Wem gehört Faber-Castell? Eigentümer und Struktur 2026

Wem gehört Faber-Castell?

Faber-Castell ist einer der bekanntesten Schreibwarenhersteller der Welt und seit 1761 in Familienhand. Die Faber-Castell AG in Stein bei Nürnberg gehört auch 2026 nicht der Börse, sondern über eine Holding der neunten Generation der Familie von Faber-Castell: Charles, Katharina, Victoria und Sarah, den Kindern des 2016 verstorbenen Patriarchen Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell. Operativ führt seit März 2020 der familienfremde Vorstandsvorsitzende Stefan Leitz. Im Geschäftsjahr 2024/25 setzte die Gruppe 601,8 Millionen Euro um und beschäftigte weltweit rund 6.200 Mitarbeiter.

Key Takeaways

  • Die Faber-Castell AG ist nicht börsennotiert; alleinige Aktionärin ist die Familienholding A.W. Faber-Castell Unternehmensverwaltung GmbH & Co.
  • Die vier Geschwister der neunten Generation halten mittelbar die Mehrheit; laut Handelsblatt (2016) je 22,5 Prozent.
  • Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell führte das Unternehmen von 1978 bis zu seinem Tod im Januar 2016.
  • Seit 2017 leiten familienfremde Manager den Vorstand: zunächst Daniel Rogger, seit März 2020 Stefan Leitz.
  • Umsatz 2024/25: 601,8 Millionen Euro (minus 2,7 Prozent), nach 618,4 Millionen Euro (2023/24).
  • Ende 2025 kündigte Faber-Castell den Abbau von rund 130 Stellen in Deutschland und die Schließung des Werks Engelhartszell im Sommer 2026 an.
  • Die Familie ist über Aufsichtsrat (Charles, Sarah) und Verwaltungsrat der Holding (Katharina) eingebunden; Mary Gräfin von Faber-Castell schied Anfang 2025 aus.
NameFaber-Castell AG
Gegründet1761 durch Kaspar Faber (Aktiengesellschaft seit 2000)
SitzStein bei Nürnberg, Bayern
BrancheSchreib-, Zeichen- und Kreativprodukte, dekorative Kosmetik
EigentümerFamilie von Faber-Castell (9. Generation) über die A.W. Faber-Castell Unternehmensverwaltung GmbH & Co.
Umsatz (Jahr)601,8 Millionen Euro (Geschäftsjahr 2024/25)
Mitarbeiterrund 6.200 weltweit, davon etwa 1.200 in Deutschland (Stand Ende 2025)
Vermögensbasis/StrukturNicht börsennotierte AG, Produktionsstätten in zehn Ländern, Vertriebsgesellschaften in 22 Ländern, Marken Faber-Castell und Graf von Faber-Castell

Geschichte und Herkunft

1761 begann der Schreiner Kaspar Faber in Stein bei Nürnberg mit der Bleistiftfertigung. Sein Urenkel Lothar von Faber führte 1851 eine Bleistiftnorm ein, eröffnete ab 1849 Niederlassungen in New York, London, Paris, Wien und St. Petersburg und wurde 1881 in den erblichen Freiherrenstand erhoben.

Der Doppelname entstand 1898, als Lothars Enkelin Ottilie von Faber Graf Alexander zu Castell-Rüdenhausen heiratete. Ihr Sohn Roland Graf von Faber-Castell (1905–1978) gilt als letzter Alleininhaber. 1978 folgte Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell (1941–2016). Er kaufte Geschwister und deren Nachkommen aus, trieb die Internationalisierung voran, baute die Luxusmarke Graf von Faber-Castell auf und überführte das Unternehmen 2000 in die heutige Faber-Castell AG. Am 21. Januar 2016 starb er in Houston, Texas.

Eigentümerstruktur im Detail

Wem gehört Faber-Castell? Eigentümerstruktur mit Familienholding, neunter Generation und Faber-Castell AG 2026
Wem gehört Faber-Castell? Eigentümer und Struktur 2026 2

Die Faber-Castell AG ist nicht börsennotiert. Alleinige Aktionärin ist die A.W. Faber-Castell Unternehmensverwaltung GmbH & Co., eine Holding, an der die Familienmitglieder beteiligt sind.

Nach dem Tod von Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell gingen die Anteile an seine vier Kinder über. Das Handelsblatt berichtete im Oktober 2016, dass Charles (Sohn aus erster Ehe) sowie Katharina, Victoria und Sarah (aus der Ehe mit Mary Gräfin von Faber-Castell) jeweils 22,5 Prozent hielten; auf Mary entfielen demnach 3 Prozent, auf die Familie von Roland von Kölichen 7 Prozent. Neuere Quoten sind nicht öffentlich; das Unternehmen bestätigte Anfang 2025 lediglich, dass die vier Geschwister „mittelbar die Mehrheit der Anteile“ halten.

Im Juli 2021 gab sich die Familie eine neue Inhaberstrategie: Die neunte Generation kontrolliert das Unternehmen als „aktiver Gesellschafterkreis“, ohne selbst operativ zu führen. Charles Graf von Faber-Castell wechselte in den Aufsichtsrat der AG, Katharina Gräfin von Faber-Castell in den Verwaltungsrat der Holding. Seit dem 1. Januar 2025 sitzt auch Sarah Gräfin von Faber-Castell im Aufsichtsrat; Mary schied gemäß Familiencharta aus Altersgründen aus. Aufsichtsratsvorsitzender ist seit Anfang 2024 Dirk Engehausen.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Das Geschäftsjahr 2024/25 schloss Faber-Castell mit einem Gruppenumsatz von 601,8 Millionen Euro ab, ein Minus von 2,7 Prozent; währungsbereinigt lag das Wachstum bei 0,3 Prozent. Die Profitabilität sank in den mittleren einstelligen Prozentbereich. Belastend wirkten US-Zölle auf Produkte aus Brasilien, China und Indien, Konsumzurückhaltung, der Rückzug des Fachhandels in Deutschland und Wettbewerber aus China.

Als Reaktion beschleunigte der Vorstand im Oktober 2025 die Gruppenstrategie „ONE Faber-Castell“. Das Zweigwerk im oberösterreichischen Engelhartszell mit 41 Beschäftigten wird im Sommer 2026 geschlossen, die Textliner-Produktion wandert nach Lima in Peru. Im November 2025 folgte die Ankündigung, in Stein und Geroldsgrün bis Ende des Geschäftsjahres 2026/27 rund 130 Stellen abzubauen und kleinere Fertigungslinien nach Brasilien und Peru zu verlagern; die IG Metall kritisierte den Umfang. Zahlen für das Geschäftsjahr 2025/26 lagen bis Ende September 2026 noch nicht vor.

Geschäftsmodell und Kennzahlen

Faber-Castell produziert Blei- und Farbstifte, Fineliner, Textmarker, Künstlerbedarf und mit der Marke Graf von Faber-Castell hochwertige Schreibgeräte; dazu kommt eine Kosmetiksparte. Die Kapazität liegt nach eigenen Angaben bei über zwei Milliarden holzgefassten Stiften pro Jahr. Produziert wird in zehn Ländern, darunter Deutschland, Brasilien, Peru, Malaysia, Indien und China; Vertriebsgesellschaften gibt es in 22 Ländern, Handelsvertretungen in über 120. Das Holz stammt aus eigenen, FSC-zertifizierten Wäldern in Brasilien.

Der Umsatz war zuletzt rückläufig: 555 Millionen Euro (2019/20), 649,2 Millionen Euro (2022/23), 618,4 Millionen Euro (2023/24) und 601,8 Millionen Euro (2024/25). Die Mitarbeiterzahl gibt das Unternehmen mit rund 6.500 an, jüngere Presseangaben nennen etwa 6.200, davon rund 1.200 in Deutschland. Dem Vorstand gehören neben Stefan Leitz Constantin Neubeck (Finanzen) und Simon Hauser (Technik) an. Leitz kam von der Carl Kühne KG und ist nach Daniel Rogger (Juni 2017 bis 2020) der zweite familienfremde Vorstandschef.

Die Familie hinter Faber-Castell

Mary Gräfin von Faber-Castell, die Witwe von Anton-Wolfgang, führte über 20 Jahre die Kosmetiksparte, leitete das Unternehmen 2016 als Vorstandssprecherin durch die Übergangszeit und saß von 2020 bis Ende 2024 im Aufsichtsrat. Charles Graf von Faber-Castell (Jahrgang 1980), ehemaliger Unternehmensberater, arbeitet seit 2013 im Unternehmen und verantwortete das Premiumgeschäft. Katharina Gräfin von Faber-Castell leitet die 2001 von ihrem Vater gegründete Graf von Faber-Castell Kinderfonds Stiftung für Kinderhilfsprojekte. Sarah Gräfin von Faber-Castell, zuvor bei Estée Lauder und Jo Malone London tätig, vertritt die neunte Generation seit 2025 im Aufsichtsrat. Zu Vermögenswerten einzelner Familienmitglieder existieren keine offiziellen Zahlen; uamr.de nennt daher keine Beträge.

FAQ

Wem gehört Faber-Castell heute? Der Familie von Faber-Castell in neunter Generation. Charles, Katharina, Victoria und Sarah von Faber-Castell halten mittelbar über die A.W. Faber-Castell Unternehmensverwaltung GmbH & Co. die Mehrheit an der Faber-Castell AG.

Ist Faber-Castell an der Börse notiert? Nein. Die Faber-Castell AG ist zwar seit 2000 eine Aktiengesellschaft, ihre Aktien werden aber nicht öffentlich gehandelt.

Wer führt das Unternehmen operativ? Vorstandsvorsitzender ist seit dem 16. März 2020 Stefan Leitz. Er ist nach Daniel Rogger der zweite Chef, der nicht aus der Familie stammt.

Wie hoch ist der Umsatz von Faber-Castell? Im Geschäftsjahr 2024/25 lag der Gruppenumsatz bei 601,8 Millionen Euro, nach 618,4 Millionen Euro im Vorjahr.

Was passierte nach dem Tod von Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell? Seine Witwe Mary übernahm 2016 interimistisch die Führung, 2017 kam mit Daniel Rogger der erste externe Vorstandschef. Die Anteile gingen an seine vier Kinder über.

Welche Rolle spielt die Stiftung der Familie? Die Graf von Faber-Castell Kinderfonds Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung für Kinderhilfsprojekte unter Leitung von Katharina Gräfin von Faber-Castell. Anteile am Unternehmen hält sie nicht.

Fazit

Faber-Castell bleibt auch 265 Jahre nach der Gründung ein Familienunternehmen: Die neunte Generation kontrolliert die AG über eine Holding, überlässt die operative Führung aber Managern um Stefan Leitz. Der Übergang nach dem Tod des Patriarchen 2016 ist mit Familiencharta und klaren Gremienrollen geordnet. Wirtschaftlich steht der Stiftehersteller vor einem Umbau: Sinkende Umsätze, Zölle und Wettbewerb aus China erzwingen Werksschließungen und Stellenabbau.