Der FC Girona aus Katalonien hat eine der ungewöhnlichsten Eigentümerstrukturen im europäischen Fußball: Größter Aktionär ist mit 47 Prozent die City Football Group aus Abu Dhabi, der auch Manchester City gehört. 35 Prozent hält der bolivianisch-amerikanische Unternehmer Marcelo Claure, 16 Prozent die Girona Football Group um Pere Guardiola, den Bruder von Pep Guardiola. Auf Platz drei und die erste Champions-League-Teilnahme 2024/25 folgte im Mai 2026 der Abstieg; Stand Oktober 2026 spielt Girona unter Trainer Quique Álvarez in der Segunda División.
Key Takeaways
- Die City Football Group (CFG) ist seit August 2017 beteiligt und hält heute 47 Prozent am FC Girona.
- Marcelo Claure kaufte im Dezember 2022 35 Prozent von Pere Guardiola, dessen Girona Football Group seither 16 Prozent hält.
- Pere Guardiola führt den Verwaltungsrat, Delfí Geli ist Präsident, Ignasi Mas-Bagà Geschäftsführer.
- Wegen der UEFA-Regeln zum Mehrfacheigentum gab die CFG ihre Girona-Aktien 2024/25 in einen Blind Trust; Transfers zwischen Girona und Manchester City waren bis September 2025 verboten.
- Umsatz 2023/24: 69 Mio. Euro; in der Champions-League-Saison 2024/25 erzielte der Klub einen Rekordgewinn von 16,5 Mio. Euro.
- Nach dem Abstieg 2026 ging Erfolgstrainer Míchel zu Ajax Amsterdam; Nachfolger ist Quique Álvarez.
| Name | Girona Futbol Club, S.A.D. |
|---|---|
| Gegründet | 23. Juli 1930 |
| Sitz | Girona, Katalonien (Spanien); Stadion: Estadi Montilivi (14.624 Plätze) |
| Branche | Profifußball (Segunda División seit 2026/27) |
| Eigentümer | City Football Group 47 %, Marcelo Claure 35 %, Girona Football Group (Pere Guardiola) 16 %, Sonstige ca. 2 % (Stand 2026) |
| Geschäftsführung | Delfí Geli (Präsident), Pere Guardiola (Verwaltungsratsvorsitz), Ignasi Mas-Bagà (CEO), Quique Cárcel (Sportdirektor), Quique Álvarez (Trainer seit Juni 2026) |
| Umsatz/Mitarbeiter | Umsatz 2023/24: 69 Mio. Euro; Gewinn 2024/25: 16,5 Mio. Euro; Budget 2025/26: 75 Mio. Euro |
Geschichte und Herkunft
Der Girona FC wurde am 23. Juli 1930 gegründet, nachdem der Vorgängerverein Unió Esportiva Girona aus wirtschaftlichen Gründen aufgelöst worden war. Über Jahrzehnte pendelte der Klub zwischen zweiter und dritter Liga, in den 1990er Jahren stürzte er zeitweise bis in die fünfte Spielklasse ab.
Die Wende kam unter Trainer Pablo Machín: Girona wurde 2016/17 Zweiter hinter Levante und stieg nach 87 Jahren erstmals in die Primera División auf. Im August 2017 übernahmen neue Eigentümer den Klub: Die City Football Group kaufte 44,3 Prozent der Anteile, die Girona Football Group um Pere Guardiola weitere 44,3 Prozent. Guardiola, Gründer der Spielerberatungsagentur Media Base Sports, wurde 2020 Verwaltungsratsvorsitzender. Nach dem Abstieg 2019 kehrte Girona 2022 über die Playoffs zurück.
Unter Míchel, Trainer seit Juli 2021, folgte der größte Erfolg der Vereinsgeschichte: 2023/24 wurde Girona mit 81 Punkten Dritter hinter Real Madrid und dem FC Barcelona und qualifizierte sich erstmals für die Champions League. Míchel wurde zum La-Liga-Trainer der Saison gewählt.
Eigentümerstruktur im Detail

Der Verein ist eine Sociedad Anónima Deportiva, also eine Aktiengesellschaft nach spanischem Sportrecht. Nach Vereinsangaben hält die City Football Group 47 Prozent, Marcelo Claure 35 Prozent und die Girona Football Group 16 Prozent; rund zwei Prozent liegen bei Kleinaktionären. Auf der Hauptversammlung im Dezember 2025 waren über die City Football Group (Midco) Ltd., die MC Girona LLC und die Montilivi Ltd. 99,2 Prozent des Kapitals vertreten.
Die City Football Group ist eine Holding mit Sitz in Manchester, die mehrheitlich der Abu Dhabi United Group von Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan gehört; der US-Finanzinvestor Silver Lake ist Minderheitsaktionär. Zum Netzwerk gehören neben Manchester City unter anderem New York City FC, Melbourne City, Lommel SK, ES Troyes und Palermo. Für Girona brachte der Einstieg Kapital, Scouting-Wissen und Leihspieler wie Douglas Luiz, Yan Couto oder Sávio.
Im Dezember 2022 stieg Marcelo Claure ein. Der frühere SoftBank-Manager und Gründer des Mobilfunkhändlers Brightstar übernahm 35 Prozent der Anteile von Pere Guardiola, dessen Girona Football Group seitdem 16 Prozent hält. Guardiola blieb Vorsitzender des Verwaltungsrats, der ehemalige Girona-Profi Delfí Geli amtiert als institutioneller Präsident.
Die Mehrfachbeteiligung der CFG wurde 2024 zum Problem, denn nach den UEFA-Statuten dürfen zwei Klubs unter gemeinsamer Kontrolle nicht im selben Wettbewerb antreten. Um Girona und Manchester City beide in die Champions League zu bringen, übertrug die CFG ihre Girona-Aktien auf unabhängige Treuhänder in einem Blind Trust. Die UEFA-Finanzkontrollkammer akzeptierte das am 5. Juli 2024 ausnahmsweise für die Saison 2024/25. Zusätzlich verpflichteten sich beide Klubs, bis September 2025 keine Spieler untereinander zu transferieren oder zu verleihen und keine gemeinsamen Scouting-Datenbanken zu nutzen. Seit dem 1. Juli 2025 liegen die Anteile wieder bei der CFG, die damit als beherrschender Aktionär gilt.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Die Champions-League-Saison 2024/25 geriet sportlich zur Enttäuschung: In der Ligaphase gewann Girona nur gegen Slovan Bratislava (2:0) und landete auf Platz 33 von 36, in La Liga reichte es nur zu Rang 16. Wirtschaftlich war das Jahr ein Rekord: Der Klub plante mit Erlösen von 113 Mio. Euro und schloss mit einem Nettogewinn von 16,5 Mio. Euro ab.
Für 2025/26 verstärkte sich Girona unter anderem mit Vladyslav Vanat von Dynamo Kiew (17 Mio. Euro Ablöse) und Bryan Gil von Tottenham (6 Mio. Euro); nach Ablauf der UEFA-Sperrfrist kamen mit Vitor Reis und Claudio Echeverri wieder Leihspieler aus Manchester. Dennoch beendete die Mannschaft die Saison mit 41 Punkten auf Platz 19 und stieg nach dem letzten Spieltag gegen Elche im Mai 2026 in die Segunda División ab.
Am 28. Mai 2026 gab der Klub die Trennung von Míchel bekannt, der wenige Tage später einen Zweijahresvertrag bei Ajax Amsterdam unterschrieb. Sportdirektor Quique Cárcel setzte auf eine interne Lösung: Am 22. Juni 2026 wurde Quique Álvarez, bisher Trainer der zweiten Mannschaft, als Cheftrainer vorgestellt. Erklärtes Ziel der Eigentümer ist der sofortige Wiederaufstieg; ein Wechsel in der Aktionärsstruktur ist bislang nicht bekannt.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
Die Finanzen sind eng an den sportlichen Erfolg gekoppelt. Nach einem Gewinn von 674.000 Euro in der Saison 2022/23 stieg der Umsatz 2023/24 um 22 Prozent auf 69 Mio. Euro, der Nettogewinn lag bei 3 Mio. Euro. Die Champions League hob die Fernseheinnahmen 2024/25 um rund 80 Prozent auf geplante 86,4 Mio. Euro. Ohne Europapokal brach dieser Posten 2025/26 um 30 Mio. Euro ein; das Budget sank auf 75 Mio. Euro bei einem geplanten Verlust von knapp einer Million Euro.
Stabil entwickelt sich das lokale Geschäft: Die Zahl der Dauerkarten erreichte 2025/26 mit 9.800 einen Rekord, alle VIP-Plätze im Montilivi-Stadion waren verkauft, Hauptsponsor ist Etihad Airways aus Abu Dhabi. Zweiter Pfeiler bleibt der Spielerhandel: Verkäufe wie Artem Dowbyk an die AS Rom, Sávio an Manchester City oder Ladislav Krejčí an Wolverhampton finanzieren das Modell.
FAQ
Wem gehört der FC Girona? Der FC Girona gehört zu 47 Prozent der City Football Group aus Abu Dhabi, zu 35 Prozent dem Unternehmer Marcelo Claure und zu 16 Prozent der Girona Football Group von Pere Guardiola. Rund zwei Prozent liegen bei Kleinaktionären.
Gehört Girona Manchester City? Nicht direkt. Beide Klubs haben mit der City Football Group denselben Hauptaktionär, sind aber eigenständige Gesellschaften.
Welche Rolle spielt Pere Guardiola? Pere Guardiola stieg 2017 gemeinsam mit der City Football Group beim FC Girona ein, hält über die Girona Football Group heute 16 Prozent und führt seit 2020 den Verwaltungsrat. Er ist der Bruder von Manchester-City-Trainer Pep Guardiola.
Wer ist Marcelo Claure? Marcelo Claure ist ein bolivianisch-amerikanischer Unternehmer, Gründer von Brightstar und ehemaliger Chief Operating Officer von SoftBank. Im Dezember 2022 kaufte er 35 Prozent der Girona-Anteile von Pere Guardiola.
Ist Míchel noch Trainer von Girona? Nein. Nach dem Abstieg trennte sich Girona am 28. Mai 2026 von Míchel, der anschließend zu Ajax Amsterdam wechselte. Seit dem 22. Juni 2026 ist Quique Álvarez Cheftrainer.
Wie viel Umsatz macht der FC Girona? 2023/24 erzielte der Klub 69 Mio. Euro Umsatz, 2024/25 einen Gewinn von 16,5 Mio. Euro. Das Budget 2025/26 betrug 75 Mio. Euro.
Fazit
Der FC Girona ist das Paradebeispiel für Chancen und Risiken des Mehrfacheigentums im Fußball. City Football Group, Marcelo Claure und Pere Guardiola haben einen Zweitligisten in wenigen Jahren in die Champions League gebracht und 2024/25 einen Rekordgewinn ermöglicht. Der Abstieg 2026 zeigt zugleich, wie schnell ein auf Leihspieler und Transfererlöse gebautes Modell wankt. Ob die Eigentümer den Klub 2027 zurück in die Primera División führen, entscheidet sich in der laufenden Zweitligasaison.
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