Wem gehört Avia? Eigentümer und Struktur des Tankstellenverbunds

Wem gehört Avia

AVIA gehört keinem Konzern und keiner einzelnen Familie, sondern einem Verbund unabhängiger, meist mittelständischer Mineralöl- und Energiehändler. Die Marke wurde 1927 in der Schweiz von freien Benzinimporteuren ins Leben gerufen; Dachorganisation ist seit 1960 der Verein AVIA International mit Sitz in Zürich. In Deutschland tragen rund 30 Mitgliedsunternehmen die AVIA AG und die AVIA Deutschland GmbH in München, die ein Netz von über 900 Tankstellen steuern. Stand 2026 bleibt AVIA damit ein genossenschaftlich geprägter Markenverbund, dessen Eigentümer die regional verankerten Mitgliedsfirmen selbst sind.

Key Takeaways

  • AVIA ist kein Konzern, sondern ein Zusammenschluss unabhängiger Mineralölhändler. Eigentümer der Marke sind die Mitgliedsunternehmen, organisiert über den Verein AVIA International in Zürich.
  • Die Ursprünge liegen in der Schweiz: 1927 gegründet, 1931 Markeneintragung, 1932 Umwandlung in eine Genossenschaft.
  • In Deutschland führen die AVIA AG und die AVIA Deutschland GmbH (München) den Verbund aus rund 30 mittelständischen Energieunternehmen mit über 900 Tankstellen, Platz fünf im deutschen Markt.
  • Der kombinierte Umsatz von AVIA AG und AVIA Deutschland GmbH lag 2024 bei rund 4,0 Milliarden Euro, nach etwa 4,6 Milliarden Euro im Jahr 2023.
  • Seit dem 3. Juli 2025 führt Marc-Manuel Simler die AVIA Deutschland; Vorgänger Holger Mark wechselte nach zwölf Jahren an die Spitze des Aufsichtsrats der AVIA AG.
  • In der Schweiz betreiben Mitgliedsfirmen wie A.H. Meyer & Cie (Zürich) oder Fritz Meyer (Basel) nach eigenen Angaben das größte Tankstellennetz des Landes mit über 500 Stationen.
  • Europaweit vereint AVIA mehr als 80 unabhängige Unternehmen in 14 Ländern mit über 3.000 Tankstellen.
UnternehmenAVIA International (Verein, Zürich); AVIA AG und AVIA Deutschland GmbH (München)
Gegründet1927 in der Schweiz (Marke); 22. April 1960 (AVIA International); 1952/1953 (Deutsche AVIA)
HauptsitzZürich (International); München (Deutschland)
EigentümerUnabhängige Mitgliedsunternehmen; in Deutschland rund 30 mittelständische Energieunternehmen als Gesellschafter
BrancheMineralölhandel, Tankstellen, Energieversorgung (Kraftstoffe, Heizöl, Gas, Strom, Pellets)
FührungMarc-Manuel Simler (Geschäftsführer AVIA Deutschland, seit Juli 2025); Holger Mark (Aufsichtsratsvorsitzender AVIA AG)
Mitarbeiter / UmsatzUmsatz 2024: ca. 4,0 Mrd. Euro (AVIA AG und AVIA Deutschland GmbH); Mitarbeiterzahl nicht öffentlich ausgewiesen

Geschichte und Herkunft

Die Geschichte von AVIA beginnt 1927 in der Schweiz. Mehrere unabhängige Erdölimporteure schlossen sich in St. Gallen zusammen, um gegenüber den großen Ölgesellschaften gemeinsam einzukaufen. Der Name lehnt sich an den Begriff „Aviatik“ an, weil die Gründer auch mit Flugbenzin handelten. 1931 wurde die Marke eingetragen, 1932 folgte die Umwandlung in eine Genossenschaft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sprang die Idee auf Deutschland über. 1952 vergab die AVIA Schweiz eine Markenlizenz an die Unternehmer Hugo Oest und Baptist Wagner; im Mai 1952 entstand in Freudenstadt im Schwarzwald der deutsche Ableger, 1953 die Deutsche AVIA Mineralöl-GmbH und 1956 die AVIA Mineralöl-AG in München. Am 22. April 1960 gründeten die Landesorganisationen den Verein AVIA International mit damals 64 Firmen, Deutschland war von Beginn an die größte Landesorganisation.

Seither wuchs das Netz durch Übernahmen: Zwischen 2001 und 2004 kamen zahlreiche Stationen von BP und Shell hinzu, 2019 kaufte die Deutsche AVIA den Kraftstoffhändler Tessol mit 156 Tankstellen von der BayWa, 2022 erwarben AVIA-Gesellschafter 46 Stationen von der EG Group und OMV Deutschland.

Eigentümerstruktur im Detail

Wer nach dem Eigentümer von AVIA sucht, findet keine Holding und keinen Mehrheitsaktionär. AVIA International ist im Handelsregister des Kantons Zürich als Verein eingetragen. Sein Zweck ist die Interessenvertretung unabhängiger Importeure, Produzenten und Händler von Mineralölprodukten sowie die Pflege der Kollektivmarken zugunsten der Mitglieder. Die Marke gehört dem Verbund, und der Verbund gehört seinen Mitgliedern.

In der Schweiz ist der Kern die Genossenschaft „AVIA Vereinigung unabhängiger Schweizer Importeure und Anbieter von Energieprodukten“. Ihre Mitglieder sind regional verwurzelte Handelsunternehmen, darunter A.H. Meyer & Cie AG und Osterwalder Zürich AG in Zürich, Fritz Meyer AG in Basel, Osterwalder St. Gallen AG, Lang Energie AG in Kreuzlingen, Ernst Hürlimann AG in Wädenswil, Küng AG in Bern, Schätzle AG in Luzern sowie AVIA Distribution SA in Le Mont-sur-Lausanne. Die zentralen Schweizer AVIA-Einheiten werden am Hauptsitz der A.H. Meyer Holding in Zürich verwaltet. Ende 2018 schied die Basler Grisard AG, ein Gründungsmitglied, nach der Übernahme durch die Volare Group aus dem Verbund aus.

In Deutschland ist die Struktur zweistufig. Die AVIA AG und die AVIA Deutschland GmbH in München bilden die Zentrale, die Einkauf, Marke, Tankkarte und Digitalisierung bündelt. Gesellschafter sind rund 30 mittelständische Energieunternehmen, die ihre Tankstellen und Handelsgeschäfte selbst führen, etwa die Oest Energies GmbH & Co. KG aus Freudenstadt als Gründungsgesellschafter. Prozentuale Beteiligungen werden nicht veröffentlicht. Im Vorstand von AVIA International sitzen Vertreter der Landesorganisationen, unter ihnen Marc-Manuel Simler für Deutschland und Thomas Osterwalder für die Schweiz.

Führung und Strategie

Zwölf Jahre lang prägte Holger Mark die deutsche AVIA. Der Diplom-Wirtschaftsingenieur führte die Münchner Zentrale seit Mitte 2013 als Vorstand der AVIA AG und Geschäftsführer der Deutschen AVIA Mineralöl-GmbH. In seine Amtszeit fielen die Tessol-Übernahme, die Gründung der AVIA Plus GmbH & Co. KG für E-Mobilität und CO₂-reduzierte Kraftstoffe im Jahr 2022 sowie die Tankkarten-Kooperation mit Aral.

Am 3. Juli 2025 übergab Mark die Geschäftsführung an Marc-Manuel Simler und übernahm den Vorsitz des Aufsichtsrats der AVIA AG. Simler war im Januar 2025 als „Chief of Staff“ zu AVIA gekommen, zuvor hatte er Führungspositionen bei BayWa und VARO Energy Deutschland inne. Als Prioritäten nannte er im August 2025 die Fortführung des Bestandsgeschäfts, den Erhalt und Ausbau des Tankstellennetzes, den stärkeren Einsatz regenerativer Kraftstoffe wie HVO100 sowie die Digitalisierung mit der Bezahlfunktion „payvia“ und einer eigenen Lade-App.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Wirtschaftlich bewegt sich der deutsche Verbund auf hohem Niveau: Die AVIA AG und die AVIA Deutschland GmbH erwirtschafteten 2022 rund 4,5 Milliarden Euro, 2023 rund 4,6 Milliarden Euro und 2024 rund 4,0 Milliarden Euro. Die Zahl der Stationen blieb mit über 900 stabil, was Platz fünf im deutschen Tankstellenmarkt bedeutet.

Im Tankkartengeschäft hat sich AVIA breiter aufgestellt. Seit 2024 akzeptieren Aral und AVIA wechselseitig ihre Flottenkarten, wodurch die AVIACARD an rund 2.400 Aral-Stationen einsetzbar wurde. Am 31. März 2025 folgte die Akzeptanz der Routex-Karten von BP/Aral, Eni, OMV und Circle K an den AVIA-Tankstellen; für 2026 meldet der Verbund eine erweiterte AVIACARD-Akzeptanz im Aral-Netz. Parallel startete AVIA 2024 Ladeparks unter der Marke AVIA VOLT, eine Wasserstoff-Initiative und den Verkauf von HVO100-Diesel. Eigentümerwechsel, Verkäufe oder Änderungen der Verbundstruktur sind für 2025 und 2026 nicht bekannt.

Bedeutung für den Markt

AVIA nimmt im europäischen Tankstellenmarkt eine Sonderrolle ein. Während große Wettbewerber wie Aral, Shell oder TotalEnergies zu integrierten Konzernen gehören, bündelt AVIA die Einkaufsmacht selbstständiger Mittelständler, ohne ihnen die unternehmerische Freiheit zu nehmen. Der Verbund besitzt keine eigenen Raffinerien und bezieht seine Produkte am Markt. Für Verbraucher bedeutet das ein dichtes Netz auch in ländlichen Regionen und ein Angebot, das mit Heizöl, Pellets, Gas und Strom weit über den Kraftstoff hinausreicht. Das genossenschaftliche Modell hat sich fast ein Jahrhundert lang als widerstandsfähig erwiesen; die Energiewende stellt es nun vor die Aufgabe, dieses Netz in eine Zeit jenseits von Benzin und Diesel zu überführen.

FAQ

Wem gehört AVIA? AVIA gehört keinem Konzern, sondern einem Verbund unabhängiger Mineralöl- und Energiehändler. Dachorganisation ist der Verein AVIA International in Zürich; in Deutschland sind rund 30 mittelständische Unternehmen Gesellschafter der AVIA AG und der AVIA Deutschland GmbH.

Ist AVIA eine Genossenschaft? In der Schweiz ja: Die AVIA Vereinigung unabhängiger Schweizer Importeure ist seit 1932 als Genossenschaft organisiert. AVIA International ist ein Verein, die deutsche Zentrale besteht aus einer AG und einer GmbH mit mittelständischen Gesellschaftern.

Wo hat AVIA seinen Sitz? AVIA International sitzt in Zürich. Die deutsche AVIA-Zentrale befindet sich in München, die Ursprünge der Deutschen AVIA liegen in Freudenstadt im Schwarzwald.

Wer führt AVIA Deutschland? Seit dem 3. Juli 2025 ist Marc-Manuel Simler Geschäftsführer der AVIA Deutschland. Sein Vorgänger Holger Mark ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der AVIA AG.

Wie viele Tankstellen hat AVIA? In Deutschland sind es über 900 Stationen, europaweit über 3.000 in 14 Ländern. In der Schweiz betreiben die Mitgliedsfirmen mehr als 500 Tankstellen und damit das größte Netz des Landes.

Wie viel Umsatz macht AVIA? Die AVIA AG und die AVIA Deutschland GmbH erzielten 2024 zusammen rund 4,0 Milliarden Euro Umsatz. Für den europäischen Gesamtverbund werden keine konsolidierten Zahlen veröffentlicht.

Fazit

AVIA ist ein Gegenentwurf zu den Konzernmarken der Branche: Die Eigentümer sind die mittelständischen Händler selbst, gebündelt in einer Schweizer Genossenschaft, dem Verein AVIA International und der deutschen Zentrale in München. Mit dem Führungswechsel zu Marc-Manuel Simler im Juli 2025, einem Umsatz von rund 4 Milliarden Euro in Deutschland und Investitionen in HVO100, Ladeparks und Wasserstoff zeigt der Verbund, dass sein fast hundert Jahre altes Modell auch in der Energiewende Bestand haben soll. Eine Übernahme oder ein Verkauf steht Stand September 2026 nicht im Raum.