
Alpro ist Europas bekannteste Marke für pflanzliche Drinks, Joghurt- und Sahnealternativen – und gehört seit April 2017 vollständig zum französischen Lebensmittelkonzern Danone. Der Weg dorthin führte über mehrere Eigentümerwechsel: Gegründet wurde Alpro 1980 von der belgischen Vandemoortele-Gruppe, 2009 kaufte der US-Konzern Dean Foods die Sparte für rund 325 Millionen Euro, 2013 landete sie in der abgespaltenen WhiteWave Foods, die Danone schließlich für rund 12,5 Milliarden US-Dollar inklusive Schulden übernahm. Stand 2026 ist Alpro damit eine Konzernmarke innerhalb eines Unternehmens, das 2025 einen Umsatz von 27,3 Milliarden Euro erzielte. Eigene Umsatzzahlen für Alpro veröffentlicht Danone nicht mehr separat.
Key Takeaways
- Alpro gehört seit dem Abschluss der WhiteWave-Übernahme im April 2017 zu 100 Prozent zur Danone S.A. mit Sitz in Paris.
- Gegründet wurde Alpro am 27. Mai 1980 von der belgischen Vandemoortele-Gruppe im westflämischen Wevelgem, wo bis heute das Stammwerk steht.
- Dean Foods übernahm die Alpro-Sparte 2009 für rund 325 Millionen Euro; Alpro setzte damals etwa 260 Millionen Euro um und beschäftigte rund 750 Menschen.
- Der oft zitierte Preis von rund 12,5 Milliarden US-Dollar bezieht sich auf die gesamte WhiteWave Foods (Marken wie Silk, Alpro, Provamel, Horizon Organic), nicht auf Alpro allein.
- Alpro produziert an Standorten in Wevelgem (Belgien), Issenheim (Frankreich) und Kettering (Großbritannien); 2024 stellte Danone zusätzlich ein Werk in Villecomtal-sur-Arros auf Haferdrinks um.
- Danone erzielte 2025 einen Umsatz von 27.283 Millionen Euro (vergleichbar plus 4,5 Prozent) und erwartet für 2026 ein Wachstum von 3 bis 5 Prozent.
- In Deutschland stellte Danone die Schwestermarke Provamel im August 2025 ein und bündelt das Bio-Sortiment seither unter „Alpro Bio“.
- Laut Lebensmittel Zeitung (März 2026) hat Oatly Alpro in Deutschland als Marktführer bei Pflanzendrinks abgelöst.
| Unternehmen | Alpro (Marke der Danone S.A.) |
|---|---|
| Gegründet | 27. Mai 1980 durch die Vandemoortele-Gruppe |
| Hauptsitz | Gent, Belgien (Stammwerk in Wevelgem) |
| Eigentümer | Danone S.A., Paris (100 Prozent, seit April 2017 über WhiteWave Foods) |
| Branche | Pflanzliche Lebensmittel (Drinks, Joghurt-, Sahne- und Dessertalternativen) |
| Führung | Antoine de Saint-Affrique (CEO Danone); Guillaume Millet (Vice President Plant-Based Europe, Danone) |
| Mitarbeiter / Umsatz | Alpro: rund 1.100 Mitarbeiter (2017), über 1.200 in Europa laut Wikipedia; Danone-Konzern: 27,3 Mrd. Euro Umsatz (2025) |
Geschichte und Herkunft
Am 27. Mai 1980 gründete die Vandemoortele-Gruppe, ein westflämisches Familienunternehmen mit Schwerpunkt auf Margarine, Ölen und Backwaren, in Wevelgem eine Tochter für Sojaprodukte. Sojadrinks als Alternative zu Kuhmilch waren damals ein Nischenprodukt für Reformhäuser und Allergiker. Unter dem Dach von Vandemoortele wuchs Alpro zum europäischen Marktführer für sojabasierte Drinks und Lebensmittel heran; die Bio-Linie Provamel bediente parallel den Naturkostfachhandel.
Im Juni 2009 kündigte der US-Molkereikonzern Dean Foods die Übernahme der Alpro-Sparte an; am 6. Juli 2009 wurde der Kauf für rund 325 Millionen Euro abgeschlossen. Alpro erzielte 2008 einen Nettoumsatz von etwa 260 Millionen Euro, beschäftigte rund 750 Menschen und betrieb fünf Werke in Belgien, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden. Dean Foods ordnete Alpro seiner Tochter WhiteWave zu, die in den USA bereits die Sojamarke Silk führte.
2012 brachte Dean Foods WhiteWave an die New Yorker Börse, im Juni 2013 folgte die vollständige Abspaltung; im Juli 2013 verkaufte Dean Foods auch die verbliebenen 19,9 Prozent. Alpro war damit Teil eines eigenständigen, börsennotierten Spezialisten für pflanzliche und Bio-Produkte – bis Danone im Juli 2016 zugriff.
Eigentümerstruktur im Detail
Am 7. Juli 2016 gab Danone bekannt, WhiteWave Foods für 56,25 US-Dollar je Aktie in bar zu übernehmen. Der Unternehmenswert inklusive Schulden und Verbindlichkeiten lag bei rund 12,5 Milliarden US-Dollar; der Aufschlag betrug 24 Prozent auf den 30-Tage-Durchschnittskurs. WhiteWave hatte 2015 rund 4 Milliarden US-Dollar umgesetzt und brachte neben Alpro und Provamel auch Silk, So Delicious, Vega, Horizon Organic, Wallaby Organic, Earthbound Farm und International Delight mit. Wichtig für die Einordnung: Der Milliardenbetrag galt dem gesamten WhiteWave-Konzern, nicht Alpro allein. Ein separater Kaufpreis für die belgische Marke wurde nie ausgewiesen.
Nach der Freigabe durch die Wettbewerbsbehörden wurde die Transaktion im April 2017 abgeschlossen. Seither ist Alpro eine hundertprozentige Konzernmarke der Danone S.A. Eigentümer von Alpro sind damit mittelbar die Aktionäre von Danone, einem an der Pariser Börse notierten Unternehmen mit breit gestreutem Aktionariat. Eine Familie oder ein einzelner Großaktionär steht hinter Alpro nicht.
Organisatorisch führt Danone Alpro in seiner Kategorie „Essential Dairy & Plant-Based“ zusammen mit Molkereimarken wie Activia oder Actimel. Die europäische Alpro-Zentrale sitzt in Gent, das Stammwerk in Wevelgem.
Führung und Strategie
An der Konzernspitze steht seit 2021 Antoine de Saint-Affrique als CEO von Danone. Das pflanzliche Geschäft in Europa verantwortet Guillaume Millet als Vice President Plant-Based Europe; für die DACH-Märkte tritt Christine Borghardt als Category Director Plant-Based auf. In Deutschland führt Richard Trechman als Geschäftsführer die Danone-Landesgesellschaft, die auch Alpro vermarktet. Als General Manager von Alpro trat zuletzt Sue Garfitt öffentlich in Erscheinung, etwa bei der Vorstellung der Nachhaltigkeitsziele 2020; eine aktuelle, offiziell bestätigte Alpro-Geschäftsführung weist Danone nicht gesondert aus.
Strategisch hatte Danone 2018 angekündigt, den weltweiten Umsatz mit pflanzlichen Produkten von 1,7 Milliarden Euro auf rund 5 Milliarden Euro bis 2025 zu verdreifachen. Ob dieses Ziel erreicht wurde, lässt sich nicht überprüfen: Im Geschäftsbericht für 2025 weist Danone das pflanzliche Segment nicht mehr gesondert aus. Sichtbar ist dagegen die Investitionslinie: 2020 kündigte Alpro rund 30 Millionen Euro für die Werke in Großbritannien und Belgien an, in Kettering entstand eine Hochgeschwindigkeitslinie für Soja-, Hafer-, Reis- und Kokosdrinks; die Belegschaft von rund 200 Beschäftigten wurde um 25 Stellen aufgestockt.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Der Mutterkonzern lieferte 2025 solide Zahlen: Danone meldete am 20. Februar 2026 einen Umsatz von 27.283 Millionen Euro, vergleichbar ein Plus von 4,5 Prozent bei einer wiederkehrenden operativen Marge von 13,4 Prozent. Der Konzerngewinn sank wegen Sonderbelastungen von 725 Millionen Euro für Transformationsprogramme auf 1.825 Millionen Euro. Für 2026 stellt Danone ein vergleichbares Umsatzwachstum von 3 bis 5 Prozent in Aussicht.
Für Alpro war 2025 ein Jahr des Umbaus. In Deutschland stellte Danone die Bio-Schwestermarke Provamel zum August 2025 ein und führte stattdessen „Alpro Bio“ im Fachhandel ein, um alle pflanzlichen Aktivitäten unter einer Marke zu bündeln. Im Mai 2025 warb Alpro mit Nielsen-Daten, nach denen die Marke bei Mandeldrinks im deutschen Handel ohne Discounter einen Umsatzanteil von 59 Prozent hält. Im Oktober 2025 berichtete die Lebensmittel Zeitung über eine Neuausrichtung des Drinksortiments. Im März 2026 meldete dieselbe Fachzeitung, dass der schwedische Haferdrink-Spezialist Oatly Alpro als Marktführer bei Pflanzendrinks in Deutschland abgelöst hat.
Auf der Produktseite setzt Danone auf neue Segmente: Im Januar 2026 startete Alpro mit „Meal to Go“ trinkfertige Mahlzeitenersatz-Drinks auf Soja-Hafer-Basis mit 20 Gramm Protein pro 500-Milliliter-Flasche, zunächst in Belgien und Deutschland, weitere europäische Märkte sollen folgen. In der Produktion baute Danone bereits 2024 das französische Werk Villecomtal-sur-Arros von Fruchtjoghurt auf Alpro-Haferdrinks um; die Anlage liefert mehr als 300.000 Liter pro Tag, rund 90 Prozent gehen in den Export in 26 europäische Märkte. Das Stammwerk Wevelgem wurde im Februar 2024 als „Fabriek van de Toekomst“ ausgezeichnet und betreibt seit 2021 die größte Wasserrecyclinganlage Flanderns.
Marken und Geschäftsfelder
Alpro deckt heute nahezu alle pflanzlichen Milchalternativen ab: Drinks auf Basis von Soja, Hafer, Mandel, Haselnuss, Cashew, Reis und Kokos, dazu Joghurt-, Sahne-, Dessert- und Eisalternativen sowie Barista-Varianten. Innerhalb von Danone ergänzt Alpro die US-Marke Silk sowie weitere pflanzliche Marken wie So Delicious. Wichtigster Konkurrent in Europa ist Oatly, dazu kommen Handelsmarken der großen Ketten.
FAQ
Wem gehört Alpro heute? Alpro gehört zu 100 Prozent dem französischen Lebensmittelkonzern Danone S.A., der die damalige Muttergesellschaft WhiteWave Foods im April 2017 übernommen hat.
Hat Danone 12,5 Milliarden US-Dollar für Alpro bezahlt? Nein. Die rund 12,5 Milliarden US-Dollar inklusive Schulden galten der gesamten WhiteWave Foods mit Marken wie Silk, Horizon Organic und Alpro. Einen separaten Preis für Alpro gibt es nicht.
Wer hat Alpro gegründet? Alpro wurde am 27. Mai 1980 von der belgischen Vandemoortele-Gruppe in Wevelgem gegründet und blieb bis 2009 in deren Besitz.
Wo wird Alpro produziert? Alpro-Produkte entstehen in Wevelgem (Belgien), Issenheim (Frankreich) und Kettering (Großbritannien); seit 2024 stellt zusätzlich das Danone-Werk Villecomtal-sur-Arros in Frankreich Alpro-Haferdrinks her.
Ist Alpro noch Marktführer bei Pflanzendrinks? In Deutschland nicht mehr: Laut Lebensmittel Zeitung hat Oatly Alpro im Frühjahr 2026 als Marktführer abgelöst. In Teilsegmenten wie Mandeldrinks führte Alpro nach Nielsen-Daten von 2025 aber deutlich.
Wie viel Umsatz macht Alpro? Danone weist Alpro nicht separat aus. Die letzte belegte Alpro-Zahl stammt aus dem Verkauf an Dean Foods: rund 260 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2008. Der Danone-Konzern insgesamt setzte 2025 rund 27,3 Milliarden Euro um.
Fazit
Vom Familienunternehmen Vandemoortele über Dean Foods und WhiteWave landete Alpro 2017 bei Danone, das die Marke heute als wichtigste europäische Säule seines pflanzlichen Geschäfts führt. Wer nach dem Eigentümer fragt, erhält Stand 2026 eine klare Antwort: die Aktionäre der Danone S.A. Weniger klar ist die Marktposition: Der Wettbewerb mit Oatly und Handelsmarken hat Alpro zumindest in Deutschland die Spitzenposition gekostet, während Danone mit Werksumbauten, neuen Produktsegmenten und der Markenbündelung unter Alpro gegensteuert.
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