Eau Thermale Avène ist keine eigenständige Firma, sondern die umsatzstärkste Marke der französischen Laboratoires Pierre Fabre mit Sitz in Castres. Der Konzern gehört zu rund 86 Prozent der gemeinnützigen Fondation Pierre Fabre, die ihre Anteile über die Holding Pierre Fabre Participations hält. Knapp zehn Prozent des Kapitals liegen bei den Beschäftigten, die sich über das Mitarbeiteraktienprogramm „Ruscus“ beteiligen. Stand September 2026 ist Avène damit eine Marke ohne Börsennotierung, ohne Finanzinvestor und ohne Familiendynastie an der Spitze – eine in Europa seltene Konstruktion.
Key Takeaways
- Eau Thermale Avène gehört zur Pierre-Fabre-Gruppe, dem nach eigenen Angaben zweitgrößten Dermokosmetik-Hersteller der Welt.
- Die Fondation Pierre Fabre hält 86 Prozent der Anteile, die Mitarbeiter rund 9,5 bis 9,9 Prozent, der Rest sind eigene Aktien des Unternehmens (Stand 2025/2026).
- Der Gründer Pierre Fabre übertrug 2008 den Großteil seiner Aktien an die Stiftung und setzte sie nach seinem Tod 2013 als Alleinerbin ein.
- Die Gruppe erzielte 2025 einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro, davon 1,7 Milliarden Euro mit Dermokosmetik und Körperpflege.
- Avène überschritt 2023 als erste Marke des Konzerns die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro und wuchs 2025 um 3,9 Prozent.
- Konzernchef ist seit 2018 Éric Ducournau; im Mai 2026 wurde Hervé Hoppenot Vorsitzender des Aufsichtsrats.
- Im Mai 2026 kündigte Pierre Fabre 50 Millionen Euro für die Verdopplung der Produktionskapazität am Standort Avène bis 2029 an.
- Seit Juli 2026 führt Venaïg Solinhac die Dermokosmetik-Sparte, zu der Avène gehört.
| Unternehmen | Eau Thermale Avène (Marke der Laboratoires Pierre Fabre) |
|---|---|
| Gegründet | Marke 1990; Konzern 1962 |
| Hauptsitz | Castres (Tarn), Frankreich; Produktion in Avène (Hérault) |
| Eigentümer | Fondation Pierre Fabre 86 % (über Pierre Fabre Participations), Mitarbeiter ca. 9,5–9,9 %, eigene Aktien ca. 4,5 % (Stand 2025/2026) |
| Branche | Dermokosmetik, Pharma |
| Führung | Éric Ducournau (CEO seit 2018), Hervé Hoppenot (Aufsichtsratsvorsitzender seit Mai 2026), Venaïg Solinhac (CEO Dermokosmetik seit Juli 2026) |
| Mitarbeiter / Umsatz | ca. 10.000 Mitarbeiter / 3,2 Mrd. Euro Konzernumsatz (2025); Avène über 1 Mrd. Euro (2023) |
Geschichte und Herkunft
Die Geschichte der Marke beginnt lange vor dem Konzern. Das Thermalwasser von Avène im südfranzösischen Département Hérault wird seit dem 18. Jahrhundert bei Hauterkrankungen eingesetzt, 1874 wurde die Heilquelle von der französischen Akademie der Medizin anerkannt. Der Apotheker Pierre Fabre, der 1962 in Castres sein Unternehmen gegründet hatte, sicherte sich die Thermalstation und ließ ab 1975 die Eigenschaften des Wassers wissenschaftlich untersuchen. Im selben Jahr entstanden die ersten Produkte auf Basis des Quellwassers.
1990 folgte der entscheidende Schritt: Die Marke Eau Thermale Avène wurde gegründet, gleichzeitig eröffnete ein modernes Hydrotherapiezentrum, das bis heute mehr als 3.000 Patienten pro Jahr behandelt. Aus einem regionalen Kurort wurde so eine weltweit vertriebene Apothekenmarke. 2023 überschritt Avène als erste Marke des Hauses die Umsatzschwelle von einer Milliarde Euro – bei 130 Millionen verkauften Einheiten und 77 Prozent des Umsatzes aus 115 Auslandsmärkten.
Eigentümerstruktur im Detail
Wer nach dem Eigentümer von Avène fragt, landet bei einer Stiftung. Die Fondation Pierre Fabre wurde 1999 per Dekret als gemeinnützige Stiftung öffentlichen Nutzens anerkannt. 2008 übertrug ihr der Gründer den Großteil seiner Unternehmensanteile, und nach seinem Tod im Jahr 2013 wurde die Stiftung Alleinerbin. Sie hält heute 86 Prozent der Laboratoires Pierre Fabre – laut Governance-Seite des Konzerns exakt 86,3 Prozent – und delegiert die Kontrolle an die Holding Pierre Fabre Participations, deren Vorsitz Pierre-Yves Revol führt.
Der zweite Eigentümerblock sind die Beschäftigten. Das 2005 gestartete Mitarbeiteraktienprogramm „Ruscus“ bündelt rund 9,5 bis 9,9 Prozent des Kapitals. Zum 20-jährigen Jubiläum im September 2025 zählte der Konzern 6.625 Mitarbeiteraktionäre in 14 Ländern, das entspricht 80 Prozent der berechtigten Belegschaft. Allein 2025 investierten die Beschäftigten 22,4 Millionen Euro, das Unternehmen legte 4,6 Millionen Euro drauf. Die restlichen rund 4,5 Prozent hält die Gesellschaft als eigene Aktien. Die Stiftung finanziert mit ihren Dividenden Gesundheitsprogramme in Entwicklungsländern – nach eigenen Angaben 35 Programme in 21 Ländern.
Führung und Strategie
Operativ führt Éric Ducournau die Gruppe seit Juli 2018 als CEO. Er verantwortete das Strategieprogramm „Conquête 2025″, mit dem der Konzern zwischen 2023 und 2025 nach eigenen Angaben 500 Millionen Euro zusätzlichen Umsatz generierte. Im Mai 2026 übernahm Hervé Hoppenot den Vorsitz des Aufsichtsrats, dem elf Mitglieder sowie Arbeitnehmervertreter angehören. Dem Gremium gehören unter anderem BNP-Paribas-Chef Jean-Laurent Bonnafé und die frühere Verteidigungsministerin Florence Parly an.
Für Avène selbst ist die Dermokosmetik-Sparte zuständig. Deren Leitung übernahm im Juli 2026 Venaïg Solinhac, die zuvor bei Kenvue und GlaxoSmithKline Consumer Healthcare Marken wie Johnson’s Baby, Listerine und Sensodyne verantwortete. Sie steuert neben Avène auch Ducray, A-Derma, Klorane, René Furterer und Même Cosmetics. Strategisch setzt der Konzern auf die Verbindung von Medizin und Kosmetik: Avène wird über 80.000 Verschreiber weltweit vermarktet, und rund 90 Prozent der Produkte werden in Frankreich hergestellt.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Die im März 2026 veröffentlichten Zahlen für 2025 zeigen ein solides Wachstum: Der Konzernumsatz stieg um 4,6 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro, davon entfielen 1,7 Milliarden Euro auf Dermokosmetik und Körperpflege (plus 3,9 Prozent) und 1,4 Milliarden Euro auf Pharma (plus 5,5 Prozent). 71 Prozent des Umsatzes stammen aus dem Ausland. Avène wuchs um 3,9 Prozent, mit Spitzen von 10,7 Prozent in China und 9,2 Prozent in den USA. Im Herbst 2025 bezog der Konzern zudem seine neue Zentrale „Campus Chartreuse“ in Castres.
Am 28. Mai 2026 kündigte Pierre Fabre an, 50 Millionen Euro in das Werk in Avène zu investieren. Die Produktionskapazität soll bis 2029 von 100 auf 200 Millionen Einheiten pro Jahr verdoppelt werden; das Vorhaben ist Teil eines 250 Millionen Euro schweren Industrieprogramms für 2023 bis 2027. Am Standort arbeiten derzeit rund 330 Menschen. Im August 2026 setzte der Konzern außerdem mit Nicolas Zombré einen neuen Chef für das US-Dermokosmetikgeschäft ein, wo Avène zweistellig wächst und die Cicalfate+-Creme um 32 Prozent zulegte.
Bedeutung für den Markt
Im Dermokosmetik-Markt konkurriert Avène vor allem mit den L’Oréal-Marken La Roche-Posay, Vichy und CeraVe sowie mit Beiersdorfs Eucerin. Anders als diese Wettbewerber ist Avène nicht Teil eines börsennotierten Konzerns, der auf Quartalsergebnisse achten muss. Die Stiftungsstruktur erlaubt langfristige Investitionen wie den Ausbau des Werks in Avène oder den Aufbau eigener Forschung, die medizinische Studien und Kosmetik verzahnt.
Die Unabhängigkeit hat auch Grenzen: Ohne Börsengang oder externe Kapitalgeber muss die Gruppe ihr Wachstum aus eigenen Mitteln finanzieren. Bislang ist ihr das gelungen.
FAQ
Wem gehört Avène? Die Marke gehört den Laboratoires Pierre Fabre. Der Konzern wiederum ist zu 86 Prozent im Besitz der Fondation Pierre Fabre, knapp zehn Prozent halten die Mitarbeiter (Stand 2025/2026).
Ist Avène an der Börse notiert? Nein. Weder die Marke noch die Muttergesellschaft Pierre Fabre sind börsennotiert. Die Anteile liegen bei einer Stiftung und den Beschäftigten.
Wer führt das Unternehmen hinter Avène? CEO der Pierre-Fabre-Gruppe ist seit 2018 Éric Ducournau. Die Dermokosmetik-Sparte mit Avène leitet seit Juli 2026 Venaïg Solinhac, den Aufsichtsrat führt seit Mai 2026 Hervé Hoppenot.
Wie viel Umsatz macht Avène? Avène überschritt 2023 erstmals die Marke von einer Milliarde Euro Jahresumsatz und wuchs 2025 um weitere 3,9 Prozent. Der Gesamtkonzern setzte 2025 rund 3,2 Milliarden Euro um.
Wo werden Avène-Produkte hergestellt? Im Werk am Ort Avène im südfranzösischen Département Hérault, direkt an der Thermalquelle. Die Kapazität soll bis 2029 auf 200 Millionen Einheiten pro Jahr verdoppelt werden.
Was macht die Fondation Pierre Fabre mit den Gewinnen? Die Stiftung finanziert Programme zur Verbesserung des Zugangs zu Gesundheitsversorgung in ärmeren Ländern, nach eigenen Angaben derzeit 35 Programme in 21 Ländern.
Fazit
Avène ist das Aushängeschild eines Konzerns, der sich selbst gehört – genauer: einer gemeinnützigen Stiftung und seinen Mitarbeitern. Diese Struktur hat der Gründer Pierre Fabre bewusst geschaffen, um das Unternehmen vor Übernahmen und Zerschlagung zu schützen. Mit 3,2 Milliarden Euro Konzernumsatz, einer Milliardenmarke und massiven Investitionen in den Standort Avène steht die Gruppe im Jahr 2026 stärker da als je zuvor. Wer die Marke kauft, unterstützt damit indirekt Gesundheitsprojekte in Entwicklungsländern – ein Alleinstellungsmerkmal im Kosmetikregal.
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