Wem gehört Attestor? Eigentümer und Struktur des Condor-Investors

Wem gehört Attestor

Attestor Limited ist eine Londoner Investmentgesellschaft, die 2012 von dem Deutschen Jan-Christoph Peters gegründet wurde und bis heute von ihm kontrolliert wird. In Deutschland bekannt ist der diskrete Finanzinvestor als Mehrheitseigner des Ferienfliegers Condor: Seit 2021 hält Attestor 51 Prozent, 49 Prozent liegen treuhänderisch bei Bund und Land Hessen. Im Juli 2026 wurde bekannt, dass Attestor diese Staatsanteile per Kaufoption bis zum 30. September 2026 übernehmen will. Condor erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2024/25 einen operativen Gewinn von 151 Millionen Euro bei 9,6 Millionen Passagieren.

Key Takeaways

  • Attestor wurde 2012 in London gegründet; Gründer und Chef Jan-Christoph Peters hält laut britischem Handelsregister die Mehrheit der Stimmrechte an der Muttergesellschaft Attestor Capital LLP.
  • Die Firma ist auf Krisenunternehmen, notleidende Forderungen und Sondersituationen spezialisiert.
  • Das verwaltete Vermögen lag laut Wikipedia 2022 bei rund 6 Milliarden Euro; aktuellere Angaben veröffentlicht Attestor nicht.
  • Seit Juli 2021 hält Attestor 51 Prozent an Condor: 200 Millionen Euro Eigenkapital plus 250 Millionen Euro für die Flottenerneuerung.
  • Die EU-Kommission genehmigte die Condor-Umstrukturierungsbeihilfe von 321,2 Millionen Euro im April 2025 erneut, nachdem das EU-Gericht die frühere Genehmigung 2024 gekippt hatte.
  • Condor steigerte den operativen Gewinn 2024/25 um 25 Prozent auf 151 Millionen Euro und tilgte den KfW-Kredit von 175 Millionen Euro vorzeitig; unter dem Strich blieb ein Verlust von rund 110 Millionen Euro.
  • Seit November 2025 sucht Attestor mit der Bank Barclays einen strategischen Partner für Condor; parallel ist die Komplettübernahme bis 30. September 2026 geplant.
  • Attestor gehört zudem zum Volkswagen-Konsortium, das 2022 Europcar übernahm, und gründete 2022 die Airline Marabu.
NameAttestor Limited (Attestor Capital LLP)
Gegründet2012
SitzLondon, 7 Seymour Street (Marylebone)
BrancheInvestmentgesellschaft / Special Situations, Turnaround-Investments
EigentümerPartnergeführt; Gründer Jan-Christoph Peters ist laut Companies House die kontrollierende Person (über 50 Prozent der Stimmrechte an Attestor Capital LLP)
FührungJan-Christoph Peters (Gründer und CEO)
Umsatz / Mitarbeiternicht veröffentlicht; verwaltetes Vermögen rund 6 Milliarden Euro (2022); Beteiligung Condor: 151 Millionen Euro operativer Gewinn (2024/25), rund 5.500 Mitarbeiter

Herkunft und Geschichte

Attestor wurde 2012 in London von Jan-Christoph Peters gegründet, einem aus Wiesbaden stammenden Finanzmanager, der das Unternehmen bis heute führt. Auf der eigenen Internetseite beschreibt sich Attestor als Value-Investment-Firma, die „langfristiges und geduldiges Kapital“ weltweit einsetzt. In der Praxis kauft Attestor Unternehmen oder Forderungen in Schwierigkeiten, saniert sie und verkauft sie später mit Gewinn. In der Branche gilt die Firma als Hedgefonds beziehungsweise Distressed-Debt-Investor, gelegentlich fällt auch das Wort „Geierfonds“. Die Engagements reichen laut aeroTELEGRAPH von Mobilfunk über Banken bis zur Autovermietung.

Eigentümerstruktur im Detail

Attestor ist nicht börsennotiert, sondern partnergeführt. Die operative Attestor Limited ist bei der britischen Finanzaufsicht FCA registriert und gehört laut Companies House zu mehr als 75 Prozent der Attestor Services Limited. Darüber steht die Attestor Capital LLP. Als Person mit maßgeblicher Kontrolle über diese Partnerschaft ist seit 2016 Jan-Christoph Peters eingetragen: Er hält mehr als 50, aber weniger als 75 Prozent der Stimmrechte und darf die Mitglieder ernennen und abberufen.

Das Kapital stammt nach eigenen Angaben von wohlhabenden Familien und Universitätsstiftungen; ein Vehikel ist der Attestor Value Fund auf den Kaimaninseln. Das verwaltete Vermögen bezifferte Attestor 2021 auf 5,5 Milliarden Euro, Wikipedia nennt für 2022 rund 6 Milliarden Euro. Neuere Zahlen sind nicht öffentlich.

Condor: Die wichtigste Beteiligung

Condor geriet im September 2019 durch die Insolvenz der Muttergesellschaft Thomas Cook in Not und überlebte nur dank staatlich verbürgter KfW-Kredite. Im Mai 2021 folgte die Einigung mit Attestor, das Closing im Juli 2021. Attestor übernahm 51 Prozent, brachte 200 Millionen Euro Eigenkapital ein und sagte 250 Millionen Euro für die Flotte zu. Die übrigen 49 Prozent hält die SG Luftfahrtgesellschaft treuhänderisch für Bund und Hessen. Sobald Condor die Staatskredite tilgt, kann Attestor die Anteile per Kaufoption zu einem festgelegten Preis erwerben.

Beihilferechtlich blieb der Deal ein Dauerthema. Auf Klage von Ryanair erklärte das Gericht der Europäischen Union die Genehmigung der Condor-Hilfen im Juni 2021 und erneut am 8. Mai 2024 für nichtig. Nach vertiefter Prüfung genehmigte die EU-Kommission die Umstrukturierungsbeihilfe von 321,2 Millionen Euro am 28. April 2025 abermals, weil Condor und Attestor mehr als 70 Prozent der Umstrukturierungskosten selbst tragen.

Belastend war zudem der Streit mit Lufthansa, die Ende 2020 den Vertrag über günstige Zubringerflüge kündigte. Das Bundeskartellamt verpflichtete Lufthansa 2022 zur Fortführung, doch das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied für Lufthansa; das Urteil wurde im Herbst 2025 rechtskräftig. Condor baute daraufhin ein eigenes Zubringernetz auf und machte Frankfurt zum Drehkreuz mit Verbindungen zu 13 europäischen Metropolen.

Geschäftszahlen und Marktposition

Attestor veröffentlicht keine eigenen Ertragszahlen. Aussagekräftiger sind die Zahlen von Condor. Im Geschäftsjahr 2024/25 (bis 30. September 2025) stieg der operative Gewinn um 25,2 Prozent auf 151 Millionen Euro, die Passagierzahl um 13 Prozent auf 9,6 Millionen. Unter dem Strich weitete sich der Verlust auf 110,4 Millionen Euro aus, vor allem wegen interner Finanzierungskosten gegenüber Attestor und hoher Leasingbewertungen der jungen Flotte. Zugleich tilgte Condor den verbliebenen KfW-Kredit über 175 Millionen Euro ein halbes Jahr früher als geplant. Die Airline betreibt rund 60 Flugzeuge und beschäftigt etwa 5.500 Menschen.

Daneben übernahm Attestor 2022 mit dem Volkswagen-Konzern und der niederländischen Pon Holdings über die Green Mobility Holding den Autovermieter Europcar für rund 2,5 Milliarden Euro und nahm ihn von der Börse. Ebenfalls 2022 gründete Attestor in Estland die Airline Marabu, die seit 2023 Strecken aus dem Condor-Netz bedient. Wikipedia nennt außerdem das Hotel Mandarin Oriental am Comer See sowie einen Kredit über 100 Millionen Euro an die Signa Prime Selection (März 2024). Zuletzt trat Attestor als Käufer von FTX-Insolvenzansprüchen auf.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Im November 2025 wurde bekannt, dass Attestor sein Luftfahrtgeschäft strategisch überprüft und Barclays mit der Partnersuche beauftragt hat. Als mögliche Partner gelten Golf-Airlines oder Turkish Airlines; eine Übernahme durch Lufthansa gilt aus kartellrechtlichen Gründen als unwahrscheinlich.

Am 21. Juli 2026 berichteten Reuters und Handelsblatt unter Berufung auf Insider, dass Attestor die Kaufoption ziehen und die 49 Prozent von Bund und Hessen bis zum 30. September 2026 übernehmen will, unabhängig davon, ob bis dahin ein Partner gefunden ist. Offiziell kommentiert wurde das nicht; ein Vollzug war bis Mitte September 2026 nicht öffentlich bestätigt. Gelingt er, wäre Condor erstmals seit der Thomas-Cook-Pleite wieder vollständig in privater Hand.

FAQ

Wem gehört Attestor? Kontrollierender Eigentümer der partnergeführten Investmentgesellschaft ist laut britischem Handelsregister der Gründer Jan-Christoph Peters mit mehr als der Hälfte der Stimmrechte an der Attestor Capital LLP.

Wie viel Vermögen verwaltet Attestor? Für 2022 nennt Wikipedia rund 6 Milliarden Euro, das Unternehmen selbst sprach 2021 von 5,5 Milliarden Euro. Aktuellere Zahlen gibt es nicht.

Wie viel von Condor gehört Attestor? Seit Juli 2021 hält Attestor 51 Prozent, Bund und Hessen halten über die SG Luftfahrtgesellschaft 49 Prozent. Attestor will die Staatsanteile bis zum 30. September 2026 vollständig übernehmen.

Wird Condor verkauft? Attestor sucht seit Ende 2025 einen strategischen Partner, bevorzugt eine größere Airline-Gruppe für eine Minderheitsbeteiligung. Zeitdruck gibt es laut Insidern nicht.

Woran ist Attestor sonst beteiligt? Attestor ist Mitgesellschafter von Europcar (mit Volkswagen und Pon Holdings), Gründer der Airline Marabu und investiert in notleidende Forderungen, Immobilien und Sondersituationen.

Fazit

Attestor bleibt ein verschwiegener Investor, hinter dem im Kern eine Person steht: Gründer Jan-Christoph Peters kontrolliert die Londoner Partnerschaft. Condor ist das sichtbarste Investment in Deutschland und steht 2026 an einem Wendepunkt: KfW-Kredit getilgt, EU-Beihilfe erneut genehmigt, operativer Gewinn gestiegen, Komplettübernahme angekündigt. Offen bleibt, welcher Airline-Partner künftig an Bord kommt und ob Attestor Condor dauerhaft hält oder nach bewährtem Muster weiterverkauft.