
Das Pariser Modehaus Jean Paul Gaultier gehört heute vollständig zum spanischen Beauty- und Modekonzern Puig aus Barcelona. Puig stieg 2011 als Mehrheitseigner ein, als Hermès seine 45 Prozent abgab, und übernahm 2016 auch das Parfümgeschäft aus der Shiseido-Lizenz. Seit Mai 2024 ist Puig börsennotiert, die Gründerfamilie hält aber rund 93 Prozent der Stimmrechte. Kreativ führt seit 2025 Duran Lantink die Marke, nachdem Gründer Jean Paul Gaultier 2020 seine letzte Couture-Schau gezeigt hatte.
Key Takeaways
- Eigentümer der Marke Jean Paul Gaultier ist Puig Brands S.A. mit Sitz in Barcelona, der das Modehaus als eigene Marke führt.
- Hermès war von 1999 bis 2011 beteiligt, zuletzt mit 45 Prozent, und verkaufte diesen Anteil 2011 für rund 16 Millionen Euro an Puig.
- Puig ging am 3. Mai 2024 mit einer Bewertung von rund 13,9 Milliarden Euro an die Börse; die Familie Puig kontrolliert über Mehrfachstimmrechte weiter rund 93 Prozent der Stimmen.
- Puig erzielte 2025 einen Umsatz von 5,04 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 617 Millionen Euro; rund 72 Prozent entfallen auf Düfte und Mode.
- Jean Paul Gaultier zeigte im Januar 2020 seine letzte Couture-Schau; danach entwarfen fünf Jahre lang wechselnde Gastdesigner die Kollektionen.
- Seit April 2025 ist der Niederländer Duran Lantink fester Kreativdirektor für Prêt-à-porter und Couture; sein Couture-Debüt fand im Juli 2026 statt.
| Name | Jean Paul Gaultier (Modehaus und Duftmarke, betrieben über Puig France) |
|---|---|
| Gegründet | 1982 in Paris durch Jean Paul Gaultier und Francis Menuge (erste Kollektion 1976, Haute Couture seit 1997) |
| Hauptsitz | Paris, Frankreich |
| Branche | Mode (Haute Couture, Prêt-à-porter) und Parfüm |
| Eigentümer | Puig Brands S.A., Barcelona (Mehrheit seit 2011, heute vollständig im Konzern); Familie Puig hält rund 93 % der Stimmrechte an Puig |
| Umsatz | Für die Marke nicht separat ausgewiesen; Konzern Puig: 5,04 Mrd. € (Geschäftsjahr 2025) |
| Mitarbeiter | Für die Marke nicht öffentlich; Konzern Puig: über 11.000 (Stand 2023) |
Geschichte und Herkunft
Jean Paul Gaultier zeigte 1976 seine erste eigene Kollektion; die Gesellschaft hinter der Marke gründete er 1982 gemeinsam mit seinem Partner Francis Menuge. 1997 kam mit „Gaultier Paris“ ein eigenes Haute-Couture-Haus hinzu. Wirtschaftlich wichtiger war früh das Duftgeschäft: „Classique“ (1993) und „Le Male“ (1995) wurden zu Dauerbrennern, „Le Male“ war 2012 der meistverkaufte Herrenduft in der EU.
Die Parfüms entstanden damals in Lizenz bei Beauté Prestige International, einer Tochter von Shiseido. Das Modehaus selbst blieb klein: 2009 setzte es rund 23 Millionen Euro um und beschäftigte etwa 150 Menschen.
Eigentümerstruktur im Detail

Der erste externe Großaktionär war Hermès: 1999 übernahm das Luxushaus 35 Prozent, 2008 stockte es auf 45 Prozent auf; parallel entwarf Gaultier von 2003 bis 2010 die Damenmode von Hermès. Am 3. Mai 2011 gab Puig bekannt, diese 45 Prozent für rund 16 Millionen Euro zu übernehmen und zusätzlich einen Teil der Anteile des Designers zu kaufen. Damit wurde der Konzern aus Barcelona Mehrheitseigner, Gaultier blieb Minderheitsgesellschafter mit Verantwortung für die Kreation.
Der zweite Schritt betraf die Düfte. Puig beendete die Shiseido-Lizenz vorzeitig zum 31. Dezember 2015 und erwarb die Markenrechte; Branchenberichte nennen rund 70 Millionen Euro plus etwa 20 Millionen Euro für die Übergabe. Seit dem 1. Januar 2016 liegen Mode und Düfte in einer Hand. Heute führt Puig Jean Paul Gaultier als eigene Marke neben Rabanne, Carolina Herrera und Nina Ricci; wann genau die restlichen Minderheitsanteile übergingen, ist nicht öffentlich dokumentiert.
Puig Brands S.A. ist seit dem 3. Mai 2024 an den spanischen Börsen notiert und im IBEX 35 vertreten. Beim Börsengang zu 24,50 Euro je Aktie flossen rund 2,6 Milliarden Euro zu, die Bewertung lag bei rund 13,9 Milliarden Euro. Gehandelt werden nur Klasse-B-Aktien mit einer Stimme; die Klasse-A-Aktien mit je fünf Stimmen liegen bei der Familienholding Exea Empresarial, die laut Corporate-Governance-Bericht 2024 rund 93 Prozent der Stimmrechte hält. Vorstandsvorsitzender und CEO ist Marc Puig aus der dritten Familiengeneration.
| Zeitraum | Eigentümer des Modehauses |
|---|---|
| 1982–1999 | Gründer Jean Paul Gaultier und Partner |
| 1999–2008 | Hermès 35 %, Rest beim Gründer |
| 2008–2011 | Hermès 45 %, Rest beim Gründer |
| seit 2011 | Puig Mehrheit (45 % von Hermès plus Anteile des Gründers) |
| seit 2016 | Puig führt Mode und Düfte vollständig im Konzern |
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Am 22. Januar 2020 zeigte Jean Paul Gaultier seine letzte Haute-Couture-Schau. Danach entwarf pro Saison ein Gastdesigner die Couture, darunter Chitose Abe, Glenn Martens, Olivier Rousteing, Haider Ackermann, Simone Rocha und zuletzt Ludovic de Saint Sernin im Januar 2025. Das Prêt-à-porter war bereits 2014 eingestellt worden.
Am 15. April 2025 erklärte Puig die „kollaborative Ära“ für beendet: Der 1987 geborene Niederländer Duran Lantink, Träger des Karl-Lagerfeld-Preises beim LVMH Prize 2024, wurde erster fester Kreativdirektor seit dem Rückzug des Gründers. Im Oktober 2025 zeigte er in Paris seine erste Konfektionskollektion und damit die Rückkehr ins Prêt-à-porter nach mehr als zehn Jahren. Sein Couture-Debüt, ursprünglich für Januar 2026 angekündigt, fand am 8. Juli 2026 statt; Gaultier saß in der ersten Reihe. Stand Sommer 2026 ist Lantink weiterhin im Amt.
Auf Konzernebene legte Puig am 18. Februar 2026 die Zahlen für 2025 vor: Der Umsatz stieg um 5,3 Prozent auf 5,04 Milliarden Euro, vergleichbar um 7,8 Prozent. Für 2026 erwartet der Konzern ein Wachstum oberhalb des Premium-Beauty-Markts bei stabilen Margen. Neuer stellvertretender CEO ist seit 2025 Jose Manuel Albesa, dem Puig die Positionierung von Gaultier, Rabanne und Carolina Herrera unter den zehn größten Duftmarken der Welt zuschreibt.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
Puig weist keine Umsätze für einzelne Marken aus. Klar ist aber: Das Geld verdient die Marke mit Düften, nicht mit Mode. Die Gaultier-Parfüms sind in mehr als 110 Ländern erhältlich, und Puig zählt Gaultier zu seinen drei Marken unter den zehn weltweit größten Duftmarken. Couture und Prêt-à-porter dienen vor allem der Markenpflege, die den Duftverkauf trägt.
Die Konzernzahlen zeigen, wie dominant dieses Segment ist. 2025 erlöste Puig 3,65 Milliarden Euro mit Düften und Mode, 845 Millionen Euro mit Make-up und 551 Millionen Euro mit Hautpflege. Nach 4,30 Milliarden Euro Umsatz 2023 und 4,79 Milliarden Euro 2024 lag der Nettogewinn 2025 bei 617 Millionen Euro.
FAQ
Wem gehört Jean Paul Gaultier heute? Dem spanischen Konzern Puig Brands S.A. aus Barcelona, der seit 2011 Mehrheitseigner ist und die Marke heute vollständig im Konzern führt.
Welche Rolle spielte Hermès bei Jean Paul Gaultier? Hermès hielt ab 1999 zunächst 35 Prozent und ab 2008 45 Prozent am Modehaus und verkaufte 2011 an Puig.
Ist Jean Paul Gaultier börsennotiert? Die Marke selbst nicht, wohl aber ihr Eigentümer: Puig ist seit dem 3. Mai 2024 an der Madrider Börse gelistet und Mitglied im IBEX 35.
Wer entwirft heute die Kollektionen von Jean Paul Gaultier? Seit April 2025 ist der niederländische Designer Duran Lantink fester Kreativdirektor für Prêt-à-porter und Couture; zuvor gestalteten wechselnde Gastdesigner die Couture-Schauen.
Wie viel Umsatz macht Jean Paul Gaultier? Puig veröffentlicht keine Markenumsätze. Die letzte bekannte Zahl für das Modehaus stammt aus dem Jahr 2009 mit rund 23 Millionen Euro; das deutlich größere Duftgeschäft steckt im Puig-Segment Düfte und Mode.
Wer stellt die Parfüms von Jean Paul Gaultier her? Seit dem 1. Januar 2016 entwickelt und vertreibt Puig die Düfte selbst. Davor lag die Lizenz bei Beauté Prestige International, einer Tochter von Shiseido.
Fazit
Die Frage „Wem gehört Jean Paul Gaultier?“ hat seit 2011 eine klare Antwort: Puig. Der Konzern aus Barcelona hat das Modehaus schrittweise übernommen, 2016 das Parfümgeschäft aus der Shiseido-Lizenz zurückgeholt und damit Mode und Düfte unter einem Dach vereint. Trotz Börsengang 2024 bleibt Puig durch die Stimmrechtsmehrheit familiengeführt. Für die Marke Gaultier bedeutet das Stabilität und den Auftrag, mit Duran Lantink den Übergang in die Nachfolgergeneration zu schaffen, während die Düfte das wirtschaftliche Fundament liefern.