
Breuninger ist eines der bekanntesten Modehäuser Deutschlands, doch die Gründerfamilie hält seit über zwanzig Jahren keine Anteile mehr. Die E. Breuninger GmbH & Co. mit Sitz in Stuttgart gehört den Familien Meilicke und van Agtmael mit je 40 Prozent sowie der Familie Bretschneider/Seidel mit 20 Prozent. Von Sommer 2024 bis Anfang 2026 stand die Gruppe zum Verkauf, im März 2026 wurde der Prozess laut Medienberichten gestoppt. Stand September 2026 bleibt Breuninger ein Familienunternehmen unter der Führung von Holger Blecker.
Key Takeaways
- Breuninger gehört den Familien Meilicke (40 Prozent), van Agtmael (40 Prozent) und Bretschneider/Seidel (20 Prozent).
- Die Gründerfamilie ist seit 2004 nicht mehr beteiligt; Helga Breuninger führt nur noch die gemeinnützige Breuninger Stiftung.
- Ab Sommer 2024 stand die Gruppe zum Verkauf, im März 2026 wurde der Prozess laut Medienberichten abgebrochen.
- Holger Blecker führt das Unternehmen seit September 2017.
- 2024: Warenumsatz rund 1,2 Milliarden Euro, Handelsvolumen (GMV) rund 1,6 Milliarden Euro, rund 60 Prozent online.
- 13 Häuser in Deutschland und Luxemburg, Onlineshop in zehn Ländern, rund 6.500 Mitarbeitende.
| Name | E. Breuninger GmbH & Co. |
|---|---|
| Gegründet / Geboren | 1881 durch Eduard Breuninger |
| Sitz / Wohnort | Stuttgart, Baden-Württemberg |
| Branche / Beruf | Mode- und Lifestyle-Warenhäuser, Onlinehandel |
| Eigentümer / Unternehmen | Familie Meilicke 40 %, Familie van Agtmael 40 %, Familie Bretschneider/Seidel 20 % |
| Vermögensbasis / Einnahmequellen | Stationärer Handel in 13 Häusern, Onlineshop in zehn Ländern, eigene Handelsimmobilien |
Geschichte und Herkunft
Eduard Breuninger eröffnete 1881 ein kleines Geschäft am Stuttgarter Marktplatz, aus dem binnen weniger Jahrzehnte ein Warenhaus und Wahrzeichen der Stuttgarter Innenstadt wurde. Nach dem Tod des Gründers 1932 blieb das Unternehmen in Familienhand.
Prägend war der Enkel Heinz Breuninger, der 1954 die Führung übernahm: 1959 kam die erste Kundenkarte Deutschlands, 1973 das erste Breuningerland in Ludwigsburg, 1980 Sindelfingen. Ende der 1960er-Jahre gründete er mit seiner Tochter Helga eine Stiftungskonstruktion, die das Unternehmen nach seinem Tod 1980 kontrollierte. Die operative Führung lag danach über Jahrzehnte bei Willem van Agtmael, der mit der Familie verschwägert war.
Im 21. Jahrhundert folgte die Expansion: 2008 startete der Onlineshop, 2013 eröffnete das Haus im Düsseldorfer Kö-Bogen, 2017 das Dorotheen Quartier in Stuttgart. 2021 übernahm die Gruppe das Münchner Modehaus Konen sowie Maison Bram in Luxemburg, im April 2025 folgte Hamburg. Im September 2026 feierte das Unternehmen sein 145-jähriges Bestehen.
Eigentümerstruktur im Detail

Der Bruch mit der Gründerfamilie erfolgte 2004. Die Heinz-Breuninger-Stiftung wurde aufgelöst, die Anteile gingen an die gemeinnützige Breuninger Stiftung unter Helga Breuninger, die das Paket an zwei langjährige Stiftungsvorstände verkaufte: den Geschäftsführer Willem van Agtmael und den Rechtsanwalt Wienand Meilicke. Beide halten seither je 40 Prozent, zusammen 80 Prozent. Die übrigen 20 Prozent liegen bei der Familie Bretschneider/Seidel, die schon zuvor beteiligt war.
Der Verkauf zog einen jahrelangen Rechtsstreit nach sich: Der frühere Stiftungsvorstand Wolfgang Blumers machte geltend, ihm sei 2004 ebenfalls ein Anteil zugesagt worden. Das Landgericht Stuttgart sprach ihm 2014 zehn Prozent zu, das Oberlandesgericht Stuttgart wies die Klage 2016 endgültig ab. Seitdem ist die Verteilung 40/40/20 unangefochten.
Formal bündeln die Familien Meilicke und van Agtmael ihre 80 Prozent nach Angaben der Immobilien Zeitung in der BSG Beteiligungs-GmbH. Die Eigentümer greifen nicht ins Tagesgeschäft ein, sondern kontrollieren das Unternehmen über einen Beirat, den die nächste Generation führt: Jeroen van Agtmael und Harald Meilicke. Die Gründerfamilie ist nur noch namentlich präsent; Helga Breuninger konzentriert sich auf die gemeinnützige Breuninger Stiftung, die Projekte in Bildung, Kultur und Medizin fördert.
Die Geschäftsführung ist seit 2012 von den Eigentümern getrennt. Nach dem Ausscheiden von Willem van Agtmael leitete Willy Oergel das Unternehmen von September 2012 bis September 2017 als angestellter Manager ohne Anteile. Seither steht Holger Blecker an der Spitze, der seit 1990 bei Breuninger arbeitet und das Haus zum Omnichannel-Anbieter umgebaut hat.
Verkaufsprozess und aktuelle Entwicklung 2025/2026
Im Sommer 2024 wurde bekannt, dass die Eigentümerfamilien Breuninger samt Handelsimmobilien verkaufen wollen. Die Investmentbank Macquarie organisierte unter dem Projektnamen „Keystone“ einen Bieterprozess. Laut Handelsblatt meldeten 31 Unternehmen Interesse an, darunter El Corte Inglés und Galeries Lafayette sowie Immobilieninvestoren wie Deka, DWS, Union Investment, Apollo und Morgan Stanley. Als Preisvorstellung kursierten rund 2,5 Milliarden Euro, davon etwa 1,8 Milliarden Euro für die Immobilien.
Im März 2026 berichtete die Wirtschaftswoche, die Familien hätten den Prozess nach rund anderthalb Jahren gestoppt. Als Gründe nennen Branchenmedien eine Lücke zwischen Preisvorstellung und Geboten, das schwierige Umfeld für den stationären Handel und den Umstand, dass sich mehrere Interessenten nur für die Immobilien interessierten. Ein Modell, bei dem Breuninger Mieter in den eigenen Häusern geworden wäre, lehnten die Eigentümer ab. Ein Unternehmenssprecher erklärte lediglich, man äußere sich nicht zu Gerüchten und Spekulationen.
Operativ ging die Expansion 2026 weiter: Im Mai wurde die Breuninger-App auf Dänemark, Schweden und Rumänien ausgeweitet. Ob die Familien den Verkauf später erneut anstoßen, ist nicht öffentlich bekannt. Bis dahin bleibt Breuninger in der Hand der drei Familien.
Geschäftszahlen und Marktposition
Breuninger wächst seit Jahren schneller als der deutsche Modehandel. Für 2024 meldete das Unternehmen einen Warenumsatz von rund 1,2 Milliarden Euro (plus 5,9 Prozent) und ein Handelsvolumen (GMV) von rund 1,6 Milliarden Euro (plus 6,1 Prozent). 2015 lag der Umsatz noch bei 756 Millionen Euro. Vergleichbare Zahlen für 2025 hat Breuninger bis September 2026 nicht veröffentlicht.
Der Onlinehandel ist längst das größere Standbein. Nach Angaben des Handelsblatts entfallen rund 60 Prozent des Geschäfts auf den Onlineshop, der damit 2024 auf knapp eine Milliarde Euro zusteuerte; alle zehn Ländermärkte arbeiten laut Unternehmen profitabel. Mit rund 6.500 Mitarbeitenden zählt Breuninger zu den großen Arbeitgebern im deutschen Handel.
Standorte und Geschäftsfelder
Das Filialnetz umfasst 13 Häuser: Stuttgart, Düsseldorf, Erfurt, Freiburg, Hamburg, Karlsruhe, Leipzig, München, Nürnberg, Sulzbach im Main-Taunus-Zentrum, die Breuningerland-Standorte Ludwigsburg und Sindelfingen sowie Maison Bram in Luxemburg. Reutlingen wurde Ende 2024 geschlossen, dafür kam im April 2025 Hamburg mit über 13.000 Quadratmetern hinzu. Das Stammhaus in Stuttgart bleibt das wichtigste Haus.
Das Sortiment reicht von internationalen Designermarken über Premium-Labels bis zu Beauty, Lifestyle und Gastronomie. Breuninger positioniert sich als „Omnichannel-Department-Store“; der Shop ist in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Polen, Tschechien, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Spanien und Italien verfügbar. Ein zweites Standbein sind die eigenen Handelsimmobilien, die im Verkaufsprozess den größten Teil der Bewertung ausmachten.
FAQ
Wem gehört Breuninger heute? Die E. Breuninger GmbH & Co. gehört drei Familien: Meilicke und van Agtmael halten je 40 Prozent, die Familie Bretschneider/Seidel 20 Prozent. Die Gründerfamilie ist nicht mehr beteiligt.
Ist Breuninger börsennotiert? Nein. Breuninger ist eine GmbH & Co. in privater Hand und veröffentlicht nur ausgewählte Kennzahlen.
Wurde Breuninger 2025 oder 2026 verkauft? Nein. Der im Sommer 2024 gestartete Verkaufsprozess wurde im März 2026 laut Wirtschaftswoche gestoppt, weil die Gebote hinter den Preisvorstellungen der Eigentümer zurückblieben.
Wer führt Breuninger? Holger Blecker ist seit September 2017 Vorsitzender der Geschäftsführung. Die Eigentümerfamilien sind über einen Beirat vertreten, dem Jeroen van Agtmael und Harald Meilicke vorstehen.
Wie viel Umsatz macht Breuninger? 2024 lag der Warenumsatz bei rund 1,2 Milliarden Euro, das Handelsvolumen (GMV) bei rund 1,6 Milliarden Euro. Rund 60 Prozent des Geschäfts laufen online.
Welche Rolle spielt Helga Breuninger noch? Sie leitet die gemeinnützige Breuninger Stiftung, hält aber seit 2004 keine Anteile mehr am Handelsunternehmen.
Fazit
Breuninger trägt den Namen der Gründerfamilie, gehört aber seit 2004 den Familien Meilicke, van Agtmael und Bretschneider/Seidel. Der Versuch, die Gruppe samt Immobilien für rund 2,5 Milliarden Euro zu verkaufen, ist Anfang 2026 gescheitert. Das Stuttgarter Traditionshaus bleibt damit ein Familienunternehmen, das mit 13 Häusern, einem Onlineshop in zehn Ländern und einem Handelsvolumen von rund 1,6 Milliarden Euro zu den erfolgreichsten Modehändlern Europas zählt. Ob die Eigentümer bei besseren Marktbedingungen einen neuen Anlauf nehmen, bleibt offen.