Dallmayr gehört auch 2026 vollständig zwei Münchner Unternehmerfamilien: Randlkofer und Wille. Die Alois Dallmayr KG mit Sitz in der Münchner Altstadt ist nicht börsennotiert und erzielte 2024 knapp 1,2 Milliarden Euro Umsatz mit rund 4.800 Beschäftigten. Geführt wird die Gruppe von den persönlich haftenden Gesellschaftern Florian Randlkofer und Dr. Johannes Dengler. Das 2025 bekannt gewordene Interesse von Lavazza beantwortete Dallmayr im Frühjahr 2026 mit einem klaren Bekenntnis zur Eigenständigkeit.
Key Takeaways
- Dallmayr befindet sich zu 100 Prozent im Besitz der Familien Randlkofer und Wille; ein Konzern oder Finanzinvestor ist nicht beteiligt.
- 1895 kauften Therese und Anton Randlkofer das Delikatessenhaus; die Familie ist seither ununterbrochen Eigentümerin.
- 1933 gründete Konrad Werner Wille die Kaffeeabteilung, aus der das heute umsatzstärkste Geschäftsfeld hervorging.
- Nestlé war von 1985 bis 2015 an der Kaffee-Tochter beteiligt; im Juli 2015 kauften die Familien alle Anteile zurück.
- Seit Juni 2024 führt Dr. Johannes Dengler, Schwiegersohn von Wolfgang Wille, gemeinsam mit Florian Randlkofer das Unternehmen.
- Im April 2026 erteilte Dallmayr Übernahmespekulationen rund um Lavazza eine Absage und kündigte Investitionen in deutsche Produktionsstandorte an.
| Name | Alois Dallmayr KG (Holding) mit Alois Dallmayr Kaffee oHG |
|---|---|
| Gegründet / Geboren | um 1700 in München; Namensgeber Alois Dallmayr ab den 1870er-Jahren |
| Beruf / Funktion bzw. Branche | Kaffeerösterei, Delikatessen, Vending & Office, Party & Catering |
| Unternehmen / Sitz | Dienerstraße 14–15, München |
| Eigentümer bzw. Familie/Wohnort (nur falls belegt) | Familien Randlkofer und Wille (100 Prozent, nicht börsennotiert) |
| Einnahmequellen / Vermögensbasis | Röstkaffee für Handel und Gastronomie, Kaffeeautomaten, Delikatessenhaus, Gastronomie und Catering; Umsatz knapp 1,2 Milliarden Euro (2024) |
Geschichte und Herkunft
Der Ursprung liegt um 1700, als der Münchner Christian Reitter ein Handelsgeschäft in der Altstadt eröffnete. In den 1870er-Jahren übernahm der aus Wolnzach stammende Kaufmann Alois Dallmayr den Betrieb und gab ihm seinen Namen. 1895 verkaufte er das Geschäft an das Ehepaar Therese und Anton Randlkofer. Vor allem Therese Randlkofer baute das Haus zum führenden Delikatessengeschäft Münchens aus; 1912 wurde das Stammhaus an der Dienerstraße erheblich erweitert.
Den zweiten Grundpfeiler legte 1933 Konrad Werner Wille mit einer eigenen Kaffee-Spezialabteilung. Damit begann der Aufstieg vom Feinkosthändler zum Kaffeeröster. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Stammhaus zerstört und in den 1950er-Jahren wieder aufgebaut. In den 1960er-Jahren entstanden der Automatenbetrieb und die Marke „prodomo“.
1985 wurde das Kaffeegeschäft in eine Tochtergesellschaft ausgegründet, an der sich Nestlé zunächst mit 51 Prozent beteiligte. 2003 sank der Anteil auf 25 Prozent, im Juli 2015 kauften die Familien die restlichen Anteile zurück. Durch Zukäufe wuchs das Röstgeschäft: 1986 kam Heimbs Kaffee aus Braunschweig hinzu, 1997 Azul Kaffee aus Bremen und 2013 Schirmer Kaffee in Dortmund. Weniger rühmlich ist das Jahr 2009: Das Bundeskartellamt verhängte gegen Dallmayr, Melitta, Tchibo und Kraft Foods Bußgelder von insgesamt 159,5 Millionen Euro wegen Preisabsprachen beim Röstkaffee.
Eigentümerstruktur im Detail

Dachgesellschaft der Gruppe ist die Alois Dallmayr KG. Darunter hängt als hundertprozentige Tochter die Alois Dallmayr Kaffee oHG, in der das Röst- und Automatengeschäft gebündelt ist. Seit dem Rückkauf der Nestlé-Anteile 2015 liegen sämtliche Anteile bei den Familien Randlkofer und Wille. Die genaue Verteilung zwischen den beiden Familien veröffentlicht das Unternehmen nicht; auch Gewinnzahlen werden nicht genannt.
Florian Randlkofer ist der Ururenkel der Käufer von 1895 und vertritt die fünfte Generation. Er ist seit 1995 im Unternehmen und übernahm am 1. März 2015 die Rolle des geschäftsführenden und persönlich haftenden Gesellschafters von seinem Vater Georg Randlkofer, der sie 37 Jahre lang ausgeübt hatte und beratend in der Familien-Beteiligungsgesellschaft blieb.
Die Familie Wille war über Jahrzehnte durch Wolfgang Wille (Jahrgang 1940) vertreten, der 1977 in die operative Führung eintrat und den Kaffee- und Automatenbereich zur heutigen Größe ausbaute. Im Juni 2024 zog er sich nach 46 Jahren als persönlich haftender Gesellschafter zurück, bleibt aber Berater und Gesellschafter. Seine Position übernahm sein Schwiegersohn Dr. Johannes Dengler, seit 2002 im Unternehmen und seit 2012 in der Geschäftsleitung Kaffee und Tee. Auch Willes Töchter Ellen Ruthrof, Julia Dengler und Simone Werle arbeiten bei Dallmayr. Die Spitze bleibt damit paritätisch besetzt.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Im Juni 2025 berichtete die italienische Zeitung „Corriere della Sera“, der Turiner Kaffeekonzern Lavazza prüfe einen Zusammenschluss mit Dallmayr. Die Investmentbank Goldman Sachs begleite Gespräche in einem frühen Stadium; als Modell wurde ein Anteilstausch genannt, bei dem Lavazza die Mehrheit übernehmen würde. Zusammen kämen beide Unternehmen auf rund fünf Milliarden Euro Umsatz. Dallmayr erklärte damals nur, sich nicht zu Gerüchten zu äußern. Hintergrund sind die Rohkaffeepreise, die 2024 im Schnitt um rund 70 Prozent stiegen.
Im April 2026 folgte die Klarstellung: Gegenüber der „Lebensmittel Zeitung“ bekräftigte Dallmayr, eigenständig bleiben zu wollen, und verwies auf Investitionen in die deutschen Produktionsstandorte. Bereits im Januar 2026 hatte das Unternehmen die Geschäftsleitung des Kaffeebereichs erweitert: Armin Geiger verantwortet seither den Gesamtvertrieb, Marc Steinebach wurde Sales Director Retail Inland, Pietro Viganò leitet den internationalen Vertrieb. Die Eigentümerstruktur blieb unverändert.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
Dallmayr gliedert sich in vier Geschäftsbereiche. Der mit Abstand umsatzstärkste ist Kaffee und Tee: Rund 75.000 Tonnen Röstkaffee pro Jahr verlassen die fünf Röstereien in München, Berlin, Braunschweig, Bremen und Dortmund. Vending und Office betreibt über 120.000 Automaten in Europa und im Nahen Osten mit mehr als 3.000 Mitarbeitern. Das Delikatessenhaus mit 19 Fachabteilungen, rund 8.500 Produkten und über 70 Köchen zieht jährlich etwa 3,5 Millionen Besucher an. Party und Catering bedient Veranstaltungen in München und Berlin.
Der Gesamtumsatz lag 2024 bei knapp 1,2 Milliarden Euro, die Belegschaft umfasst rund 4.800 Menschen. Produkte von Dallmayr sind in knapp 50 Ländern erhältlich. Zum Stammhaus gehört das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurant „Alois“.
Marken und Beteiligungen
Neben der Hauptmarke Dallmayr mit „prodomo“ und „Crema d’Oro“ gehören regionale Röstereien zur Gruppe: Heimbs Kaffee in Braunschweig, Azul Kaffee in Bremen mit Fokus auf Gastronomie und Hotellerie sowie Schirmer Kaffee in Dortmund. Externe Minderheitsgesellschafter gibt es nach dem Ausstieg von Nestlé nicht mehr.
FAQ
Wem gehört Dallmayr? Dallmayr gehört vollständig den Münchner Familien Randlkofer und Wille. Das Unternehmen ist nicht börsennotiert, und seit dem Rückkauf der Nestlé-Anteile im Juli 2015 gibt es keine fremden Gesellschafter mehr.
Wer führt Dallmayr heute? Persönlich haftende Gesellschafter sind Florian Randlkofer, seit März 2015 in dieser Rolle, und Dr. Johannes Dengler, der im Juni 2024 auf seinen Schwiegervater Wolfgang Wille folgte.
Wie viel Umsatz macht Dallmayr? Für 2024 nennt das Unternehmen einen Umsatz von knapp 1,2 Milliarden Euro bei rund 4.800 Beschäftigten. Gewinnzahlen werden nicht veröffentlicht.
Wird Dallmayr von Lavazza übernommen? Nein. Nach Medienberichten über ein Interesse von Lavazza im Juni 2025 erklärte Dallmayr im April 2026, eigenständig bleiben und in die deutschen Standorte investieren zu wollen.
Seit wann verkauft Dallmayr Kaffee? Die Kaffeeabteilung wurde 1933 von Konrad Werner Wille gegründet. Heute ist Kaffee mit rund 75.000 Tonnen Röstkaffee pro Jahr das umsatzstärkste Geschäftsfeld.
Welche Marken gehören zu Dallmayr? Neben Dallmayr selbst mit „prodomo“ und „Crema d’Oro“ gehören die Röstereien Heimbs (Braunschweig), Azul (Bremen) und Schirmer (Dortmund) zur Gruppe.
Fazit
Dallmayr ist 2026 das, was es seit 1895 ist: ein Familienunternehmen in Münchner Hand. Die Familien Randlkofer und Wille haben den Ausstieg von Nestlé, den Generationswechsel in beiden Stämmen und zuletzt das Interesse von Lavazza genutzt, um ihre Unabhängigkeit zu bekräftigen. Mit knapp 1,2 Milliarden Euro Umsatz, fünf Röstereien und einem der größten Automatennetze Europas hat die Gruppe die Größe, den Preisdruck am Rohkaffeemarkt aus eigener Kraft zu bewältigen. Die Antwort auf die Frage, wem Dallmayr gehört, lautet weiterhin: zwei Familien, kein Konzern.