Kurze Antwort: Coca-Cola hat keinen Mehrheitseigentümer und keine Eigentümerfamilie. Die The Coca-Cola Company ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft nach dem Recht des US-Bundesstaates Delaware, notiert an der New York Stock Exchange unter dem Kürzel KO. Größter Einzelaktionär ist Berkshire Hathaway mit 9,29 Prozent (Stand 31. Dezember 2025). Was in Deutschland unter dem Namen Coca-Cola abgefüllt und verkauft wird, gehört dagegen einem anderen Unternehmen: der börsennotierten britischen Coca-Cola Europacific Partners plc.
Die Gesellschaft
Die The Coca-Cola Company wurde nach eigener Angabe im Geschäftsbericht „in September 1919 under the laws of the State of Delaware“ gegründet und trat die Nachfolge einer 1892 in Georgia organisierten Gesellschaft gleichen Namens an. Der Konzernsitz liegt in Atlanta, Georgia – der Gründungsstaat ist jedoch Delaware. Diese beiden Angaben werden häufig verwechselt.
- Anschrift: One Coca-Cola Plaza, Atlanta, Georgia 30313, USA
- Börsenplatz: New York Stock Exchange, Ticker KO, Stammaktien mit Nennwert 0,25 US-Dollar
- SEC Commission File Number: 001-02217, CIK 0000021344
- Ausstehende Aktien: 4.300.723.069 Stück, Stichtag 18. Februar 2026
- Abschlussprüfer: Ernst & Young LLP, Atlanta – laut Geschäftsbericht „auditor since 1921“
Die Aktionärsstruktur
Das Proxy Statement vom 16. März 2026 führt unter „Principal Shareowners“ alle bekannten wirtschaftlichen Eigentümer von mehr als fünf Prozent der Stammaktien auf. Es sind genau drei:
- Berkshire Hathaway Inc., Omaha – 400.000.000 Aktien, 9,29 Prozent, Stand 31. Dezember 2025. Gehalten über Tochtergesellschaften, nicht unmittelbar.
- The Vanguard Group, Malvern – 370.726.586 Aktien, 8,61 Prozent. Grundlage ist eine Schedule-13G/A-Meldung mit Bestandsstichtag 29. Dezember 2023.
- BlackRock, Inc., New York – 313.228.689 Aktien, 7,28 Prozent. Grundlage ist eine Schedule-13G/A-Meldung mit Bestandsstichtag 31. Dezember 2023.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens sind die Prozentwerte laut Fußnote des Proxy Statements berechnet: Sie unterstellen, dass die genannten Anteilseigner am 2. März 2026 noch dieselbe Aktienzahl hielten. Zweitens sind die Vanguard- und BlackRock-Bestände auf dem Stand von Anfang 2024 – eine Folge geänderter US-Meldepflichten. Neuere belegte Werte liegen nicht vor.
Eine offizielle Streubesitzangabe veröffentlicht das Unternehmen nicht. Belegbar ist lediglich, dass jenseits dieser drei kein weiterer Anteilseigner die Fünf-Prozent-Schwelle meldet. Alle Board-Mitglieder und Executive Officers zusammen – 22 Personen – halten 38.886.151 Aktien, im Proxy mit einem Sternchen als weniger als ein Prozent gekennzeichnet.
Die Führung
Vorstandsvorsitzender und zugleich Chairman ist James Quincey. President und Chief Financial Officer ist John Murphy, Executive Vice President und Chief Operating Officer Henrique Braun. Zu den zwölf für 2026 nominierten Board-Mitgliedern zählen unter anderem Herb Allen, Ana Botín, Christopher C. Davis, Carolyn Everson, Thomas S. Gayner und Max Levchin. Nach den NYSE-Regeln gelten alle Nominierten als unabhängig außer Quincey und Braun.
Eine Personalverbindung zum größten Aktionär ist aus dem Proxy Statement belegbar: Board-Mitglied Christopher C. Davis sitzt zugleich im Board von Berkshire Hathaway.
Warum „Coca-Cola in Deutschland“ nicht The Coca-Cola Company ist
Das ist der Punkt, an dem die meisten Darstellungen ungenau werden. Der Konzern beschreibt sein Modell auf der eigenen Website selbst so: Die The Coca-Cola Company stellt Konzentrate und Sirupe her und verantwortet das Marketing. Das Abfüllen, Verpacken und Ausliefern übernehmen rechtlich selbständige Abfüllpartner. Wörtlich: „The Coca-Cola Company does not own, manage or control most local bottling companies.“
Wie weit sich der Konzern aus der Abfüllung zurückgezogen hat, zeigt eine Zahl: Das Segment „Bottling Investments“ machte 2015 noch 52 Prozent der Nettoumsätze aus, 2025 nur noch 12 Prozent. Weltweit gibt es nach Unternehmensangaben über 200 Abfüllpartner und mehr als 950 Produktionsstätten.
Für Deutschland zuständig ist die Coca-Cola Europacific Partners plc (CCEP) – eine eigenständige, in England und Wales unter der Nummer 09717350 registrierte Gesellschaft mit Sitz in Uxbridge. Sie ist selbst börsennotiert, und zwar vierfach: an der Nasdaq, an der Euronext Amsterdam, an der London Stock Exchange und an den spanischen Börsen, jeweils unter dem Kürzel CCEP.
Wem gehört CCEP? Aus dem Geschäftsbericht 2025 (Stimmrechtsmeldungen zum 28. Februar 2026):
- Cobega, S.A. – 36,10 Prozent der Stimmrechte, gehalten indirekt über die zu 56,03 Prozent gehaltene Tochter Olive Partners
- The Coca-Cola Company – 17,15 Prozent der Stimmrechte, gehalten indirekt über die irische European Refreshments Unlimited Company
- Invesco Ltd – 5,03 Prozent
Eine Abweichung, die man kennen sollte: The Coca-Cola Company gibt in ihrem eigenen Geschäftsbericht für den 31. Dezember 2025 einen Anteil von 18 Prozent an CCEP an. Beide Zahlen sind korrekt – sie messen Unterschiedliches (Kapitalanteil gegenüber gemeldeten Stimmrechten, zu unterschiedlichen Stichtagen).
Zwischen den Ankeraktionären besteht ein Shareholders‘ Agreement: Olive Partners und European Refreshments dürfen jeweils entsprechend ihrer Quote Directors benennen; Olive Partners hat das Recht, den Chairman zu nominieren. Chairman von CCEP ist Sol Daurella (seit Mai 2016), zugleich Co-Chairman von Cobega; CEO ist Damian Gammell (seit Dezember 2016).
Die Abfüllverträge selbst laufen je Territorium zunächst zehn Jahre und sind verlängerbar. CCEP hält im Geschäftsbericht fest, dass noch nie ein Abfüllvertrag wegen Schlechtleistung oder auf Entscheidung von The Coca-Cola Company beendet wurde.
Die deutschen Gesellschaften
Der deutsche Abfüller ist die Coca-Cola Europacific Partners Deutschland GmbH, eine hundertprozentige CCEP-Tochter mit Anschrift Stralauer Allee 4, 10245 Berlin. Sie hieß bis zum 22. August 2016 Coca-Cola Erfrischungsgetränke GmbH – deshalb findet man in älteren Quellen diesen Namen. Daneben existiert die Coca-Cola GmbH unter derselben Berliner Anschrift.
Bemerkenswert ist das Impressum der deutschsprachigen Verbraucher-Website: Als Diensteanbieter genannt wird nicht eine deutsche Gesellschaft, sondern die Coca-Cola Services N.V., 1424 Chaussée de Mons, 1070 Brüssel, eingetragen unter BE0462525791, vertreten durch Lorry Limbourg. Als Rufnummer ist die der Coca-Cola GmbH angegeben. Die Domains coca-cola.de und coca-cola-deutschland.de leiten beide auf diese Seite weiter.
Historie
- 8. Mai 1886: Dr. John Pemberton bringt seinen Sirup in Jacobs‘ Pharmacy in Atlanta in den Verkauf, für fünf Cent pro Glas. Sein Partner und Buchhalter Frank M. Robinson erfindet den Namen und gestaltet den bis heute genutzten Schriftzug.
- 1888: Pemberton stirbt, nachdem er seine verbliebenen Anteile an Asa G. Candler verkauft hat, der weitere Rechte hinzukauft und die vollständige Kontrolle erlangt.
- 1892: Gründung einer Gesellschaft gleichen Namens nach dem Recht von Georgia.
- 1915: Beginn der Zusammenarbeit, aus der die Konturflasche hervorgeht.
- September 1919: Neugründung nach dem Recht von Delaware; diese Gesellschaft existiert bis heute.
- ab 2015: Massive Abfüller-Konsolidierung. CCEP entsteht als Großabfüller und übernimmt 2021 Coca-Cola Amatil und 2024 Coca-Cola Beverages Philippines.
Häufige Falschannahmen
- „Coca-Cola gehört Nestlé.“ Nein. Nestlé taucht weder in der Fünf-Prozent-Tabelle des Proxy Statements noch in der Liste der Tochtergesellschaften auf. Der Irrtum dürfte auf das frühere gemeinsame Tee-Geschäft und die Marke Nestea zurückgehen.
- „Warren Buffett kontrolliert Coca-Cola.“ Berkshire Hathaway ist größter Einzelaktionär, liegt aber mit 9,29 Prozent weit von Kontrolle entfernt.
- „Der Konzern gehört einer Gründerfamilie oder dem Management.“ Alle 22 Directors und Executive Officers zusammen halten weniger als ein Prozent.
- „Coca-Cola in Deutschland ist The Coca-Cola Company.“ Abfüllung und Vertrieb liegen bei einer Tochter der börsennotierten CCEP plc, an der The Coca-Cola Company nur rund 18 Prozent hält.
Was sich aus öffentlichen Quellen nicht belegen lässt
- Ein offizieller Streubesitzanteil – das Unternehmen veröffentlicht keine Free-Float-Angabe
- Aktuelle Vanguard- und BlackRock-Bestände für 2025 oder 2026 – die letzten herangezogenen Meldungen haben Stichtage Ende 2023
- Der Verkauf von 1919 an eine Investorengruppe um Ernest Woodruff, der damalige Kaufpreis, der Börsengang 1919 und die Rolle von Robert W. Woodruff ab 1923 – die Unternehmenshistorie behandelt diese Punkte nicht, der Geschäftsbericht nennt nur die Neugründung
- Die Registernummern und Geschäftsführer der beiden deutschen Gesellschaften – das Impressum der deutschen Website nennt eine belgische Servicegesellschaft ohne deutsche Registerangaben
- Deutschlandbezogene Kennzahlen wie Umsatz, Absatzmenge, Mitarbeiterzahl oder Standorte von CCEP Deutschland – Deutschland wird nicht als eigenes Segment berichtet
- Vermögens-, Gehalts- oder Bonusangaben zu einzelnen Personen – hier bewusst ausgeklammert
Quellen
- The Coca-Cola Company – SEC Form 10-K für das Geschäftsjahr 2025
- The Coca-Cola Company – DEF 14A Proxy Statement 2026 (Principal Shareowners, Board)
- Coca-Cola Europacific Partners plc – SEC Form 20-F 2025 (Aktionäre, Shareholders‘ Agreement, Abfüllverträge)
- The Coca-Cola System (Franchise-Modell, Anteil der Bottling Investments)
- The Coca-Cola Company – Leadership
- The Coca-Cola Company – The Birth of a Refreshing Idea (Pemberton, Robinson, Candler)
- Coca-Cola Deutschland – Impressum
Stand: 26. August 2026. Alle Angaben stammen aus den oben verlinkten Quellen.