Wem gehört Hensoldt? Aktionäre und Struktur 2026

Wem gehört Hensoldt

Die Hensoldt AG aus Taufkirchen bei München zählt zu den wichtigsten Herstellern von Rüstungselektronik in Europa. Größter Aktionär ist die Bundesrepublik Deutschland, die über die KfW 25,1 Prozent und damit eine Sperrminorität hält; Leonardo S.p.A. aus Italien besitzt 22,8 Prozent, 52,1 Prozent liegen im Streubesitz. 2025 stieg der Umsatz auf 2,455 Milliarden Euro, der Auftragseingang erreichte mit 4,71 Milliarden Euro einen Rekord. Im Sommer 2026 überschritt der Auftragsbestand erstmals 10 Milliarden Euro.

Key Takeaways

  • Die Bundesrepublik Deutschland hält über die KfW 25,1 Prozent an Hensoldt und damit eine Sperrminorität.
  • Leonardo S.p.A. ist mit 22,8 Prozent zweiter Ankeraktionär, 52,1 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz.
  • Hensoldt entstand 2017 aus der Elektroniksparte von Airbus, die der Finanzinvestor KKR für 1,1 Milliarden Euro übernahm.
  • Der Börsengang erfolgte am 25. September 2020 zu 12 Euro je Aktie; seit März 2023 ist die Aktie im MDAX notiert.
  • 2025 lag der Umsatz bei 2,455 Milliarden Euro; Mitte 2026 erreichte der Auftragsbestand 10,36 Milliarden Euro.
  • Seit dem 1. April 2024 führt Oliver Dörre das Unternehmen; sein Vertrag läuft bis Ende 2031.
  • Mit der Übernahme der ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH (April 2024) wuchs Hensoldt auf rund 9.500 Beschäftigte.
NameHensoldt AG
Gegründet2017 (Ausgliederung aus Airbus); Markenname seit 1852
SitzTaufkirchen bei München, Bayern
BrancheVerteidigungselektronik: Radare, Optronik, elektronische Kampfführung, Avionik
EigentümerBundesrepublik Deutschland über KfW 25,1 %, Leonardo S.p.A. 22,8 %, Streubesitz 52,1 %
Umsatz/Mitarbeiter2,455 Mrd. Euro Umsatz (2025); rund 9.500 Beschäftigte
FührungOliver Dörre (Vorstandsvorsitzender seit April 2024), Christian Ladurner (Finanzvorstand), Reiner Winkler (Aufsichtsratsvorsitzender)

Eigentümerstruktur im Detail

Wem gehört Hensoldt? Aktionärsstruktur mit Bund über KfW, Leonardo und Streubesitz sowie Kennzahlen und Meilensteine 2026
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Das Grundkapital beträgt 115,5 Millionen Euro, eingeteilt in ebenso viele Inhaberaktien. Drei Blöcke prägen die Aktionärsstruktur.

Das Bundeskabinett beschloss im Dezember 2020, aus sicherheitspolitischen Gründen 25,1 Prozent zu erwerben, damit Schlüsseltechnologien wie Sensorik und militärische Verschlüsselung nicht in den Zugriff „unfreundlicher Mächte“ geraten. Die KfW vollzog den Kauf im März 2021 vom damaligen Mehrheitseigner KKR. Die 25,1 Prozent sind eine Sperrminorität: Satzungsänderungen oder Kapitalmaßnahmen sind gegen den Willen des Bundes nicht möglich.

Zweiter Ankeraktionär ist der teilstaatliche italienische Konzern Leonardo S.p.A., der 2021 ebenfalls 25,1 Prozent von KKR übernahm – für rund 606 Millionen Euro beziehungsweise 23 Euro je Aktie – und zwei Aufsichtsratskandidaten vorschlagen darf. Als Hensoldt im Dezember 2023 zur Finanzierung der ESG-Übernahme 10,5 Millionen neue Aktien zu je 22,94 Euro platzierte, beteiligte sich Leonardo nicht; der Anteil sank auf 22,8 Prozent. Der Bund zeichnete anteilig mit und hielt seine Quote konstant.

Die übrigen 52,1 Prozent liegen im Streubesitz; KKR ist vollständig ausgestiegen. Laut Hensoldt haben sich die Quoten der Großaktionäre seit Dezember 2023 nicht verändert, auch Berichte vom Sommer 2026 nennen 22,8 Prozent für Leonardo.

Geschichte und Herkunft

Der Name ist weit älter als das Unternehmen: Moritz Carl Hensoldt gründete 1852 in Wetzlar eine optische Werkstatt, 1928 übernahm die Carl-Zeiss-Stiftung die damalige Hensoldt AG.

Die heutige Hensoldt AG entstand am 28. Februar 2017, als Airbus seine Verteidigungselektronik ausgliederte. KKR übernahm zunächst 74,9 Prozent für rund 1,1 Milliarden Euro, 2018 den Rest. Am 25. September 2020 folgte der Börsengang in Frankfurt zu 12 Euro je Aktie bei einer Marktkapitalisierung von rund 1,26 Milliarden Euro; im Dezember 2020 stieg die Aktie in den SDAX auf, im März 2023 in den MDAX. Ab 2022 lieferte Hensoldt das Radar TRML-4D, unter anderem als Teil des Flugabwehrsystems IRIS-T, an die Ukraine.

Die bislang größte Übernahme folgte 2024: Hensoldt kaufte die ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH aus Fürstenfeldbruck vom Finanzinvestor Armira für 675 Millionen Euro plus bis zu 55 Millionen Euro erfolgsabhängig. ESG brachte rund 1.400 Mitarbeiter und etwa 330 Millionen Euro Umsatz ein; der Vollzug erfolgte am 2. April 2024.

Geschäftsmodell und Kennzahlen

Hensoldt versteht sich als Sensorspezialist. Das Segment Sensors umfasst Radare für Luftverteidigung, Flugsicherung, Schiffe und den Eurofighter, elektronische Kampfführung und Avionik; das Segment Optronics liefert Wärmebildgeräte, Periskope und Zielgeräte, etwa für den Schützenpanzer Puma oder den Leopard 2. Wichtigster Standort ist Ulm (Radar), die Optronik sitzt in Oberkochen; weitere Werke gibt es unter anderem in Immenstaad, Wetzlar und Kiel sowie in Großbritannien, Frankreich und Südafrika.

Der Umsatz stieg von 1,47 Milliarden Euro (2021) über 2,24 Milliarden Euro (2024) auf 2,455 Milliarden Euro (2025). Der Auftragseingang erreichte 2025 mit 4,71 Milliarden Euro einen Rekordwert, 62 Prozent mehr als 2024. Der Auftragsbestand wuchs zum Jahresende 2025 auf 8,83 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA auf 452 Millionen Euro bei einer Marge von 18,4 Prozent. Für 2025 schlägt der Vorstand eine Dividende von 0,55 Euro je Aktie vor (Vorjahr 0,50 Euro). Die Belegschaft wuchs von 6.316 (Ende 2021) auf rund 9.500 (2025).

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Im ersten Halbjahr 2026 verdoppelte sich der Auftragseingang auf 2,81 Milliarden Euro, der Umsatz legte um knapp 24 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro zu, und der Auftragsbestand überschritt mit 10,36 Milliarden Euro erstmals die Zehn-Milliarden-Marke. Treiber waren Eurofighter-Radare, weitere TRML-4D-Radare sowie Optronik-Großaufträge für Puma und den Radschützenpanzer Schakal.

Für 2026 erwartet das Management einen Umsatz von rund 2,75 Milliarden Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von 18,5 bis 19 Prozent. Belastend wirkte die Absage der Fregatte F126, die einen Teil eines Auftrags von rund 200 Millionen Euro betrifft. Im Oktober 2026 folgte eine Absichtserklärung über weitere Radarlieferungen an die Ukraine.

Die Aktie notierte im Herbst 2026 zwischen rund 75 und 87 Euro, was einer Marktkapitalisierung von etwa 9 bis 10 Milliarden Euro entspricht. Ein Aufstieg in den DAX hat bislang nicht stattgefunden; Hensoldt bleibt im MDAX und TecDAX.

Führung und Strategie

Seit dem 1. April 2024 steht Oliver Dörre an der Spitze des Vorstands. Der frühere Chef von Thales Deutschland löste Thomas Müller ab; im Februar 2026 verlängerte der Aufsichtsrat seinen Vertrag bis Ende 2031. Finanzvorstand ist Christian Ladurner, den Aufsichtsrat führt Reiner Winkler. Die Eigentümerstruktur stützt den Wachstumskurs: Der Bund sichert Schlüsseltechnologien, Leonardo öffnet Türen zu europäischen Kooperationen, der Streubesitz sorgt für Liquidität der Aktie.

FAQ

Wem gehört Hensoldt? Die Bundesrepublik Deutschland hält über die KfW 25,1 Prozent, Leonardo S.p.A. 22,8 Prozent, 52,1 Prozent der Aktien liegen im Streubesitz.

Warum ist der deutsche Staat an Hensoldt beteiligt? Das Bundeskabinett beschloss im Dezember 2020 den Einstieg aus sicherheitspolitischen Gründen: Die Sperrminorität soll verhindern, dass Schlüsseltechnologien unter fremde Kontrolle geraten.

Warum hält Leonardo nur noch 22,8 Prozent? Leonardo kaufte 2021 zunächst 25,1 Prozent, beteiligte sich aber nicht an der Kapitalerhöhung vom Dezember 2023; dadurch verwässerte der Anteil auf 22,8 Prozent.

Wie hoch sind Umsatz und Auftragsbestand von Hensoldt? 2025 erzielte Hensoldt 2,455 Milliarden Euro Umsatz bei 4,71 Milliarden Euro Auftragseingang. Der Auftragsbestand überschritt Mitte 2026 die Marke von 10 Milliarden Euro.

Ist Hensoldt im DAX? Nein. Die Aktie ist seit März 2023 im MDAX und im TecDAX notiert; ein Aufstieg in den DAX ist bis November 2026 nicht erfolgt.

Wer führt Hensoldt? Vorstandsvorsitzender ist seit April 2024 Oliver Dörre, zuvor Chef von Thales Deutschland; sein Vertrag läuft bis Ende 2031. Finanzvorstand ist Christian Ladurner.

Fazit

Hensoldt ist ein seltener Fall: ein börsennotierter Rüstungskonzern, bei dem der Staat als Sperrminoritätsaktionär, ein europäischer Wettbewerber als Partner und ein breiter Streubesitz nebeneinander stehen. Diese Dreiteilung ist seit Ende 2023 stabil.

Operativ erlebt das Unternehmen die stärkste Phase seiner kurzen Geschichte: Rekordaufträge, ein Auftragsbestand von mehr als 10 Milliarden Euro und eine Umsatzprognose von rund 2,75 Milliarden Euro für 2026. Ob der Sprung in den DAX gelingt und ob die Eigentümerstruktur bei weiteren Kapitalmaßnahmen unverändert bleibt, sind die spannendsten Fragen der kommenden Jahre.