Die Knaus Tabbert AG aus Jandelsbrunn in Niederbayern ist ein börsennotierter Hersteller von Reisemobilen, Caravans und Camper Vans. Stand September 2026 liegt die Mehrheit der Aktien bei zwei niederländischen Investoren, die das Unternehmen 2009 aus der Insolvenz übernommen haben: Wim de Pundert hält laut Finanzdatenanbietern rund 41 Prozent, sein langjähriger Geschäftspartner Klaas Meertens rund 25 Prozent. Der niederländische Investor Value8 meldete im September 2025 das Überschreiten der 5-Prozent-Schwelle, der Rest ist Streubesitz. Seit dem Börsengang 2020 hat das Unternehmen eine schwere Krise durchlaufen, deren Aufarbeitung bis heute andauert.
Key Takeaways
- Knaus Tabbert ist seit dem 23. September 2020 im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notiert (Kürzel KTA, ISIN DE000A2YN504).
- Größte Aktionäre sind Wim de Pundert (rund 41 Prozent) und Klaas Meertens (rund 25 Prozent), die das Unternehmen 2009 über HTP Investments und Catalina Capital Partners übernahmen.
- Der Umsatz lag 2025 laut Geschäftsbericht bei 1.002,1 Millionen Euro, das normalisierte EBITDA bei 27,3 Millionen Euro.
- Im ersten Halbjahr 2026 kehrte das Unternehmen mit 11,5 Millionen Euro Halbjahresgewinn in die Gewinnzone zurück, der Umsatz sank aber um 11,9 Prozent auf 503,9 Millionen Euro.
- Seit Juni 2026 führt Thomas Nickel den Vorstand als CEO; Wim de Pundert wechselte nach der Hauptversammlung im Juli 2026 zurück in den Aufsichtsrat.
- Im November 2024 durchsuchte die Staatsanwaltschaft Landshut die Geschäftsräume; zwei Vorstände wurden wegen Korruptionsvorwürfen fristlos entlassen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
| Name | Knaus Tabbert AG |
| Gegründet | 1960 (Knaus KG, Marktbreit); Tabbert 1934; Fusion 2001; AG seit 2020 |
| Sitz | Jandelsbrunn, Bayern |
| Branche | Freizeitfahrzeuge (Reisemobile, Caravans, Camper Vans) |
| Eigentümer | Wim de Pundert ca. 41 %, Klaas Meertens ca. 25 %, Value8 N.V. ca. 5 %, Streubesitz (Stand September 2026, laut Finanzdatenanbietern und Stimmrechtsmitteilungen) |
| Führung | Thomas Nickel (CEO), Radim Sevcik (CFO), Matjaž Grm (Vorstand seit August 2026); Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Esther Hackl |
| Umsatz / Mitarbeiter | 1.002,1 Mio. Euro (2025); 3.420 Beschäftigte zum 30. Juni 2025 (laut Halbjahresbericht 2025) |
Geschichte: Vom Wohnwagenbauer zur börsennotierten Gruppe
Die Wurzeln des Unternehmens liegen in zwei getrennten Traditionsmarken. Tabbert wurde 1934 gegründet und entwickelte sich in der Nachkriegszeit zu einem der bekanntesten deutschen Wohnwagenhersteller. Helmut Knaus gründete 1960 in Marktbreit die Knaus KG; das heutige Stammwerk in Jandelsbrunn im Bayerischen Wald entstand 1970. Im Jahr 2001 wurden beide Unternehmen zu Knaus Tabbert zusammengeführt, das Sortiment wurde später um die Marken Weinsberg, T@B und 2017 um den Luxus-Reisemobilhersteller Morelo aus Schlüsselfeld ergänzt.
Die Finanzkrise traf das Unternehmen hart: Am 9. Oktober 2008 meldete Knaus Tabbert Insolvenz an, nachdem die Banken eine weitere Finanzierung abgelehnt hatten. Zum 1. Januar 2009 übernahm die niederländische HTP Investments BV das Unternehmen aus der Insolvenz. Hinter HTP standen die beiden Investoren Wim de Pundert und Klaas Meertens, die Knaus Tabbert zum europäischen Marktführer ausbauen wollten. In den Folgejahren wuchs die Gruppe stark; neben Jandelsbrunn entstanden Produktionskapazitäten in Mottgers (Hessen), Schlüsselfeld und im ungarischen Nagyoroszi.
2020 folgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und der Börsengang. Am 23. September 2020 wurde die Aktie erstmals im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt, der Ausgabepreis lag laut Investor-Relations-Angaben des Unternehmens bei 58 Euro. Nach Angaben der Pressemitteilung zum Börsengang hielten de Pundert und Meertens vor dem IPO über ihre Gesellschaften HTP Investments 1 BV und Catalina Capital Partners B.V. sowie die dem damaligen CEO Wolfgang Speck gehörende Palatium Beteiligungsgesellschaft zusammen rund 97 Prozent der Anteile. Der Großteil der platzierten Aktien stammte aus dem Bestand der Altaktionäre; das Unternehmen selbst nahm mit 350.000 neuen Aktien nur einen kleinen Teil des Erlöses ein.
Eigentümerstruktur im Detail: Wem gehört Knaus Tabbert?
Die Knaus Tabbert AG hat laut eigener Investor-Relations-Seite 10.377.259 Aktien ausgegeben. Die Eigentümerstruktur ist seit dem Börsengang im Kern stabil geblieben: Die beiden Ankeraktionäre haben ihre Mehrheit nie abgegeben. Nach den Angaben von MarketScreener und finanzen.net (Stand September 2026) verteilt sich das Kapital wie folgt: Willem Paulus „Wim“ de Pundert hält 40,94 Prozent, Klaas Meertens 25,10 Prozent, die niederländische Beteiligungsgesellschaft Value8 N.V. 5,06 Prozent. Rund 29 Prozent befinden sich im Streubesitz.
Beide Großaktionäre halten ihre Anteile über niederländische Gesellschaften. Wim de Pundert wird auf der Aufsichtsratsseite des Unternehmens als Gründer und geschäftsführender Gesellschafter einer eigentümerfinanzierten Private-Equity-Gesellschaft in Amsterdam beschrieben, die sich auf Investitionen in Deutschland konzentriert. Klaas Meertens ist laut derselben Quelle seit 2020 Direktor bei Catalina Capital Partners und war zuvor Managing Director bei JPMorgan sowie Partner bei McKinsey. Die Beteiligung von Value8 wurde über Stimmrechtsmitteilungen nach dem Wertpapierhandelsgesetz öffentlich: Im September 2025 meldete Value8 zunächst 3,34 Prozent, wenig später das Überschreiten der 5-Prozent-Schwelle auf 5,06 Prozent.
Die Eigentümer sind auch in den Gremien präsent. Dem Aufsichtsrat gehören laut Unternehmenswebsite neben der Vorsitzenden Dr. Esther Hackl unter anderem Klaas Meertens, Ruben Paulus de Pundert (Direktor bei der Beteiligungsgesellschaft Noorderhoofd) sowie Wim de Pundert selbst an, der nach seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender im Juli 2026 in das Kontrollgremium zurückgekehrt ist. Wer bei Knaus Tabbert das Sagen hat, ist damit eindeutig: Die Gruppe um de Pundert und Meertens verfügt zusammen über rund zwei Drittel der Stimmrechte und kann Hauptversammlungsbeschlüsse allein bestimmen.
Geschäftsmodell und Zahlen
Knaus Tabbert entwickelt und produziert Freizeitfahrzeuge vom Einstiegssegment bis zur Luxusklasse und vertreibt sie über ein Händlernetz vor allem in Europa. Zu den Marken zählen Knaus, Tabbert, Weinsberg, T@B und Morelo; unter „Rent and Travel“ betreibt die Gruppe zudem eine Vermietplattform. Produziert wird laut Zwischenbericht 2025 an vier Standorten: Jandelsbrunn, Mottgers, Schlüsselfeld und Nagyoroszi in Ungarn.
Nach dem Boom der Pandemiejahre brach die Nachfrage ab 2023 ein, gleichzeitig saßen die Händler auf hohen Lagerbeständen. Laut Pressemitteilung zum Geschäftsbericht 2025 (31. März 2026) erzielte die Gruppe 2025 einen Umsatz von 1.002,1 Millionen Euro bei einem normalisierten EBITDA von 27,3 Millionen Euro. Das Management bezeichnete 2025 als „Jahr des strukturierten Neuanfangs“. Die Beschäftigtenzahl sank deutlich: Zum 30. Juni 2025 waren laut Halbjahresbericht 3.420 Personen bei Knaus Tabbert tätig, ein Jahr zuvor waren es 4.176. Im März 2025 hatte das Unternehmen mitgeteilt, den Personalbestand zwischen Oktober 2024 und Februar 2025 um rund 15 Prozent reduziert und für Jandelsbrunn einen Interessenausgleich mit Sozialplan unterzeichnet zu haben.
Für das erste Halbjahr 2026 meldete das Unternehmen am 6. August 2026 einen Umsatz von 503,9 Millionen Euro (minus 11,9 Prozent) bei 10.551 abgesetzten Fahrzeugen. Das bereinigte EBITDA stieg auf 36,0 Millionen Euro (Vorjahr 22,7 Millionen), die Marge auf 7,1 Prozent, und unter dem Strich blieb ein Halbjahresgewinn von 11,5 Millionen Euro nach einem Verlust von 4,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Auftragsbestand lag Ende Juni bei 340 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Vorstand einen Umsatz von rund 950 Millionen Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von 5,0 bis 6,0 Prozent.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Die Jahre 2024 und 2025 waren die schwierigsten seit der Insolvenz. Im Februar 2024 verließ Finanzvorständin Caroline Schürmann das Unternehmen, im Oktober 2024 trat der langjährige CEO Wolfgang Speck „aus persönlichen Gründen“ zurück. Am 22. November 2024 übernahm Großaktionär Wim de Pundert selbst die Doppelfunktion als Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand. Wenige Tage später, am 27. November 2024, durchsuchten laut Berichten von kfz-betrieb und Der Aktionär rund 165 Einsatzkräfte im Auftrag der Staatsanwaltschaft Landshut die Geschäftsräume in Jandelsbrunn sowie weitere Standorte. Die Ermittlungen richteten sich gegen zwei Vorstandsmitglieder und einen Verantwortlichen einer Investmentgesellschaft; der Vorwurf lautete, Bestechungsgelder von Zulieferern angenommen zu haben. Das Unternehmen selbst war nach eigenen Angaben nicht Gegenstand der Vorwürfe. Der Aufsichtsrat entließ die beiden betroffenen Manager fristlos. Im Dezember 2024 wurde zudem bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts falscher Gewichtsangaben bei Fahrzeugen ermittelt. Zu beiden Verfahren gilt die Unschuldsvermutung; über Anklagen oder Urteile ist Stand September 2026 nichts öffentlich bekannt.
Parallel lief ein Sanierungsprogramm: Produktionsstopp bis Ende Januar 2025, Abbau von rund 2.000 Fahrzeugen aus den Beständen, Straffung des Modellprogramms und Einstellung der Marke Xperian. Im März 2025 kam Radim Sevcik als CFO, im Mai 2025 Jochen Hein als COO hinzu. Die Ergebnisprognose für 2025 musste dennoch zweimal gesenkt werden, zuletzt am 23. September 2025 auf eine EBITDA-Marge von 3,2 bis 4,2 Prozent. Im November 2025 verlängerte der Aufsichtsrat de Punderts Vorstandsvertrag bis zur Hauptversammlung 2026.
Am 19. Juni 2026 stellte Knaus Tabbert das Management neu auf: Thomas Nickel, seit März 2026 Technikvorstand und Transformationsmanager, wurde mit sofortiger Wirkung CEO. Wim de Pundert schied nach der Hauptversammlung am 10. Juli 2026 aus dem Vorstand aus und wechselte in den Aufsichtsrat. Zum 1. August 2026 rückte Matjaž Grm, seit Januar 2025 externer Berater für den Vertrieb, in den Vorstand auf; Radim Sevcik bleibt Finanzvorstand. Die Halbjahreszahlen 2026 zeigen erste Erfolge des Sparkurses, der Markt bleibt nach Einschätzung des Vorstands aber von Preisdruck und zurückhaltender Bestellpolitik der Händler geprägt.
FAQ
Wem gehört Knaus Tabbert? Mehrheitlich den niederländischen Investoren Wim de Pundert (rund 41 Prozent) und Klaas Meertens (rund 25 Prozent), die das Unternehmen 2009 aus der Insolvenz übernommen haben. Value8 hält rund 5 Prozent, der Rest ist Streubesitz (Stand September 2026).
Ist Knaus Tabbert börsennotiert? Ja, seit dem 23. September 2020 im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse unter dem Kürzel KTA.
Wer leitet das Unternehmen? Seit Juni 2026 ist Thomas Nickel Vorstandsvorsitzender. Ihm zur Seite stehen Finanzvorstand Radim Sevcik und seit August 2026 Matjaž Grm. Aufsichtsratsvorsitzende ist Dr. Esther Hackl.
Welche Marken gehören zu Knaus Tabbert? Knaus, Tabbert, Weinsberg, T@B und Morelo sowie die Vermietplattform Rent and Travel.
Was war der Grund für die Razzia 2024? Die Staatsanwaltschaft Landshut ermittelt gegen zwei ehemalige Vorstandsmitglieder wegen des Verdachts, Bestechungsgelder von Zulieferern angenommen zu haben. Beide wurden entlassen; es gilt die Unschuldsvermutung.
Fazit
Knaus Tabbert ist trotz Börsennotierung ein eigentümergeführtes Unternehmen: Wim de Pundert und Klaas Meertens kontrollieren seit 2009 die Mehrheit und haben in der Krise 2024/2025 selbst das operative Ruder übernommen. Mit dem Führungswechsel zu Thomas Nickel im Sommer 2026 und der Rückkehr in die Gewinnzone im ersten Halbjahr 2026 zeichnet sich eine Stabilisierung ab. Offen bleiben die Ermittlungsverfahren gegen frühere Manager sowie die Frage, wann der Caravaning-Markt in Europa wieder wächst.
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