Kurze Antwort: BMW ist börsennotiert und hat keinen Mehrheitseigentümer. Stefan Quandt hält 25,3 Prozent, Susanne Klatten 20,5 Prozent (jeweils direkt und indirekt, Stand 30. Juni 2026), 2,8 Prozent sind eigene Aktien, 51,4 Prozent Streubesitz. Diese Zahlen sind neu: Am 30. Juni 2026 wurden alle Vorzugsaktien in Stammaktien umgewandelt – jede ältere Prozentangabe ist damit überholt.
Die Gesellschaft
- Firma: Bayerische Motoren Werke Aktiengesellschaft
- Sitz: Petuelring 130, 80809 München
- Registergericht: Amtsgericht München, HRB 42243
- Umsatzsteuer-Identifikationsnummer: DE 129273398
- ISIN Stammaktie: DE0005190003 (WKN 519000), Ticker BMW GY
- Börsenplätze: Regulierter Markt Frankfurt und München, Teilsegment Prime Standard
- Indexzugehörigkeit: DAX und EURO STOXX 50
Das Grundkapital beträgt 615.810.431 Euro. Seit dem 30. Juni 2026 ist es in 615.810.431 Stammaktien zu je einem Euro eingeteilt – im Halbjahresbericht 2026 heißt es: „The Company’s share capital remains € 615,810,431 and now consists of 615,810,431 ordinary bearer shares.“ Zuvor bestand es aus 561.134.926 Stammaktien (91,12 Prozent) und 54.675.505 stimmrechtslosen Vorzugsaktien (8,88 Prozent).
Die Aktionärsstruktur
Nach Angaben der Investor-Relations-Abteilung, Stand 30. Juni 2026:
| Aktionär | Anteil |
|---|---|
| Stefan Quandt (direkt und indirekt) | 25,3 % |
| Susanne Klatten (direkt und indirekt) | 20,5 % |
| Eigene Aktien | 2,8 % |
| Streubesitz | 51,4 % |
Da seit dem 30. Juni 2026 das gesamte Grundkapital stimmberechtigt ist, entsprechen diese Werte zugleich dem Anteil am Grundkapital. Vor diesem Datum waren das zwei verschiedene Zahlen – daher stammt ein Großteil der widersprüchlichen Angaben im Netz.
Die Beteiligungsvehikel nennt der Geschäftsbericht 2025 im Abschnitt zu übernahmerelevanten Angaben, gemessen in Prozent der damaligen Stimmrechte:
- Stefan Quandt: 0,2 Prozent direkt, 27,5 Prozent indirekt – über die AQTON SE, die AQTON Verwaltung GmbH und die AQTON GmbH & Co. KG für Automobilwerte, alle Bad Homburg v. d. Höhe
- Susanne Klatten: 0,2 Prozent direkt, 22,3 Prozent indirekt – über die Susanne Klatten Beteiligungs GmbH, Bad Homburg v. d. Höhe
Zwei Präzisierungen, die wichtig sind. Erstens die Rechtsnatur: BMW schreibt zu dieser Tabelle wörtlich „Based on voluntary notifications provided by the listed shareholders“ – es sind freiwillige Mitteilungen der Aktionäre, keine Pflichtmitteilungen nach dem Wertpapierhandelsgesetz. Zweitens der Grund für den Rückgang von 27,7 und 22,5 auf 25,3 und 20,5 Prozent: Es wurden keine Aktien verkauft. Rechnet man die alten Anteile in Aktienzahlen um und teilt sie durch das jetzt größere stimmberechtigte Kapital, kommt man exakt auf die neuen Werte. Der Rückgang ist ein reiner Verwässerungseffekt der Vorzugsaktien-Umwandlung.
Zum Vergleich der historisch meistzitierte Stand: Ende 2021 hielt Stefan Quandt 25,8 Prozent und Susanne Klatten 20,9 Prozent der Stimmrechte. Diese Zahlen – oft als „25,83 und 20,93 Prozent“ wiedergegeben – waren nur bis etwa 2021/22 korrekt.
Vorstand und Aufsichtsrat
Auch hier hat sich 2026 etwas geändert, das die meisten älteren Quellen nicht abbilden. Vorsitzender des Vorstands ist seit dem 14. Mai 2026 Dr.-Ing. Milan Nedeljković. Der Aufsichtsrat hatte ihn am 9. Dezember 2025 bestellt; Oliver Zipse legte Vorsitz und Mandat mit Ablauf des 13. Mai 2026 nieder – dem Tag der Hauptversammlung. Nedeljković ist seit 1993 im Unternehmen und war seit Oktober 2019 Produktionsvorstand.
Weitere Vorstandsmitglieder: Jochen Goller (Kunde, Marken, Vertrieb), Ilka Horstmeier (Personal und Immobilien, Arbeitsdirektorin), Dr. Nicolai Martin (Einkauf), Walter Mertl (Finanzen), Dr. Joachim Post (Entwicklung) und Dr. Raymond Wittmann (Produktion).
Aufsichtsratsvorsitzender ist seit dem 14. Mai 2025 Dr. Nicolas Peter, früheres Vorstandsmitglied für Finanzen, gewählt bis zur Hauptversammlung 2029. Sein Vorgänger Norbert Reithofer hatte das Amt von Mai 2015 bis Mai 2025 inne. Stefan Quandt ist stellvertretender Vorsitzender und seit 1997 Aufsichtsratsmitglied; Susanne Klatten gehört dem Gremium ebenfalls seit Mai 1997 an.
Die Konzernmarken
BMW führt BMW, MINI, Rolls-Royce und BMW Motorrad – und seit Anfang 2026 eine fünfte: Der Geschäftsbericht 2025 vermerkt „On 1 January 2026, BMW ALPINA launched as an exclusive stand-alone brand under the BMW Group umbrella“, positioniert zwischen den Top-BMW-Modellen und Rolls-Royce.
Rolls-Royce – die klassische Verwechslung
Es gibt drei Ebenen, die regelmäßig durcheinandergeraten:
- Rolls-Royce Motor Cars Ltd. in Goodwood ist der Automobilhersteller und gehört zu 100 Prozent zur BMW Group.
- Volkswagen hielt das operative britische Unternehmen mit dem Werk Crewe bis Ende 2002 – daraus wurde Bentley. Mit dem heutigen Rolls-Royce-Automobilgeschäft hat VW nichts zu tun.
- Rolls-Royce Holdings plc ist der börsennotierte Triebwerks- und Antriebskonzern, von dem BMW 1998 die Markenrechte erwarb. Das Unternehmen beschreibt sich selbst ausschließlich als Anbieter von Antriebslösungen für Luftfahrt, Verteidigung und Power Systems. Automobile kommen dort nicht vor. Es gehört nicht zu BMW und BMW nicht zu ihm.
BMW schreibt in der eigenen Historie: „Im Juli 1998 kommt ein neues Juwel ins Portfolio: Nach langen Verhandlungen ist es gelungen, von Rolls-Royce plc. Marken- und Namensrechte für Rolls-Royce Automobile zu erwerben. Bis Ende 2002 verbleibt das britische Unternehmen komplett bei Volkswagen, dann übernimmt BMW die Verantwortung für Rolls-Royce Automobile mit allen Rechten und Konsequenzen.“
MINI
Aus der BMW-Historie: „Anfang des Jahres 1994 beschließt der Vorstand … die britische Rover Group – mit klangvollen und traditionsreichen Marken wie Land Rover, Rover, MG, Triumph und MINI – zu erwerben. … Im Jahr 2000 entscheidet die BMW AG deshalb, sich wieder von der Rover Group zu trennen. Nur die Marke MINI verbleibt bei BMW.“ Der Neustart der Marke datiert BMW auf 2001.
Wichtige Beteiligungen
- BMW Brilliance Automotive Ltd., Shenyang (China) – 75 Prozent
- Spotlight Automotive Ltd., Zhangjiagang (China) – 50 Prozent, gemeinsam mit Great Wall Motor
- BMW Bank GmbH, München – 100 Prozent
- Alphabet International GmbH, München – 100 Prozent
- Designworks/USA, Inc., Newbury Park, Kalifornien – 100 Prozent
- BMW Bank of North America, Salt Lake City – 100 Prozent
- Beijing Ionchi New Energy Technology Ltd. – 50 Prozent, gemeinsam mit der Mercedes-Benz Group
BMW Brilliance war lange ein 50:50-Gemeinschaftsunternehmen. Der Geschäftsbericht 2022 hält fest: „On 11 February 2022, via its subsidiary BMW Holding B.V., the BMW Group increased its shareholding in the BMW Brilliance joint venture from 50 % to 75 %“. Der Kaufpreis für die zusätzlichen 25 Prozent betrug 27.941 Millionen chinesische Yuan, umgerechnet und inklusive Sicherungseffekte 3.735 Millionen Euro, vollständig in bar. Die zugrunde liegende Vereinbarung mit einer Tochter der Brilliance China Automotive Holdings war bereits am 11. Oktober 2018 unterzeichnet worden.
Spotlight Automotive ist laut Geschäftsbericht 2025 die größte gemeinsame Betriebstätigkeit des Konzerns, seit 2019 mit Great Wall Motor, und fertigt in Zhangjiagang Elektrofahrzeuge für MINI und Great Wall – 2025 waren es 67.831 Einheiten.
Ein Hinweis zur Namensgleichheit: Die BMW-Marke Alphabet (Fuhrparkmanagement) hat nichts mit der Alphabet Inc. zu tun, der Muttergesellschaft von Google. Die BMW-Gesellschaft existierte lange vorher.
Historie
- 1916: Aus der Flugmaschinenfabrik Gustav Otto geht die Bayerische Flugzeug-Werke AG (BFW) hervor.
- 1917: Aus den Rapp Motorenwerken entsteht die Bayerische Motoren Werke GmbH; im selben Jahr wird das Emblem eingeführt.
- 1918: Umwandlung in eine AG. 1920: Verkauf an die Knorr-Bremse AG.
- 1922: Die BMW AG überträgt Motorenbau, Firmen- und Markennamen an die BFW. Deshalb gilt der 7. März 1916 – das Gründungsdatum der BFW – zugleich als Gründungsdatum der Bayerischen Motoren Werke AG.
- Ende 1959: Daimler-Benz gibt ein befristetes Sanierungsangebot für BMW ab. Auf der Hauptversammlung am 9. Dezember lehnen Kleinaktionäre und Belegschaft ab. Ihr Durchhaltewille und sein Vertrauen in den BMW 700 veranlassen Herbert Quandt zum Ausbau seines Aktienpakets.
- 1961: Die „Neue Klasse“ bringt den Durchbruch.
- 1994/2000: Kauf und Verkauf der Rover Group, MINI bleibt.
- Juli 1998: Erwerb der Rolls-Royce-Markenrechte. 2003: Volle Verantwortung, Werk Goodwood.
- 11. Februar 2022: Aufstockung BMW Brilliance auf 75 Prozent.
- 14. Mai 2025: Nicolas Peter löst Norbert Reithofer als Aufsichtsratsvorsitzender ab.
- 1. Januar 2026: BMW ALPINA startet als eigenständige Konzernmarke.
- 14. Mai 2026: Milan Nedeljković löst Oliver Zipse als Vorstandsvorsitzender ab.
- 30. Juni 2026: Umwandlung aller Vorzugsaktien in Stammaktien.
Häufige Falschannahmen
- „Stefan Quandt hält 25,83 Prozent, Susanne Klatten 20,93 Prozent.“ Stand 2021, seither zweimal verändert.
- „BMW besitzt Rolls-Royce, den Triebwerkshersteller.“ Nein – Rolls-Royce Holdings plc ist ein eigenständiges börsennotiertes Unternehmen.
- „BMW gehören Land Rover und MG.“ Sie kamen 1994 mit der Rover Group und gingen 2000 wieder ab.
- „Oliver Zipse ist BMW-Chef.“ Überholt seit dem 13. Mai 2026.
- „BMW hat Stamm- und Vorzugsaktien.“ Überholt seit dem 30. Juni 2026.
- „BMW Brilliance ist ein 50:50-Joint-Venture.“ Überholt seit Februar 2022.
- „BMW gehört zum Teil einem Staatsfonds.“ Kein Beleg. Alle Beteiligungen über fünf Prozent sind offenzulegen – dort erscheinen ausschließlich die Quandt- und Klatten-Vehikel.
Was sich aus öffentlichen Quellen nicht belegen lässt
- Die Erbfolge nach Johanna Quandt 2015 – Zeitpunkt, Anteile, Übertragungswege. In keinem der geprüften Geschäftsberichte, in der Unternehmenshistorie oder auf den Investor-Relations-Seiten wird sie erwähnt. Dokumentiert ist nur, dass Stefan Quandt und Susanne Klatten bereits seit Mai 1997 im Aufsichtsrat sitzen.
- Das Datum der Umfirmierung von „Johanna Quandt GmbH & Co. KG für Automobilwerte“ zu „AQTON GmbH & Co. KG für Automobilwerte“
- Rechtsnatur und Kaufpreis der Rolls-Royce-Markenrechte 1998 sowie die Rolle von Vickers plc als Verkäufer
- Kaufpreis der Rover Group 1994 und Konditionen des Verkaufs 2000
- Anteile einzelner institutioneller Investoren – sie liegen unter der Fünf-Prozent-Schwelle und werden nicht ausgewiesen
- Vermögensangaben zu Stefan Quandt oder Susanne Klatten, Vorstands- und Aufsichtsratsvergütungen sowie geschätzte Unternehmenswerte – hier bewusst ausgeklammert
Quellen
- Impressum der BMW Group (HRB 42243, USt-IdNr., Vorstand, Aufsichtsratsvorsitzender)
- BMW Investor Relations – BMW Shares (Aktionärsstruktur zum 30. Juni 2026)
- BMW Group Report 2025 (Aktionärstabelle, Grundkapital, Anteilsbesitzliste, BMW ALPINA)
- BMW Group Halbjahresbericht zum 30. Juni 2026 (Grundkapital nach der Umwandlung)
- Ad-hoc-Mitteilung vom 9. Dezember 2025 (Bestellung Nedeljković)
- Ad-hoc-Mitteilung vom 16. Dezember 2025 (Umwandlung der Vorzugsaktien)
- BMW Group Report 2022 (BMW Brilliance: Aufstockung auf 75 Prozent, Kaufpreis)
- BMW Group – Historie (1916/1917, 1959, Rover Group, Rolls-Royce)
- BMW Group – Marken
- Rolls-Royce Holdings plc – About (Beleg für die Abgrenzung)
Stand: 26. August 2026. Alle Angaben stammen aus den oben verlinkten Quellen.