
Harrods in London-Knightsbridge ist eines der bekanntesten Kaufhäuser der Welt. Seit Mai 2010 gehört das Luxuskaufhaus dem Staat Katar: Qatar Holding, eine Tochter des Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA), übernahm das Unternehmen für rund 1,5 Milliarden Pfund von der Familie des Unternehmers Mohamed Al-Fayed. Im Geschäftsjahr bis Ende Januar 2026 erzielte die Harrods-Gruppe rund 1,08 Milliarden Pfund Umsatz und kehrte mit 84,9 Millionen Pfund Vorsteuergewinn in die Gewinnzone zurück. Überschattet wird die jüngere Geschichte vom Missbrauchsskandal um den 2023 verstorbenen Ex-Eigentümer Al-Fayed, für dessen Opfer Harrods 2025 ein Entschädigungsprogramm aufgelegt hat.
Key Takeaways
- Eigentümer von Harrods ist seit 2010 der Staat Katar über die Qatar Investment Authority und deren Investmentarm Qatar Holding.
- Der Kaufpreis für die Übernahme von der Familie Al-Fayed lag im Mai 2010 bei rund 1,5 Milliarden Pfund.
- Die Dachgesellschaft Harrods Group (Holding) Limited ist nicht börsennotiert; Managing Director ist seit vielen Jahren Michael Ward.
- Geschäftsjahr bis 31. Januar 2026: Umsatz rund 1,08 Mrd. Pfund (+1,2 %), operatives Ergebnis 172,3 Mio. Pfund, Vorsteuergewinn 84,9 Mio. Pfund.
- Im Jahr zuvor hatte eine Rückstellung von 62,5 Mio. Pfund für Entschädigungen zu einem Vorsteuerverlust von rund 34 Mio. Pfund geführt.
- Das Entschädigungsprogramm für Opfer Al-Fayeds lief vom 31. März 2025 bis 31. März 2026; bis September 2026 hatten sich über 260 Betroffene gemeldet, 113 Fälle waren abgeschlossen.
- Zum Konzern gehören neben dem Stammhaus unter anderem die Kette H Beauty, Harrods Estates und Harrods Aviation.
| Name | Harrods Limited / Harrods Group (Holding) Limited |
|---|---|
| Gegründet | 1849 (Übernahme eines Ladens an der Brompton Road durch Charles Henry Harrod) |
| Hauptsitz | London (Kaufhaus: 87–135 Brompton Road, Knightsbridge; Holding: Hammersmith) |
| Branche | Luxuseinzelhandel, Kaufhaus |
| Eigentümer | Qatar Investment Authority über Qatar Holding (seit 2010, 100 %) |
| Umsatz (Jahr) | rund 1,08 Mrd. Pfund (Geschäftsjahr bis 31. Januar 2026) |
| Mitarbeiter | rund 4.550 (Ende Geschäftsjahr 2023/24, laut Jahresabschluss) |
| Führung | Michael Ward (Managing Director), Geoff Weaver (CFO), Andreas Efstathiou (COO ab September 2026) |
Geschichte und Herkunft
Die Geschichte von Harrods beginnt mit dem Händler Charles Henry Harrod, der 1849 ein kleines Geschäft an der Brompton Road übernahm. Sein Sohn Charles Digby Harrod baute den Laden zum Kaufhaus aus; 1889 ging das Unternehmen als Harrod’s Stores Limited an die Londoner Börse, 1905 wurde das heutige Gebäude eröffnet. Das Motto „Omnia Omnibus Ubique“ – alles für alle, überall – begleitet das Haus bis heute.
1959 ging Harrods an die Warenhausgruppe House of Fraser. 1985 übernahmen die ägyptischen Brüder Mohamed und Ali Al-Fayed House of Fraser und damit Harrods für 615 Millionen Pfund; 1994 wurde Harrods herausgelöst, um in Privatbesitz zu bleiben. Das Kaufhaus umfasst heute mehr als 330 Abteilungen und zählte 2023 rund 15 Millionen Besucher.
Eigentümerstruktur im Detail

Am 8. Mai 2010 wurde der Verkauf von Harrods an Qatar Holding bestätigt, die Investmentgesellschaft der Qatar Investment Authority, des Staatsfonds des Emirats Katar. Der Kaufpreis lag nach übereinstimmenden Berichten bei rund 1,5 Milliarden Pfund. Mohamed Al-Fayed trat nach 25 Jahren als Chairman zurück und blieb zunächst Ehrenvorsitzender; die Katarer wurden erst der fünfte Eigentümer in der Geschichte des Hauses.
Die Eigentümerkette ist seitdem unverändert: An der Spitze steht der Staat Katar, dessen Staatsfonds QIA über Qatar Holding sämtliche Anteile an der Harrods Group (Holding) Limited mit Sitz in London-Hammersmith hält. Diese Holding kontrolliert die operative Gesellschaft Harrods Limited. Börsennotierte Aktien oder Streubesitz gibt es nicht. Dass der Eigentümer auf Ausschüttungen Wert legt, zeigte das Geschäftsjahr 2023/24 mit einer Dividende von 180 Millionen Pfund an die katarischen Eigner – das zweite Jahr in Folge.
Zur Gruppe gehören neben dem Stammhaus die Beauty-Kette H Beauty (seit 2020, Ende 2024 fünf Filialen), der Immobilienmakler Harrods Estates, der Geschäftsflugdienst Harrods Aviation sowie Shops an den Flughäfen Heathrow und Gatwick. Die Harrods Bank wurde 2017 an das Fintech Tandem verkauft.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Prägend für die Jahre 2024 bis 2026 ist die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals um Mohamed Al-Fayed, der 2023 im Alter von 94 Jahren starb. Im September 2024 berichteten in einer BBC-Dokumentation zunächst 20 ehemalige Mitarbeiterinnen, Al-Fayed habe sie während seiner Zeit als Eigentümer sexuell missbraucht oder vergewaltigt; dem Unternehmen wird vorgeworfen, Vorfälle vertuscht zu haben. Inzwischen haben sich Hunderte Betroffene gemeldet. Managing Director Michael Ward erklärte im November 2024, es tue ihm „furchtbar leid“. Harrods hat die Haftung für das Handeln seines damaligen Chairmans anerkannt und eine unabhängige Beauftragte für die Betroffenen eingesetzt.
Am 31. März 2025 startete das „Harrods Redress Scheme“, ein Entschädigungsprogramm, über das Betroffene ohne Gerichtsverfahren Zahlungen, Therapiekosten und Beratung erhalten. Am 31. März 2026 wurde es für neue Anträge geschlossen. Bis September 2026 hatten sich über 260 Betroffene beteiligt, 113 Fälle waren abgeschlossen. Die Kanzlei KP Law, die rund 275 Frauen vertritt, beziffert die Gesamtforderungen auf 100 bis 150 Millionen Pfund – deutlich mehr als die Rückstellung von 62,5 Millionen Pfund, die Harrods als „Schätzung, nicht als Obergrenze“ bezeichnet. Parallel streitet Harrods mit dem Nachlass Al-Fayeds vor Gericht über einen unabhängigen Nachlassverwalter; eine Anhörung ist für November 2026 angesetzt.
Operativ investiert Harrods ins Stammhaus, etwa in die Neugestaltung der Damenmode; im Januar 2026 gab das Haus dagegen seinen Privatclub „The Residence“ in Shanghai auf. Personell kam 2025 Geoff Weaver als Finanzchef, im September 2026 wurde Andreas Efstathiou Chief Operating Officer.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
Harrods verdient sein Geld mit Luxusgütern – von Mode, Schmuck und Uhren über Kosmetik bis zur Food Hall –, ergänzt um Gastronomie und Flughafengeschäfte. Ein großer Teil des Umsatzes entfällt auf internationale Touristen, weshalb das Ende der Mehrwertsteuer-Rückerstattung für ausländische Kunden das Haus belastet. Neben dem Umsatz weist Harrods das Brutto-Transaktionsvolumen aus, das im Geschäftsjahr bis 1. Februar 2025 bei 2,198 Milliarden Pfund lag (minus 2,4 Prozent).
In jenem Jahr erzielte die Gruppe 1,082 Milliarden Pfund Umsatz (plus 0,6 Prozent). Das operative Ergebnis vor Sondereffekten sank um 17 Prozent auf 177,7 Millionen Pfund. Wegen der Rückstellung für Entschädigungen und einer IT-Umstellung rutschte Harrods mit rund 34 Millionen Pfund Vorsteuerverlust ins Minus, nach 111,5 Millionen Pfund Gewinn im Vorjahr. Im Geschäftsjahr bis 31. Januar 2026 folgte die Erholung: Umsatz plus 1,2 Prozent auf rund 1,08 Milliarden Pfund, operatives Ergebnis 172,3 Millionen Pfund, Vorsteuergewinn 84,9 Millionen Pfund. Ende des Geschäftsjahres 2023/24 beschäftigte Harrods rund 4.550 Menschen.
FAQ
Wem gehört Harrods heute? Harrods gehört seit Mai 2010 vollständig dem Staat Katar. Eigentümer ist Qatar Holding, eine Tochter des Staatsfonds Qatar Investment Authority, die alle Anteile an der Harrods Group (Holding) Limited hält.
Was hat Katar für Harrods bezahlt? Der Kaufpreis lag 2010 nach übereinstimmenden Berichten bei rund 1,5 Milliarden Pfund. Die Al-Fayeds hatten das Haus 1985 als Teil von House of Fraser für 615 Millionen Pfund erworben.
Ist Harrods an der Börse notiert? Nein. Harrods ist seit 1994 vollständig in Privatbesitz und gehört heute zu 100 Prozent dem katarischen Staatsfonds.
Wie viel Umsatz macht Harrods? Im Geschäftsjahr bis 31. Januar 2026 lag der Umsatz bei rund 1,08 Milliarden Pfund, der Vorsteuergewinn bei 84,9 Millionen Pfund.
Wer führt Harrods? Managing Director ist Michael Ward, der bereits den Eigentümerwechsel 2010 begleitet hat. Finanzchef ist seit 2025 Geoff Weaver.
Was ist das Harrods Redress Scheme? Ein Entschädigungsprogramm für Opfer sexuellen Missbrauchs durch den früheren Eigentümer Mohamed Al-Fayed. Es lief vom 31. März 2025 bis 31. März 2026; bis September 2026 waren 113 Fälle abgeschlossen.
Fazit
Die Frage „Wem gehört Harrods?“ lässt sich eindeutig beantworten: Das Luxuskaufhaus ist seit 2010 Staatsbesitz des Emirats Katar, gehalten über die Qatar Investment Authority und Qatar Holding. Die Eigentümerstruktur ist stabil, Börsenpläne gibt es nicht, und wirtschaftlich hat sich Harrods nach dem Verlustjahr 2024/25 wieder gefangen. Die größte Belastung bleibt die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals um Mohamed Al-Fayed: Entschädigungsprogramm, offene Forderungen und der Rechtsstreit mit dessen Nachlass werden Harrods über 2026 hinaus begleiten – und dürften für die Marke mindestens so wichtig sein wie die nächste Umsatzzahl.
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