Wem gehört Snapchat? Die Gründer halten 99,5 %

Wem gehört Snapchat

Kurze Antwort: Snapchat gehört der börsennotierten Snap Inc. – und die kontrollieren die beiden Gründer Evan Spiegel und Bobby Murphy mit zusammen 99,5 Prozent der Stimmrechte (Stand 31. Dezember 2025). Möglich macht das eine ungewöhnliche Konstruktion: Die an der Börse gehandelte Aktie hat überhaupt kein Stimmrecht. Mit Meta oder Facebook hat Snap nichts zu tun.

Die Gesellschaft

  • Firmierung: Snap Inc., bis Mai 2016 Snapchat, Inc.; Gründungsstaat Delaware
  • Sitz: 3000 31st Street, Santa Monica, Kalifornien
  • Börse: New York Stock Exchange, Ticker SNAP; SEC-Kennung CIK 0001564408
  • Kommerzieller Betrieb seit 2011

Drei Aktiengattungen – und nur eine davon zählt

  • Class A – kein Stimmrecht. Das ist die Aktie, die an der NYSE gehandelt wird. Ausstehend zum 31. Dezember 2025: 1.457.403.389 Stück.
  • Class B – eine Stimme. 22.523.290 Stück.
  • Class C – zehn Stimmen. 231.626.943 Stück.

Class C ist in Class B wandelbar, Class B in Class A. Die Richtung ist also eine Einbahnstraße nach unten.

Wer die Stimmen hält

Person Class C Anteil Class C Gesamtstimmrechte
Evan Spiegel 123.683.019 53,4 % 53,1 %
Robert „Bobby“ Murphy 107.943.924 46,6 % 46,4 %
Alle Directors und Officers zusammen 231.626.943 100 % 99,5 %

Die beiden Gründer halten also die gesamte Class C. Zusätzlich besitzt jeder 5.862.410 Class-B-Aktien, jeweils 26,0 Prozent dieser Gattung.

Bei den stimmrechtslosen Class-A-Aktien sind gemeldet: Tencent-verbundene Gesellschaften mit 16,0 Prozent, FMR LLC mit 6,6 Prozent und The Vanguard Group mit 6,5 Prozent. Tencent hält zusätzlich 45,9 Prozent der Class-B-Aktien – was aber an der Stimmrechtslage nichts ändert, weil die Class C zehnfach zählt.

Eine strukturelle Besonderheit: Weil Class A stimmrechtslos ist, sind Großhalter dieser Gattung von den üblichen US-Meldepflichten befreit. Snap schreibt das selbst in den Geschäftsbericht. Die vollständige Class-A-Aktionärsstruktur ist deshalb strukturell nicht ermittelbar. Snap reicht auch keine Proxy Statements ein – die Eigentumstabelle steht direkt im Geschäftsbericht.

Die Führung

Evan Spiegel ist Chief Executive Officer und Mitgründer, Robert Murphy Chief Technology Officer und Mitgründer. Finanzvorstand ist Derek Andersen, General Counsel Zachary Briers, Chief Business Officer Ajit Mohan. Vorsitzender des Boards ist Michael Lynton – im Board seit April 2013, Vorsitz seit September 2016.

Der Börsengang

Der Prospekt datiert vom 3. März 2017. Der Ausgabepreis lag bei 17,00 US-Dollar je Class-A-Aktie; platziert wurden 200 Millionen Aktien, davon 145 Millionen von Snap selbst und 55 Millionen von Altaktionären. Unmittelbar nach dem Börsengang kontrollierten die beiden Gründer 88,5 Prozent der Stimmrechte – heute sind es 99,5 Prozent.

Häufige Falschannahmen

  • „Snapchat gehört Meta oder Facebook.“ Nein. Meta hält keine gemeldete Beteiligung; Snap ist eigenständig börsennotiert.
  • „Tencent kontrolliert Snap.“ Nein. Tencent hält viel Class A – ohne Stimmrecht – und 45,9 Prozent der Class B. Die Stimmrechtsmehrheit liegt bei den Gründern.
  • „Wer SNAP-Aktien kauft, kann mitbestimmen.“ Nein. Class A hat kein Stimmrecht, abgesehen von den Fällen, in denen das Recht von Delaware es zwingend vorschreibt.

Was sich aus öffentlichen Quellen nicht belegen lässt

  • Die Höhe des Facebook-Übernahmeangebots von 2013 – weder Snap noch Meta haben ein Angebot oder einen Betrag je offiziell bestätigt; in keinem SEC-Dokument ist davon die Rede
  • Die vollständige Class-A-Aktionärsstruktur – sie ist gesetzlich nicht meldepflichtig
  • Ein exaktes Gründungsdatum – belegt ist nur der Beginn des kommerziellen Betriebs 2011
  • Vermögensangaben zu den Gründern – hier bewusst ausgeklammert

Quellen

Stand: 26. August 2026. Alle Angaben stammen aus den oben verlinkten Quellen.