
Aegean Airlines ist die größte Fluggesellschaft Griechenlands und seit 2007 an der Athener Börse notiert. Größter Aktionär ist die Familie Vassilakis, die über den Nachlass des 2018 verstorbenen Gründers Theodoros Vassilakis und über die Autovermietungsgruppe Autohellas 37,5 Prozent der Stimmrechte kontrolliert. Der griechische Staat ist seit Anfang 2024 nicht mehr beteiligt. Das Unternehmen mit Sitz in Kifisia bei Athen beförderte 2025 rund 17,3 Millionen Passagiere, gehört zur Star Alliance und wird von Verwaltungsratschef Eftichios Vassilakis und CEO Dimitris Gerogiannis geführt.
Key Takeaways
- Laut Börse werden Eftichios Vassilakis 37,5 Prozent der Stimmrechte zugerechnet: Nachlass des Gründers (rund 25 Prozent) plus Autohellas (rund 12 Prozent).
- Zweitgrößter Aktionär ist Alnesco Enterprises (Panagiotis Laskaridis) mit 12,02 Prozent.
- Die Optionsscheine aus der Corona-Staatshilfe von 2021 kaufte Aegean im Januar 2024 für rund 85,4 Millionen Euro zurück.
- 2013 übernahm Aegean Olympic Air für 72 Millionen Euro; die Marke besteht als Tochter fort.
- 2025 erreichte der Umsatz rund 1,86 Milliarden Euro, der Nettogewinn 147,8 Millionen Euro bei 17,3 Millionen Passagieren.
- Im März 2026 stornierte Aegean zwei Airbus A321XLR und verschob den Indien-Start um rund ein Jahr; an Volotea hält Aegean mehr als 20 Prozent.
| Name | Aegean Airlines S.A. |
| Gegründet | 1987 als Aegean Aviation; Linienflugbetrieb seit Mai 1999 |
| Sitz | Kifisia (Athen), Griechenland; Drehkreuz Flughafen Athen |
| Branche | Luftfahrt (Linien- und Charterflüge, Wartung) |
| Eigentümer | Börsennotiert; Eftichios Vassilakis/Familie Vassilakis 37,5 % (inkl. Nachlass Theodoros Vassilakis und Autohellas), Alnesco Enterprises (Panagiotis Laskaridis) 12,02 %, Achilleas Konstantakopoulos 5,55 %, Rest Streubesitz |
| Führung | Eftichios Vassilakis (geschäftsführender Vorsitzender des Verwaltungsrats), Dimitris Gerogiannis (CEO) |
| Umsatz / Mitarbeiter | Umsatz 2025: 1.859,7 Mio. Euro; Nettogewinn 2025: 147,8 Mio. Euro; 3.681 Beschäftigte im Konzern (Angabe Euronext Athens 2026) |
Von der Geschäftsflieger-Firma zum Marktführer
Die Wurzeln von Aegean reichen bis 1987 zurück, als Aegean Aviation als Anbieter von Geschäftsflügen entstand. Die heutige Fluggesellschaft startete im Mai 1999 mit zwei Avro RJ100, getragen von der Familie Vassilakis und weiteren Investoren. Am 11. Juli 2007 folgte die Notierung an der Athener Börse, am 30. Juni 2010 die Aufnahme in die Star Alliance.
Der entscheidende Schritt zum Marktführer war die Übernahme von Olympic Air. Nach einem 2011 von der EU-Kommission untersagten ersten Versuch genehmigte Brüssel den zweiten Anlauf am 9. Oktober 2013. Am 23. Oktober 2013 übernahm Aegean 100 Prozent der Anteile von der Marfin Investment Group für 72 Millionen Euro. Olympic Air fliegt seither als Tochter vor allem Regionalstrecken zu den Inseln.
Eigentümerstruktur im Detail
Das Grundkapital ist in 90.167.100 Aktien eingeteilt; der Börsenwert lag im September 2026 laut Euronext Athens bei rund 1,05 Milliarden Euro. In der Stimmrechtsübersicht der Börse werden Eftichios Vassilakis 37,5 Prozent zugerechnet. Dahinter stehen zwei Pakete: der Nachlass des Gründers Theodoros Vassilakis mit laut MarketScreener rund 24,95 Prozent, sowie rund 12,1 Prozent der börsennotierten Autohellas S.A., die ebenfalls von der Familie kontrolliert und von Eftichios Vassilakis als CEO geführt wird. Zweitgrößter Aktionär ist mit 12,02 Prozent Alnesco Enterprises, hinter der der Verwaltungsrat Panagiotis Laskaridis steht; Achilleas Konstantakopoulos, ebenfalls im Verwaltungsrat, hält 5,55 Prozent. Der Rest ist Streubesitz.
Eine Sonderrolle spielte der Staat. 2021 gewährte er Aegean einen Corona-Zuschuss von 120 Millionen Euro, gekoppelt an eine Kapitalerhöhung der Altaktionäre über mindestens 60 Millionen Euro zu 3,20 Euro je Aktie. Als Gegenleistung erhielt er 10.369.217 Optionsscheine, die bei Ausübung rund 10,3 Prozent des Kapitals entsprochen hätten. Als die Regierung im November 2023 die Ausübung ankündigte, nutzte Aegean ihr Rückkaufrecht und zahlte am 2. Januar 2024 rund 85,4 Millionen Euro. Damit ist die öffentliche Hand nicht mehr beteiligt.
Geschäftsmodell und Zahlen
Aegean fliegt von Athen aus Inlandsziele, Europa, den Nahen Osten und Nordafrika. Die Flotte basiert auf der Airbus-A320-Familie: Die 2018 platzierte und später aufgestockte Bestellung umfasst 60 A320neo und A321neo, von denen bis Sommer 2025 gut die Hälfte ausgeliefert war. Anfang 2026 standen 68 Maschinen im Einsatz.
2024 sank der Nettogewinn wegen Inspektionen an Pratt-&-Whitney-Triebwerken und Störungen im Nahost-Verkehr auf 129,9 Millionen Euro. 2025 folgte ein Rekordjahr mit 17,3 Millionen Passagieren, 421,5 Millionen Euro EBITDA und 147,8 Millionen Euro Nettogewinn bei 82,3 Prozent Auslastung. Vorgeschlagen wurde eine Dividende von 0,90 Euro je Aktie nach 0,80 Euro für 2024.
| Jahr | Passagiere | Umsatz | Nettogewinn |
| 2023 | 15,7 Mio. | ca. 1,69 Mrd. Euro | ca. 169 Mio. Euro |
| 2024 | 16,3 Mio. | ca. 1,78 Mrd. Euro | 129,9 Mio. Euro |
| 2025 | 17,3 Mio. | 1.859,7 Mio. Euro | 147,8 Mio. Euro |
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Im Juli 2025 kündigte Aegean den Einstieg in die Langstrecke an: Zwei Airbus A321neo XLR mit 138 Sitzen, davon 24 Business-Class-Suiten, sollten ab März 2026 Neu-Delhi und ab Mai 2026 Mumbai bedienen. Weil sich die Auslieferungen wegen Zertifizierungsproblemen bei den Sitzen um sieben bis acht Monate verzögert hätten, stornierte Aegean die XLR im März 2026, orderte zwei zusätzliche A321neo und setzt für Fernstrecken auf sechs A321LR ab Anfang 2027. Der Indien-Start verschiebt sich laut Eftichios Vassilakis um etwa ein Jahr.
Strategisch neu ist die Beteiligung an Volotea. Im September 2024 vereinbarte Aegean, über Wandeldarlehen in zwei Tranchen von je 25 Millionen Euro bis zu 21 Prozent an der spanischen Billigfluggesellschaft zu übernehmen. Nach einer im März 2026 abgeschlossenen Kapitalerhöhung hält Aegean laut FlightGlobal mehr als 20 Prozent.
Das Jahr 2026 begann belastend: Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 5 Prozent auf 320,7 Millionen Euro, unter dem Strich stand jedoch ein Verlust von 21,7 Millionen Euro. Aegean setzte im März Flüge in den Nahen Osten aus, und CEO Gerogiannis verwies auf gestiegene Kerosinpreise infolge der Schließung der Straße von Hormus.
Die Menschen hinter Aegean Airlines
Theodoros Vassilakis baute mit Autohellas das griechische Hertz-Geschäft auf und gründete Aegean, deren Verwaltungsrat er bis zu seinem Tod im Mai 2018 vorstand. Sein Sohn Eftichios Vassilakis, Absolvent der Universität Yale und der Columbia Business School, übernahm am 24. Mai 2018 den Vorsitz bei Aegean und Olympic Air. Er ist zugleich CEO von Autohellas und Vizepräsident des Tourismusverbands SETE. Das operative Geschäft verantwortet CEO Dimitris Gerogiannis, der schon 2018 im Amt bestätigt wurde.
FAQ
Wem gehört Aegean Airlines? Die Familie Vassilakis kontrolliert über den Nachlass des Gründers und Autohellas 37,5 Prozent der Stimmrechte; weitere Großaktionäre sind Panagiotis Laskaridis und Achilleas Konstantakopoulos.
Ist der griechische Staat an Aegean beteiligt? Nein. Die 2021 im Zuge der Corona-Hilfe ausgegebenen Optionsscheine kaufte Aegean im Januar 2024 für rund 85,4 Millionen Euro zurück.
Gehört Olympic Air zu Aegean? Ja. Aegean übernahm Olympic Air im Oktober 2013 vollständig für 72 Millionen Euro von der Marfin Investment Group. Die Marke wird für Regionalflüge weitergeführt.
Wie viele Passagiere befördert Aegean? 2025 waren es 17,3 Millionen, nach 16,3 Millionen 2024 und 15,7 Millionen 2023.
Fliegt Aegean bald Langstrecke? Der für 2026 geplante Indien-Start wurde nach der Stornierung der A321XLR verschoben; Aegean will Fernstrecken nun mit sechs A321LR ab 2027 aufnehmen.
Was hat Aegean mit Volotea zu tun? Seit 2024 investiert Aegean über Wandeldarlehen in die spanische Billigfluggesellschaft und hält nach einer Kapitalerhöhung im März 2026 mehr als 20 Prozent der Anteile.
Fazit
Aegean Airlines ist ein börsennotiertes Familienunternehmen mit klarer Kontrolle: Die Familie Vassilakis hält die entscheidenden Anteile, der Staat ist nach dem Rückkauf der Optionsscheine 2024 ausgestiegen. Operativ hat sich die Airline nach der Pandemie mit Rekordwerten zurückgemeldet und mit der Volotea-Beteiligung ihren Einfluss über Griechenland hinaus ausgeweitet. Die Stornierung der A321XLR und der Verlust im ersten Quartal 2026 zeigen zugleich, dass Treibstoffkosten und die Lage im Nahen Osten die Expansion bremsen können.