
Den richtigen Immobilienmakler zu finden erfordert mehr als eine einfache Google-Suche. Wer die Auswahl systematisch angeht, von der Überprüfung der Qualifikationen über das strukturierte Erstgespräch bis zur Vertragsprüfung, vermeidet teure Fehler und verkauft oder kauft deutlich entspannter.
Key Takeaways
- Mindestens drei Makler vergleichen, bevor eine Entscheidung getroffen wird.
- Regionale Marktkenntnis und nachgewiesene Erfahrung mit vergleichbaren Immobilien sind wichtiger als Werbeversprechen.
- Die Maklerprovision ist in vielen Fällen verhandelbar und sollte schriftlich festgehalten werden.
- Seriöse Makler weisen Qualifikationen, Verbandsmitgliedschaft und konkrete Referenztransaktionen vor.
- Das Erstgespräch dient auch dazu, den Makler zu testen: Wer keine Zeit für Fragen hat, ist kein guter Partner.
- Alleinaufträge bieten klare Vorteile gegenüber der gleichzeitigen Beauftragung mehrerer Anbieter.
- Vor einer Renovierung lohnt es sich, einen Makler zu Rate zu ziehen, damit keine unnötigen Maßnahmen durchgeführt werden.
Was ist ein Immobilienmakler und was macht er genau?
Ein Immobilienmakler vermittelt zwischen Käufern und Verkäufern oder zwischen Vermietern und Mietern. Er übernimmt die Wertermittlung der Immobilie, erstellt das Exposé, organisiert Besichtigungen, führt Verhandlungen und begleitet den Abschluss bis zum Notartermin.
Zu den konkreten Aufgaben gehören:
- Marktgerechte Preisbewertung der Immobilie
- Professionelle Fotografie und Exposé-Erstellung
- Schaltung von Inseraten auf Immobilienportalen
- Vorqualifizierung von Interessenten
- Verhandlungsführung im Interesse des Auftraggebers
- Koordination mit Notar, Banken und Behörden
Ein guter Makler bringt dabei nicht nur Netzwerk und Verhandlungsgeschick mit, sondern auch rechtliches Grundwissen und eine fundierte Kenntnis des lokalen Markts.
Makler finden: In sieben Schritten zum passenden Immobilienpartner
Der Prozess lässt sich in sieben klare Schritte gliedern, die von der ersten Recherche bis zur Vertragsunterzeichnung reichen.

Schritt 1: Eigenen Bedarf klären. Soll eine Immobilie verkauft, vermietet oder gekauft werden? Je nach Ziel und Immobilientyp (Einfamilienhaus, Eigentumswohnung, Mehrfamilienhaus, Gewerbe) unterscheiden sich die Anforderungen an den Makler erheblich.
Schritt 2: Regional recherchieren. Maklervergleichsplattformen, Immobilienportale und persönliche Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis liefern eine erste Kandidatenliste. Empfehlenswert: drei bis fünf Anbieter in die engere Auswahl nehmen.
Schritt 3: Qualifikationen prüfen. Seriöse Makler verfügen über eine IHK-Zulassung nach § 34c GewO, häufig über eine IHK-Weiterbildung zum Immobilienkaufmann/-frau oder eine vergleichbare Ausbildung sowie über eine Mitgliedschaft in einem Fachverband wie IVD oder BVFI.
Schritt 4: Referenzen und Bewertungen sichten. Konkrete Vergleichsverkäufe in der Region und verifizierte Online-Bewertungen geben Aufschluss über Verlässlichkeit und Qualität.
Schritt 5: Erstgespräch führen. Mindestens zwei Gespräche mit verschiedenen Kandidaten, möglichst vor Ort an der Immobilie, um Marktkenntnis und Auftreten zu beurteilen.
Schritt 6: Angebote vergleichen. Provisionsmodell, enthaltene Leistungen und Vertragslaufzeit schriftlich gegenüberstellen.
Schritt 7: Vertrag prüfen und unterzeichnen. Der Maklervertrag sollte Verkaufspreis, Provisionshöhe, Laufzeit und Kündigungsmodalitäten klar regeln.
Wie viel kostet ein Makler? Provision beim Hausverkauf
Bei Kaufimmobilien gilt seit 2020 das Prinzip der Provisionsteilung: Käufer und Verkäufer tragen die Maklergebühr in der Regel je zur Hälfte. Üblich sind Gesamtprovisionen zwischen 5,95 und 7,14 Prozent des Kaufpreises (inklusive Mehrwertsteuer), regional jedoch unterschiedlich.
Wichtig: Die Provision ist verhandelbar. Bei hochpreisigen Immobilien, schwieriger Marktlage oder umfassenden Eigenleistungen des Verkäufers lässt sich häufig ein reduzierter Satz vereinbaren. Wer verhandeln will, sollte dies vor Vertragsabschluss tun und das Ergebnis schriftlich festhalten.
Woran erkenne ich einen guten Immobilienmakler?
Gute Makler erkennt man an konkreten, nachprüfbaren Merkmalen, nicht an Hochglanzbroschüren.
Grüne Flaggen:
- Nennt realistische Verkaufspreise statt überhöhter Traumzahlen
- Kann konkrete Vergleichsverkäufe in der Nähe belegen
- Antwortet schnell, klar und ohne Fachjargon-Nebel
- Erklärt den Vermarktungsplan Schritt für Schritt
- Stellt Fragen zur Immobilie, bevor er Zahlen nennt
Rote Flaggen:
- Verspricht unrealistisch hohe Preise ohne Marktanalyse
- Drängt zu schnellem Vertragsabschluss
- Kann keine Referenztransaktionen nennen
- Reagiert langsam oder ausweichend auf konkrete Fragen
Makler oder Privatverkauf: Welche Option ist besser?
Für die meisten Eigentümer lohnt sich ein Makler, vor allem wenn Zeit, Marktkenntnisse oder Verhandlungserfahrung fehlen. Wer hingegen einen klaren Käufer hat, die Immobilie gut kennt und Zeit investieren kann, kann beim Privatverkauf die Provision sparen.
Wähle einen Makler, wenn:
- Die Immobilie komplex ist (Altbau, Sanierungsbedarf, besondere Lage)
- Wenig Zeit für Besichtigungen und Verhandlungen vorhanden ist
- Der lokale Markt unbekannt ist
Privatverkauf kann sinnvoll sein, wenn:
- Ein konkreter Interessent aus dem persönlichen Netzwerk existiert
- Die Immobilie in einem stark nachgefragten Markt liegt
- Ausreichend Kenntnisse in Recht und Verhandlung vorhanden sind
Welche Qualifikationen sollte ein seriöser Makler haben?
Ein seriöser Makler benötigt mindestens eine Gewerbeerlaubnis nach § 34c GewO. Darüber hinaus sind folgende Qualifikationen Zeichen von Professionalität:
- IHK-Ausbildung oder Studium mit Immobilienbezug
- Zertifizierte Weiterbildungen (z. B. IHK-geprüfter Immobilienmakler)
- Verbandsmitgliedschaft (IVD, BVFI, RDM)
- Nachweis einer Berufshaftpflichtversicherung
Makler sind in Deutschland bislang kein geschützter Beruf im strengen Sinne, daher ist die eigene Prüfung der Qualifikationen besonders wichtig.
Wie lange dauert es mit einem Makler, ein Haus zu verkaufen?
Die Dauer hängt stark von Lage, Preis und Marktlage ab. In gefragten Großstädten sind drei bis sechs Monate realistisch, in ländlichen Regionen oder bei überhöhtem Angebotspreis kann es deutlich länger dauern.
Ein professioneller Makler sollte zu Beginn einen realistischen Zeitrahmen nennen und den Vermarktungsplan erläutern können.
Häufige Fehler beim Makler suchen und wie man sie vermeidet

Viele Eigentümer machen vermeidbare Fehler bei der Maklerwahl:
- Nur einen Anbieter anfragen: Ohne Vergleich fehlt der Maßstab für Preis und Leistung.
- Dem höchsten Preisversprechen vertrauen: Makler, die unrealistisch hohe Verkaufspreise nennen, wollen den Auftrag gewinnen, nicht die Immobilie optimal platzieren.
- Den Vertrag nicht genau lesen: Lange Laufzeiten oder unklare Kündigungsfristen können teuer werden.
- Mehrere Makler gleichzeitig beauftragen: Ein Alleinauftrag schafft klare Verantwortlichkeiten und motiviert den Makler stärker als ein einfacher Auftrag ohne Exklusivität.
Wann sollte ich den Makler engagieren: vor oder nach der Renovierung?
Den Makler vor einer geplanten Renovierung einzubeziehen ist in den meisten Fällen sinnvoller. Ein erfahrener Makler kennt die lokale Käufernachfrage und kann einschätzen, welche Maßnahmen den Verkaufspreis tatsächlich steigern und welche das Geld nicht wert sind.
Kleine kosmetische Maßnahmen wie frischer Anstrich, gepflegter Garten und saubere Räume lohnen fast immer. Teure Sanierungen lohnen sich dagegen nur, wenn sie den Verkaufserlös um mehr als ihre Kosten erhöhen.
Fragen für das Erstgespräch mit dem Makler
Wer gut vorbereitet ins erste Gespräch geht, erkennt schnell, ob ein Makler wirklich zu der eigenen Situation passt. Folgende Fragen sind besonders aufschlussreich:
- Wie viele vergleichbare Immobilien haben Sie in den letzten zwölf Monaten in dieser Region verkauft?
- Wie kommen Sie zu diesem Wertansatz? Welche Vergleichsobjekte nutzen Sie?
- Wie sieht Ihr konkreter Vermarktungsplan aus?
- Auf welchen Portalen und mit welchem Budget inserieren Sie?
- Wie kommunizieren Sie mit mir während des Verkaufsprozesses?
- Was passiert, wenn die Immobilie nach drei Monaten nicht verkauft ist?
FAQ
Kann ich mehreren Maklern gleichzeitig mein Haus anbieten? Ja, das ist rechtlich möglich, aber strategisch oft nachteilig. Bei einem einfachen Auftrag ohne Exklusivität sind Makler weniger motiviert, in teure Vermarktungsmaßnahmen zu investieren. Ein Alleinauftrag mit klarer Laufzeit und Kündigungsklausel ist in den meisten Fällen die bessere Wahl.
Ist die Maklergebühr steuerlich absetzbar? Für Privatverkäufer in der Regel nicht. Wer eine Immobilie als Kapitalanlage verkauft oder die Maklerprovision beim Kauf trägt, kann diese unter bestimmten Umständen als Werbungskosten oder Anschaffungsnebenkosten geltend machen. Ein Steuerberater klärt den Einzelfall.
Was tun, wenn der Makler Mängel der Immobilie verschweigt? Makler sind zur Offenlegung bekannter wesentlicher Mängel verpflichtet. Wer nachweisen kann, dass ein Makler Mängel wissentlich verschwiegen hat, kann Schadensersatz geltend machen. Im Streitfall empfiehlt sich rechtliche Beratung.
Wie lange sollte der Maklervertrag laufen? Üblich sind Laufzeiten von drei bis sechs Monaten. Kürzere Laufzeiten mit Verlängerungsoption schützen den Auftraggeber, falls der Makler nicht liefert.
Was unterscheidet einen Alleinauftrag vom einfachen Auftrag? Beim Alleinauftrag verpflichtet sich der Eigentümer, die Immobilie nicht parallel über andere Kanäle anzubieten. Der Makler erhält dafür Planungssicherheit und investiert mehr in die Vermarktung. Beim einfachen Auftrag kann der Eigentümer parallel verkaufen, der Makler erhält die Provision nur bei Abschluss.
Kann ich den Maklervertrag vorzeitig kündigen? Das hängt von den Vertragsbedingungen ab. Wichtig ist, vor Unterzeichnung auf die Kündigungsfristen zu achten. Bei grober Pflichtverletzung des Maklers ist eine außerordentliche Kündigung in der Regel möglich.
Fazit: Makler finden in sieben Schritten zum passenden Immobilienpartner
Den passenden Immobilienmakler zu finden ist keine Frage des Glücks, sondern einer strukturierten Vorgehensweise. Wer mindestens drei Kandidaten vergleicht, Qualifikationen und Referenzen prüft, das Erstgespräch aktiv nutzt und den Vertrag sorgfältig liest, trifft eine fundierte Entscheidung.
Konkrete nächste Schritte:
- Eigenen Bedarf und Immobilientyp klar definieren.
- Drei bis fünf regionale Makler über Portale und Empfehlungen identifizieren.
- Qualifikationen, Verbandsmitgliedschaft und Bewertungen online prüfen.
- Erstgespräche vereinbaren und die oben genannten Fragen stellen.
- Angebote schriftlich vergleichen: Provision, enthaltene Leistungen, Vertragslaufzeit.
- Einen Alleinauftrag mit angemessener Laufzeit und klarer Kündigungsklausel abschließen.
- Bei geplanter Renovierung: Makler vorher einbeziehen, um unnötige Ausgaben zu vermeiden.
Weiterlesen in Immobilien
- Wohnungsmarkt Trends 2026: Warum sich Preise, Mieten und Nachfrage regional auseinanderentwickeln
- Immobilienmakler Provision: Aktuelle Sätze, Kostenverteilung und Verhandlungstipps
- Immobilienbewertung: Welche Methode passt zu Haus, Wohnung oder Grundstück?
- Studentenwohnung & Steuer
- Maklerberatung bei nachhaltiger Sanierung: Wie Sie Eigentümern den Schritt zu ESG-konformen Immobilien erleichtern
- Immobilienverwaltung