Wem gehört Europcar? Eigentümer und Struktur 2026

Wem gehört Europcar?

Europcar ist seit Juli 2022 nicht mehr börsennotiert: Alleinige Eigentümerin der Europcar Mobility Group ist die Green Mobility Holding, ein Konsortium aus dem Volkswagen-Konzern (66 %), dem Londoner Investor Attestor (27 %) und der niederländischen Pon Holdings (7 %). Die Übernahme bewertete den französischen Autovermieter mit rund 2,9 Milliarden Euro. Seither schreibt Europcar Verluste, wurde 2025 neu aufgestellt und soll laut „WirtschaftsWoche“ von Volkswagen wieder „börsenreif“ gemacht werden.

Key Takeaways

  • Europcar wurde 1949 in Paris von Raoul-Louis Mattei gegründet und ist heute in mehr als 130 Ländern aktiv.
  • Seit Juli 2022 hält die Green Mobility Holding 100 % der Anteile; die Aktie wurde am 13. Juli 2022 von der Pariser Börse genommen.
  • Hinter der Holding stehen Volkswagen (66 %), Attestor (27 %) und Pon Holdings (7 %).
  • Das Übernahmeangebot lag bei 0,50 Euro je Aktie (0,51 Euro im Squeeze-out) und bewertete Europcar mit rund 2,9 Milliarden Euro.
  • Volkswagen war schon von 1999 bis 2006 Eigentümer, dann folgten Eurazeo und 2015 der Börsengang.
  • 2025 erzielte Europcar 3,32 Milliarden Euro Umsatz bei einem Nettoverlust von 332 Millionen Euro; seit Mai 2025 führt Sebastian Birkel das Unternehmen.
  • Im September 2026 berichtete die „WirtschaftsWoche“, Volkswagen wolle Europcar „börsenreif“ machen.
NameEuropcar Mobility Group S.A.
Gegründet1949 in Paris (von Raoul-Louis Mattei)
SitzSaint-Quentin-en-Yvelines bei Paris, Frankreich
BrancheAutovermietung und Mobilitätsdienstleistungen
EigentümerGreen Mobility Holding (100 %): Volkswagen 66 %, Attestor 27 %, Pon Holdings 7 %
Umsatz (2025)3,32 Mrd. Euro (2024: 3,41 Mrd. Euro)
Mitarbeiterrund 8.400 in den eigenen Landesgesellschaften (Ende 2025)
Vermögensbasis/StrukturFlotte von durchschnittlich 269.000 Fahrzeugen, Marken Europcar, Goldcar, Fox Rent A Car und Ubeeqo, Franchise-Netz in über 130 Ländern

Geschichte und Herkunft

Raoul-Louis Mattei gründete Europcar 1949 in Paris; ab 1951 firmierte die Firma als „Europcars“. 1970 übernahm ein Bündnis aus Renault, der Schlafwagengesellschaft Wagons-Lits und dem späteren Hotelkonzern Accor die Firma. Ab 1988 stieg der Volkswagen-Konzern schrittweise ein, 1999 war Europcar eine hundertprozentige VW-Tochter. Die deutsche Landesgesellschaft entstand bereits 1927 in Hamburg und betreibt laut Wikipedia rund 520 Standorte.

2006 trennte sich Volkswagen zum ersten Mal von Europcar und verkaufte den Vermieter an die französische Beteiligungsgesellschaft Eurazeo – nach Wikipedia-Angaben zum 2,4-Fachen des Jahresumsatzes 2005 beziehungsweise rund 3,3 Milliarden Euro Unternehmenswert inklusive Schulden. Unter Eurazeo ging Europcar im Juni 2015 an die Euronext Paris und kaufte Ubeeqo (2015), Goldcar (2017) und Fox Rent A Car (2019).

Die Corona-Pandemie brachte den hoch verschuldeten Konzern 2020 in Existenznot. Im November 2020 vereinbarte Europcar eine Restrukturierung mit einem Schuldenerlass von 1,1 Milliarden Euro und einer Kapitalerhöhung von 250 Millionen Euro. Aus Gläubigern wurden Aktionäre – darunter Attestor mit danach rund 12,8 % der Aktien.

Eigentümerstruktur im Detail

Wem gehört Europcar? Aktionärsstruktur mit Volkswagen, Attestor und Pon Holdings 2026
Wem gehört Europcar? Eigentümer und Struktur 2026 2

Im Juni 2021 lehnte der Europcar-Verwaltungsrat ein erstes Angebot des Volkswagen-Konsortiums von 0,44 Euro je Aktie ab. Am 28. Juli 2021 einigten sich beide Seiten auf ein nachgebessertes Gebot: 0,50 Euro je Aktie, plus 0,01 Euro bei einer Annahmequote über 90 %. Das entsprach einem Aufschlag von 27 % auf den letzten unbeeinflussten Kurs und einem Unternehmenswert von rund 2,9 Milliarden Euro.

Das Kaufvehikel ist die Green Mobility Holding S.A. Daran sind der Volkswagen-Konzern mit 66 %, Attestor Limited mit 27 % und Pon Holdings B.V. mit 7 % beteiligt. Pon ist ein niederländischer Familienkonzern und VW-Importeur. Volkswagen betonte bei der Ankündigung, das Konsortium trotz Mehrheit nicht allein zu kontrollieren. Die VW-Beteiligung liegt bei der Volkswagen Financial Services AG, deren Chef Christian Dahlheim den Aufsichtsrat von Europcar leitet.

Nach der Freigabe durch die französische Finanzaufsicht AMF und die EU-Kommission hielt die Holding im Juni 2022 zunächst 87,5 %, nach einer Nachfrist 93,62 % des Kapitals. Es folgte ein Squeeze-out zu 0,51 Euro je Aktie; am 13. Juli 2022 wurde die Europcar-Aktie von der Börse genommen. Seitdem ist die Green Mobility Holding laut Geschäftsbericht 2025 alleinige Aktionärin; Streubesitz gibt es nicht mehr.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Die von VW-Chef Herbert Diess ausgerufene Vision einer Mobilitätsplattform vom Carsharing bis zum Autoabo hat sich bislang nicht ausgezahlt. 2024 stand ein Nettoverlust von 260 Millionen Euro, 2025 waren es 332 Millionen Euro. Das „Manager Magazin“ berichtete im März 2025 über interne Verkaufsdiskussionen bei Volkswagen und Rückzugsüberlegungen der Partner.

Zum 1. Mai 2025 übernahm ein neues Führungsteam: Sebastian Birkel, zuvor Chef von Sixt Nordamerika, wurde Group-CEO, Joachim Hinz kam von Seat als Finanzchef, Olivier Baldassari blieb Chief Operating Officer. Birkel startete das Programm „Drive 2027+“, das Europcar von einem volumengetriebenen zu einem profitabilitätsorientierten Geschäft umbauen soll. Dazu gehörten ein Restrukturierungsplan mit 75,2 Millionen Euro Kosten, der Verkauf des Niederlande-Geschäfts an den Konsortialpartner Pon (Juni 2025) und der Verkauf der österreichischen Tochter Megadrive (Oktober 2025). Im Mai 2025 stellte die Green Mobility Holding zudem ein Gesellschafterdarlehen über 250 Millionen Euro zu 12,01 % Zinsen bereit.

Am 3. September 2026 berichtete die „WirtschaftsWoche“, der VW-Vorstand prüfe Teil- oder Komplettverkäufe von rund 750 Beteiligungen, um bis 2030 bis zu 15 Milliarden Euro Nettoliquidität zu heben. Europcar solle in diesem Zug „börsenreif“ gemacht werden. Eine offizielle Entscheidung über einen Börsengang oder Verkauf gibt es bislang nicht.

Geschäftsmodell und Kennzahlen

Europcar verdient sein Geld mit der Vermietung von Pkw und Transportern an Privat- und Firmenkunden. Neben der Kernmarke gehören Goldcar, Fox Rent A Car, Ubeeqo sowie in Deutschland Buchbinder und Euromobil zur Gruppe. In den wichtigsten Märkten arbeitet der Konzern mit eigenen Landesgesellschaften, sonst mit Franchisenehmern.

Die Zahlen des Geschäftsberichts 2025 zeigen den Kurswechsel: Der Umsatz sank leicht von 3,41 auf 3,32 Milliarden Euro, weil die Flotte bewusst von durchschnittlich 287.200 auf 269.000 Fahrzeuge verkleinert wurde. Die Miettage gingen um 3 % auf 75,2 Millionen zurück, die Auslastung stieg dafür von 73,8 % auf 76,6 %. Das bereinigte Konzern-EBITDA verbesserte sich von 100,7 auf 163,6 Millionen Euro; unter dem Strich blieb wegen Zinsen, Restrukturierung und Abschreibungen ein Verlust. Die Nettoverschuldung inklusive Flottenfinanzierung lag Mitte 2025 bei rund 4,7 Milliarden Euro. Ende 2025 zählte Europcar 8.381 Mitarbeiter in den eigenen Landesgesellschaften; für 2026 peilt das Management einen positiven Cashflow aus dem Vermietgeschäft an.

FAQ

Wem gehört Europcar heute? Europcar gehört zu 100 % der Green Mobility Holding. Dahinter stehen Volkswagen mit 66 %, Attestor mit 27 % und Pon Holdings mit 7 %.

Ist Europcar noch an der Börse? Nein. Nach dem Squeeze-out wurde die Aktie am 13. Juli 2022 von der Euronext Paris genommen. Ein erneuter Börsengang wird laut „WirtschaftsWoche“ bei Volkswagen geprüft, ist aber nicht beschlossen.

Wie viel hat Volkswagen für Europcar bezahlt? Das Konsortium bot 0,50 Euro je Aktie, im Squeeze-out 0,51 Euro. Damit wurde Europcar mit rund 2,9 Milliarden Euro Unternehmenswert bewertet.

Wer hat Europcar vor Volkswagen besessen? Von 2006 bis zum Börsengang 2015 war Eurazeo Eigentümerin, davor Volkswagen (1999 bis 2006) und zuvor Renault, Wagons-Lits und Accor.

Wer führt Europcar? Seit dem 1. Mai 2025 ist Sebastian Birkel Group-CEO. Er kam vom Wettbewerber Sixt, wo er das Nordamerika-Geschäft leitete.

Wie groß ist Europcar? 2025 erzielte die Gruppe 3,32 Milliarden Euro Umsatz mit durchschnittlich 269.000 Fahrzeugen, 75,2 Millionen Miettagen und rund 8.400 Mitarbeitern in den eigenen Ländern.

Fazit

Auf die Frage „Wem gehört Europcar?“ gibt es 2026 eine klare Antwort: der Green Mobility Holding und damit vor allem Volkswagen, flankiert von Attestor und Pon. Weniger klar ist, wie lange das so bleibt. Die Plattform-Strategie hat hohe Verluste produziert, das Management unter Sebastian Birkel setzt auf Profitabilität, und Volkswagen prüft laut Presseberichten einen Weg zurück an die Börse.