Die Funke Mediengruppe GmbH & Co. KGaA aus Essen gehört seit dem 2. Januar 2024 vollständig der Familie Funke/Grotkamp: Petra Grotkamp, Tochter des WAZ-Mitgründers Jakob Funke, und ihren Kindern Julia Becker, Nora Marx und Niklas Wilcke. Julia Becker führt den Konzern als Verlegerin und Aufsichtsratsvorsitzende. Zum Haus gehören unter anderem WAZ, Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost, Thüringer Allgemeine sowie seit 2025 „Gala“ und „Brigitte“. Stand 2026 hat sich Funke aus der „Kronen Zeitung“ zurückgezogen und seine Konzernführung auf vier Personen erweitert.
Key Takeaways
- Die Funke Mediengruppe ist nicht börsennotiert und gehört zu 100 Prozent der Familie Funke/Grotkamp (Petra Grotkamp, Julia Becker, Nora Marx, Niklas Wilcke).
- Die Gründerfamilie Brost stieg zum Jahreswechsel 2011/2012 aus; Petra Grotkamp übernahm deren 50 Prozent, laut Medienberichten für rund 500 Mio. Euro.
- 2021 kaufte die Familie Grotkamp die Minderheitsanteile der Stämme Schubries und Holthoff-Pförtner, wirksam zum 2. Januar 2024.
- Die Konzerngeschäftsführung bilden seit dem 1. Juli 2026 Simone Kasik, Christoph Rüth, Jesper Doub und Stephan Thurm; Andreas Schoo verließ das Unternehmen bereits 2021.
- Der Konzernumsatz lag 2022 bei rund 1,1 Mrd. Euro; nach Unternehmensangaben arbeiten rund 5.500 Menschen für Funke (Stand 2024).
- 2025 übernahm Funke „Gala“, „Brigitte“ und „Eltern“ von RTL Deutschland, gab acht Frauentitel an Klambt ab und verkaufte seine 50 Prozent an der „Kronen Zeitung“ an die Familie Dichand.
| Name | Funke Mediengruppe GmbH & Co. KGaA (bis 2013 WAZ Mediengruppe) |
|---|---|
| Gegründet | 1948 als Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) durch Erich Brost und Jakob Funke |
| Sitz | Essen (Nordrhein-Westfalen) |
| Branche | Medien: Regionalzeitungen, Zeitschriften, Anzeigenblätter, Digitalmedien, Lokalradio |
| Eigentümer | 100 % Familie Funke/Grotkamp: Petra Grotkamp, Julia Becker, Nora Marx, Niklas Wilcke (Stand 2026) |
| Geschäftsführung | Simone Kasik (CFO), Christoph Rüth (Regionalmedien, IT), Jesper Doub (National Brands), Stephan Thurm (Funke Digital); Aufsichtsratsvorsitzende Julia Becker (Stand Juli 2026) |
| Umsatz/Mitarbeiter | rund 1,1 Mrd. Euro Umsatz (2022); rund 5.500 Beschäftigte, davon ca. 1.700 Journalisten (Unternehmensangabe 2024) |
Eigentümerstruktur im Detail

Die Funke Mediengruppe ist seit Juni 2013 eine GmbH & Co. KGaA, also eine Kommanditgesellschaft auf Aktien mit einer GmbH als Komplementärin. Sämtliche Anteile liegen bei der Familie Funke/Grotkamp: Gesellschafter sind Petra Grotkamp und ihre Kinder Julia Becker, Nora Marx und Niklas Wilcke. Petra Grotkamp hatte ihre Anteile bereits Ende 2017 zu gleichen Teilen auf die drei Kinder übertragen.
Bis 2011 teilten sich die Familienstämme Brost und Funke das Unternehmen je zur Hälfte. Petra Grotkamp hielt vor 2012 rund 16,7 Prozent. Mit dem Kauf der 50 Prozent der Brost-Erben, wirksam zum 31. Dezember 2011, stieg ihr Anteil auf rund zwei Drittel. Die restlichen Anteile lagen bei den Familienstämmen Schubries (Renate Schubries) und Holthoff-Pförtner (Stephan Holthoff-Pförtner).
Im Juni 2021 gab Funke bekannt, dass die Familie Grotkamp auch diese Minderheitsanteile übernimmt. Die operative Führung ging sofort an die Familie, die Anteilsübertragung wurde zum 2. Januar 2024 wirksam. Der Kaufpreis wurde offiziell nicht bestätigt. Finanziert wurde der Schritt über einen Konsortialkredit, dessen Volumen nicht veröffentlicht ist. Die Vermögensbasis der Familie sind diese Anteile; offizielle Angaben zum Privatvermögen der Gesellschafter existieren nicht, und uamr.de nennt dazu keine Beträge.
Geschichte und Herkunft
Am 3. April 1948 gründeten Erich Brost und Jakob Funke in Essen die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, beide mit je 50 Prozent. In den 1970er Jahren kaufte die WAZ konkurrierende Ruhrgebietszeitungen auf, ließ die Redaktionen eigenständig und legte Verlag und Anzeigengeschäft zusammen. Dieses „WAZ-Modell“ galt als hochprofitabel und wurde 2008 offiziell aufgegeben. Weil beide Stämme alle Entscheidungen gemeinsam treffen mussten, kam es über Jahre zu Konflikten, etwa um den Erlös von 520 Mio. Euro aus dem RTL-Anteilsverkauf 2005.
Den Schlusspunkt setzte Petra Grotkamp im Januar 2012 mit dem Kauf der Brost-Hälfte, für den in Berichten rund 500 Mio. Euro genannt wurden. Im März 2013 wurde die WAZ Mediengruppe in Funke Mediengruppe umbenannt. 2014 folgte die größte Übernahme der Firmengeschichte: Für 920 Mio. Euro kaufte Funke von Axel Springer das Hamburger Abendblatt, die Berliner Morgenpost und die Bergedorfer Zeitung sowie Zeitschriften wie „Hörzu“ und „Bild der Frau“. 2019 bezog der Konzern sein neues Medienhaus in Essen.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
Funke ist in drei Sparten organisiert: Regionalmedien, Zeitschriften (National Brands) und Digitales. Zu den Tageszeitungen zählen neben der WAZ unter anderem NRZ, Westfalenpost, Thüringer Allgemeine, Braunschweiger Zeitung, Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost. Hinzu kommen rund 40 Zeitschriften wie „Hörzu“, „Gong“ und „Bild der Frau“, Anzeigenblätter, Mehrheitsbeteiligungen an elf Lokalradios in Nordrhein-Westfalen sowie Portale wie Der Westen, Moin.de, Onmeda und gofeminin.de.
Der Umsatz liegt seit Jahren bei etwas über einer Milliarde Euro: 2015 waren es 1,322 Mrd. Euro, 2019 rund 1,21 Mrd. Euro, 2021 rund 1,12 Mrd. Euro und 2022 rund 1,1 Mrd. Euro. Konzernzahlen für 2024 und 2025 hat Funke nicht veröffentlicht. Die Mitarbeiterzahl sank von 6.286 (2020) auf 5.403 (2021); aktuell nennt das Unternehmen rund 1.700 Journalistinnen und Journalisten und etwa 3.800 weitere Beschäftigte.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
2025 brachte den größten Portfolioumbau seit 2014. Im März 2025 vereinbarte Funke mit RTL Deutschland die Übernahme von „Gala“, „Brigitte“ und „Eltern“; das Bundeskartellamt gab den Kauf im Sommer 2025 frei. Im Juni 2025 gab Funke im Gegenzug acht Frauentitel an die Mediengruppe Klambt ab, darunter „Das Goldene Blatt“, „Die Aktuelle“ und „Frau im Spiegel“, mit rund 600.000 verkauften Exemplaren und 90 Beschäftigten in Ismaning. Kaufpreise wurden in beiden Fällen nicht genannt.
Parallel beendete Funke sein Engagement bei der „Kronen Zeitung“. Seit 1987 hielt das Haus 50 Prozent, verbunden mit Sonderrechten und einer Gewinngarantie für die Familie Dichand, die immer wieder zu Rechtsstreitigkeiten führte. 2018 hatte Funke 49 Prozent seiner WAZ Ausland Holding an René Benkos Signa-Gruppe verkauft, die später insolvent wurde. Im Juni 2025 einigte sich Funke mit den Dichands auf den Verkauf der Krone-Hälfte; der Abschluss erfolgte am 25. November 2025. Knapp 50 Prozent am „Kurier“ hält Funke weiterhin, Mehrheitseigentümer Raiffeisen hat Interesse an einer Übernahme signalisiert.
Zum 1. Juli 2026 wurde die Konzerngeschäftsführung von zwei auf vier Mitglieder erweitert: Neben Finanzchefin Simone Kasik und Christoph Rüth (Regionalmedien und IT) rückten Jesper Doub für die Zeitschriftensparte National Brands und Stephan Thurm für Funke Digital auf. Zugleich zog der Digitalstratege Philipp Wachter in Aufsichtsrat und Gesellschafterausschuss ein. Der frühere Geschäftsführungssprecher Andreas Schoo gehört dem Unternehmen seit dem Umbau 2021 nicht mehr an. Im Juni 2026 berichtete Horizont zudem über Funkes Austritt aus dem Zeitschriftenverband MVFP.
FAQ
Wem gehört die Funke Mediengruppe? Die Funke Mediengruppe gehört zu 100 Prozent der Familie Funke/Grotkamp, also Petra Grotkamp und ihren Kindern Julia Becker, Nora Marx und Niklas Wilcke. Seit dem 2. Januar 2024 gibt es keine weiteren Gesellschafter; börsennotiert ist das Unternehmen nicht.
Was wurde aus der Gründerfamilie Brost? Die Brost-Erben verkauften ihre 50 Prozent zum Jahreswechsel 2011/2012 an Petra Grotkamp. Laut Medienberichten lag der Preis bei rund 500 Mio. Euro; offiziell wurde er nie bestätigt.
Wer führt die Funke Mediengruppe? Die Konzerngeschäftsführung besteht seit dem 1. Juli 2026 aus Simone Kasik, Christoph Rüth, Jesper Doub und Stephan Thurm. Aufsichtsratsvorsitzende und Verlegerin ist Julia Becker.
Welche Titel gehören zu Funke? Unter anderem WAZ, NRZ, Westfalenpost, Thüringer Allgemeine, Braunschweiger Zeitung, Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost sowie Zeitschriften wie „Hörzu“, „Bild der Frau“, „Gala“ und „Brigitte“.
Hält Funke noch Anteile an der „Kronen Zeitung“? Nein. Die 50 Prozent an der „Krone“ gingen am 25. November 2025 an die Familie Dichand. Am „Kurier“ ist Funke mit knapp 50 Prozent weiterhin beteiligt.
Fazit
Die Funke Mediengruppe ist ein reines Familienunternehmen: Nach dem Ausstieg der Familie Brost 2012 und dem Kauf der Minderheitsanteile 2021 liegt die gesamte Kontrolle seit 2024 bei Petra Grotkamp und ihren Kindern, mit Julia Becker als Verlegerin an der Spitze. Mit rund 1,1 Mrd. Euro Umsatz (2022) und rund 5.500 Beschäftigten zählt der Essener Konzern zu den größten Regionalverlagen Europas.
Stand 2026 hat die Familie das Haus konsequent umgebaut: raus aus der „Kronen Zeitung“ und aus einem Teil des Frauentitel-Geschäfts, rein in Marken wie „Gala“ und „Brigitte“ und in eine verbreiterte Konzernführung.
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