Die Leoni AG zahlt keine Dividende mehr – und hat seit 2023 auch keine börsennotierten Aktionäre mehr. Im Rahmen einer Sanierung nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) wurde das Grundkapital des Nürnberger Bordnetz-Spezialisten im Sommer 2023 auf null herabgesetzt; die Altaktionäre schieden entschädigungslos aus, die Aktie wurde von der Börse genommen. Alleineigentümer wurde zunächst die Holding des Unternehmers Stefan Pierer, seit Juli 2025 hält der chinesische Elektronikkonzern Luxshare die Mehrheit, seit April 2026 sind es 74,9 Prozent. Die letzte Dividende hatte Leoni für das Geschäftsjahr 2017 gezahlt. Stand der Angaben: September 2026.
Key Takeaways
- Letzte Dividende: 1,40 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2017 (Zahlung 2018); seit dem Geschäftsjahr 2018 keine Ausschüttung.
- Sanierungskonzept vom April 2023: Kapitalherabsetzung auf null, Delisting, Kapitalerhöhung um 150 Millionen Euro durch Stefan Pierer, Verzicht der Finanzgläubiger auf 708 Millionen Euro.
- Der Restrukturierungsplan erhielt am 31. Mai 2023 vor dem Restrukturierungsgericht Nürnberg die nötigen Mehrheiten; die gerichtliche Bestätigung war für den 21. Juni 2023 angekündigt.
- Altaktionäre verloren ihre Aktien vollständig, ohne Abfindung.
- Seit 10. Juli 2025 hält Luxshare 50,1 Prozent, seit 29. April 2026 74,9 Prozent; Stefan Pierer hält 25,1 Prozent.
- Eine Nachfolge-Aktie für Privatanleger gibt es nicht; Leoni ist laut finanznachrichten.de „nicht mehr börsennotiert“.
Dividende im Überblick
| Unternehmen | Leoni AG, Nürnberg (nicht börsennotiert) |
| ISIN | DE0005408884 (ehemalige Aktie, nicht mehr handelbar) |
| Dividende GJ 2025 (Zahlung 2026) | Keine – keine Publikumsaktionäre mehr |
| Vorjahr (GJ 2024) | Keine |
| Hauptversammlung 2026 | Keine öffentliche Hauptversammlung; Gesellschafter sind Luxshare (74,9 Prozent) und Stefan Pierer (25,1 Prozent) |
| Zahltag | entfällt |
| Ausschüttungspolitik | Nicht veröffentlicht; Sanierung und Finanzierung bis Ende 2026 gesichert |
| Quelle | Pressemitteilungen der Leoni AG vom 3. April 2023, 31. Mai 2023, 10. Juli 2025 und 30. April 2026 |
Was ist passiert: Die StaRUG-Sanierung 2023
Leoni war über Jahrzehnte ein solider MDAX- und später SDAX-Wert mit regelmäßigen Dividenden. Nach Gewinnwarnungen ab 2018, einem gescheiterten Verkauf der Kabelsparte und hohen Schulden geriet das Unternehmen in eine existenzbedrohende Lage. Am 3. April 2023 stellte Leoni sein Sanierungskonzept vor: Das Grundkapital sollte auf null Euro herabgesetzt werden – „mit der Folge des Delistings“ –, anschließend sollte eine neue Gesellschaft des Unternehmers Stefan Pierer im Rahmen einer Kapitalerhöhung 150 Millionen Euro einbringen und sämtliche neuen Aktien übernehmen. Die Finanzgläubiger, vor allem Banken und Schuldscheingläubiger, verzichteten auf 708 Millionen Euro Forderungen, rund die Hälfte der Finanzverbindlichkeiten, und erhielten im Gegenzug Besserungsscheine.
Rechtsgrundlage war das 2021 eingeführte StaRUG, das eine Sanierung außerhalb eines Insolvenzverfahrens erlaubt und dabei auch gegen den Willen einzelner Gläubiger- oder Aktionärsgruppen durchgesetzt werden kann. Am 31. Mai 2023 fand vor dem Restrukturierungsgericht in Nürnberg der Erörterungs- und Abstimmungstermin statt; laut Pressemitteilung vom selben Tag erhielt der Plan die erforderlichen Mehrheiten, den Bestätigungsbeschluss kündigte das Gericht für den 21. Juni 2023 an. Mit der anschließenden Eintragung der Kapitalmaßnahmen im Handelsregister im Sommer 2023 erloschen die alten Leoni-Aktien. Der Fall gilt bis heute als erstes prominentes Beispiel dafür, dass Aktionäre einer börsennotierten Gesellschaft per StaRUG vollständig aus dem Unternehmen gedrängt werden können.
Dividendenhistorie Leoni (2017–2026)
| Geschäftsjahr | Dividende je Aktie | Veränderung |
| 2017 (Zahlung 2018) | 1,40 Euro | letzte Dividende |
| 2018 bis 2022 | 0,00 Euro | ausgesetzt (Verluste, Corona, Sanierung) |
| ab 2023 | keine Publikumsaktionäre mehr | – |
Was das für Altaktionäre bedeutet
Für die früheren Aktionäre war die Sanierung ein Totalverlust: Die Kapitalherabsetzung auf null bedeutet, dass die Aktien ersatzlos untergingen, eine Abfindung wie bei einem Squeeze-out gab es nicht. Verfassungsbeschwerden und Anträge auf einstweiligen Rechtsschutz gegen den Plan blieben 2023 ohne Erfolg. Steuerlich kann der Untergang der Aktien als Veräußerungsverlust im Rahmen der Abgeltungsteuer geltend gemacht werden; Anleger sollten dafür die Verlustbescheinigung ihrer Depotbank prüfen und den Sachverhalt gegebenenfalls mit einem Steuerberater klären. Einen Ex-Tag, Zahltag oder eine Hauptversammlung für Privatanleger gibt es seit 2023 nicht mehr.
Nachfolge: Von Pierer zu Luxshare
Unter dem im April 2023 berufenen Vorstandsvorsitzenden Klaus Rinnerberger startete ab Sommer 2023 ein Turnaround-Programm, das unter anderem die Gemeinkosten um 20 Prozent senken sollte. Im September 2024 unterzeichnete Stefan Pierer eine Vereinbarung mit dem chinesischen Elektronikkonzern Luxshare-ICT: Luxshare übernahm 50,1 Prozent der Leoni AG mit dem Bordnetzgeschäft, die Luxshare-Tochter TIME Interconnect zusätzlich 100 Prozent der Kabelsparte Automotive Cable Solutions. Der Vollzug wurde am 10. Juli 2025 gemeldet; die Sanierung sei „weiterhin voll im Plan“, die Finanzierung bis Ende 2026 gesichert. Am 29. April 2026 stockte Luxshare seinen Anteil laut Pressemitteilung auf 74,9 Prozent auf, Stefan Pierer bleibt mit 25,1 Prozent Mitgesellschafter. Ein Kaufpreis wurde in beiden Fällen nicht genannt.
Eine Nachfolge-Aktie, über die Privatanleger an Leoni beteiligt sein könnten, existiert nicht. Wer in das Geschäft investieren will, könnte allenfalls indirekt über die Mehrheitseigentümerin Luxshare Precision Industry gehen, die an der Börse Shenzhen notiert ist – das ist aber ein völlig anderes Investment mit Schwerpunkt auf Elektronikfertigung für Apple und andere Kunden, und für deutsche Anleger nur eingeschränkt handelbar. Auch die Pierer-Beteiligungen sind für Leoni-Aktionäre kein Ersatz.
Ausblick 2027
Ob die Leoni AG an ihre Gesellschafter Luxshare und Pierer Gewinne ausschüttet, wird nicht veröffentlicht und ist für den Kapitalmarkt ohne Bedeutung. Ein erneuter Börsengang ist nicht angekündigt. Operativ wächst das Unternehmen an Niedriglohn-Standorten: Im Januar 2025 kündigte Leoni ein neues Werk in Agadir (Marokko) mit 3.000 Arbeitsplätzen an, im Dezember 2025 wurden zwei Standorte in Ägypten eröffnet beziehungsweise begonnen, im Juni 2026 startete der Bau einer weiteren Produktionseinheit in Bouskoura (Marokko).
FAQ
Zahlt Leoni 2026 eine Dividende? Nein. Die Leoni AG hat seit 2023 keine Publikumsaktionäre mehr; die Aktie existiert nicht mehr.
Wann hat Leoni zuletzt Dividende gezahlt? Für das Geschäftsjahr 2017, ausgezahlt 2018 in Höhe von 1,40 Euro je Aktie. Ab dem Geschäftsjahr 2018 wurde die Dividende ausgesetzt.
Was ist mit meinen Leoni-Aktien passiert? Durch die StaRUG-Sanierung 2023 wurde das Grundkapital auf null herabgesetzt. Die Aktien gingen ohne Abfindung unter und wurden aus den Depots ausgebucht.
Wem gehört Leoni heute? Seit dem 29. April 2026 zu 74,9 Prozent dem chinesischen Konzern Luxshare und zu 25,1 Prozent Stefan Pierer.
Kann ich den Verlust steuerlich nutzen? Der Untergang der Aktien kann als Veräußerungsverlust mit Aktiengewinnen verrechnet werden. Grundlage ist die Verlustbescheinigung der Depotbank; im Zweifel hilft ein Steuerberater.
Fazit
Die Leoni-Dividende ist Geschichte: Die letzte Ausschüttung datiert von 2018, seit der StaRUG-Sanierung 2023 gibt es weder Aktie noch Aktionäre im klassischen Sinn. Das Unternehmen selbst hat den Turnaround unter neuen Eigentümern fortgesetzt und gehört heute mehrheitlich Luxshare; für Privatanleger ist es aber nicht mehr investierbar. Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.
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