der Aufstieg zum Weltkonzern verlief über Zukäufe: 1970 die Fusion mit dem dänischen Rivalen Tuborg, 1999 der Schweizer Marktführer Feldschlösschen, 2004 die Hamburger Holsten-Brauerei mit Holsten, Astra, Lübzer und Duckstein. 2008 zerlegten Carlsberg und Heineken gemeinsam den britischen Konzern Scottish & Newcastle; Carlsberg erhielt dabei Kronenbourg in Frankreich und die Anteile am russischen Marktführer Baltika. Anfang 2021 kam die sächsische Wernesgrüner Brauerei hinzu.
Eigentümerstruktur im Detail

Das Grundkapital von 132.656.806 Aktien zu je 20 Kronen teilt sich laut Geschäftsbericht 2025 in 33.699.252 A-Aktien und 98.957.554 B-Aktien. Eine A-Aktie gewährt 20 Stimmen, eine B-Aktie zwei Stimmen; B-Aktien haben dafür Anspruch auf eine bevorrechtigte Dividende von 8 Prozent. Die Carlsberg-Stiftung besitzt 33.136.435 A-Aktien, also fast den gesamten Bestand dieser Gattung, sowie 6.643.288 B-Aktien. Daraus ergeben sich 29,99 Prozent des Kapitals und 77,53 Prozent der Stimmrechte (Stand 31. Dezember 2025).
Ursprünglich verlangte Jacobsens Testament, dass die Stiftung mindestens 51 Prozent des Kapitals hält. 2007 erlaubte die dänische Stiftungsaufsicht eine Absenkung auf 25 Prozent des Kapitals bei weiterhin 51 Prozent der Stimmen; seit 2013 schreibt die Satzung nur noch vor, dass die Stiftung dauerhaft mindestens 51 Prozent der Stimmrechte kontrolliert.
Die verbleibenden rund 70 Prozent des Kapitals liegen im Streubesitz, laut Geschäftsbericht zu etwa 35 Prozent bei US-Investoren, je 20 Prozent bei Anlegern aus Dänemark und Großbritannien, 15 Prozent im übrigen Europa. Einzige gemeldete Beteiligung über der 5-Prozent-Schwelle ist die Bostoner Fondsgesellschaft Massachusetts Financial Services Company. Die Marktkapitalisierung lag Ende 2025 bei rund 113,9 Milliarden Kronen.
Zwei Mitglieder des Stiftungsvorstands sitzen im Aufsichtsrat von Carlsberg A/S, die Stiftungsvorsitzende als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende. Die Dividenden, 2025 laut Geschäftsbericht 1,1 Milliarden Kronen, fließen in Grundlagenforschung, Kunst und soziale Projekte.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Größter Einschnitt der jüngeren Geschichte ist der Kauf von Britvic: Carlsberg schloss die Übernahme des britischen Softdrink-Herstellers am 17. Januar 2025 für 3,3 Milliarden Pfund ab. Zusammen mit dem im Juli 2024 komplett übernommenen Braugeschäft von Marston’s firmiert es als Carlsberg Britvic, nach Konzernangaben größter Pepsi-Abfüller Europas. Britvic steuerte 2025 laut Geschäftsbericht 15,6 Milliarden Kronen Umsatz bei.
Parallel endete das Kapitel Russland. Nach der Rückzugsankündigung im März 2022 stellte ein Präsidentendekret die Brauerei Baltika im Juli 2023 unter staatliche Verwaltung; Carlsberg schrieb das Geschäft ab und kündigte die Lizenzverträge. Am 3. Dezember 2024 genehmigte Russland den Verkauf an die Gesellschaft VG Invest zweier Baltika-Manager für 34 Milliarden Rubel (laut Interfax rund 320 Millionen US-Dollar); Carlsberg erhielt dafür die Beteiligungen in Kasachstan und Aserbaidschan zurück.
Für 2025 meldete Carlsberg am 4. Februar 2026 einen Umsatz von 89,1 Milliarden Kronen, berichtet plus 18,8 Prozent durch Britvic, organisch jedoch minus 0,6 Prozent bei schwacher Biernachfrage in Westeuropa. Der Nettogewinn betrug 7,0 Milliarden Kronen, die Dividende steigt auf 29 Kronen je Aktie. Aktienrückkäufe bleiben wegen der Nettoverschuldung von 61,6 Milliarden Kronen (Ende 2025) ausgesetzt. Im Halbjahresbericht vom 19. August 2026 hob der Konzern die Gewinnprognose auf 4 bis 6 Prozent organisches Wachstum an und prüft laut Geschäftsbericht Optionen für sein Indiengeschäft bis hin zu einem Börsengang.
Geschäftszahlen und Marken
Carlsberg setzte 2025 insgesamt 148,0 Millionen Hektoliter ab, davon 99,0 Millionen Hektoliter Bier und 49,0 Millionen Hektoliter Softdrinks. Der Umsatz verteilt sich auf Westeuropa (51,7 Mrd. DKK), Asien (19,3 Mrd. DKK) sowie Mittel- und Osteuropa mit Indien (18,2 Mrd. DKK). Ende 2025 beschäftigte der Konzern 36.998 Menschen.
Zu den internationalen Marken gehören Carlsberg, Tuborg, 1664 Blanc, Kronenbourg, Somersby und Grimbergen, zu den lokalen Feldschlösschen (Schweiz), Super Bock (Portugal), Okocim (Polen) und Chongqing (China). In Deutschland vereint Carlsberg Deutschland mit Sitz in Hamburg die Marken Holsten, Astra, Lübzer, Duckstein und Wernesgrüner. Durch Britvic kamen Softdrinks wie Robinsons, Tango und J2O sowie die Abfüllrechte für Pepsi und 7UP in Großbritannien und Irland hinzu.
Die Eigentümer: Vermögensbasis
Hinter Carlsberg steht keine Unternehmerfamilie, sondern eine Stiftung ohne private Begünstigte, geführt von einem fünfköpfigen Vorstand, den die Königlich Dänische Akademie der Wissenschaften aus ihren Reihen wählt. Ihr Vermögen besteht im Wesentlichen aus dem Aktienpaket an Carlsberg A/S sowie einem frei verfügbaren Wertpapierportfolio von 11,6 Milliarden Kronen (Ende 2025, laut Stiftungsangaben). Nachfahren J. C. Jacobsens halten keine bekannten Sonderrechte; uamr.de nennt grundsätzlich keine Vermögensbeträge für Privatpersonen.
FAQ
Wem gehört Carlsberg? Carlsberg A/S ist börsennotiert, wird aber von der Carlsberg-Stiftung kontrolliert: 29,99 Prozent des Kapitals, 77,53 Prozent der Stimmen (Ende 2025); der Rest liegt im Streubesitz.
Warum hat die Stiftung so viel mehr Stimmen als Kapital? A-Aktien haben 20 Stimmen, B-Aktien zwei. Die Stiftung besitzt nahezu alle A-Aktien, an der Börse werden überwiegend B-Aktien gehandelt.
Was hat Carlsberg mit Britvic zu tun? Carlsberg übernahm den Softdrink-Hersteller Britvic im Januar 2025 für 3,3 Milliarden Pfund und führt das britische Geschäft seither als Carlsberg Britvic.
Ist Carlsberg noch in Russland aktiv? Nein. Nach der staatlichen Beschlagnahme von Baltika 2023 verkaufte Carlsberg die Brauerei im Dezember 2024 an das lokale Management und beendete alle Lizenzverträge.
Welche deutschen Biere gehören zu Carlsberg? Holsten, Astra, Lübzer, Duckstein und Wernesgrüner. Nicht zu verwechseln ist Carlsberg mit der familiengeführten Karlsberg Brauerei aus Homburg im Saarland.
Fazit
Carlsberg ist das Musterbeispiel eines stiftungskontrollierten Börsenkonzerns: Die Carlsberg-Stiftung sichert sich mit knapp 30 Prozent des Kapitals über drei Viertel der Stimmen und muss laut Satzung dauerhaft die Mehrheit behalten. Anleger nehmen über B-Aktien am Erfolg teil, haben aber kaum Einfluss.
Mit Britvic hat sich der Konzern 2025 vom reinen Brauer zum Getränkeanbieter gewandelt, der Verkauf von Baltika schloss den Rückzug aus Russland ab. Stand 2026 liegt der Fokus auf Schuldenabbau, Synergien und einer möglichen Neuordnung des Indiengeschäfts.