Die Adelholzener Alpenquellen GmbH aus Bad Adelholzen in der Gemeinde Siegsdorf (Landkreis Traunstein, Oberbayern) gehört seit 1907 vollständig der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul mit Mutterhaus in München. Der Mineralbrunnen füllt nach eigenen Angaben rund 709 Millionen Flaschen pro Jahr ab, beschäftigt rund 750 Mitarbeitende und zählt mit den Marken Adelholzener und Active O2 zu den drei absatzstärksten Wassermarken Deutschlands. Die Gewinne fließen nicht an private Gesellschafter, sondern in die sozialen Einrichtungen des Ordens. Seit Februar 2025 führt Peter Lachenmeir das Unternehmen als alleiniger Geschäftsführer.
Key Takeaways
- Alleinige Gesellschafterin ist die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul (München) – ein katholischer Frauenorden, keine Familie und kein Konzern.
- Die Gewinne finanzieren die sozialen Werke des Ordens: zwei Krankenhäuser, fünf Alten- und Pflegeheime und eine Berufsfachschule für Pflege.
- 2024 war das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte: erstmals über 700 Millionen Füllungen, ein Absatzplus von 6,2 Prozent.
- Nach dem Rückzug von Stefan Hoechter Ende 2024 und dem kurzen Intermezzo von Silke Reuter ist Peter Lachenmeir seit Februar 2025 alleiniger Geschäftsführer.
- Im Juli 2025 ging eine neue PET-Einweganlage mit bis zu 36.000 Flaschen pro Stunde in Betrieb; im August 2026 folgten zwei Elektro-Lkw für die Leergut-Logistik.
- Die letzte veröffentlichte Umsatzzahl stammt aus dem Jahr 2015 (146 Millionen Euro); neuere Umsätze gibt das Unternehmen nicht bekannt.
| Name | Adelholzener Alpenquellen GmbH |
| Gegründet | 1907 Übernahme durch den Orden; 1994 Umwandlung in die heutige GmbH |
| Sitz | Bad Adelholzen, Siegsdorf (Bayern); Handelsregister Amtsgericht München, HRB 104599 |
| Branche | Mineral- und Heilwasser, alkoholfreie Erfrischungsgetränke |
| Eigentümer | Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul, München (100 Prozent) |
| Führung | Peter Lachenmeir, alleiniger Geschäftsführer (seit Februar 2025); Beiratsvorsitzender Stefan Hoechter |
| Umsatz / Mitarbeiter | Umsatz zuletzt veröffentlicht für 2015: 146 Millionen Euro; rund 750 Mitarbeitende (Unternehmensangabe); über 700 Millionen Füllungen (2024) |
Vom Kurbad zum drittgrößten Mineralbrunnen Deutschlands
Der Legende nach entdeckte der römische Legionär Primus die Quelle im Jahr 286; die Primusquelle trägt seinen Namen. Im 19. Jahrhundert wurde Adelholzen zum Kurbad, ab 1895 wurde das Wasser bundesweit versandt. Der entscheidende Einschnitt kam 1907: Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern erwarb das Kurbad als Erholungsareal für ihre in München tätigen Ordensfrauen und begann mit der Handabfüllung. 1919 folgte die erste elektrische Abfüllanlage, 1939 die staatliche Anerkennung der Primusquelle als Heilquelle, 1946 die Anerkennung als „Bad“. 1977 wurde im Bergener Moos eine neue Mineralwasserquelle erschlossen, die seither den Großteil der Produkte versorgt.
1994 wurde der Betrieb in die Adelholzener Alpenquellen GmbH umgewandelt. 1998 führte das Unternehmen eigene PET-Mehrweg-Individualflaschen ein, 2001 kam mit Active O2 ein mit Sauerstoff angereichertes Wasser auf den Markt. Nach Unternehmensangaben stieg Adelholzener 2020 zum drittgrößten deutschen Mineralwasseranbieter auf und stellte im selben Jahr auf 100 Prozent Grünstrom um.
Eigentümerstruktur: Ein Orden als alleiniger Gesellschafter
Anders als bei den meisten großen deutschen Mineralbrunnen steht hinter Adelholzener weder eine Unternehmerfamilie noch ein Getränkekonzern. Alleinige Gesellschafterin ist die 1832 in München gegründete Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul. Zum Generalkapitel 2022 zählte der Orden noch 143 Schwestern; in seinen Einrichtungen arbeiten rund 1.700 zivile Beschäftigte. Generaloberin ist Schwester Rosa Maria Dick, seit 2016 im Amt und 2022 für weitere sechs Jahre bestätigt. Persönliche Vermögensanteile gibt es bei dieser Konstruktion nicht: Das Unternehmen gehört der Kongregation als Ganzes.
Die Gewinnverwendung folgt einer klaren Logik: Laut Unternehmen dienen die Erlöse zunächst der langfristigen Sicherung der Arbeitsplätze und Investitionen am Standort. Der verbleibende Gewinn fließt vollständig in die gemeinnützigen Werke des Ordens – das Krankenhaus Neuwittelsbach und die Maria-Theresia-Klinik in München, Alten- und Pflegeheime in München, Unterhaching, Planegg, Teisendorf und Siegsdorf sowie die Berufsfachschule für Pflege in München. Gesteuert wird das Unternehmen über einen Beirat, dessen Vorsitz seit 1. Januar 2025 der frühere Geschäftsführer Stefan Hoechter innehat.
Geschäftsmodell und Zahlen
Adelholzener produziert an einem einzigen Standort. Nach eigenen Angaben laufen dort neun Abfüllanlagen – je drei für Glas-Mehrweg, PET-Mehrweg und PET-Einweg – mit einer Jahresleistung von rund 709 Millionen Flaschen. Der Mehrweganteil liegt bei rund 80 Prozent und damit deutlich über dem Branchenschnitt. Neben Mineralwasser umfasst das Sortiment Schorlen, Limonaden, die kalorienarme Linie „Bleib in Form“ sowie Active O2. Über 80 Prozent des Mineralwasserabsatzes entfallen auf Bayern, wo das Unternehmen Marktführer ist. Die Absatzentwicklung laut Getränke Zeitung und about-drinks:
| Jahr | Füllungen | Veränderung |
| 2015 | rund 500 Millionen | +9,2 Prozent |
| 2022 | rund 637 Millionen | +10,6 Prozent |
| 2023 | rund 668 Millionen | +4,8 Prozent |
| 2024 | über 700 Millionen | +6,2 Prozent |
Umsatzzahlen kommuniziert das Unternehmen seit Jahren nicht mehr. Die letzte belegte Angabe stammt aus dem Februar 2016: Für 2015 meldete Adelholzener laut Traunsteiner Tagblatt 146 Millionen Euro Umsatz nach 137 Millionen Euro im Vorjahr. Eine aktuelle Zahl ist nicht öffentlich bekannt.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
An der Spitze gab es einen ungewöhnlich schnellen Wechsel. Stefan Hoechter, der das Unternehmen rund 25 Jahre geprägt hatte, übergab zum 1. Oktober 2024 den Bereich Marketing und Vertrieb an Silke Reuter, zuvor unter anderem bei Unilever und Tchibo tätig. Bereits im Februar 2025 verließ Reuter das Unternehmen wieder. Der Beirat beschloss einstimmig, dass Peter Lachenmeir – seit 2018 Geschäftsführer für Produktion, Technik, Logistik, Finanzen, Einkauf, IT und Personal – auch Marketing und Vertrieb übernimmt und damit alleiniger Geschäftsführer wird.
Operativ setzt Adelholzener auf Kapazität und Nachhaltigkeit. Am 3. Juli 2025 wurde die neue PET-Einweganlage „A 10″ der Krones AG eingeweiht – im Beisein von Generaloberin Schwester Rosa Maria. Sie schafft bis zu 36.000 Flaschen pro Stunde und kann rechnerisch bis zu 100 Millionen Flaschen im Jahr abfüllen. Im ersten Halbjahr 2025 wuchs das PET-Einweg-Segment laut Unternehmen um 6 Prozent. Im August 2026 berichtete electrive.net, dass Adelholzener zwei elektrische MAN-Sattelzugmaschinen im Drei-Schicht-Betrieb für die Leergut-Logistik einsetzt und dafür eine Ladestation mit Batteriespeicher und Anbindung an die eigene Photovoltaik errichtet hat. Vollständige Absatzzahlen für das Geschäftsjahr 2025 lagen bei Redaktionsschluss nicht öffentlich vor.
FAQ
Wem gehört Adelholzener? Die Adelholzener Alpenquellen GmbH gehört zu 100 Prozent der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul mit Mutterhaus in München – und das seit 1907.
Was passiert mit den Gewinnen von Adelholzener? Nach Sicherung der Arbeitsplätze fließen die Gewinne vollständig in die sozialen Einrichtungen des Ordens – zwei Münchner Krankenhäuser, fünf Alten- und Pflegeheime und eine Pflegeschule.
Wer ist Geschäftsführer von Adelholzener? Seit Februar 2025 ist Peter Lachenmeir alleiniger Geschäftsführer. Zuvor führte er das Unternehmen gemeinsam mit Stefan Hoechter und kurzzeitig mit Silke Reuter.
Wie viele Flaschen füllt Adelholzener pro Jahr ab? 2024 waren es erstmals über 700 Millionen Füllungen. Das Unternehmen nennt aktuell eine Jahresleistung von rund 709 Millionen Flaschen auf neun Abfüllanlagen.
Wie hoch ist der Umsatz von Adelholzener? Die letzte veröffentlichte Zahl stammt von 2015: 146 Millionen Euro. Neuere Umsatzzahlen gibt das Unternehmen nicht bekannt.
Gehört Active O2 zu Adelholzener? Ja, Active O2 ist eine Marke der Adelholzener Alpenquellen GmbH. Das mit Sauerstoff angereicherte Wasser kam 2001 auf den Markt.
Fazit
Adelholzener ist ein Sonderfall in der deutschen Getränkeindustrie: Ein katholischer Frauenorden führt einen der drei größten Mineralbrunnen des Landes und nutzt dessen Gewinne, um Krankenhäuser und Pflegeheime zu finanzieren. 2024 brachte mit über 700 Millionen Füllungen das beste Jahr der Firmengeschichte, 2025 folgten eine neue Abfülllinie und die Bündelung der Führung bei Peter Lachenmeir. Hinter der Marke steht keine Familie und kein Konzern, sondern eine Ordensgemeinschaft mit sozialem Auftrag.