Wem gehört Bahlsen? Eigentümer, Familie und Führung des Keksherstellers

Wem gehört Bahlsen

Bahlsen gehört, Stand September 2026, vollständig der Gründerfamilie Bahlsen aus Hannover. Nach Angaben des Unternehmens gegenüber der Fachpresse (Lebensmittel Praxis, Mai 2026) befindet sich die Bahlsen GmbH & Co. KG zu 100 Prozent in Familienbesitz; die vier Kinder des langjährigen Unternehmenschefs Werner Michael Bahlsen halten laut Business Insider (November 2022) zusammen 95 Prozent der Anteile. Operativ wird der Kekshersteller seit Januar 2023 vom externen Manager Alexander Kühnen als CEO geführt, während Werner M. Bahlsen dem Verwaltungsrat vorsitzt. Verena Bahlsen, die bekannteste Vertreterin der vierten Generation, ist seit Ende 2022 nicht mehr im Unternehmen tätig, bleibt aber Gesellschafterin.

Key Takeaways

  • Bahlsen ist zu 100 Prozent im Besitz der Familie Bahlsen; es gibt keine externen Investoren und keine Börsennotierung (Stand September 2026).
  • Die vier Kinder von Werner M. Bahlsen – Verena, Johannes, Andreas und Julia – halten laut Business Insider (2022) zusammen 95 Prozent der Anteile.
  • Werner M. Bahlsen führte das Unternehmen von 1999 bis 2018 als Alleininhaber und CEO; heute leitet er den Verwaltungsrat.
  • Seit dem 1. Januar 2023 ist Alexander Kühnen CEO; kein Familienmitglied der nächsten Generation arbeitet operativ im Unternehmen.
  • Der Umsatz stieg laut Unternehmensangaben von 539,9 Millionen Euro (2022) auf 644,6 Millionen Euro (2024), das operative Ergebnis auf 63,6 Millionen Euro.
  • 1999 wurde der Salzgebäck-Bereich als Lorenz Bahlsen Snack-World abgespalten; er gehört heute einem anderen Familienzweig und ist nicht Teil der Bahlsen GmbH & Co. KG.
  • Im Mai 2026 kündigte Bahlsen Preissenkungen bei ausgewählten Produkten an, nachdem sich die Schokoladenpreise stabilisiert hatten.
NameBahlsen GmbH & Co. KG
Gegründet1889 von Hermann Bahlsen in Hannover
SitzHannover, Niedersachsen
BrancheDauerbackwaren, Süßgebäck (Marken Bahlsen, Leibniz, Pick Up!)
Eigentümer100 Prozent Familie Bahlsen; die vier Kinder von Werner M. Bahlsen halten laut Business Insider (2022) 95 Prozent
FührungCEO Alexander Kühnen (seit 1. Januar 2023); Verwaltungsratsvorsitzender Werner M. Bahlsen
Umsatz / Mitarbeiter644,6 Millionen Euro Umsatz und 63,6 Millionen Euro operatives Ergebnis (2024, Unternehmensangaben laut Lebensmittel Praxis); Mitarbeiterzahl: keine aktuellen offiziellen Angaben, zuletzt rund 2.600 (Ranking Die Deutsche Wirtschaft, Bezugsjahr 2023)

Geschichte: Vom Leibniz-Keks zum Familienkonzern

Hermann Bahlsen gründete das Unternehmen 1889 in Hannover als „Hannoversche Cakesfabrik H. Bahlsen“ mit zehn Mitarbeitern. Bereits 1891 brachte er den „Leibniz-Cakes“ auf den Markt, benannt nach dem Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz, dem berühmtesten Sohn der Stadt. Der Butterkeks mit den 52 Zähnen wurde zum Fundament des Unternehmens und ist bis heute die wichtigste Marke. 1905 installierte Bahlsen nach Angaben der Unternehmensgeschichte das erste Fließband Europas in der Keksproduktion, und 1913 arbeiteten bereits rund 1.700 Menschen im Betrieb.

Nach dem Tod des Gründers 1919 übernahmen seine Söhne die Leitung. In der Zeit des Nationalsozialismus setzte Bahlsen Zwangsarbeiter ein; eine vom Unternehmen selbst beauftragte und 2024 veröffentlichte Studie der Historiker Hartmut Berghoff und Manfred Grieger dokumentiert mehr als 800 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter zwischen 1940 und 1945. Die Familie räumte im Zuge der Veröffentlichung „Versäumnisse“ im Umgang mit diesem Kapitel ein. Auslöser der Aufarbeitung waren umstrittene Äußerungen von Verena Bahlsen im Jahr 2019, die breit in überregionalen Medien wie der Zeit dokumentiert wurden und für die sie sich später entschuldigte.

In der Nachkriegszeit wuchs Bahlsen durch Zukäufe und neue Produktlinien: 1963 kam der Erdnussflip ins Sortiment, 1968 folgte ein Chipswerk in Neunburg vorm Wald, 1980 stieg das Unternehmen mit der Übernahme von Austin Quality Foods in den US-Markt ein. 1987 wurde die Produktion vom Stammwerk in Hannover nach Barsinghausen verlagert. Von 1971 bis 1976 führte übrigens Ernst Albrecht, der spätere niedersächsische Ministerpräsident, die Geschäfte.

Die entscheidende Weichenstellung für die heutige Eigentümerstruktur fiel 1999: Die drei bis dahin gleichberechtigten Gesellschafter Werner Michael Bahlsen, Lorenz Alexander Bahlsen und Andrea von Nordeck teilten das Unternehmen auf. Das Süßgebäck blieb unter dem Namen Bahlsen GmbH & Co. KG bei Werner Michael Bahlsen, das Salzgebäck ging als Lorenz Bahlsen Snack-World an seinen Bruder Lorenz, und Andrea von Nordeck erhielt Immobilien und weitere Marken. Seither sind Bahlsen und Lorenz zwei getrennte Familienunternehmen, was bis heute häufig verwechselt wird.

Eigentümerstruktur im Detail: Die Familie Bahlsen

Von 1999 bis 2018 war Werner Michael Bahlsen, Urenkel des Gründers, Alleininhaber und zugleich Vorsitzender der Geschäftsführung. Mit dem Rückzug aus dem operativen Geschäft 2018 wechselte er an die Spitze des Verwaltungsrats, des Kontrollgremiums der Kommanditgesellschaft. Laut der Fachzeitschrift Rundschau für den Lebensmittelhandel (2018) saß erstmals in der jüngeren Firmengeschichte kein Familienmitglied mehr in der Geschäftsführung; sein ältester Sohn Johannes Bahlsen zog gleichzeitig in den Verwaltungsrat ein.

Die Anteile hat Werner M. Bahlsen weitgehend an die nächste Generation übertragen. Nach einem Bericht von Business Insider vom November 2022 halten seine vier Kinder Verena, Johannes, Andreas und Julia gemeinsam 95 Prozent der Bahlsen GmbH. Über die restlichen fünf Prozent machen die veröffentlichten Berichte keine eindeutigen Angaben. Gegenüber der Lebensmittel Praxis bestätigte das Unternehmen im Mai 2026, dass Bahlsen zu 100 Prozent im Besitz der Familie ist. Externe Finanzinvestoren, strategische Partner oder eine Börsennotierung gibt es nicht.

Die Familie kontrolliert das Unternehmen über den Verwaltungsrat: Werner M. Bahlsen ist Vorsitzender, Johannes Bahlsen Mitglied seit 2018, Andreas Bahlsen seit Januar 2020. Für die operative Führung gilt seit 2020 eine klare Regel, die Werner M. Bahlsen damals öffentlich formulierte: Kein Familienmitglied der nächsten Generation soll in die operative Führung einsteigen. Diese Entscheidung fiel, nachdem das 2018 installierte Management-Team und der 2020 berufene britische CEO Phil Rumbol das Unternehmen nach weniger als zwei Jahren wieder verlassen hatten.

Die Rolle von Verena Bahlsen

Verena Bahlsen, Jahrgang 1993, war die sichtbarste Vertreterin der vierten Generation. Sie gründete 2017 in Berlin die Bahlsen-Tochter Hermann’s, eine Plattform für Lebensmittelinnovation, und trug nach dem Abgang von Phil Rumbol 2022 den Titel „Chief Mission Officer“ im Übergangsmanagement. Im Oktober 2022 gab Bahlsen laut Handelsblatt bekannt, dass sie das Unternehmen verlässt, um sich eigenen Projekten zu widmen. Gesellschafterin bleibt sie weiterhin. Ihre Geschwister sind nach den vorliegenden Berichten ebenfalls nicht operativ bei Bahlsen tätig; Johannes und Andreas Bahlsen engagieren sich über das Family-Office-Vehikel Tet in Wagniskapitalbeteiligungen.

Abgrenzung: Was nicht zu Bahlsen gehört

Die Lorenz Bahlsen Snack-World mit Marken wie Crunchips, ErdnussLocken, Saltletts und NicNac’s ist seit 1999 ein eigenständiges Unternehmen des Familienzweigs um Lorenz Bahlsen und hat mit der Bahlsen GmbH & Co. KG gesellschaftsrechtlich nichts mehr zu tun. Auch der 1994 übernommene französische Hersteller St. Michel wurde 2006 wieder verkauft. Zur Bahlsen-Gruppe gehören dagegen die Marken Bahlsen, Leibniz und Pick Up!, die das Unternehmen als Kernmarken führt.

Geschäftsmodell und Zahlen

Bahlsen produziert Dauerbackwaren – Butterkekse, Waffeln, Schokoriegel wie Pick Up! und Kuchen – in Werken in Barsinghausen, Varel und Berlin sowie in den polnischen Standorten Skawina und Jawornik Ruski. Nach Angaben des Branchendienstes back.intern. (April 2024) ist Bahlsen im deutschen Markenkeksgeschäft Marktführer vor Mondelez, Griesson-de Beukelaer und Ferrero. Der Vertrieb läuft über den Lebensmitteleinzelhandel im In- und Ausland; die Marke Leibniz ist der wichtigste Umsatzträger.

Die Zahlen haben sich nach einem schwachen Jahr 2022 deutlich verbessert. Laut den vom Unternehmen gegenüber der Lebensmittel Praxis (Mai 2026) genannten Werten stieg der Umsatz von 539,9 Millionen Euro (2022) über 607,9 Millionen Euro (2023) auf 644,6 Millionen Euro (2024). Das operative Ergebnis drehte von einem Verlust von 1,8 Millionen Euro (2022) auf 40,5 Millionen Euro (2023) und 63,6 Millionen Euro (2024). Der Umsatzanstieg ging allerdings zu einem erheblichen Teil auf Preiserhöhungen zurück: CEO Kühnen hatte im Handelsblatt bereits für 2024 weitere Preisanhebungen angekündigt, weil die Kakao- und Schokoladenpreise stark gestiegen waren. Absatzmengen und Marktanteile gingen laut back.intern. 2023 zurück.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Im Mai 2026 machte Bahlsen mit einer Kehrtwende bei den Preisen Schlagzeilen: Nachdem sich die Schokoladenpreise stabilisiert hatten, senkte das Unternehmen die Abgabepreise für ausgewählte Produkte, wie dpa-Meldungen bei t-online, onvista und der Badischen Zeitung übereinstimmend berichteten. Kühnen betonte dabei, dass Bahlsen trotz des Kostendrucks keine Rezepturen verändert habe. Sein erklärtes Ziel: In drei Jahren solle Bahlsen „im Wettbewerb gefürchtet“ werden, und das Traditionsunternehmen solle für junge Talente attraktiv sein. Als Leitprinzip nannte er die „Enkelfähigkeit“ – die Frage, ob das Familienunternehmen auch in zwei Generationen noch in seiner heutigen Form existiert.

Personell hat Kühnen das Führungsteam seit 2024 umgebaut: Lars Biederbick übernahm im Mai 2024 die Leitung des D-A-CH-Geschäfts, Alexandra Megid wurde im Juni 2024 Group Marketing Director. Im Dezember 2025 gab die Schweizer Emmi AG bekannt, Kühnen für die Wahl in ihren Verwaltungsrat im April 2026 vorzuschlagen – ein Nebenmandat, das seine Rolle bei Bahlsen nicht berührt. An der Eigentümerstruktur hat sich in diesem Zeitraum nach allen verfügbaren Quellen nichts geändert; Bahlsen bleibt ein Familienunternehmen ohne externe Gesellschafter.

FAQ

Wem gehört Bahlsen? Der Familie Bahlsen zu 100 Prozent. Die vier Kinder von Werner M. Bahlsen – Verena, Johannes, Andreas und Julia – halten laut Business Insider (2022) zusammen 95 Prozent der Anteile (Stand September 2026).

Ist Verena Bahlsen noch bei Bahlsen? Nein, operativ nicht mehr. Sie verließ das Unternehmen Ende 2022, bleibt aber Gesellschafterin.

Wer führt Bahlsen heute? Alexander Kühnen ist seit dem 1. Januar 2023 CEO. Er kam vom Hamburger Feinkosthersteller Carl Kühne und arbeitete zuvor bei Unilever. Den Verwaltungsrat leitet Werner M. Bahlsen.

Gehören Crunchips und Saltletts zu Bahlsen? Nein. Diese Marken gehören zur Lorenz Bahlsen Snack-World, die 1999 abgespalten wurde und einem anderen Familienzweig gehört.

Ist Bahlsen börsennotiert? Nein. Bahlsen ist eine GmbH & Co. KG in Familienbesitz und veröffentlicht Geschäftszahlen nur ausgewählt gegenüber der Fachpresse.

Fazit

Bahlsen ist eines der wenigen großen deutschen Markenartikelunternehmen, das nach 137 Jahren noch vollständig der Gründerfamilie gehört. Die Anteile liegen inzwischen überwiegend bei der vierten Generation, die Kontrolle übt die Familie über den Verwaltungsrat aus, während sie das Tagesgeschäft bewusst externen Managern überlässt. Mit Alexander Kühnen hat das Unternehmen nach turbulenten Jahren wieder Ruhe an der Spitze und deutlich bessere Zahlen. Ob die Strategie aus Preisdisziplin, unveränderten Rezepturen und „Enkelfähigkeit“ die verlorenen Absatzmengen zurückbringt, wird sich in den kommenden Geschäftsjahren zeigen.