Ernsting’s family ist einer der größten Textileinzelhändler Deutschlands und ein Familienunternehmen ohne Börsennotierung. Die Ernsting’s family GmbH & Co. KG aus Coesfeld-Lette betreibt mehr als 2.000 Filialen in Deutschland, Österreich und den Niederlanden, beschäftigt rund 13.000 Menschen und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025/26 etwa 1,6 Milliarden Euro Umsatz. Die Anteile liegen über eine Holding- und Stiftungskonstruktion bei der Gründerfamilie Ernsting, das operative Geschäft führt ein angestelltes Management um CEO Timm Homann.
Key Takeaways
- Ernsting’s family gehört vollständig der Gründerfamilie Ernsting; das Unternehmen ist nicht börsennotiert und hat keine externen Investoren.
- Die Anteile werden über die Holding EHG GmbH & Co. KG und die Ernsting Stiftungen Beteiligungs GmbH gebündelt; die genaue Verteilung innerhalb der Familie ist nicht veröffentlicht.
- Gründer Kurt Ernsting (1929–2011) eröffnete 1967 den ersten „minipreis“-Laden und gründete 1968 die Minipreis Ernsting Handels-GmbH.
- Der Umsatz stieg laut Unternehmensangaben von rund 1,46 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2023/24 auf etwa 1,6 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2025/26.
- Im September 2026 feierte Ernsting’s family die 2.000. Filiale; expandiert wird in Deutschland, Österreich und seit 2024 wieder in den Niederlanden.
- Die Geschäftsführung wird 2026 umgebaut: Eva-Maria Graf folgt schrittweise auf den langjährigen CFO Horst Beeck, Stephan Harms übernahm zum 1. Juli 2026 den Einkauf.
- Der Online-Shop existiert seit 2003; 2022 wickelte das Unternehmen rund 4 Millionen Online-Bestellungen ab, ein Online-Umsatzanteil wird nicht veröffentlicht.
| Name | Ernsting’s family GmbH & Co. KG |
| Gegründet | 1968 (erster „minipreis“-Laden 1967) durch Kurt und Lilly Ernsting |
| Sitz | Coesfeld-Lette, Nordrhein-Westfalen |
| Eigentümer | Familie Ernsting über die Holding EHG GmbH & Co. KG und die Ernsting Stiftungen Beteiligungs GmbH; nicht börsennotiert |
| Branche | Textileinzelhandel (Damen-, Herren- und Kindermode, Heimtextilien) |
| Umsatz | ca. 1,6 Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2025/26); 1,46 Milliarden Euro (2023/24) |
| Mitarbeiter | rund 13.000 (2026); 12.510 (Geschäftsjahr 2023/24) |
| Filialen | mehr als 2.000 in Deutschland, Österreich und den Niederlanden (September 2026) |
Geschichte und Herkunft
Die Geschichte von Ernsting’s family beginnt 1967 in der Waschküche eines Textilgeschäfts in Coesfeld. Dort eröffnete Kurt Ernsting gemeinsam mit seiner Frau Lilly den ersten „minipreis“-Selbstbedienungsladen. 1968 folgte die Gründung der „Minipreis Ernsting Handels-GmbH“, mit der der Aufbau einer Filialkette begann; 1971 entstanden in Coesfeld-Lette Verwaltung und Lager für die damals 40 Filialen. Der Name änderte sich 1972 in „miniladen“, 1985 in „Ernsting’s miniladen“ und 1990 in „Ernsting’s family“.
Parallel wuchs die Infrastruktur: 1985 entstand ein von Santiago Calatrava entworfenes Vertriebszentrum in Lette, 1993 ein Verteilzentrum in Coswig-Klieken, 2001 die von David Chipperfield geplante Zentrale. 2010 folgte das erste Geschäft in Österreich.
Kurt Ernsting zog sich 2006 aus dem operativen Geschäft zurück und starb am 7. Dezember 2011 im Alter von 82 Jahren; das Unternehmen zählte damals rund 1.600 Filialen und etwa 10.000 Beschäftigte. Mitgründerin Lilly Ernsting starb im März 2023. Das Ehepaar gründete 1995 die gemeinnützige Kurt und Lilly Ernsting Stiftung sowie die Ernsting Stiftung Alter Hof Herding für Kunst und Kultur in der Region.
Eigentümerstruktur im Detail

Ernsting’s family ist ein reines Familienunternehmen ohne Börsennotierung und ohne Finanzinvestoren. Die operative Gesellschaft ist die Ernsting’s family GmbH & Co. KG in Coesfeld. Über ihr steht laut Handelsregister die EHG GmbH & Co. KG als Holding der Gruppe. Schwestergesellschaften sind die Ernsting’s family Austria GmbH, die 2023 gegründete Ernsting’s family Netherlands B.V. und die Ernsting’s real estate GmbH & Co. KG.
Eine zentrale Rolle spielt die Ernsting Stiftungen Beteiligungs GmbH in Coesfeld. Sie hieß bis Februar 2023 EHG Service GmbH, hat laut Handelsregister den Zweck, Beteiligungen an der Ernsting’s-family-Gruppe zu erwerben und zu verwalten, und veröffentlicht den Konzernabschluss im Unternehmensregister. Ihr Name verweist darauf, dass die Familienanteile in Stiftungen gebündelt sind: Bereits 1997 wurde die nicht gemeinnützige Familienstiftung Ernsting anerkannt, in deren Vorstand laut Stiftungsverzeichnis des NRW-Innenministeriums mit Karin und Stephan Ernsting Angehörige der Gründerfamilie sitzen. Geschäftsführer der Beteiligungs-GmbH ist seit August 2023 Jan Wilmking.
Wie die Anteile zwischen den Nachkommen von Kurt und Lilly Ernsting und den Stiftungen verteilt sind, ist nicht veröffentlicht; kursierende Prozentangaben sind nicht belegbar. Die Familie kontrolliert die Gruppe, ist aber nicht in der operativen Geschäftsführung vertreten. Der Spiegel berichtete im Oktober 2023 über einen Streit innerhalb der Familie um ein Kunstwerk am Firmensitz, der die Eigentümerverhältnisse jedoch nicht veränderte.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Das Jahr 2026 steht im Zeichen eines Umbaus der Geschäftsführung. Wie Fashion United im Juli 2026 berichtete, übernahm Stephan Harms zum 1. Juli 2026 als Chief Procurement Officer den Einkauf; seine Vorgängerin Margret Langenau ging Ende Juni in den Ruhestand. Der seit 2012 amtierende Finanzchef Horst Beeck verlässt das Unternehmen Anfang 2028, seine Nachfolgerin Eva-Maria Graf tritt im November 2026 ein. Weitere Geschäftsführer sind Adrian Cüppers, Daniel Köster und David Kösters; CEO bleibt Timm Homann.
Operativ wächst das Unternehmen weiter. Im Juli 2024 kündigte Ernsting’s family den Neustart in den Niederlanden mit vier Filialen an, die erste eröffnete im September 2024 in Wageningen; 2026 folgte ein niederländischer Online-Shop. Ende September 2026 meldete das Unternehmen die 2.000. Filiale. Am 27. August 2026 fiel der Spatenstich für die Erweiterung des Logistikstandorts Klieken: Laut Landkreis Wittenberg entsteht dort bis Ende 2027 eine Sortier- und Kommissionierhalle; die Zahl der Beschäftigten soll von 488 auf bis zu 652 steigen.
Für das Geschäftsjahr 2025/26 (bis 30. Juni 2026) nennt das Unternehmen rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz, mehr als 13.000 Mitarbeitende und über 2.000 Filialen. Im Geschäftsjahr 2023/24 waren es rund 1,46 Milliarden Euro, 12.510 Beschäftigte und etwa 1.925 Filialen. Gewinnzahlen kommuniziert Ernsting’s family nicht; sie sind nur über den hinterlegten Konzernabschluss einsehbar.
Geschäftsmodell und Online-Geschäft
Ernsting’s family verkauft preiswerte Mode für die ganze Familie mit Schwerpunkt auf Damen- und Kindermode, ergänzt um Herrenbekleidung, Heimtextilien und Spielwaren. Rund die Hälfte der Filialen sind kleine Einzelgeschäfte in Innenstädten und ländlichen Lagen. Seit 2019 zählt das Unternehmen laut EHI zu den sechs größten Bekleidungseinzelhändlern in Deutschland; 2017 erhielt es den Deutschen Handelspreis, 2022 den Fairtrade-Award.
Der Online-Shop ging 2003 ans Netz, seit 2013 gibt es eine App mit Click-and-Collect. 2022 wurden rund 4 Millionen Online-Bestellungen abgewickelt; 2023 nahm am Hauptsitz ein vollautomatisches Kartonlager für rund 290.000 Kartons den Betrieb auf. Welchen Anteil der Online-Handel am Gesamtumsatz hat, veröffentlicht das Unternehmen nicht.
FAQ
Wem gehört Ernsting’s family? Der Gründerfamilie Ernsting. Die Anteile werden über die Holding EHG GmbH & Co. KG und die Ernsting Stiftungen Beteiligungs GmbH gehalten; die Verteilung innerhalb der Familie ist nicht veröffentlicht.
Ist Ernsting’s family börsennotiert? Nein. Das Unternehmen ist eine GmbH & Co. KG in Familienbesitz ohne Aktionäre oder Finanzinvestoren.
Wer führt Ernsting’s family heute? CEO ist Timm Homann. Eva-Maria Graf kommt im November 2026 als künftige Finanzchefin hinzu und löst Horst Beeck bis Anfang 2028 ab.
Wie viel Umsatz macht Ernsting’s family? Für das Geschäftsjahr 2025/26 nennt das Unternehmen rund 1,6 Milliarden Euro, im Geschäftsjahr 2023/24 waren es rund 1,46 Milliarden Euro.
Wie viele Filialen hat Ernsting’s family? Im September 2026 wurde die 2.000. Filiale eröffnet. Die Geschäfte verteilen sich auf Deutschland, Österreich und die Niederlande.
Wer hat Ernsting’s family gegründet? Kurt Ernsting (1929–2011) und seine Frau Lilly (1930–2023) eröffneten 1967 den ersten „minipreis“-Laden in Coesfeld; 1968 folgte die GmbH-Gründung.
Fazit
Ernsting’s family bleibt auch 2026 ein Familienunternehmen im klassischen Sinn: Die Nachkommen von Kurt und Lilly Ernsting kontrollieren die Gruppe über Holding und Stiftungen, während ein professionelles Management um Timm Homann das Geschäft führt. Mit rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz, mehr als 13.000 Beschäftigten und der 2.000. Filiale zählt das Unternehmen aus Coesfeld zu den größten deutschen Modehändlern. Die Logistikinvestition in Klieken und der Ausbau in den Niederlanden zeigen, dass die Eigentümerfamilie weiter auf Wachstum setzt, ohne die Unabhängigkeit aufzugeben.