Familie Reimann: Biographie, JAB Holding und Milliarden-Vermögen

Reimann Familie Biographie und Vermögen

Die Familie Reimann zählt zu den reichsten Familien Deutschlands – und zu den verschwiegensten. Über die Luxemburger JAB Holding kontrollieren vier Geschwister ein Beteiligungsimperium mit Marken wie Keurig Dr Pepper, Coty, Krispy Kreme, Pret a Manger und Panera. Das Manager Magazin zählt die Familie seit Jahren zu den reichsten Deutschlands. Die Geschichte reicht zurück bis zu einer Chemiefabrik in Pforzheim im Jahr 1851 – und umfasst ein dunkles Kapitel in der NS-Zeit, das die Familie seit 2019 öffentlich aufarbeitet.

Key Takeaways

  • Ursprung ist die 1823 von Johann Adam Benckiser erworbene Salmiakhütte in Pforzheim; 1851 gründete der Chemiker Karl Ludwig Reimann mit Benckiser die Chemiefabrik Joh. A. Benckiser.
  • Albert Reimann junior erfand den Wasserenthärter Calgon; 1999 fusionierte Benckiser mit Reckitt & Colman zu Reckitt Benckiser.
  • Heute halten vier Geschwister – Renate Reimann-Haas, Wolfgang Reimann, Stefan und Matthias Reimann-Andersen – rund 90 Prozent der JAB Holding.
  • JAB ist unter anderem an Keurig Dr Pepper, Coty, Krispy Kreme, Panera Brands, Pret a Manger und dem Tiergesundheitskonzern Pinnacle Pet Group beteiligt.
  • 2026 übernahm Keurig Dr Pepper den Kaffeekonzern JDE Peet’s, an dem JAB größter Anteilseigner war, für rund 15,7 Milliarden Euro.
  • Das Manager Magazin führte die Reimanns zeitweise als reichste Familie Deutschlands; konkrete Vermögenszahlen beruhen ausschließlich auf Schätzungen Dritter.
  • Eine 2019 veröffentlichte Studie belegte die NS-Verstrickung von Albert Reimann senior und junior; die Familie gründete daraufhin die Alfred Landecker Foundation.

Steckbrief: Familie Reimann

StammsitzPforzheim, später Ludwigshafen; Holding in Luxemburg
Gründung1823 (Benckiser) bzw. 1851 (Reimann & Benckiser)
BeteiligungsgesellschaftJAB Holding Company S.à r.l.
GesellschafterRenate Reimann-Haas, Wolfgang Reimann, Stefan Reimann-Andersen, Matthias Reimann-Andersen (ca. 90 %); Management um Peter Harf (ca. 10 %)
Wichtige BeteiligungenKeurig Dr Pepper, Coty, Krispy Kreme, Panera Brands, Pret a Manger, Pinnacle Pet Group
Vermögensbasisca. 90 Prozent der JAB Holding

Die Ursprünge: Von der Salmiakhütte zu Calgon

1823 erwarb der Kaufmann Johann Adam Benckiser eine Salmiakhütte in Pforzheim. 1851 stieg der Chemiker Karl Ludwig Reimann als Partner ein; gemeinsam gründeten sie eine Chemiefabrik, die Weinsäure, Zitronensäure und Phosphate herstellte. 1936 zog sich die Familie Benckiser zurück, die Reimanns übernahmen das Unternehmen komplett – der Firmenname Joh. A. Benckiser (JAB) blieb.

Der wirtschaftliche Durchbruch kam nach dem Zweiten Weltkrieg mit Konsumgütern: Albert Reimann junior entwickelte in den 1950er-Jahren den Wasserenthärter Calgon, in den 1960ern folgte das Maschinengeschirrspülmittel Calgonit. 1999 fusionierte Benckiser mit dem britischen Konzern Reckitt & Colman zu Reckitt Benckiser, einem der größten Haushaltswarenhersteller der Welt. Die Familie reduzierte ihren Anteil an Reckitt später schrittweise.

Die Erben: Neun Adoptivkinder, vier Gesellschafter

Albert Reimann junior hatte keine eigenen ehelichen Kinder. Er adoptierte insgesamt neun Kinder: vier aus der Familie seiner Schwester Else Dubbers (1958), zwei Kinder seines Neffen Otto Andersen (1967) sowie drei leibliche Kinder aus der Beziehung mit Emilie Landecker. 1984 legte er fest, dass alle neun zu gleichen Teilen erben. 1997 ließ sich der Zweig Reimann-Dubbers auszahlen.

Heute halten vier Geschwister rund 90 Prozent der JAB Holding: Renate Reimann-Haas, Wolfgang Reimann (beide promovierte Chemiker), Stefan Reimann-Andersen und Matthias Reimann-Andersen. Die operative Führung liegt seit 1988 bei Peter Harf, der zusammen mit weiteren Managern etwa zehn Prozent an der Holding hält. Die Familie selbst tritt nicht öffentlich auf – ein Wertekodex verpflichtet die Nachkommen ab dem 18. Geburtstag, die Öffentlichkeit zu meiden. 2006 nahmen die vier Gesellschafter die österreichische Staatsbürgerschaft an; Sitz der Familie ist Wien.

Die NS-Vergangenheit und ihre Aufarbeitung

2014 beauftragte die Familie den Wirtschaftshistoriker Paul Erker, die Geschichte des Unternehmens im Nationalsozialismus zu untersuchen. Die 2019 veröffentlichten Ergebnisse waren eindeutig: Albert Reimann senior und junior waren überzeugte Anhänger Adolf Hitlers und frühe Mitglieder der NSDAP. Das Unternehmen, das seine Belegschaft während des Krieges von rund 180 auf 650 Beschäftigte ausbaute, setzte Zwangsarbeiter ein, die unter dem Werkschutz misshandelt wurden.

Als Reaktion wandelte die Familie ihre Stiftung im Juni 2019 in die Alfred Landecker Foundation um – benannt nach dem jüdischen Vater von Emilie Landecker, der im Holocaust ermordet wurde. Die Stiftung ist mit 250 Millionen Euro für zehn Jahre ausgestattet und fördert Holocaust-Gedenken, Demokratieschutz und den Schutz von Minderheiten. Zudem zahlte die Familie Entschädigungen an ehemalige Zwangsarbeiter und deren Nachkommen.

JAB Holding: Vom Chemiekonzern zum Konsumgüter-Investor

Unter Peter Harf verwandelte sich JAB von einem Industrieunternehmen in eine Beteiligungsholding nach dem Vorbild von Berkshire Hathaway. Schwerpunkte sind Kaffee, Getränke, Gastronomie, Kosmetik und Tiergesundheit:

  • Kaffee und Getränke: Aufbau von Jacobs Douwe Egberts (später JDE Peet’s) zum zweitgrößten Kaffeeröster der Welt; Übernahme von Keurig Green Mountain (2016, 13,9 Mrd. US-Dollar) und Dr Pepper Snapple (2018) zu Keurig Dr Pepper. Anfang 2026 übernahm Keurig Dr Pepper JDE Peet’s für rund 15,7 Milliarden Euro – die beiden JAB-Kaffeebeteiligungen werden damit zusammengeführt.
  • Kosmetik: Coty Inc. (seit 1992), Eigentümer von Marken wie Wella, Clairol, Max Factor und Kylie Cosmetics; JAB hält rund 38 Prozent.
  • Gastronomie: Krispy Kreme, Panera Brands (Panera Bread, Caribou Coffee, Einstein Bros.), Pret a Manger.
  • Tiergesundheit: Aufbau eines Netzes von Tierkliniken (National Veterinary Associates, Compassion-First) und Tierversicherungen unter der Pinnacle Pet Group.
  • Ehemalige Beteiligungen: Jimmy Choo und Belstaff (2017 verkauft), Bally (Minderheitsbeteiligung).

Reimann Familie Vermögen: Ranglisten ohne offizielle Zahlen

Da JAB nicht börsennotiert ist und die Familie keine Zahlen veröffentlicht, beruhen alle Vermögensangaben auf Schätzungen Dritter. Das Manager Magazin führte die Reimanns 2019 auf Platz eins seiner Liste der reichsten Deutschen und zählt sie seither durchgehend zur Spitzengruppe. Die Schätzungen verschiedener Medien weichen erheblich voneinander ab, weil die nicht börsennotierten Beteiligungen und die Verschuldung auf Holding-Ebene unterschiedlich bewertet werden. uamr.de nennt deshalb keine Beträge. Die Halbschwester Andrea Reimann-Ciardelli, die in den USA lebt, wird von Forbes separat als Milliardärin geführt.

Neben der Landecker Foundation unterhält die Familie weitere Stiftungen, darunter die VRD-Stiftung für erneuerbare Energien und die Emily Landecker Foundation.

FAQ

Wie reich ist die Familie Reimann? Das Manager Magazin führte die Familie zeitweise als reichste Deutschlands. Offizielle Zahlen gibt es nicht, da die JAB Holding nicht börsennotiert ist.

Wer sind die Mitglieder der Reimann-Familie? Die vier Gesellschafter der JAB Holding sind Renate Reimann-Haas, Wolfgang Reimann, Stefan Reimann-Andersen und Matthias Reimann-Andersen. Weitere Adoptivkinder Albert Reimanns wurden 1997 ausgezahlt.

Welche Firmen gehören der Familie Reimann? Über JAB unter anderem Beteiligungen an Keurig Dr Pepper, Coty, Krispy Kreme, Panera Brands, Pret a Manger und der Pinnacle Pet Group.

Gehört Reckitt Benckiser noch den Reimanns? Nur noch zu einem kleinen Teil. Nach der Fusion 1999 hat JAB die Beteiligung an Reckitt schrittweise abgebaut.

Welche Rolle spielte die NS-Vergangenheit der Reimanns? Albert Reimann senior und junior waren NSDAP-Mitglieder und setzten Zwangsarbeiter ein. Die 2019 veröffentlichte Studie führte zur Gründung der Alfred Landecker Foundation mit 250 Millionen Euro.

Wer führt die JAB Holding? Peter Harf leitet die Holding seit 1988 und hält mit weiteren Managern rund zehn Prozent der Anteile.

Fazit

Die Reimanns haben aus einer Pforzheimer Chemiefabrik eines der größten Konsumgüter-Imperien der Welt geformt – ohne je selbst im Rampenlicht zu stehen. Das Vermögen steckt fast vollständig in der JAB Holding, deren Portfolio sich mit der Zusammenführung von Keurig Dr Pepper und JDE Peet’s 2026 erneut grundlegend verändert. Die offene Aufarbeitung der NS-Vergangenheit unterscheidet die Familie von manch anderer deutscher Unternehmerdynastie.