Gardena ist die bekannteste deutsche Marke für Gartengeräte und Bewässerungstechnik, doch das Unternehmen aus Ulm ist seit 2007 kein eigenständiger Konzern mehr. Eigentümerin ist zu 100 Prozent die börsennotierte schwedische Husqvarna AB, die Gardena 2007 vom Finanzinvestor Industri Kapital für 730 Mio. Euro übernahm. Im Konzern bildet Gardena eine eigene Division mit 11,5 Mrd. SEK Umsatz (rund 1,04 Mrd. Euro) im Jahr 2025. Großaktionäre von Husqvarna sind Investor AB (Familie Wallenberg) und L E Lundbergföretagen (Familie Lundberg), Stand Ende 2025.
Key Takeaways
- Gardena gehört seit 2007 vollständig zur schwedischen Husqvarna Group, die dafür 730 Mio. Euro inklusive übernommener Schulden bezahlte.
- Gegründet wurde das Unternehmen 1961 in Ulm von den Kaufleuten Werner Kress und Eberhard Kastner als Kress + Kastner GmbH.
- 1996 ging Gardena als Gardena Holding AG an die Börse, 2002 übernahm Industri Kapital die Mehrheit von den Gründerfamilien.
- Größte Aktionäre der Husqvarna AB sind Investor AB (33,9 Prozent der Stimmen) und L E Lundbergföretagen (25,8 Prozent der Stimmen), Stand 31. Dezember 2025.
- Seit Januar 2025 leitet Maha Elkharbotly die Gardena Division von Ulm aus; Konzernchef von Husqvarna ist seit August 2025 Glen Instone.
- Im Juni 2026 kündigte Gardena den Abbau von 250 Stellen an den deutschen Werken bis 2028 und die Verlagerung von Produktion nach Tschechien an.
| Name | Gardena GmbH (Gardena Division der Husqvarna Group) |
|---|---|
| Gegründet | 1961 als Kress + Kastner GmbH; Markenname Gardena seit 1966 |
| Sitz | Ulm, Baden-Württemberg |
| Branche | Gartengeräte, Bewässerungstechnik, Rasenpflege, Smart-Garden-Systeme |
| Eigentümer | 100 Prozent Husqvarna AB, Stockholm; deren Großaktionäre: Investor AB und L E Lundbergföretagen (Stand 2026) |
| Geschäftsführung | Maha Elkharbotly, Präsidentin der Gardena Division (seit Januar 2025); Konzernchef Husqvarna: Glen Instone (seit August 2025) |
| Umsatz/Mitarbeiter | Umsatz 2025: 11,5 Mrd. SEK (rund 1,04 Mrd. Euro); rund 3.450 Beschäftigte weltweit, davon gut 2.200 in Deutschland (Stand 2026) |
Geschichte und Herkunft
Die Geschichte von Gardena beginnt 1961 in Ulm. Die Kaufleute Werner Kress und Eberhard Kastner gründeten die Kress + Kastner GmbH und handelten zunächst mit Gartengeräten. 1966 führten sie den Markennamen Gardena ein. Der Durchbruch kam 1968 mit dem patentierten Steckkupplungssystem für Wasserschläuche, dem „Original Gardena System“, 1976 folgte das „combisystem“ mit Wechselstiel. Beide Systeme stammen vom Designer Dieter Raffler.
1995 übernahm Gardena den Bewässerungsspezialisten adlus aus Illertissen, 1996 folgte der Börsengang als Gardena Holding AG. Die Gründerfamilien hielten die Mehrheit, bis sie im September 2001 ihren Rückzug ankündigten. Die schwedische Beteiligungsgesellschaft Industri Kapital (heute IK Partners) übernahm 2002 die Mehrheit und legte den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot vor; Gardena setzte damals mit rund 2.900 Beschäftigten über 390 Mio. Euro um. 2003 verschwanden die Aktien von der Börse.
Unter dem Finanzinvestor wurden die Randgeschäfte Melnor und adlus abgespalten; im Geschäftsjahr 2005/06 lag der Umsatz bei 421,8 Mio. Euro. Am 21. Dezember 2006 gab Industri Kapital den Verkauf an Husqvarna bekannt, der 2007 vollzogen wurde. Der Kaufpreis von 730 Mio. Euro (rund 6,5 Mrd. SEK) umfasste 416 Mio. Euro an übernommenen Schulden, Gesellschafterdarlehen und Pensionsverpflichtungen. Anschließend wurde die AG wieder in eine GmbH umgewandelt.
Eigentümerstruktur im Detail

Die Eigentümerkette ist seit 2007 unverändert: Die Gardena GmbH in Ulm gehört zu 100 Prozent der Husqvarna AB in Stockholm. Zum deutschen Verbund zählen die Gardena Manufacturing GmbH (Produktion) und die Gardena Deutschland GmbH (Vertrieb); im Ausland verkaufen die Vertriebsgesellschaften der Husqvarna Group. Seit 2015 wird Gardena als eigene Division geführt, neben Husqvarna Forest & Garden und Husqvarna Construction.
Wer Gardena wirklich kontrolliert, entscheidet sich damit in Stockholm. Die Husqvarna AB ist seit der Abspaltung von Electrolux 2006 börsennotiert; A-Aktien haben volles Stimmrecht, B-Aktien nur ein Zehntel davon. Zum 31. Dezember 2025 hielt die Investor AB der Industriellenfamilie Wallenberg 16,8 Prozent des Kapitals und 33,9 Prozent der Stimmen, die L E Lundbergföretagen AB der Familie Lundberg 7,7 Prozent des Kapitals und 25,8 Prozent der Stimmen. Zusammen vereinen beide rund 60 Prozent der Stimmrechte bei weniger als einem Viertel des Kapitals.
Insgesamt zählte Husqvarna Ende 2025 rund 76.700 Aktionäre, 49,6 Prozent des Kapitals lagen bei ausländischen Anlegern. Verwaltungsratsvorsitzender ist Torbjörn Lööf. Für Gardena heißt das: keine Eigentümerfamilie mehr in Ulm, sondern eine Konzernmutter mit langfristig orientierten schwedischen Ankeraktionären.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Zum 1. Januar 2025 übernahm Maha Elkharbotly die Leitung der Gardena Division in Ulm und rückte in die Konzernleitung auf; sie war zuvor unter anderem bei Grohe, Lixil und Whirlpool tätig. Am 11. August 2025 folgte Glen Instone als Konzernchef auf Pavel Hajman; Instone war zuvor Finanzchef und Leiter der Division Forest & Garden.
Die Zahlen zeigen den Gegenwind: Der Umsatz der Gardena Division sank von 12,3 Mrd. SEK (2024) auf 11,5 Mrd. SEK (2025), organisch ein Minus von 3 Prozent nach minus 5 Prozent im Vorjahr. Das operative Ergebnis lag 2025 bei 729 Mio. SEK (Marge 6,3 Prozent) nach 742 Mio. SEK. Im vierten Quartal 2025 fiel der Umsatz organisch um 10 Prozent, im ersten Quartal 2026 um weitere 7 Prozent; genannt werden Zölle, geopolitische Spannungen und schwache Konsumnachfrage, vor allem in Nordamerika. Der Gesamtkonzern setzte 2025 rund 46,6 Mrd. SEK um (2024: 48,4 Mrd. SEK) mit durchschnittlich rund 11.900 Mitarbeitenden.
Im Juni 2026 zog Gardena die Konsequenzen: Bis 2028 sollen an den Standorten Heuchlingen, Niederstotzingen und Ulm 250 Stellen wegfallen, ein großer Teil der Fertigung wandert in die drei tschechischen Werke. Am stärksten betroffen ist Heuchlingen, wo Schlauchkupplungen und Verbinder im Spritzguss entstehen; die dort geplante Werkserweiterung mit bis zu 600 neuen Arbeitsplätzen wurde abgesagt. Unternehmenssprecher Heribert Wettels gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“: „Die Nachfrage ist eine andere geworden.“ Gardena beschäftigt in Deutschland gut 2.200 Menschen, weltweit rund 3.450.
Geschäftsmodell, Marken und Standorte
Gardena verdient sein Geld mit Bewässerung sowie Rasen- und Gartenpflege: Schlauchsysteme, Sprinkler, Gartenscheren, Akku-Geräte, Pumpen, der Mähroboter „Sileno“ und das vernetzte „smart system“. Verkauft wird über Bau- und Gartenmärkte, den Fachhandel und online. 2021 kaufte Husqvarna für die Division den US-Bewässerungshersteller Orbit Irrigation für 480 Mio. Euro, um den nordamerikanischen Markt zu öffnen. Produziert wird in Ulm, Heuchlingen, Niederstotzingen und Laichingen sowie in Tschechien, unter anderem in Vrbno pod Pradědem. Mit rund 25 Prozent Umsatzanteil ist Gardena die zweitgrößte Säule der Husqvarna Group nach Forest & Garden mit etwa 60 Prozent; Construction steuert rund 15 Prozent bei (Stand 2025).
FAQ
Wem gehört Gardena heute? Gardena gehört seit 2007 zu 100 Prozent der börsennotierten schwedischen Husqvarna AB. Deren größte Aktionäre sind Investor AB (Familie Wallenberg) und L E Lundbergföretagen (Familie Lundberg).
Wer hat Gardena gegründet? Die Kaufleute Werner Kress und Eberhard Kastner gründeten das Unternehmen 1961 in Ulm als Kress + Kastner GmbH. Der Markenname Gardena wurde 1966 eingeführt.
Wie viel hat Husqvarna für Gardena bezahlt? Husqvarna übernahm Gardena 2007 von Industri Kapital für 730 Mio. Euro. Darin enthalten waren 416 Mio. Euro übernommene Schulden, Gesellschafterdarlehen und Pensionsverpflichtungen.
Ist Gardena noch ein deutsches Unternehmen? Sitz, Entwicklung und ein Großteil der Produktion liegen in Ulm und Umgebung, die Eigentümerin ist jedoch ein schwedischer Konzern. Seit 2026 wird mehr Fertigung nach Tschechien verlagert.
Wie groß ist Gardena? Die Gardena Division erzielte 2025 einen Umsatz von 11,5 Mrd. SEK, umgerechnet rund 1,04 Mrd. Euro, und beschäftigt etwa 3.450 Menschen weltweit, davon gut 2.200 in Deutschland.
Wer führt Gardena? Seit dem 1. Januar 2025 leitet Maha Elkharbotly die Gardena Division von Ulm aus. Konzernchef der Husqvarna Group ist seit August 2025 Glen Instone.
Fazit
Gardena ist das Paradebeispiel einer deutschen Traditionsmarke in ausländischer Hand: 1961 in Ulm gegründet, 1996 an die Börse gebracht, 2002 von einem Finanzinvestor übernommen und 2007 für 730 Mio. Euro in den Husqvarna-Konzern eingegliedert. Die Kontrolle liegt seither bei den schwedischen Ankeraktionären Investor AB und Lundberg. Nach drei Jahren mit rückläufigem Umsatz ordnet die Konzernzentrale mit Stellenabbau und Verlagerung nach Tschechien die Kosten in Deutschland neu; die Marke bleibt dennoch der wichtigste Trumpf im Konsumentengeschäft der Husqvarna Group.
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