Eni S.p.A. ist der größte Energiekonzern Italiens und einer der bedeutendsten Öl- und Gasproduzenten Europas. Der Konzern aus Rom ist seit 1995 börsennotiert, doch der Staat bleibt über die Cassa Depositi e Prestiti (CDP) und das Wirtschafts- und Finanzministerium (MEF) mit rund 33 Prozent der mit Abstand größte Aktionär. Stand 2026 erwirtschaftet Eni gut 82 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt rund 32.000 Menschen.
Key Takeaways
- Die Cassa Depositi e Prestiti hält laut Eni-Aktionärsregister (Stand Juni 2026) 30,92 Prozent, das Wirtschaftsministerium 2,17 Prozent – zusammen kontrolliert der Staat 33,09 Prozent.
- Größte private Aktionäre sind BlackRock (4,64 Prozent) und der Unternehmer Romano Minozzi (3,27 Prozent).
- Eni wurde 1953 als staatliche Holding Ente Nazionale Idrocarburi gegründet; Enrico Mattei prägte den Konzern bis zu seinem Tod 1962.
- Zwischen 1995 und 1998 brachte der Staat in vier Tranchen die Mehrheit der Aktien an die Börsen in Mailand und New York.
- 2025 erzielte Eni laut Geschäftsbericht 82,2 Milliarden Euro Umsatz und 2,6 Milliarden Euro Nettogewinn (bereinigt: 5,0 Milliarden Euro).
- Claudio Descalzi ist seit 2014 Vorstandschef und wurde im Mai 2026 für drei weitere Jahre bestätigt; den Verwaltungsrat leitet Giuseppina Di Foggia.
- Mit dem „Satellitenmodell“ holt Eni Finanzinvestoren wie KKR (Enilive) und Ares (Plenitude) in Tochtergesellschaften und kauft parallel eigene Aktien zurück.
| Name | Eni S.p.A. |
| Gegründet | 10. Februar 1953 (als Ente Nazionale Idrocarburi; Vorläufer Agip seit 1926) |
| Sitz | Rom, Italien |
| Eigentümer | CDP 30,92 %, MEF 2,17 %, BlackRock 4,64 %, Romano Minozzi 3,27 %, Rest Streubesitz (Stand Juni 2026) |
| Branche | Öl und Gas, Raffinerie, Chemie, erneuerbare Energien |
| Umsatz | 82,2 Milliarden Euro (2025); 88,8 Milliarden Euro (2024) |
| Mitarbeiter | 32.349 (Ende 2025) |
| Führung | Claudio Descalzi (CEO seit 2014), Giuseppina Di Foggia (Vorsitzende) |
Geschichte und Herkunft
Die Wurzeln von Eni reichen bis 1926 zurück, als der Staat die Azienda Generale Italiana Petroli (Agip) gründete. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte Agip abgewickelt werden, doch Liquidator Enrico Mattei ließ in der Poebene nach Erdgas bohren und wurde fündig. Am 10. Februar 1953 bündelte ein Gesetz Agip und weitere Staatsbetriebe in der Holding Ente Nazionale Idrocarburi, kurz Eni, mit Mattei als erstem Präsidenten.
Mattei machte Eni binnen weniger Jahre zu einem internationalen Akteur und schloss Förderverträge mit Ländern wie Ägypten und dem Iran, die den Förderländern mehr Erlöse ließen als üblich. Am 27. Oktober 1962 starb er beim Absturz seines Firmenflugzeugs nahe Bascapè; die Umstände wurden nie vollständig aufgeklärt. Der sechsbeinige Hund als Markenzeichen stammt aus seiner Zeit.
Bis Anfang der 1990er Jahre blieb Eni ein reiner Staatsbetrieb. 1992 wurde die Holding in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, zwischen 1995 und 1998 platzierte das Finanzministerium in vier Tranchen rund 63 Prozent des Kapitals an den Börsen in Mailand und New York. Seither ist Eni Mitglied im FTSE MIB und im EURO STOXX 50.
Eigentümerstruktur im Detail

Laut Aktionärsregister von Eni (Stand 22. Juni 2026) ist die Cassa Depositi e Prestiti mit 30,92 Prozent größter Einzelaktionär; das Wirtschafts- und Finanzministerium hält direkt weitere 2,17 Prozent. Da die CDP selbst mehrheitlich dem Ministerium gehört, kontrolliert der Staat 33,09 Prozent. Das genügt, um die Kandidatenliste für den Verwaltungsrat zu stellen und damit über Vorsitz und Vorstandschef zu entscheiden.
Auf der privaten Seite meldet BlackRock 4,64 Prozent, der Keramikunternehmer Romano Minozzi 3,27 Prozent. Insgesamt liegen laut Eni 46,32 Prozent der Aktien bei institutionellen Investoren und 14,88 Prozent bei Privatanlegern; gut 54 Prozent befinden sich in italienischer Hand.
Im Oktober 2024 verkaufte das Finanzministerium 2,8 Prozent für rund 1,4 Milliarden Euro an institutionelle Investoren. Gleichzeitig kauft Eni Jahr für Jahr eigene Aktien zurück und zieht sie ein; weil die Aktienzahl sinkt, steigt der Anteil der verbleibenden Aktionäre – deshalb hält die CDP heute prozentual mehr als vor wenigen Jahren. Für 2026 genehmigte die Hauptversammlung ein Rückkaufprogramm über bis zu 303 Millionen Aktien, rund zehn Prozent des Kapitals; Mitte September 2026 hielt Eni bereits 5,18 Prozent als eigene Aktien.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Das Geschäftsjahr 2025 schloss Eni laut Geschäftsbericht mit 82,2 Milliarden Euro Umsatz ab, nach 88,8 Milliarden Euro im Vorjahr. Der bereinigte Nettogewinn sank leicht auf 4,99 Milliarden Euro, der ausgewiesene Nettogewinn blieb mit 2,61 Milliarden Euro stabil. Die Förderung stieg auf 1,73 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag, die Nettoverschuldung fiel auf 9,4 Milliarden Euro. Die Dividende für 2025 beträgt 1,05 Euro je Aktie, für 2026 sind 1,10 Euro angekündigt.
Im Zentrum der Strategie steht das Satellitenmodell: Eni gliedert Geschäftsbereiche in eigenständige Gesellschaften aus und holt Finanzinvestoren an Bord. Beim Biokraftstoff- und Tankstellengeschäft Enilive ist KKR mit 30 Prozent beteiligt. Beim Strom- und Erneuerbaren-Ableger Plenitude schloss Eni im November 2025 den Verkauf von 20 Prozent an Fonds von Ares Management für rund 2 Milliarden Euro ab. Im März 2026 folgte eine Kapitalerhöhung von rund 1,5 Milliarden Euro bei einer Bewertung von 10,75 Milliarden Euro: Plenitude wird künftig gemeinsam kontrolliert und entkonsolidiert, Eni behält knapp 65 Prozent. Weitere Satelliten sind Vår Energi in Norwegen und Azule Energy in Angola.
Personell setzt Rom auf Kontinuität: Die Regierung Meloni nominierte Claudio Descalzi im April 2026 erneut, und der am 6. Mai 2026 gewählte Verwaltungsrat bestätigte ihn tags darauf als CEO; Vorsitzende bleibt Giuseppina Di Foggia. Nach einem starken zweiten Quartal mit über 2,3 Milliarden Euro bereinigtem Gewinn hob der Konzern das Rückkaufvolumen für 2026 von zunächst 1,5 auf 3,4 Milliarden Euro an.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
Kerngeschäft bleibt die Öl- und Gasförderung mit Schwerpunkten in Afrika, dem Mittelmeer, Kasachstan und Norwegen; Ende 2025 wies Eni Reserven von rund 6,9 Milliarden Barrel Öläquivalent aus. Hinzu kommen Gashandel, Raffinerien, die Chemietochter Versalis, Plenitude und Enilive. In Deutschland betreibt Eni laut Wikipedia rund 480 Tankstellen (Agip, Enistation) und ist an den Raffinerien Bayernoil und PCK Schwedt beteiligt.
Kritik und Kontroversen
Eni steht regelmäßig in der Kritik von Umweltorganisationen, vor allem wegen der Förderung im Nigerdelta. Aufsehen erregte der Prozess um das Ölfeld OPL 245, in dem die Mailänder Staatsanwaltschaft Eni und Shell Korruption vorwarf; im März 2021 wurden Eni und Descalzi freigesprochen. 2008 wurde Eni laut Wikipedia wegen DDT-Einleitungen in den Lago Maggiore zu einer Milliardenbuße verurteilt.
FAQ
Wem gehört Eni? Größter Aktionär ist der italienische Staat, der über die Cassa Depositi e Prestiti (30,92 Prozent) und das Wirtschaftsministerium (2,17 Prozent) zusammen 33,09 Prozent hält. Der Rest liegt bei institutionellen Investoren und Privatanlegern.
Ist Eni ein Staatskonzern? Eni ist seit den 1990er Jahren teilprivatisiert. Da der Staat mit rund 33 Prozent größter Aktionär ist und die Führung nominiert, gilt Eni als staatlich kontrolliert.
Wer ist Chef von Eni? Claudio Descalzi führt den Konzern seit 2014 als CEO und wurde im Mai 2026 für weitere drei Jahre bestätigt. Vorsitzende des Verwaltungsrats ist Giuseppina Di Foggia.
Was sind Plenitude und Enilive? Plenitude bündelt Strom- und Gasvertrieb, Erneuerbare und Ladeinfrastruktur; Enilive umfasst Bioraffinerien und das Tankstellennetz. Beteiligt sind Ares (Plenitude) und KKR mit 30 Prozent (Enilive).
Warum steigt der Staatsanteil trotz Aktienverkauf? Eni kauft eigene Aktien zurück und zieht sie ein. Dadurch sinkt die Gesamtzahl der Aktien, und der Anteil der verbleibenden Aktionäre – auch der CDP – steigt rechnerisch.
Fazit
Eni ist ein Hybrid aus Staatskonzern und Börsenunternehmen. Rund ein Drittel des Kapitals liegt über CDP und Finanzministerium beim italienischen Staat, der die Führung bestimmt; zwei Drittel gehören Fonds und Kleinanlegern, die von steigenden Dividenden und Rückkäufen profitieren. Mit dem Satellitenmodell öffnet Eni seine Zukunftssparten für Investoren wie KKR und Ares – die Kontrolle bleibt in Rom.
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