Galeria, die letzte große deutsche Warenhauskette, gehört seit Sommer 2024 der US-Investmentgesellschaft NRDC Equity Partners von Richard Baker und der BB Kapital SA des früheren Coty-Chefs Bernd Beetz. Sie übernahmen das Unternehmen aus der dritten Insolvenz heraus vom zusammengebrochenen Signa-Imperium René Benkos. Doch der Neustart ist gescheitert: Am 2. Oktober 2026 stellte Galeria beim Amtsgericht Düsseldorf den vierten Insolvenzantrag seit 2020. Die Zukunft der 83 Filialen und 12.000 Beschäftigten ist offen.
Key Takeaways
- Eigentümer von Galeria sind seit 2024 NRDC Equity Partners (Richard Baker) und BB Kapital SA (Bernd Beetz) über die Luxemburger Naboo Holdings S.à r.l.
- Bernd Beetz hält laut Medienberichten rund ein Viertel der Anteile, die Mehrheit liegt bei Bakers NRDC.
- Am 2. Oktober 2026 beantragte Galeria zum vierten Mal seit 2020 die Insolvenz; vorläufiger Insolvenzverwalter ist Frank Kebekus.
- Galeria betreibt 83 Warenhäuser mit rund 12.000 Beschäftigten; 33 Standorte stehen seit Juli 2026 auf dem Prüfstand.
- Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2024/25 bei gut 2 Mrd. Euro, 2019 waren es laut EHI noch 4,5 Mrd. Euro netto bei 174 Filialen.
- Die Geschäftsführung bilden Tilo Hellenbock und Finanzchef Norman Krotten; Ex-Chef Olivier Van den Bossche wurde im April 2025 freigestellt.
- Vorbesitzer waren die Hudson’s Bay Company (ab 2015) und die Signa Holding von René Benko (ab 2019).
| Name | Galeria S.à r.l. & Co. KG (bis Juli 2024: Galeria Karstadt Kaufhof GmbH) |
|---|---|
| Gegründet | 1879 (Leonhard Tietz, Kaufhof) / 1881 (Rudolph Karstadt); Marke „Galeria“ seit 1988 |
| Sitz | Düsseldorf (bis 2024 Essen) |
| Branche | Einzelhandel, Warenhäuser |
| Eigentümer | NRDC Equity Partners (Richard Baker) und BB Kapital SA (Bernd Beetz) über Naboo Holdings S.à r.l., Luxemburg (Stand 2026) |
| Geschäftsführung | Tilo Hellenbock und Norman Krotten (CFO); vorläufiger Insolvenzverwalter: Frank Kebekus (seit Oktober 2026) |
| Umsatz/Mitarbeiter | gut 2 Mrd. Euro (Geschäftsjahr 2024/25) / rund 12.000 Mitarbeiter, 83 Filialen (Oktober 2026) |
Geschichte und Herkunft
1879 eröffnete Leonhard Tietz in Stralsund ein Textilgeschäft, aus dem der Kaufhof-Konzern hervorging; 1881 legte Rudolph Karstadt in Wismar den Grundstein für Karstadt. Den Markennamen „Galeria“ schuf 1988 die Horten AG, die später in Kaufhof aufging; Kaufhof selbst gehörte lange zum Metro-Konzern.
2015 verkaufte Metro die Kaufhof-Gruppe für 2,825 Mrd. Euro an die kanadische Hudson’s Bay Company (HBC), die damals von Richard Baker geführt wurde. Karstadt war ab 2012 schrittweise an die österreichische Signa Holding von René Benko gegangen. Ende 2018 fusionierten beide Ketten zu Galeria Karstadt Kaufhof, Signa hielt 50,01 Prozent. Im Juni 2019 kaufte Signa HBC den restlichen Anteil für rund 1 Mrd. Euro ab und wurde Alleineigentümerin.
Unter Signa folgte eine Serie von Insolvenzen: Im April 2020 ein Schutzschirmverfahren mit 47 Filialschließungen und einem Gläubigerverzicht von mehr als 2 Mrd. Euro, Ende Oktober 2022 das zweite Schutzschirmverfahren mit 42 Schließungen. Als das Signa-Imperium Ende 2023 kollabierte, meldete Galeria am 9. Januar 2024 die dritte Insolvenz an, diesmal als Regelinsolvenz unter Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus.
Eigentümerstruktur im Detail

Im April 2024 setzte sich im Bieterverfahren das Konsortium aus NRDC Equity Partners und BB Kapital SA durch. Die Gläubigerversammlung stimmte dem Insolvenzplan am 28. Mai 2024 zu, am 30. Juli 2024 hob das Amtsgericht Essen das Verfahren auf. Neun von 92 Filialen wurden geschlossen, die belgische Tochter Inno verkauft, und seit dem 1. August 2024 firmiert das Unternehmen als Galeria S.à r.l. & Co. KG mit Sitz in Düsseldorf. Muttergesellschaft ist die Luxemburger Naboo Holdings S.à r.l.
Mehrheitsgesellschafter ist NRDC Equity Partners, die Beteiligungsgesellschaft des US-Immobilienunternehmers Richard Baker, der Kaufhof als HBC-Chairman schon 2015 gekauft und 2019 an Signa weitergereicht hatte. Seine übrigen Warenhaus-Engagements liefen zuletzt schlecht: HBC ging im März 2025 in Kanada in die Liquidation, die abgespaltene Saks Global meldete Insolvenz nach Chapter 11 an.
Minderheitsgesellschafter ist Bernd Beetz über seine BB Kapital SA; laut taz hält er rund ein Viertel der Anteile. Beetz war von 2001 bis 2012 Chef des Kosmetikkonzerns Coty, ab 2018 Aufsichtsratsvorsitzender von Kaufhof und ist Präsident des SV Waldhof Mannheim. Nach Recherchen des Spiegels stammt ein Darlehen über 60 Mio. Euro vom Finanzinvestor Bain Capital, der demnach ebenfalls an Galeria beteiligt sein soll. Im Juni 2026 kam eine Kreditlinie von bis zu 160 Mio. Euro des US-Finanzinvestors Gordon Brothers hinzu, abgesichert durch die Warenbestände und an einen dreijährigen Sanierungsplan mit weiteren Schließungen gekoppelt. Einen Eigentümerwechsel gab es 2025 und 2026 nicht, die Anteile liegen weiterhin bei Baker und Beetz.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Das Geschäftsjahr 2024/25 (bis September 2025) sah zunächst nach einer Wende aus: Der Umsatz lag bei gut 2 Mrd. Euro, das operative Ergebnis verbesserte sich laut Unternehmensangaben um mehr als 100 Mio. Euro, und alle 83 Häuser sollen schwarze Zahlen geschrieben haben. Galeria setzte auf Untermieter wie Lidl und Decathlon, auf Payback und auf mehr Gastronomie.
Doch das Weihnachtsgeschäft 2025 enttäuschte. Nach Spiegel-Recherchen lag der Umsatz zum Jahreswechsel rund 20 Prozent unter Plan. Im April 2026 klagten Vermieter über ausbleibende Mieten, die Geschäftsführung verwies auf „Liquiditätsschwankungen“ und bat um Stundung. Im Juli 2026 stellte Galeria 33 der 83 Häuser auf den Prüfstand. Die bei der Übernahme angekündigten Investitionen von bis zu 100 Mio. Euro sind nach Darstellung interner Manager nie in diesem Umfang geflossen.
Am 2. Oktober 2026 folgte der Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Düsseldorf. Das Gericht ordnete ein vorläufiges Regelinsolvenzverfahren an und bestellte den Düsseldorfer Anwalt Frank Kebekus, der Galeria bereits 2020 und 2022 als Sachwalter begleitet hatte. Alle 83 Filialen laufen vorerst weiter. Am 13. Oktober 2026 bewilligte die Bundesagentur für Arbeit Insolvenzgeld für 9.650 der rund 11.250 Beschäftigten der Kerngesellschaft. Sichtbar wurde ein Zerwürfnis an der Spitze: Beetz nannte die Insolvenz „grundsätzlich vermeidbar“ und kritisierte das Management, während Verdi den Gesellschaftern „haarsträubende Managementfehler“ und fehlende Investitionen vorwirft.
Geschäftsführung und Kennzahlen
Die Führung wechselte unter den neuen Eigentümern mehrfach. Olivier Van den Bossche, seit Anfang 2023 CEO, wurde Ende April 2025 überraschend freigestellt. Es folgte eine Doppelspitze aus Finanzchef Christian Sailer und Betriebschef Tilo Hellenbock; Sailer wurde im Januar 2026 abberufen, Nachfolger als CFO ist Norman Krotten. Hellenbock und Krotten führen Galeria heute gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter.
Die Kennzahlen zeigen den Schrumpfkurs: 2019 erzielte Galeria Karstadt Kaufhof laut EHI 4,5 Mrd. Euro Nettoumsatz mit 174 Filialen, 2025 gut 2 Mrd. Euro mit 83 Häusern und rund 12.000 Beschäftigten. Der Marktanteil der Warenhäuser am deutschen Einzelhandel sank seit 2020 von 4,2 auf 1,2 Prozent.
FAQ
Wem gehört Galeria Kaufhof heute? Seit 2024 NRDC Equity Partners von Richard Baker und der BB Kapital SA von Bernd Beetz, gehalten über die Luxemburger Naboo Holdings S.à r.l. Beetz besitzt laut Medienberichten rund ein Viertel.
Ist Galeria 2026 insolvent? Ja. Am 2. Oktober 2026 stellte Galeria beim Amtsgericht Düsseldorf einen Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit, das vierte Verfahren seit 2020. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Frank Kebekus.
Wie viele Filialen und Mitarbeiter hat Galeria? Stand Oktober 2026 betreibt Galeria 83 Warenhäuser mit rund 12.000 Beschäftigten. 33 Standorte stehen seit Juli 2026 auf dem Prüfstand, welche schließen, ist offen.
Was hat René Benko mit Galeria zu tun? Benkos Signa Holding übernahm ab 2012 Karstadt, fusionierte es 2018 mit Kaufhof und war ab 2019 Alleineigentümerin. Nach dem Signa-Kollaps Ende 2023 wurde Galeria 2024 aus der Insolvenz an Baker und Beetz verkauft.
Wer führt Galeria aktuell? Die Geschäftsführung besteht aus Tilo Hellenbock und Finanzchef Norman Krotten. Ex-CEO Olivier Van den Bossche wurde im April 2025 freigestellt, Finanzchef Christian Sailer im Januar 2026 abberufen.
Fazit
Die Frage „Wem gehört Galeria Kaufhof?“ lässt sich 2026 klar beantworten: Richard Bakers NRDC Equity Partners und Bernd Beetz‘ BB Kapital SA. Weniger klar ist, wie lange das so bleibt. Mit der vierten Insolvenz in sechs Jahren, einem offenen Streit zwischen Beetz und dem Management sowie 33 Filialen auf dem Prüfstand steht die letzte deutsche Warenhauskette vor ihrer womöglich entscheidenden Sanierung. Ob ein verkleinertes Galeria unter den bisherigen Eigentümern, ein neuer Investor oder die Zerschlagung folgt, wird das Verfahren unter Frank Kebekus in den kommenden Monaten zeigen.