
Die FRITZ!Box steht in mehr als der Hälfte der deutschen Haushalte, doch ihr Hersteller hat seit 2024 Eigentümer, Chef und Namen gewechselt. Seit September 2024 hält das Family Office Imker Capital Partners der Familie van Rappard die Mehrheit an dem Berliner Unternehmen, die Gründer sind nur noch Minderheitsgesellschafter. Im Sommer 2025 wurde aus der AVM Computersysteme Vertriebs GmbH die FRITZ! GmbH. Stand 2026 führt Jan Oetjen das Unternehmen, das 2024 rund 630 Mio. Euro Umsatz mit etwa 900 Mitarbeitern erzielte.
Key Takeaways
- Die FRITZ!Box ist eine Marke der FRITZ! GmbH in Berlin, die bis Sommer 2025 AVM Computersysteme Vertriebs GmbH hieß.
- Mehrheitseigentümer ist seit dem 1. September 2024 Imker Capital Partners, das Family Office der Familie van Rappard, über die luxemburgische Rucio Investment S.à r.l. und die Spree 24 Beteiligung GmbH.
- Die Gründer Johannes Nill, Peter Faxel und Ulrich Müller-Albring halten einen nicht bezifferten Minderheitsanteil und sitzen im Beirat.
- Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht; Medien schätzten den Unternehmenswert auf 750 Mio. bis 1 Mrd. Euro.
- 2024 erzielte das Unternehmen rund 630 Mio. Euro Umsatz mit etwa 900 Mitarbeitern.
- Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag des Herstellers (Juni 2025) nutzt mehr als die Hälfte der Befragten in Deutschland eine FRITZ!Box.
- CEO ist seit dem 30. September 2024 Jan Oetjen, Finanzchef Jan-Christian Werner.
| Name | FRITZ! GmbH (bis 2025: AVM Computersysteme Vertriebs GmbH) |
|---|---|
| Gegründet | 1986 in Berlin |
| Sitz | Alt-Moabit 95, Berlin-Moabit |
| Branche | Netzwerktechnik: Router, WLAN-Repeater, Telefonie, Smart Home |
| Eigentümer | Imker Capital Partners (Mehrheit, seit September 2024); Gründer Nill, Faxel, Müller-Albring (Minderheit) |
| Geschäftsführung | Jan Oetjen (CEO), Jan-Christian Werner (CFO) |
| Umsatz/Mitarbeiter | ca. 630 Mio. Euro / ca. 900 Mitarbeiter (2024) |
Eigentümerstruktur im Detail

Die FRITZ!Box ist kein eigenes Unternehmen, sondern die bekannteste Produktmarke der FRITZ! GmbH in Berlin. Im Alltag hat sich die Schreibweise „Fritzbox“ eingebürgert, der Hersteller selbst schreibt „FRITZ!Box“. Wem die Fritzbox gehört, entscheidet sich also bei den Gesellschaftern der FRITZ! GmbH.
Am 10. Juli 2024 gab AVM bekannt, dass Imker Capital Partners im Rahmen eines „Generationswechsels“ die Mehrheit der Geschäftsanteile übernimmt. Imker ist das Family Office der niederländischen Unternehmerfamilie van Rappard, geführt von Teun van Rappard, dem Sohn des CVC-Mitgründers Rolly van Rappard; zu den Beteiligungen zählen laut heise online SAP Fioneer und Mollie. Medien verorten das Family Office in Luxemburg beziehungsweise London. Der Erwerb lief über die luxemburgische Rucio Investment S.à r.l. und deren Berliner Tochter Spree 24 Beteiligung GmbH; nach Freigabe durch die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde wurde er am 1. September 2024 vollzogen.
Die drei damals noch aktiven Gründer Johannes Nill, Peter Faxel und Ulrich Müller-Albring bleiben Minderheitsgesellschafter und Beiräte. Die Höhe ihres Anteils wurde ebenso wenig veröffentlicht wie der Kaufpreis. PC-Welt und andere Medien schätzten den Unternehmenswert auf 750 Mio. bis 1 Mrd. Euro; der Hersteller hat das nie bestätigt. Eine Börsennotierung gibt es nicht.
Geschichte und Herkunft
AVM wurde 1986 in West-Berlin von vier Studenten gegründet: Johannes Nill, Peter Faxel, Ulrich Müller-Albring und Jörg-Detlef Gebert. Das Kürzel stand für „Audiovisuelles Marketing“, anfangs ging es um Bildschirmtext-Dienste (BTX). 1989 verkaufte AVM seine erste ISDN-Karte, 1995 folgte mit der FRITZ!Card der Durchbruch und mit ihr die Marke FRITZ!.
Auf der CeBIT 2004 zeigte AVM die erste FRITZ!Box, eine Kombination aus DSL-Modem und Router, später erweitert um WLAN, Telefonanlage und DECT-Basis. IDC bescheinigte dem Unternehmen 2007 einen Anteil von 60 Prozent am deutschen Markt für DSL-Endgeräte. 2010 kamen Kabel- und LTE-Modelle hinzu, 2021 die erste 5G-FRITZ!Box. Kurz vor dem Eigentümerwechsel, im Juli 2024, verhängte das Bundeskartellamt ein Bußgeld von 16 Mio. Euro gegen AVM, weil AVM mit sechs Elektronikfachhändlern Mindestpreise abgesprochen hatte.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
FRITZ! entwickelt Router, Repeater, Telefone und Smart-Home-Hardware in Berlin, verkauft sie über den Handel und beliefert Internetanbieter, die die Geräte als Leihrouter bereitstellen. Jahrelange kostenlose Updates von FRITZ!OS gelten als wichtiger Grund für die Kundenbindung.
2022 setzte AVM laut Handelsblatt rund 620 Mio. Euro um, 2023 waren es nach Unternehmensangaben 580 Mio. Euro mit 890 Mitarbeitern; Channelweb bezifferte den operativen Gewinn 2023 auf rund 80 Mio. Euro. Für 2024 nennt der Hersteller rund 630 Mio. Euro Umsatz und etwa 900 Beschäftigte; Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor.
Beim Marktanteil fehlen unabhängige aktuelle Erhebungen. Eine YouGov-Umfrage unter 3.000 Teilnehmern, die der Hersteller im Juni 2025 selbst beauftragt hatte, ergab, dass mehr als die Hälfte der Befragten eine FRITZ!Box nutzt; Telekom-Router kamen auf 19 Prozent, Vodafone auf 10 Prozent. Die Markenbekanntheit von FRITZ! beziffert das Unternehmen auf rund 80 Prozent.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Mit dem Eigentümerwechsel kam eine neue Führung. Seit dem 30. September 2024 ist Jan Oetjen CEO, zuvor Chef von 1&1 Mail & Media (Web.de, GMX). Finanzchef wurde Jan-Christian Werner, früher CFO der HRS Group. Mitgründer Peter Faxel blieb zunächst Technikchef, ist laut Handelsregister aber seit Januar 2026 nicht mehr Geschäftsführer; Johannes Nill und Ulrich Müller-Albring wechselten im Herbst 2024 in den Beirat.
Der sichtbarste Schritt ist die Umbenennung: Seit März 2025 leitet avm.de auf fritz.com weiter, Anfang August 2025 teilte das Unternehmen seinen Handelspartnern mit, dass es ab sofort als FRITZ! GmbH firmiert. Begründung: die höhere Bekanntheit der Produktmarke und die von Imker angekündigte Internationalisierung.
2026 feiert FRITZ! sein 40-jähriges Bestehen und nutzte die IFA im September 2026 für eine Produktoffensive: Die FRITZ!Box DSL/Fiber 7-90 markiert ein neues Design mit Wi-Fi 7 für Glasfaser und DSL, dazu kommen die FRITZ!Box 5630 XGS für Glasfaser bis 10 Gbit/s, der 5G-Router 6835 5G, die Kabelbox 6690 Pro und FRITZ!OS 8.50.
Die Gründer
Die Vermögensbasis der Gründer besteht aus ihren Minderheitsanteilen an der FRITZ! GmbH und dem Erlös aus dem Verkauf der Mehrheit an Imker. Johannes Nill war bis September 2024 CEO, Peter Faxel bis Anfang 2026 Technikchef, Ulrich Müller-Albring bis Herbst 2024 Geschäftsführer. Der vierte Gründer Jörg-Detlef Gebert war beim Verkauf nicht mehr beteiligt. Offizielle Angaben zum Privatvermögen der Gründer existieren nicht, und uamr.de nennt dazu keine Beträge.
FAQ
Wem gehört die Fritzbox? Die FRITZ!Box ist eine Marke der Berliner FRITZ! GmbH. Deren Mehrheit hält seit September 2024 das Family Office Imker Capital Partners, die Gründer Nill, Faxel und Müller-Albring halten eine Minderheit.
Warum heißt AVM jetzt FRITZ!? Im Sommer 2025 wurde AVM in FRITZ! GmbH umbenannt, weil die Produktmarke mit rund 80 Prozent Bekanntheit weit bekannter war als der Firmenname.
Wie viel hat Imker Capital Partners für AVM bezahlt? Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht. Medien schätzten den Unternehmenswert auf 750 Mio. bis 1 Mrd. Euro, bestätigt ist das nicht.
Wer führt die FRITZ! GmbH? CEO ist seit dem 30. September 2024 Jan Oetjen, Finanzchef Jan-Christian Werner. Die Gründer beraten im Beirat.
Wie groß ist FRITZ!? 2024 erzielte das Unternehmen rund 630 Mio. Euro Umsatz mit etwa 900 Mitarbeitern, 2023 waren es 580 Mio. Euro und 890 Beschäftigte.
Ist FRITZ! an der Börse? Nein. Die FRITZ! GmbH ist nicht börsennotiert; Anteile halten nur Imker Capital Partners und die Gründer.
Fazit
Die FRITZ!Box bleibt ein Berliner Produkt, gehört aber seit 2024 mehrheitlich einem Finanzinvestor: Das Family Office Imker Capital Partners hat den Gründern die Mehrheit abgekauft, die Gründer sind nur noch Minderheitsgesellschafter und Beiräte. Der neue Eigentümer hat mit Jan Oetjen eine externe Führung installiert und den Firmennamen auf die Marke FRITZ! umgestellt.
Mit rund 630 Mio. Euro Umsatz 2024 und einer dominierenden Stellung im deutschen Routermarkt steht das Unternehmen solide da. Ob der Kurs unter Imker die Kundentreue erhält, wird sich an der 2026 gestarteten Wi-Fi-7-Generation zeigen.
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