Wem gehört Harry-Brot? Eigentümer und Struktur 2026

Wem gehört Harry Brot

Harry-Brot aus Schenefeld bei Hamburg ist der größte Hersteller von Brot und Backwaren in Deutschland und eines der ältesten Familienunternehmen des Landes. Seit 1688 liegt die Bäckerei in den Händen der Nachkommen des Gründers Johan Hinrich Harie; heute gehört sie den Familien Holthausen und Blohm-Harry in zehnter Generation. 2025 erzielte die Gruppe rund 1,37 Milliarden Euro Umsatz mit mehr als 5.300 Beschäftigten an elf Standorten. Mit der Übernahme der Rewe-Bäckerei Glockenbrot in Bergkirchen und einem geplanten Werk in Erlensee expandiert Harry-Brot seit 2025 nach Süddeutschland.

Key Takeaways

  • Harry-Brot ist zu 100 Prozent in Familienbesitz: Eigentümer sind die Familien Holthausen und Blohm-Harry, Nachfahren des Gründers Johan Hinrich Harie; das Unternehmen ist nicht börsennotiert.
  • Seit 2025 firmiert die Gruppe als Harry-Brot Group SE & Co. KG; persönlich haftende Gesellschafterin ist die im März 2025 gegründete Harry SE.
  • Umsatz 2025: rund 1,37 Milliarden Euro (plus etwa 2 Prozent); mehr als 5.300 Beschäftigte, elf Produktionsstandorte.
  • Geschäftsführender Gesellschafter ist Thomas Blohm; mit ihm führen Jochen Eisenzapf, Frank Kleiner und seit Oktober 2025 Arndt Rüsges das Unternehmen.
  • Am 1. November 2025 übernahm Harry-Brot das Glockenbrot-Werk in Bergkirchen von der Rewe Group; bis 2028 soll ein Werk in Erlensee bei Hanau entstehen.
  • Laut Bundeskartellamt hält Harry-Brot im deutschen Markt für Selbstbedienungs-Brot einen Anteil von über 40 Prozent.
NameHarry-Brot Group SE & Co. KG (bekannt als Harry-Brot GmbH)
Gegründet1688 in Altona (Zunftaufnahme am 9. Mai 1688)
HauptsitzSchenefeld bei Hamburg, Schleswig-Holstein
BrancheGroßbäckerei, Brot- und Backwarenindustrie
EigentümerFamilien Holthausen und Blohm-Harry (zehnte Generation), nicht börsennotiert
Umsatz (2025)rund 1,37 Milliarden Euro
Mitarbeitermehr als 5.300 (2026)
GeschäftsführungThomas Blohm, Jochen Eisenzapf, Frank Kleiner, Arndt Rüsges
Einnahmequellen / VermögensbasisMarkenbrote und Handelsmarken für den Lebensmitteleinzelhandel, Prebake-Produkte für Backstationen, Tiefkühlbackwaren, Export

Geschichte und Herkunft

Am 9. Mai 1688 wurde der Bäcker Johan Hinrich Harie in Altona in die Bäckerzunft aufgenommen; schon seine Söhne schrieben den Namen „Harry“. Über Generationen blieb der Betrieb eine Handwerksbäckerei, bis Franz Andreas Harry ab 1890 den Umbau zur Großbäckerei einleitete. Seine Witwe Johanna Harry führte das Unternehmen danach 37 Jahre lang; 1929 folgte mit der Übernahme der Hannoverschen Brotfabrik Habag der erste Schritt über Hamburg hinaus.

1957 übernahm Marlies Harry, die spätere Marlies Blohm-Harry, mit 23 Jahren die Leitung in neunter Generation und führte das Unternehmen bis 1988. 1963 entstand die Großbäckerei in Schenefeld, die neue Zentrale. 1980 kam Ratingen hinzu; ab den 1980er Jahren leitete ihr Neffe Hans-Jochen Holthausen das Unternehmen in zehnter Generation. Nach der Wiedervereinigung folgten Berlin (1990), Wiedemar (1993), Schneverdingen (1995) und Osterweddingen (1999). 1997 begann die Belieferung von Backstationen mit vorgebackenen Tiefkühlprodukten, 2005 kam Troisdorf, 2008 Soltau, 2019 der Standort Witten des insolventen Wettbewerbers Kronenbrot. Die 2002 gegründete Tochter Back-Factory verkaufte die Gruppe Ende 2021 an die Schweizer Valora-Gruppe.

Eigentümerstruktur im Detail

Wem gehört Harry-Brot? Eigentümerkette von den Familien Holthausen und Blohm-Harry über die Harry SE bis zur Harry-Brot Group SE & Co. KG 2026
Wem gehört Harry-Brot? Eigentümer und Struktur 2026 2

Harry-Brot gehört vollständig den Nachkommen des Gründers. Eigentümer sind die beiden Familienstämme Holthausen und Blohm-Harry. Thomas Blohm, Sohn von Marlies Blohm-Harry, ist als geschäftsführender Gesellschafter der zehnten Generation im Tagesgeschäft aktiv und verantwortet Personal und Koordination. Sein Cousin Hans-Jochen Holthausen führte mehr als 25 Jahre den Vertrieb und blieb nach seinem Rückzug aus der operativen Leitung im April 2018 geschäftsführender Gesellschafter. Wie die Anteile zwischen den Familienmitgliedern verteilt sind, veröffentlicht das Unternehmen nicht; zu privaten Vermögensverhältnissen gibt es keine offiziellen Angaben, und uamr.de nennt dazu keine Beträge.

2025 hat die Familie die Rechtsform neu geordnet. Die operative Gesellschaft tritt als Harry-Brot Group SE & Co. KG auf; über ihr steht die Harry Holding SE & Co. KG. Persönlich haftende Gesellschafterin beider Kommanditgesellschaften ist die Harry SE, eine am 25. März 2025 gegründete Europäische Gesellschaft mit Sitz in Hamburg (HRB 193394). Ihre geschäftsführenden Direktoren sind laut Handelsregister Thomas Blohm, Frank Kleiner, Jochen Eisenzapf und Arndt Rüsges. Die Konstruktion sichert die Kontrolle der Familie und begrenzt die Haftung; an der Eigentümerschaft ändert sie nichts, externe Investoren gibt es nicht.

Zur Gruppe gehören Töchter wie die Backshop Tiefkühl GmbH (Tiefkühlbackwaren für Großkunden), die Harry-Brot Export International GmbH (US-Geschäft), die Wittener Bäckerei GmbH und regionale Vertriebsgesellschaften wie die Harry Süd GmbH.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Prägendes Thema ist die Expansion nach Süddeutschland. Am 24. Januar 2025 gaben Harry-Brot und die Rewe Group bekannt, dass der Handelskonzern aus der eigenen Brotproduktion aussteigt: Harry-Brot übernimmt das Glockenbrot-Werk in Bergkirchen bei München mit rund 320 Beschäftigten, Rewe schließt den Glockenbrot-Standort Frankfurt schrittweise. Grundlage ist ein langfristiger Liefer- und Kooperationsvertrag; zudem sollen beide Partner zwei Gemeinschaftsunternehmen gründen. Das Bundeskartellamt gab das Vorhaben am 15. April 2025 frei; Präsident Andreas Mundt nannte Harry-Brot „den mit Abstand führenden Hersteller von Brot- und Backwaren in Deutschland“. Zum 1. November 2025 ging Bergkirchen an Harry-Brot über. Bis etwa 2028 soll zudem eine Großbäckerei in Erlensee bei Hanau mit rund 300 Mitarbeitern entstehen.

Zum 1. Oktober 2025 übernahm der frühere Haribo-Manager Arndt Rüsges das Ressort Produktion und Technik von Norbert Lötz, der Anfang 2026 in den Ruhestand ging. Wirtschaftlich schloss Harry-Brot 2025 mit rund 1,37 Milliarden Euro Umsatz ab, ein Plus von etwa 2 Prozent oder rund 30 Millionen Euro in einem stagnierenden Gesamtmarkt. Das Markengeschäft legte um 2,7 Prozent zu, der Absatz an Backstationen um 5,3 Prozent. Für 2026 erwartet die Geschäftsführung steigende Transport-, Rohstoff- und Materialkosten.

Geschäftsmodell und Kennzahlen

Harry-Brot verdient sein Geld auf drei Wegen: mit dem Markensortiment Harry (Schnittbrote, Toast, Sandwiches, Brötchen zum Fertigbacken), als Lieferant von Handelsmarken für die großen Handelsketten und mit dem Prebake-Geschäft, also vorgebackenen Broten, Brötchen und Baguettes für die Backstationen der Supermärkte. Dieser Bereich macht etwa 35 bis 40 Prozent des Umsatzes aus. Exportiert wird nach Österreich, in die Schweiz, nach Italien, Dänemark und Frankreich. Das Rückgrat ist der eigene Frischdienst mit 39 Vertriebsstellen; das Kurzporträt 2025 nennt 926 Touren und 12.815 täglich belieferte Geschäfte.

Die Umsatzentwicklung: 2005 lagen die Erlöse bei 489 Millionen Euro, 2018 wurde mit 1.006 Millionen Euro erstmals die Milliardengrenze überschritten, 2024 erreichte die Gruppe rund 1,3 Milliarden und 2025 rund 1,37 Milliarden Euro. Seit 2012 bezeichnet sich Harry-Brot als Nummer eins im deutschen Brot- und Backwarenmarkt; das Bundeskartellamt bestätigte 2025 einen Anteil von über 40 Prozent am Markt für Selbstbedienungs-Brot.

FAQ

Wem gehört Harry-Brot? Vollständig den Familien Holthausen und Blohm-Harry, den Nachkommen des Gründers Johan Hinrich Harie. Das Unternehmen ist nicht börsennotiert und hat keine externen Investoren.

Wer führt Harry-Brot? Thomas Blohm (geschäftsführender Gesellschafter, Personal), Jochen Eisenzapf (Finanzen), Frank Kleiner (Marketing und Vertrieb) und Arndt Rüsges (Produktion und Technik, seit Oktober 2025).

Wie viel Umsatz macht Harry-Brot? Im Geschäftsjahr 2025 rund 1,37 Milliarden Euro, etwa 2 Prozent mehr als 2024. Die Milliardengrenze wurde erstmals 2018 überschritten.

Welche Rechtsform hat Harry-Brot heute? Seit 2025 Harry-Brot Group SE & Co. KG mit der Harry SE als persönlich haftender Gesellschafterin. Umgangssprachlich heißt das Unternehmen weiterhin Harry-Brot GmbH.

Was hat Harry-Brot mit Rewe zu tun? Rewe hat 2025 die eigene Brotproduktion aufgegeben. Harry-Brot übernahm das Glockenbrot-Werk in Bergkirchen und beliefert Rewe im Rahmen eines langfristigen Liefer- und Kooperationsvertrags.

Wo produziert Harry-Brot? An elf Standorten in Deutschland, von Schenefeld bis Bergkirchen. Ein zwölftes Werk in Erlensee soll 2028 fertig sein.

Fazit

Harry-Brot ist ein seltener Fall: ein Milliardenunternehmen, das nach mehr als 330 Jahren noch immer ausschließlich der Gründerfamilie gehört. Die Familien Holthausen und Blohm-Harry halten alle Anteile, Thomas Blohm vertritt sie in der Geschäftsführung, und die 2025 geschaffene Struktur aus Harry SE und Harry-Brot Group SE & Co. KG sichert diese Kontrolle.

Mit Bergkirchen, der Rewe-Partnerschaft und dem geplanten Werk in Erlensee hat sich das Unternehmen für die kommenden Jahre neu aufgestellt. Wem Harry-Brot gehört, ist klar; wie die Anteile im Detail verteilt sind, bleibt Familiensache.