
Joyn ist der werbefinanzierte Streamingdienst von ProSiebenSat.1 und gehört dem Konzern aus Unterföhring bei München zu 100 Prozent. Seit dem 31. Oktober 2022 ist ProSiebenSat.1 alleiniger Eigentümer, nachdem der frühere Partner Discovery seine Anteile abgegeben hatte. Die eigenständige Joyn GmbH gibt es seit August 2025 nicht mehr, weil die Seven.One Entertainment Group auf sie verschmolzen wurde. Zugleich hält die italienische MFE – MediaForEurope der Familie Berlusconi seit September 2025 75,61 Prozent an der ProSiebenSat.1 Media SE und bestimmt damit auch die Zukunft von Joyn.
Key Takeaways
- Joyn gehört zu 100 Prozent der börsennotierten ProSiebenSat.1 Media SE; Betreiberin ist seit August 2025 die Seven.One Entertainment Group GmbH, in der die Joyn GmbH aufging.
- Die italienische MFE – MediaForEurope der Familie Berlusconi hält seit September 2025 75,61 Prozent an ProSiebenSat.1 und kontrolliert Joyn damit indirekt.
- Seit Oktober 2025 führt MFE-Finanzchef Marco Giordani ProSiebenSat.1; ein Delisting wurde 2026 dementiert.
- Joyn erreichte laut AGF-Messung im März 2026 12,1 Millionen Zuschauer pro Monat und lag damit rund zwei Millionen vor RTL+.
- Joyn ist in Deutschland, Österreich (seit 2023) und der Schweiz (seit Juni 2024) verfügbar.
- MFE will Joyn ab 2027 technisch mit dem italienischen Dienst Infinity zu einer paneuropäischen Streaming-Plattform zusammenführen.
| Name | Joyn (Betreiber: Seven.One Entertainment Group GmbH, vormals Joyn GmbH) |
|---|---|
| Gegründet | Mai 2017 als 7TV Joint Venture GmbH; Start als Joyn am 18. Juni 2019 |
| Hauptsitz | Unterföhring bei München (Amtsgericht München, HRB 235362) |
| Branche | Streaming (AVoD/SVoD), Medien und Unterhaltung |
| Eigentümer | 100 % ProSiebenSat.1 Media SE; diese zu 75,61 % im Besitz von MFE – MediaForEurope (Familie Berlusconi), Rest Streubesitz |
| Umsatz | Für Joyn nicht gesondert ausgewiesen; ProSiebenSat.1-Konzern: 3,675 Mrd. € (Geschäftsjahr 2025) |
| Mitarbeiter | Konzern ProSiebenSat.1: 6.212 Vollzeitäquivalente (Ende 2025) |
Geschichte und Herkunft
Die Wurzeln von Joyn reichen bis 2014 zurück, als ProSiebenSat.1 die Sender-App 7TV startete. Im Mai 2017 brachte der Konzern die Plattform in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Medienkonzern Discovery ein, die 7TV Joint Venture GmbH. Im Januar 2019 wurde die Videothek Maxdome darauf verschmolzen, am 13. Mai 2019 erhielt die Gesellschaft den Namen Joyn GmbH, und am 18. Juni 2019 löste Joyn die App 7TV ab. Am 26. November 2019 folgte das Abo Joyn PLUS+. Die Partnerschaft mit Discovery endete am 31. Oktober 2022, als ProSiebenSat.1 die restlichen Anteile übernahm; im November 2023 wurde Joyn Tochter der Seven.One Entertainment Group, der Entertainment-Holding des Konzerns.
Eigentümerstruktur im Detail

Die Eigentümerkette ist kurz, aber in zwei Punkten ungewöhnlich. Erstens existiert die Joyn GmbH nicht mehr als eigene Gesellschaft: Die Seven.One Entertainment Group GmbH wurde rückwirkend zum 1. Januar 2025 auf die Joyn GmbH verschmolzen (Handelsregistereintragung am 12. August 2025), und am 21. August 2025 wurde die aufnehmende Joyn GmbH in Seven.One Entertainment Group GmbH umbenannt. Im Impressum von joyn.de steht deshalb heute diese Gesellschaft mit Sitz in Unterföhring. Hintergrund waren laut Branchenberichten steuerliche Vorteile durch die Verrechnung der Streaming-Verluste mit den Gewinnen des TV-Geschäfts.
Zweitens hat sich die Spitze der Kette verschoben. Die Seven.One Entertainment Group GmbH gehört vollständig der ProSiebenSat.1 Media SE, deren Mehrheit seit 2025 bei MFE – MediaForEurope N.V. liegt, der Medienholding der Familie Berlusconi. MFE hielt Mitte 2025 knapp über 30 Prozent und erhöhte im Bieterwettstreit mit der tschechischen PPF-Gruppe im Juli 2025 ihr Angebot auf 4,48 Euro in bar plus 1,3 MFE-A-Aktien je ProSiebenSat.1-Aktie, woraufhin PPF ihr Paket von rund 15,7 Prozent einreichte. Nach Ende der Annahmefrist am 1. September 2025 meldete MFE 75,61 Prozent, der Vollzug erfolgte am 16. September 2025.
| Aktionär der ProSiebenSat.1 Media SE | Anteil (Stand September 2025) |
|---|---|
| MFE – MediaForEurope N.V. (Familie Berlusconi) | 75,61 % |
| Streubesitz / sonstige Aktionäre | rund 24,4 % |
Die Kontrolle zeigt sich auch in den Gremien. Seit dem 9. Oktober 2025 werden sechs der neun Aufsichtsratssitze MFE zugerechnet, und am 21. Oktober 2025 löste MFE-Finanzvorstand Marco Giordani den bisherigen Vorstandschef Bert Habets ab. Giordani ist zugleich einer der Geschäftsführer der Seven.One Entertainment Group GmbH, also der Betreibergesellschaft von Joyn.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Nach der Übernahme kursierten Spekulationen über einen Börsenrückzug. Vorstandschef Giordani erklärte im Mai 2026 gegenüber dem Handelsblatt, ein Delisting sei derzeit nicht geplant; MFE-Chef Pier Silvio Berlusconi bekräftigte das im Juli 2026. Eine Umbenennung von ProSiebenSat.1 oder Joyn ist bis November 2026 nicht bekannt geworden.
Strategisch konzentriert MFE den Konzern auf das Kerngeschäft Unterhaltung: Seit Anfang 2025 wurden unter anderem Verivox, wetter.com, Studio71 US und CamperDays verkauft, und für 2026 erwartet MFE Synergien von 160 Millionen Euro. Für Joyn selbst ist die im Juli 2026 vorgestellte paneuropäische Streaming-Plattform die wichtigste Nachricht: Joyn soll technisch mit dem MFE-Dienst Infinity aus Italien und Spanien zusammengeführt werden, wobei das Backend mit Datenverwaltung und Werbeausspielung von Joyn stammen soll. Der Start ist für das Frühjahr 2027 in sechs Märkten geplant, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
Joyn kombiniert ein kostenloses, werbefinanziertes Angebot (AVoD) mit dem Abo Joyn PLUS+ (SVoD). Die Gratisvariante bündelt über 60 Live-Sender sowie Mediatheken; PLUS+ bietet für 6,99 Euro pro Monat (Stand Januar 2026) über 70 Sender inklusive Pay-TV-Kanälen in HD. In Österreich startete Joyn+ erst im Mai 2026 für 8,99 Euro monatlich oder 6,99 Euro im Jahresabo; dort zählt der von ProSiebenSat.1 Puls 4 betriebene Dienst 1,4 Millionen monatliche Videonutzer.
Eigene Umsatz- oder Ergebniszahlen für Joyn weist ProSiebenSat.1 nicht aus, veröffentlicht werden nur Wachstumsraten: 2025 legten die AVoD-Erlöse von Joyn um 36 Prozent und die SVoD-Erlöse um 25 Prozent zu, im ersten Halbjahr 2026 um 8 beziehungsweise 20 Prozent. Der Konzern erzielte 2025 einen Umsatz von 3,675 Milliarden Euro (minus 6,2 Prozent) bei einem bereinigten EBITDA von 403 Millionen Euro und beschäftigte Ende 2025 6.212 Vollzeitkräfte.
Marke und Marktposition
ProSiebenSat.1 positioniert Joyn als „Superstreamer“ für den deutschsprachigen Raum und misst die Reichweite nach dem AGF-Standard Bewegtbild. Danach erreichte Joyn im März 2026 12,1 Millionen Zuschauer, ein Plus von 22,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und rund zwei Millionen mehr als RTL+. Im April 2026 meldete der Konzern 12,5 Millionen, im Mai 2026 11,6 Millionen Zuschauer bei einem um 42,8 Prozent gestiegenen Nutzungsvolumen.
Treiber sind Formate wie „Germany’s Next Topmodel“ oder „Die Landarztpraxis“ sowie Live-TV. Gegen Netflix, Amazon Prime Video und Disney+ tritt Joyn nicht primär als Abo-Dienst an, sondern als kostenloses Aggregationsangebot mit Werbung.
FAQ
Wem gehört Joyn heute? Joyn gehört zu 100 Prozent der ProSiebenSat.1 Media SE. Betrieben wird der Dienst von der Konzerntochter Seven.One Entertainment Group GmbH in Unterföhring.
Welche Rolle spielt die Familie Berlusconi bei Joyn? Deren Medienholding MFE – MediaForEurope hält seit September 2025 75,61 Prozent an ProSiebenSat.1 und kontrolliert damit indirekt auch Joyn.
Gibt es die Joyn GmbH noch? Nein. Die Seven.One Entertainment Group wurde im August 2025 auf die Joyn GmbH verschmolzen, die danach in Seven.One Entertainment Group GmbH umbenannt wurde. Die Marke Joyn besteht fort.
Wie viele Nutzer hat Joyn? Nach AGF-Messung erreichte Joyn im März 2026 12,1 Millionen und im Mai 2026 11,6 Millionen Zuschauer pro Monat.
Was kostet Joyn PLUS+? In Deutschland kostet Joyn PLUS+ 6,99 Euro pro Monat und ist monatlich kündbar (Stand Januar 2026). In Österreich startete Joyn+ im Mai 2026 für 8,99 Euro monatlich.
Wird ProSiebenSat.1 von der Börse genommen? Vorstandschef Marco Giordani (Mai 2026) und MFE-Chef Pier Silvio Berlusconi (Juli 2026) haben erklärt, dass ein Delisting derzeit nicht geplant ist.
Fazit
Die Antwort auf die Frage „Wem gehört Joyn?“ lautet 2026 formal unverändert ProSiebenSat.1, tatsächlich hat sich die Machtlage aber grundlegend verschoben. Mit 75,61 Prozent an der Konzernmutter und einem eigenen Manager an der Vorstandsspitze gibt die Familie Berlusconi über MFE die Richtung vor, und Joyn soll das technische Rückgrat einer paneuropäischen Streaming-Plattform werden.
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